Unsere Geschichte
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Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
Jade
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Post 1 im Thema

Beitrag von Jade »

Liebe Community,

das geht hier doch alles sehr viel schneller als ich es dachte und bevor ich meine Geschichte 1000x in Teilen erzähle versuche ich sie hier einfach mal zu beschreiben.

Wahrscheinlich bin ich die 10000ste Bio-Frau die euch schreibt, weil ihr Mann CD ist. Vieles hab ich da bei euch schon gelesen, manches kam mir sehr bekannt vor. Aber von Anfang an:

Wir haben uns sehr jung kennengelernt, sind fast 40 Jahre ein Paar. Bei einer gemeinsamen Faschingsfeier (jedes Klischee wird gerade erfüllt) trug mein damaliger Freund/ jetziger Mann das erste Mal Damenstrümpfe. Das fand er toll, er hat's danach immer mal wieder gemacht und es war für uns beide okay.
Irgendwann hat er beim S** meinen BH ausprobiert. Fand er gut, wir haben nicht weiter drüber gesprochen, weil es auch für mich kein Problem war und das als gelegentliche Spielart beibehalten.

Jahre später habe ich mich über den Rock in seinem Schrank gewundert. Der hing ganz hinten, war für mich ein Zufallsfund auf der Suche nach etwas anderem und meiner war es nicht. Das war der Punkt denke ich heute, an dem ich vielleicht schon Mal das Gespräch hätte suchen sollen. Hab ich nicht, ich hab's lieber verdrängt.

Vor vielleicht 5 Jahren fing er mit einem Kilt an, zu Hause "Rock" zu tragen. Erst damit, dann Jeans Röcke. Generell finde ich sehr mutig was er macht und wie er es macht. Sich über die bestehenden Konventionen hinweg setzten ist nicht einfach. Wir sind auch beide nicht so erzogen das wir es einfach so machen würden und es fällt beiden schwer bestimmte Dinge zu thematisieren. Wir hatten in der Zeit einige sehr emotionale Gespräche darüber, wie wir zueinander stehen, unsere Zukunft sehen und miteinander umgehen.

Damals habe ich gefragt, wo seine Reise hin geht und er konnte es mir nicht sagen. Wahrscheinlich könnte er es immer noch nicht. Ich habe darum gebeten, das er mit mir redet, mich teilhaben lässt an seiner Entwicklung und mich nicht quasi überrascht mit neuen Schritten. Aber das funktioniert irgendwie nicht. Eines Tages gab es plötzlich Damen Slips in der Wäsche die nicht mir gehörten und ich habe das Gefühl, es geht immer weiter. Immer wenn ich mich arrangiert habe mit dem was er tut, packt er eine Schippe drauf.

Mir ist klar, dass ich das Problem bin. Meine mangelnde Toleranz macht alles kaputt. Ich weiß auch, dass ich kein Recht dazu habe ihn einzuschränken. Jeder soll und muss so leben wie er ist und sein möchte. Das Problem ist, dass sich dieser Satz sehr viel leichter schreibt als lebt. Ich liebe meinen Mann, er ist mein Fels in der Brandung, mein bester Freund, mein Teampartner und mein Liebhaber. Aber ich kann mir nicht vorstellen irgendwann mit meiner besten Freundin zusammen zu leben. Ich denke viele von euch haben ähnliche Probleme in ihrer Beziehung gehabt oder haben sie nach wie vor.
Könnt ihr mir helfen? Ich möchte wirklich an mir arbeiten, ihn besser verstehen und vielleicht auch besser unterstützen aber: ich weiß nicht wie. Es macht mich fertig und uns beide unglücklich.

Dankeschön fürs bis zum Ende durchhalten. Ich hoffe, ich habe mich nicht zu komisch ausgedrückt und zuviel geschrieben. Falls mir jemand schreiben möchte: ich bin für jede Anregung/ kritische Bemerkungen/ alles dankbar.

Jade
missy
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Re: Unsere Geschichte

Post 2 im Thema

Beitrag von missy »

Liebe Jade,

ich sehe das etwas etwas anders als du: Nicht du bist das Problem.
IHR habt ein Problem.

