lexes hat geschrieben: Mi 19. Feb 2025, 10:32
Wünschen wir der Initiative auf jeden Fall Fortüne !
Ähm, nein?!
Der Bundesverband erotische und sexuelle Dienstleistungen hat dazu eine andere Meinung:
https://www.berufsverband-sexarbeit.de/ ... es-modell/
Gerade in den Ländern, die das "nordische Modell" eingeführt haben, ist zu beobachten, dass weder Prostitution als Ganzes zurückgeht, noch die wirklich problematischen Teile wie Menschenhandel, Zwangsprostitution, etc. die eh schon im illegalen Bereich sind. Im Klartext: Vorgebliche Ziele verfehlt.
Die Bedingungen für Sexarbeitende selbst haben sich dagegen arg verschlechtert. Einerseits durch Behörden, die jetzt massiv Druck ausüben auf "Nutzniessende", wie zum Beispiel normale Vermieter*innen (Wohnungsprostitution), die dann Privat-Wohnungen kündigen, Kinder und Partner*innen, die vom Einkommen der Sexarbeitenden leben, Taxifahrende, usw. Diese Art von Verbot wirkt also direkt gegen Sexarbeitende, weil sie von jeglichem normalen Umgang isoliert werden. Wenn sie sich zB als Kolleg*innen eine Wohnung teilen und eine Person für Housekeeping o.ä. anstellen, sind sowohl die Vermietenden als auch die Housekeeping-Person straffällig.
Übrig bleiben zweitens die illegalen Geschäfte. D.h. jene Bordelle und Zuhälterei etc, die eh illegal sind - und unter dem Druck auch mit Gewalt dafür sorgt, dass keinein sie verpfeift. Sexarbeitenden wird durch die Polizei gedroht, ihre Kinder, Wohnung, etc zu verlieren oder dass ihre Lebenspartner*innen angezeigt werden, wenn sie nicht die Betreiber*innen von Bordellen etc verraten - was sie, siehe oben, in körperliche Gefahr bringt. Wer in einem Zwangsverhältnis misshandelt und ausgebeutet wird, kann die Peiniger*innen auch nicht anzeigen, ohne selbst massiv Probleme zu bekommen (siehe oben).
Schliesslich sind auch die Kund*innen selbst arg darauf bedacht, um jeden Preis anonym zu bleiben. Je bürgerlicher und je mehr sie bei einem Outing zu verlieren hätten umso mehr. Das ermöglicht den Sexarbeitenden keine Backgroundchecks und keine Sicherheiten mehr. Selbst Handynummern können identifiziert werden. Da beim "nordischen Modell"
alle Kund*innen nichts mehr preis geben werden, ist die Unterscheidung zwischen offen auftretenden, also wahrscheinlich sicheren und anonymen, wahrscheinlich unsichereren nicht mehr möglich.
Das "nordische Modell" funktioniert einfach nicht, sondern verschärft die Probleme. Die im Grunde komplette Illegalisierung von Prostitution treibt alle in die Schattenwirtschaft, die sich mit Gewalt vor der Verfolgung abschottet und jede Art von Gangstertum anzieht. So wie das bei jeder Prohibition passiert. Weder sind Hilfen für weiter Sexarbeitende möglich, noch eine Bekämpfung der tatsächlichen Probleme.
Letztlich ist es eine rein ideologische Anti-Sexwork-Haltung, die ihre prinzipielle Abneigung nur modern "frauenfreundlich" verbrämt.
Nachweislich sinnvoll wäre eine Legalisierung plus Unterstützung. Sowohl durch Hilfsorganisationen wie durch Behörden. Sexarbeitende, normale Kund*innen und die nötige Infrastruktur für einen sicheren Dienstleistungbetrieb sollten genauso möglich sein, wie bei einem Nagel- oder Frisurenstudio. Wenn sich alle Beteiligten sicher sind, dass sie legal sicherer arbeiten können, könnten sich die Behörden auf die tatsächlichen Verbrechen konzentrieren.
Prostitution, Schwangerschaftsabbrüche, Substanzgebrauch (Rauschmittel etc), Sex vor und ausserhalb von Ehen: Nichts davon lässt sich verbieten. Es lassen sich nur Rahmenbedingungen schaffen, innerhalb derer die tatsächlichen Probleme angegangen werden.