missy hat geschrieben: Mo 18. Nov 2024, 21:16
Ich mag an dieser Stelle auch keine Verharmlosungen. Ich finde es wirklich bewundernswert, wie du in kürzester Zeit auf alle möglichen Unterlagen zugreifst, Quellen zitierst, Belege unterschiedlichster Art anführst. Aber es fühlt sich manchmal auch an wie Schönreden. Sorry.
Es liegt mir fern, irgendetwas verharmlosen zu wollen. Ich denke, genau das Gegenteil sagt mein Post aus:
Es ist nichts neues. Ich finde es etwas seltsam und auch etwas unangebracht, aus diesem kleinen Absatz jetzt einen aktuellen, überraschenden Skandal zu konstruieren.
Frau Dr. Slowik, ist Berlin eine sichere Stadt?
Berlin ist so sicher wie viele andere Städte in Deutschland und sicherer als manch andere Hauptstädte Europas.
Gibt es No-go-Areas?
Grundsätzlich nicht. Es gibt allerdings Bereiche — und so ehrlich müssen wir an dieser Stelle sein — da würde ich Menschen, die Kippa tragen oder offen schwul oder lesbisch sind, raten, aufmerksamer zu sein. Wachsam sollte man ohnehin in vielen Metropolen an bestimmten öffentlichen Orten zum Selbstschutz vor jedweder Kriminalität sein.
Sie sagt, was seit Jahren alle wissen: Wenn du zu einer betroffenen Minderheit gehörst, dann pass mehr auf. Warum jetzt? Nunja, es war die Frage und es ist die aktuelle Weltlage. So wie nach 2001-09-11 gegen Muslime. Ende 70er Anfang 80er gegen LInke und Grüne. Die ganze Zeit gegen Homosexuelle und trans Personen. Das gab nur pressemässig nicht so viel her, ist aber in einigen Medien dokumentiert.
Ich finde es also etwas seltsam, jetzt so überrascht und empört zu sein. Was hätte ich sagen sollen,
"willkommen in der Realität vieler marginalisierter Menschen. Schade, dass ihr sie bisher ignorieren konntet"?
Sie sagt aber auch
"Berlin ist so sicher wie viele andere Städte in Deutschland und sicherer als manch andere Hauptstädte Europas." Und das ist auch richtig.
missy hat geschrieben: Mo 18. Nov 2024, 21:16
Es sind durchschnittliche Männer.
Vielleicht ganz durchschnittliche Männer in bestimmten Wohngebieten. Sonst hätte die Polizeipräsidentin nicht den Anlass, in dieser Form zu warnen. Und wenn sie das tut, möchte ich dazu Zahlen sehen, die sich auf dieses Quartier beziehen. Und da hilft mir vermutlich auch nicht das Berliner Monitoring mit dem Schwerpunktthema transfeindliche Gewalt.
Nee nee. Es liegt nicht an den
Wohngegenden. Zumindest für queerfeindliche Gewalt sagt das Monitoring in der Zusammenfassung:
LSBTIQ*-feindliche Taten werden insbesondere in Regionen mit sichtbarem und offenem queerem Leben angezeigt.
"¢ Die angezeigten trans- und homophoben Straftaten in Berlin weisen weiterhin geografische Schwerpunkte in LSBTIQ*-Ausgeh- und Wohnvierteln auf.
...
Die Zeitpunkte LSBTIQ*-feindlicher Straftaten überschneiden sich mit dem Ausgehleben im öffentlichen Raum — im Frühling und Sommer, am Wochenende und in den Abendstunden
Also dort, wo die Opfer sich aufhalten, räumlich und zeitlich.
Die ermittelten Tatverdächtigen LSBTIQ*-feindlicher Straftaten sind nahezu ausnahmslos männlich, häufig jung und auffällig oft bereits polizeilich bekannt — sie agieren ebenso allein wie aus Gruppen heraus.
Junge. Männer.
Und für antisemitische Haltungen gibt es - neben dem Merkmal jung, männlich - vor allem verstärkende Indikatoren: Arm, ungebildet, rechts oder muslimisch. Da tun sich die jungen Männer nicht viel. Siehe zB
"Abschlussbericht zur Studie "Antisemitismus in der Gesamtgesellschaft von Nordrhein-Westfalen im Jahr 2024"" (
PDF), weil ich keine aktuellen Zahlen aus Berlin gefunden habe.
Also Grundgesetz ja, in jedem Fall. Da wo auch die gleichen Rechte für alle Menschen unabhängig von Herkunft, Religion und so stehen und die unantastbare Würde aller Menschen. Arme, Behinderte, Geflüchtete, nicht-Christen, usw können sich da sicherlich ein bitteres Lachen zu abringen.
Wir wissen alle, dass die Realität überall im Land nicht perfekt ist und noch nie war. Aber es wird besser. Und es
ist sogar besser als vor Jahrzehnten. Auch wenn die
Baseballschlägerjahre der 90er in rechten Hochburgen wohl wieder da sind.
Also nochmal: Dieser kurze Absatz erzählt nichts neues. Zumindest für Betroffene. Ich verharmlose nicht, sondern beklage, dass diese Normalität vieler Menschen jetzt so skandalisiert und vor allem ganz offenbar gegen bestimmte Menschen instrumentalisiert werden soll. Meinung vs Fakten.
Im Klartext: Nein, es sind nicht vor allem Zugewanderte, egal welcher Generation. Es sind nicht vor allem Muslime. Es sind junge Männer jeder Herkunft, die sich Gewalt gegen andere herausnehmen. Gegen Queers, gegen trans, gegen Frauen, jüdische Menschen und - sieh mal guck - gegen Menschen, die von ihnen als ausländisch gedeutet werden.