Und da sehe ich zwei wichtige Ansatzpunkte:

1. Kommunikation. Du fühlst dich überrumpelt, wenn er mit neuen Ideen, Versuchen, Wünschen kommt und dich damit vor vollendete Tatsachen stellt. Das kann ich gut nachvollziehen. Es wäre einfacher, wenn ihr erst sprecht und euch einigt, was geht und was nicht.
Klar fällt es Kerlen oft verdammt schwer zu reden. Das können Frauen viel besser.
Ein möglicher Ansatz könnte für dich sein: "Du willst etwas? Dann rede vorher mit mir." - Oder (die härtere Variante): "Du darfst mich nicht (mehr) vor vollendete Tatsachen stellen. Das verletzt mich." D.h. du machst eine klare Ansage. Im Vorfeld.
Er will etwas, auch wenn er noch nicht genau weiß was. Und er will dich. Also wird er kompromissbereit sein. Er wird froh sein, wenn du nicht direkt und komplett blockierst.

2. Eigene Grenzen.
... ich kann mir nicht vorstellen irgendwann mit meiner besten Freundin zusammen zu leben.
Das ist eine klare Grenze. Ist die kommuniziert? Und liegt deine tatsächliche Grenze nicht früher? Das kannst nur du wissen. Aber ich glaube es ist wichtig, dass du für dich Klarheit gewinnst.
Alternative: Er steht irgendwann im Kleinen Schwarzen und in Pumps vor dir. (Hat wahrscheinlich fast jede von uns im Schrank.)
Versuch möglichst, deine Grenzen zu finden. Nicht von jetzt auf nun. Aber es ist wichtig.

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp: bestätige ihn darin zu reden. Das hilft euch beiden.

Liebe Grüße, missy
Toleranz ist lernbar, zu viel Toleranz ist heilbar.
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Re: Unsere Geschichte

Post 3 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Jade,

hm, ich glaube, du hast überhaupt nichts komisch ausgedrückt. So ist es halt. (Und wenn es doch nicht ganz so ist, wie du geschrieben hhaben magst, kannst du es korroigieren.)

Ich denke eher, es ist nicht leicht, die Worte zu finden. Und ich verstehe es so: Trotz aller guter Vorsätze und Bemühungen es auszuhalten, frisst es dich auf, wenn dein Partner dich immer wieder überrascht, wenn du gerade mit etwas klar gekommen bist.

Ich finde schon, dass du auch ein Recht hast, etwas auf dich selber zu achten und dich nicht für deinen Partner verzehren musst, auch wenn du ihn an sich magst, an ihm hängst, mit ihm zusammen sein und zusammen bleiben willst. Nicht umsonst bist du schon lange mit ihm zusammen.

Ich finde, was du schreibst, ist in gewisser Weise gar nicht so ungewöhnlich. Andere PartnerInnen hatten auch schon ähnliche "Probleme" gehabt, zum Teil sehr lange gehabt, die du mit dir zur Zeit noch herum tragen musst.

Was für dich "Problem_" ist suchst du dir doch nicht aus wie etwa die Tomaten im Supermarkt. Sie sind da und beschäftigen dich, vereinnahmen dich und genau genommen weisst du vorher nie, wie es esgentlich aussieht und wann und wie es sich wie ein Nebel in der Sonne irgendwann mal auflöst. Da ist es doch schon hilfreich, wenn man sie für sich als Probleme erkennen und benennen kann.

Darüber sprechen können mit einer anderen PartnerIn mag dir schon manchen gegenwärtigen Druck nehmen.

Liebe Grüße
Inga
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Re: Unsere Geschichte

Post 4 im Thema

Beitrag von Alicia »

Jade hat geschrieben: Di 30. Jul 2024, 16:55
Mir ist klar, dass ich das Problem bin. Meine mangelnde Toleranz macht alles kaputt.
Hallo Jade,

das kann ich so nicht unkommentiert stehen lassen. Gut, wir Männer sind maulfaul, wenn es um Beziehungsgespräche geht (Schatz, wir müssen reden...). Doch jedes Problem hat zwei Enden. Einerseits kannst DU dich nicht zum Gespräch durchringen, andererseits "würgt" dir dein Schatz einen Klopper nach dem anderen rein. So nach dem Motto, solange sie nicht motzt, immer feste druff. Das kann so auch nicht sein in einer fairen Beziehung.
Mir ist vor vielen Jahren, lange vor dem Outing, nach einem Solourlaub einmal ein Höschen in die Wäsche gerutscht: Da war dann Stimmung angesagt und es hat lange gedauert, das Thema wegzudiskutieren. Beziehungsdiskussion hardcore.

Du musst ihn mit dem neuen Fundstück nicht gleich auspeitschen, aber liebevoll thematisieren würde ich es an deiner Stelle schon. Und wenn es eine Bemerkung zum Aussehen des Fundstücks ist. Gefällt mir, lass doch mal sehen an dir....

