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Mehr Beschäftigte in Pflegeberufen | Bundestag
Verfasst: Mi 20. Nov 2024, 12:40
von Anne-Mette
Gesundheit/Antwort
2023 sind rund 1,8 Millionen Frauen und Männer in Pflegeberufen beschäftigt gewesen. Das geht aus der Antwort (
20/13754) der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (
20/13529) der AfD-Fraktion hervor.
1,5 Millionen Beschäftigte (sozialversicherungspflichtig und ausschließlich geringfügig) hatten den Angaben zufolge eine deutsche Staatsangehörigkeit. Das waren 53.000 oder 3,7 Prozent mehr als im Jahr 2015. Der Beschäftigungszuwachs bei ausländischen Pflegekräften betrug im selben Zeitraum 188.000 oder 167 Prozent auf 299.000.
Das sogenannte Medianentgelt (mittleres Einkommen) in Pflegeberufen lag für Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit 2023 bei 3.954 Euro. Pflegekräfte mit ausländischer Staatsangehörigkeit kamen demnach im Mittel auf 3.519 Euro.
Die Zahl der Pflegebedürftigen stieg von rund 2,86 Millionen im Jahr 2015 auf rund 4,96 Millionen im Jahr 2021.
Re: Mehr Beschäftigte in Pflegeberufen | Bundestag
Verfasst: Mi 20. Nov 2024, 14:02
von Jaqueline
Hallo Anne-Mette,
vielen dank für den Beitrag. Ich sehe die geschilderte Entwicklung ebenfalls im Klinikbereich. Wenn ich an meine alte Klinik denke, sind in der Ausbildung fast nur noch Auszubildende ohne deutschen Pass. Auf Station der Klinik sah es nicht viel besser aus. Jetzt arbeite ich an einer kleinen Klinik, hier ist das Verhältnis nach etwas anders. Was den Beruf aus meiner Sicht für viele unattraktiv macht, sind die Schichten und die Bürokratie. Ohne Angestellte aus anderen Ländern wäre unser Gesundheitssystem nicht mehr funktionsfähig.
Ganz liebe Grüße
Jaqueline
Re: Mehr Beschäftigte in Pflegeberufen | Bundestag
Verfasst: Mi 20. Nov 2024, 16:01
von Blossom
Die Statistik besagt leider nichts über die Qualifikationen der in der Pflege tätigen - denn die geht m.E. mehr und mehr den Back runter. Ganz abgesehen von Sprachbarrieren durch zugewanderte Kräfte. Praktisches Beispiel des Missstands: Ich war gestern in Essen in einem Seniorenheim - um es nicht einen "Verwahrbunker" zu nennen, in dem auf (ich hatte dort ein gespräch mit der Leitung) aktuell zwei Dutzend Helferinnen nur eine examinierte Kraft kommt, die für alles die Verantwortung tragen muss?! Das allein ist verantwortungslos und sorgt bei den Fachkräften neben Schichtplänen, mieser Work-Life-Balance, schlechter Ausstattung, oft Materialmangel (ich habe den völlig leeren Pflegewagen auf einer Station gesehen, nachgehalkt und erfuhr, es seien die letzten beiden sauberen Handtücher!) und vielen anderen Punkten für ein schnelles Ausbrennen. Auch hörte ich Senioren, die den Kräften vorwarfen, nie Zeit zu haben und immer nur Schnell-Schnell zu machen. Mir wird Angst und Bange, wenn ich an die kommenden geburtenstarken Jahrgänge denke, die nunmehr ausscheiden und zugleich die Zahl der zu Pflegenden erhöhen. Und ich kann aus Erfahrung sagen, dass das gestern kein Einzelfall war. da nutzen auch sämtliche Kontrollmechanismen nichts (beim MDK angefangen, über Heimaufsicht, Apothekenprüfung, Betriebsschutz usw.), denn selbst das katastrophalste Haus ist immer noch besser als gar keines. Aus dem gestrigen Heim hätte ich die Bewohner am liebsten direkt verlegt! Und was mich am meisten ankotzt: Schon Ende der 1970er Jahre war allen klar, dass es genau so kommen würde. Getan wurde aber nichts! Stattdessen erklärte ein Bundesarbeitsminister mitte der 1980er noch frech in die Kamera lächelnd: Pflegen könne ja jeder, man brauche halt nur kräftige Hände und das Herz am rechten Fleck! Das ich nicht lache ... Und was erzählte mir gestern eine Schülerin aus dem ersten Lehrjahr (von der Uni-Klinik auf ein 6-wöchiges Praktikum geschickt): Wir lernen kaum noch etwas für Medikamente, Anatomie und Krankheitsbilder. Stattdessen steht Dokumentation, Pflegeplanung und Pflegetheorien im Vordergrund. Ja, geht's noch? Ihr seht, ich bin gelinde gesagt erbost und frustriert, auf welche Weise unser einmal so strahlendes Gesundheitssystem heruntergewirtschaftet wurde ... und ich bewerte einen Sozialstaat noch immer daran, wie er mit seinen Ärmsten, Kranken und der Hilfe Bedürftigen umgeht. Da kommen mir ganz freiHeinrich Heines Eingangszeilen aus seinen Nachtgedanken in den Sinn: "Denk ich ans deutsche Sozialsystem in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht Ich kann nicht mehr die Augen schließen und meine heißen Tränen fließen.
