Rusza hat geschrieben: Sa 8. Mär 2025, 08:47
Hier würden mich mal die Herkunft und das Alter der Täter interessieren.Das die Zahlen ansteigen muß doch Gründe haben.Auch wo an welchen Orten Belästigungen usw. stattfinden dürfte eine Rolle spielen.
Ich weiss nicht, ob du dich auf den Artikel im Startbeitrag beziehst oder auf die Sendung von Anja Reschke.
Die Umfrage, deren Zahlen im web.de Artikel zitiert werden, ist
hier zu finden und kann als deutschsprachige Pressemitteilung (
PDF) geladen werden.
Darin sind genau die berichteten Zahlen zu erlebter Gewalt zu finden, aber keine Aufschlüsselungen nach Täter*innen oder Tatverdächtigen. Ausserdem bezieht es sich quasi ausschliesslich auf den öffentlichen Raum. Es ist logisch, dass insbesondere Sachen wie Belästigungen und K.O. Tropfen eher im städtischen Umfeld und im Freizeitbereich (Disco, Club, Sport/Fitness) auftreten. Dazu habe ich aber keine Statistik gefunden.
Das Thema ist genau wie bei Anja Reschke "Geschlechtsspezifische Gewalterfahrungen von Frauen in Deutschland" und verweist auch auf das Lagebild „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten 2023“ des BKA:
Pressemitteilung mit Kernpunkten, Lagebild mit allen Zahlen als
PDF.
Das Lagebild stützt sich allerdings nur auf polizeiliche Daten. Es fehlen also Dunkelfeldstudien wie im
"Monitor Gewalt gegen Frauen" des DIMR. Nicht angezeigte Fälle (zB Catcalling) gehen nicht in polizeiliche Statistik ein, ebenso wie "abgewiesene" oder "unter den Teppich gekehrte" Fälle. Die PKS enthält ausserdem nur Tatverdächtige, nicht die nach den Ermittlungen tatsächlich angeklagten oder verurteilten Personen. Es gibt diverse Untersuchungen, dass als "ausländisch" gedeutete (
migrantisierte) Personen häufiger als Tatverdächtige genannt werden, als "deutsch" gedeutete. Ausserdem werden Taten eher angezeigt, wenn eine "ausländisch" gedeutete Person als tatverdächtig vermutet wird.
Dafür enthält das Lagebild auch häusliche und Partnerschaftsgewalt und Femizide, also Gewalt und Tötungen von Frauen, bei denen ihr Geschlecht eine wesentliche Rolle spielte (im Gegensatz zu Habgier, Raub o.ä.)
DIe PKS und das Lagebild sind von etlichen fachkundigen Leuten und Institutionen kommentiert worden. Die wesentliche Gemeinsamkeit überrascht nicht: Gewalt gegen Frauen ist männlich mit Quoten zwischen 80 und 95% je nach Delikt und zwar mit einer starken Häufung der Altersgruppe 30-40.
"Herkunft" - du meinst vermutlich, wie viele Vorfahren bereits innerhalb der heutigen deutschen Grenzen gelebt haben - hat hingegen unter Berücksichtigung der demografischen Verteilung keine Signifikanz.
Gleiches gilt für Gewaltkriminalität generell. Die Kernmerkmale der Tatverdächtigen sind, in absteigender Sortierung der Signifikanz, männlich, jung und in/aus sozial eher prekärem Umfeld. "Herkunft" an sich macht da keinen Unterschied.
Ich fände es falsch, polizeilich erfasste Gewalttaten als wichtiger zu bewertena, als die alltäglichen, nicht angezeigten Vorfällen. Die Forsa-Umfrage und ähnliche Studien zeigen immer wieder auf, dass Alltags-Sexismus und sexistische Gewalt einen erheblichen Stress verursachen, weshalb sich viele (junge) Frauen einschränken.
Gleichzeitig ist das Risiko schwere Gewalt zu erfahren, wie Körperverletzung, sexualisierte bzw gegen die körperliche Selbstbestimmung gerichtete Gewalt oder Tötung(sversuche) am höchsten durch (ex-)Partner (ohne *) und im direkten Umfeld.