Ich bin mir sicher, der Austausch hier im Forum wird dir noch weitere Vorschläge in den Posteingang spülen. Vielleicht ist ein passender dabei. Viel Glück und auch Mut.

Liebe Grüße, Alicia. (ki)
Eine Lebensweise zu erfinden ist nichts. Sie zu verinnerlichen, ein Anfang. Sie zu leben ist alles.
(Frei nach Otto Lilienthal)
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Re: Unsere Geschichte

Post 5 im Thema

Beitrag von Jade »

Alicia hat geschrieben: Di 30. Jul 2024, 18:20
Jade hat geschrieben: Di 30. Jul 2024, 16:55
Mir ist klar, dass ich das Problem bin. Meine mangelnde Toleranz macht alles kaputt.
Hallo Jade,

das kann ich so nicht unkommentiert stehen lassen. .

...Du musst ihn mit dem neuen Fundstück nicht gleich auspeitschen, aber liebevoll thematisieren würde ich es an deiner Stelle schon. Und wenn es eine Bemerkung zum Aussehen des Fundstücks ist. Gefällt mir, lass doch mal sehen an dir....

Ich bin mir sicher, der Austausch hier im Forum wird dir noch weitere Vorschläge in den Posteingang spülen. Vielleicht ist ein passender dabei. Viel Glück und auch Mut.

Liebe Grüße, Alicia. (ki)
Hallo Alicia!
Ja, ich glaube in dem Moment habe ich komplett überreagiert. Seitdem herrscht hier angespannte Funkstille....

Dankeschön Alicia, vor allem für den Mut den du mir wünscht.

LG Jade
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Re: Unsere Geschichte

Post 6 im Thema

Beitrag von Susi T »

Du bist sicherlich nicht die 10.000 Biofrau die hier schreibt, ich würde sigar sagen es ist selten und von daher toll das du dich kümmerst.

Wohin und wieweit sich dein Mann entwickelt kann nicht gesagt werden.
Ich selber habe mein Schatz kennen gelernt, als er/sie zunehmend mutigere Schritte in der Öffendlichkeit machte und ich war also von Beginn an begleitend dabei. Die erste Umarmung aus Freude über das erste gemeinsame Abendessen en femme im Restaurant schon beim zweiten Treffen, die Umarmung die gleichzeitig stürmisch, kraftvoll und zärtlich, nicht einengend war.
Das spätere sich Richtung weiblich überschlagen wollen(und sich damit fast selbst zerreißen), als ich nebenbei von einem Flirt mit einer Bardame sprach und die Frage ob ich lesbisch sei bejahte. Die spätere neujustierung unserer noch nicht Beziehung und irgendwann war genug gewartet/kennen gelernt.
Heute hab ich diesen Menschen an meiner Seite, der mich fest halten kann, der mich stützt wo ich schwanke und mir Geborgenheit gibt, Liebe, Zärtlichkeit und manchmal auch meine weibliche Stärke einfordert, von der ich garnicht wusste, das sie so in mir steckt. Zu Beginn kann das alles anstrengend sein und wir reden auch viel bzw. haben vieles angesprochen.
All diese Seiten sind immer vorhanden, aber welche gerade besonders viel Aufmerksamkeit haben wollen, weiß ich nicht, das laß ich einfach auf mich zukommen und damit fahr ich gut, denn was ich dafür bekomme möchte ich nicht missen. Einen starken Freund, der auch mal seine weibliche Seiten ausleben möchte und meine weiblichen Attribute immer liebt.

Lg Tira

P.S.: das in Worte zu fassen ist schwer, das ist normal.
Will auch nur erwähnen, das die Entwicklung nicht nur eine Richtung kennt.
Das beste Make-up einer Frau ist Glücklich sein
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Re: Unsere Geschichte

Post 7 im Thema

Beitrag von Hilke »

Jade hat geschrieben: Di 30. Jul 2024, 16:55 Ich liebe meinen Mann, er ist mein Fels in der Brandung, mein bester Freund, mein Teampartner und mein Liebhaber.
Liebe Jade,

dieser Satz sagt doch ganz viel, zumal er impliziert, dass es auf Gegenseitigkeit beruht.

Vielleicht wäre ein Ansatz, den ich mir früher gewünscht hätte, der Richtige.
Sag ihmdoch, dass Du es aktzeptieren kannst, dass er weibliche Nuancen ins tägliche Leben einbaut. Und dann frag ihm einfach direkt, ob er nicht gerne mal in die komplett weibliche Rolle schlüpfen möchte.
Ich hätte begeistert "Ja" gesagt.....ob ich mich dann raus getraut hätte, steht auf einem anderen Blatt.

ich könnte mir vorstellen, dass es so vielleicht den Bann bricht, der auf Eurer Kommunikation liegt und damit neue Wege öffnet.