Re: Mehr Beschäftigte in Pflegeberufen | Bundestag
Verfasst: Mi 20. Nov 2024, 16:17
von Susi T
Die fast Verdopplung der Pflegefälle bei nahezu gleicher Anzahl der Pflegekräfte seid 2015 sagt ja eigentlich schon alles. Auch 2015 wurde schon festgestellt das es eine deutliche Unterversorgung gibt^^
Re: Mehr Beschäftigte in Pflegeberufen | Bundestag
Verfasst: Do 21. Nov 2024, 00:27
von Blossom
Blossom hat geschrieben: Mi 20. Nov 2024, 16:01
(ich hatte dort ein gespräch mit der Leitung)
Ergänze: eine befreundete Leitungskraft ... und ich habe unterschlagen, warum überhaupt dort war. Unmittelbar vorher habe ich dem Vorstand meiner Einrichtung mein dienstliches Schlüsselbund vor die Füße geworfen und den Arbeitsplatz nach einem Disput über dringend zu beseitigende Missstände mit dem Hinweis verlassen, dass ich meine Stelle zur Disposition stelle, wenn nicht zumindest auf die dringensten Punkte meiner vorgelegten Liste eingegangen würde. Ich musste mich bei der anderen Leitung einfach mal auskotzen, der es nicht anders ergeht. Am Mittwoch bin ich der Arbeit einfach ferngeblieben ... und bekam am Nachmittag einen Anruf der obersten Ebene, ob ich zum einem Abendessen bereit wäre, bei dem man doch sicher in entspannterer Atmosphäre über alles noch einmal reden könne. Ich habe mir Bedenkzeit erbeten, erklärt diese Woche meine Überstunden zu verringern und mich am kommenden Montag zu melden.
Ihr seht also, wie frustriert, ja wütend ich inzwischen bin.
Re: Mehr Beschäftigte in Pflegeberufen | Bundestag
Verfasst: Do 21. Nov 2024, 01:42
von Magdalena
Hallo,
was Blümchen so ausführlich beschrieben hat, trifft mittlerweile in der Wirtschaft auf viele Firmen zu. Die Verwaltung wird immer aufgeblähter. Was man früher noch auf dem kurzen Dienstweg klären konnte, dafür müssen jetzt Anträge gestellt werden. Welche dann durch alle Instanzen auf Genehmigung warten. Das kann, wenn es besonders wichtig ist, schon mal Jahre in Anspruch nehmen.
Viele liebe Grüße von Magdalena
Re: Mehr Beschäftigte in Pflegeberufen | Bundestag
Verfasst: Do 21. Nov 2024, 07:04
von Christiane
Magdalena hat geschrieben: Do 21. Nov 2024, 01:42
Hallo,
was Blümchen so ausführlich beschrieben hat, trifft mittlerweile in der Wirtschaft auf viele Firmen zu. Die Verwaltung wird immer aufgeblähter. Was man früher noch auf dem kurzen Dienstweg klären konnte, dafür müssen jetzt Anträge gestellt werden.
Kann ich nur unterschreiben. Am Anfang bin ich schnell zu
meinem Chef, habs mit ihm besprochen und dann
gehandelt.
Am Schluß waren noch 2 Hirarchieebenen dazwischen
eingezogen und ich mußte ein Ticket eröffnen.
Aus ursprünglich 10 - 15 Minuten wurden so Tage.
Flexibel ist anders.
Gruß
Christiane