MiriamR hat geschrieben: So 12. Jan 2025, 17:08
Und was macht "Queer.de"??
Reitet wieder einmal auf dem guten alten "Sauna-Thema" herum.... [...]
Entschuldigung, wenn ich eine Damen-Sauna besuche, erwarte ich dort nicht unbedingt Personen (Non-Binär, Binär, Enbys oder sonst etwas) mit Penis und Hodensack herumlaufen zu sehen.
Ich als Trans-Frau wäre gelinde gesagt geschockt, ich habe eine Dysphorie gegen jene Körperteile und dann soll ich das in einer Damen-Sauna ertragen müssen?? Nur weil sich jemand dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlt??
Nunja, "das Sauna-Thema" taucht als Beispiel gerade mal den letzten Absatz auf. In den anderen zehn klamüsert Nora Eckert - übrigens trans Frau wie du - die sehr gute Entscheidung des EuGH ausführlich auseinander und reflektiert auch auf die noch längst nicht durchgängige Akzeptanz nichtbinärer Belange - und letztlich auch nicht transgeschlechtlicher Menschen.
Auf die Verweigerung sprachlicher Sichtbarkeit, teilweise sogar durch Verbote, geht sie auch ein. Ich stimme ihr auch ausdrücklich zu, dass nicht nur die sprachliche, sondern auch die sonstige Teilhabe zu verhindern, mindestens durch Aussitzen und einfach nichts tun, teilweise aber auch offen feindlich, ein Verstoss gegen verfassungsmässige Grundrechte ist und sich letztlich gegen alle richtet, die nicht 100% cis, hetero und binär sind.
Diese Sauna-Sache ist schon ein sinnvolles Beispiel. Aber auch ein sehr schwieriges, weil es um ganz unterschiedliche Verwundbarkeiten, teilweise Traumata geht. Insofern nicht ganz glücklich gewählt, ja. Vor allem, weil zu viele Menschen reflexartig pro oder kontra reagieren. Ich lese jedenfalls fast nur sehr kategorische Meinungen und quasi keine tiefergehende Reflexion.
Ich finde die eigentliche Frage für mich durchaus nicht einfach zu beantworten: Wie können gleiche, aber einander sich widersprechende Bedürfnisse abgedeckt werden, und zwar, das sollte nicht vergessen werden, im engen Rahmen kommerzieller Angebote. Es ist ja nicht so, dass eine beliebige Anzahl Saunen - oder Sportvereine, Fitnessstudios, Umkleiden, etc. - für alle möglichen Gruppen mit bestimmten Bedürfnissen bereit gestellt werden könnte. Das scheitert alleine schon und vor allem am Geld, das insbesondere viele der Betroffenen nicht so üppig haben, und das auch nicht über die Masse ausgeglichen werden kann. Für die cis-bin-het Merhheit kannst du Nischenangebote machen. Da werden sich in vielen Fällen genug Interessierte finden, damit es sich lohnt. Aber je kleinteiliger die Zielgruppe, um so weniger und umso teurer.
Logisch, dass sich da manche ausgeschlossen fühlen. Auch zum Beispiel Menschen, die in jeder Hinsicht genauso weiblich sind wie du, aber aus was für Gründen keine genitale OP machen können. Das sind durchaus viele, denn auch die Gründe sind vielfältig; medizinisch, menschlich, finanziell, psychologisch, wie auch immer. Es besteht weder Anlass noch Anrecht, sich dafür auf die Schulter zu klopfen, dass eins selbst irgendwelche Körpermodifikationen gemacht hat. Unter ein bisschen anderen Umständen könnte jede trans Frau zu denen gehören, die ihre Genitalien nicht umschneidern lassen können. Diese trans Frauen sind in "gemischten" Räumen nicht nur frauenfeindlicher Gewalt ausgesetzt, sondern als trans Personen (und gerade trans Frauen) noch mehr gefährdet. Im Sauna-Raum selber, in den Bädern, den Umkleiden, den Duschen, ja sogar draussen davor.
Ja, viele Frauen, zum Beispiel muslimische, lesbische, durch männliche Gewalt traumatisierte, möchten in einer "Frauensauna" keine Penisse sehen. Selbst wenn der dazughörige Körper und die Person noch so (trans) weiblich oder inter ist. Auf der anderen Seite werden ausgerechnet mehrfach marginalisierte (trans) Frauen explizit ausgeschlossen, selbst wenn sie selbst muslimisch, lesbisch und_oder durch männliche Gewalt traumatisiert sind.
Ich finde unter diesen ganzen Randbedingungen keine wirklich guten und fairen Lösungen. Nicht mal FLINTA* Angebote, weil sie zumeist ein sehr grosses F haben, ein mittelgrosses L (1) und INTA* / TIAN* unter ferner liefen sich dann immer noch am Rand fühlen. Inklusive der Umgangsformen, die unter "uns" einfach noch mal anders sind; angefangen mit der sprachlichen Inklusion.
Deshalb ärgern mich so pauschale Statements, bei denen ich sofort weiss, wer damit untern Bus geworfen wird und dass es mal wieder die Benachteiligtesten sind.
Also ja: Das Sauna-Beispiel war in dem Artikel wohl nicht die beste Idee. Aber sie ist weder so pauschal und widersinnig zu beantworten wie in dem Sauna-Bund-Dings, noch so einfach wie bei dir.
(1) Heisst: Bei vielen "FLINTA*" Angeboten sind da 85% cis-binäre Frauen davon einige Prozent Lesben. Und diese 85% haben die gleichen Vorurteile, Unverständnis etc gegenüber trans, inter, nichtbinär, agender, etc, so dass sich das ganze nicht wirklich viel besser anfühlt.