Ich verweise an dieser Stelle mal auf den Thread "Julianes Weg" den ich persönlich ausgesprochen gut finde.

LG Hilke
Jade
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Re: Unsere Geschichte

Post 8 im Thema

Beitrag von Jade »


Liebe Hilke,

Dankeschön für deine Nachricht ☺️
Vielleicht sollte ich diese Möglichkeit auch mal überdenken. Es ist ja oft so, dass das was man selbst denkt beim Partner anders aufgefasst oder anders bedacht wird.
Für mich war nach dem letzten Gespräch untereinander eigentlich ausgesprochen was ich mir an weiteren Veränderungen noch zutraue und was nicht. Aber vielleicht war ich noch nicht klar genug und vielleicht wäre deine Herangehensweise auch eine Idee.

Dankeschön!
Jade
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Re: Unsere Geschichte

Post 9 im Thema

Beitrag von Jade »

Tira hat geschrieben: Di 30. Jul 2024, 19:09 Du bist sicherlich nicht die 10.000 Biofrau die hier schreibt, ich würde sigar sagen es ist selten und von daher toll das du dich kümmerst.

Wohin und wieweit sich dein Mann entwickelt kann nicht gesagt werden.
Ich selber habe mein Schatz kennen gelernt, als er/sie zunehmend mutigere Schritte in der Öffendlichkeit machte und ich war also von Beginn an begleitend dabei.....

Lg Tira

P.S.: das in Worte zu fassen ist schwer, das ist normal.
Will auch nur erwähnen, das die Entwicklung nicht nur eine Richtung kennt.
Hallo Tira,

Dankeschön für deine Nachricht. Dein / Euer weg war und ist viel länger als der den ich / wir gehen. Da wird's wohl auch für uns eine Lösung geben.
Jedenfalls baut mich euer Zuspruch hier gerade unendlich auf...

LG Jade
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Re: Unsere Geschichte

Post 10 im Thema

Beitrag von Jade »

Inga hat geschrieben: Di 30. Jul 2024, 18:07 Hallo, Jade,

..


.....

Ich denke eher, es ist nicht leicht, die Worte zu finden. Und ich verstehe es so: Trotz aller guter Vorsätze und Bemühungen es auszuhalten, frisst es dich auf, wenn dein Partner dich immer wieder überrascht, wenn du gerade mit etwas klar gekommen bist.
......


Liebe Grüße
Inga
Hallo Inga,

Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Danke. Ich hätte es so nicht ausdrücken können aber genau das ist mein Problem. Alleine es so zu lesen macht schon was mit mir.
Danke, Danke, Danke. Manchmal sind's die kleinen Dinge im Leben dir etwas bewirken und ich habe gerade das Gefühl, mich hier bei euch anzumelden war das Beste was in dieser Beziehung in der letzten Zeit passiert ist.

Ich wünsche dir einen schönen Abend!
LG Jade
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Re: Unsere Geschichte

Post 11 im Thema

Beitrag von Shoshana »

Hallo Jade,

Danke, dass du dich hier angemeldet hast. Wäre nur schön, wenn die eine oder andere Partnerin auch noch etwas beitragen würde.

Habe lange überlegt ob ich als x-ter Crossdresser auch noch etwas schreiben soll. Vieles ist schon geschrieben aber die Sätze hier
Jade hat geschrieben: Di 30. Jul 2024, 18:26 Ja, ich glaube in dem Moment habe ich komplett überreagiert. Seitdem herrscht hier angespannte Funkstille....
rufen nach Beachtung.
Also "angespannte Funkstille" ist sicher das Letzte was ihr beiden jetzt brauchen könnt. Dadurch löst sich kein Knoten und ich will mir gar nicht ausmalen welche Gedanken, Ängste, "¦ gerade in seinem Kopf Karussell fahren. Kann versuchen deine Probleme zu verstehen aber er hat sicher auch einen ganzen Haufen davon und weiß nicht wohin damit.
Für mich ist das Crossdressing eine Möglichkeit aus der Rolle "Mann" auszubrechen und endlich auch den jahrzehntelang unterdrückten Seiten meiner Persönlichkeit Raum geben zu können. Wie das bei deinem Mann ist? Wahrscheinlich weiß er es selbst nicht so recht.
Denke ihr müßt versuchen zu dem Thema eine offene Kommunikation hin zu bekommen. Das wird bestimmt nicht einfach und irgendwer muß anfangen.
Wenn du da wirklich deutlich überreagiert hast, kann ich mir vorstellen, dass eine Entschuldigung ein guter Anfang wäre. Weiß er wie es dir aktuell geht, welche Ängste dich plagen und wie verunsichert du bist? Erzähl es ihm, drückt euch gegenseitig und schaut euch tief in die Augen.

Wünsche euch viel Glück und jede Menge Mut.
LG, Shoshana
Care about what other people think and you will always be their prisoner. - Lao Tzu
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Re: Unsere Geschichte

Post 12 im Thema

Beitrag von Jade »

Shoshana hat geschrieben: Di 30. Jul 2024, 21:50 Hallo Jade,


Habe lange überlegt ob ich als x-ter Crossdresser auch noch etwas schreiben soll. Vieles ist schon geschrieben aber die Sätze hier
Jade hat geschrieben: Di 30. Jul 2024, 18:26 Ja, ich glaube in dem Moment habe ich komplett überreagiert. Seitdem herrscht hier angespannte Funkstille....
rufen nach Beachtung.
Also "angespannte Funkstille" ist sicher das Letzte was ihr beiden jetzt brauchen könnt. Dadurch löst sich kein Knoten und ich will mir gar nicht ausmalen welche Gedanken, Ängste, "¦ gerade in seinem Kopf Karussell fahren. Kann versuchen deine Probleme zu verstehen aber er hat sicher auch einen ganzen Haufen davon und weiß nicht wohin damit.

Wünsche euch viel Glück und jede Menge Mut.
LG, Shoshana
Guten Morgen Shoshana,

gestern habe ich deine Nachricht leider nicht mehr gelesen....
Du hast vollkommen Recht, "angespannte Funkstille" ist wirklich etwas sehr übles, für beide Partner. Tatsächlich haben wir inzwischen kurz gesprochen - meistens dauert es nicht so lange bis einer von uns den ersten Schritt macht - aber wir haben die Klärung unseres Problems erstmal aufs Wochenende verschoben.

Wir sind beide nicht so gut darin unsere Sorgen auf den Tisch zu legen, mein Mann kann es fast garnicht - in seiner Familie wurden Probleme immer unter den Teppich gekehrt. Vorallem beim Thema Bekleidung brauchen wir beide Ruhe, das geht nicht zwischen Tür und Angel. Wir werden am WE drüber sprechen, auch wenn er im stillen hofft das ich es bis dahin vergesse und er sich nicht artikulieren muß. Er macht einfach die Dinge am liebsten mit sich alleine aus und setzt sie dann kommentarlos um. Mir ist klar, das er da oft ein Karussell im Kopf hat, aber ich kann in nicht wirklich dazu zwingen mich daran teilhaben zu lassen. Versuche starte ich, immer wieder, aber er entscheidet.
Hoffentlich klingt das jetzt nicht komplett wirr.

Jedenfalls haben mir die Reaktionen hier bei euch schon so sehr geholfen, da bin ich sehr dankbar!!

Liebe Grüße Jade
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Re: Unsere Geschichte

Post 13 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Liebe Jade,
deine/eure Geschichte berührt mich sehr und ich finde es ganz toll, dass du so offen darüber schreibst. Vielleicht tuts deiner Gefühlswelt auch gut, so inetwa als Ventil.
Du wirst sicher noch einige Situationen erleben, die ebenso schwer wie die bisher geschilderten, auftreten. Ändern an der ganzen Sache kannst du m.E. nichts. Bis auf die Möglichkeit mit deinem Mann zu reden; wenn er denn darauf eingeht.
Und wie sich all das weiter entwickeln kann, bleibt in den Sternen.
Ich drück dich ganz fest und hoffe, dass ihr beide irgendwie harmonisch und mit gegenseitigem Vertrauen weiterleben könnt.
LG Christina
Shoshana
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Re: Unsere Geschichte

Post 14 im Thema

Beitrag von Shoshana »

Hallo Jade,

nein das klingt nicht wirr und klar braucht so was Ruhe. Auf ein paar Tage kommt es da sicher nicht an, dafür gärt das wohl schon viel zu lange.

Bist du dir sicher, dass die Bekleidung das eigentliche Thema ist? Oder ist es nicht eher das was unterschwellig mit bestimmter Kleidung verknüpft ist?
Du kannst dir sicher sein, dass dein Mann da irgendwo ein tief sitzendes Bedürfnis hat. Das hat er sich nicht ausgesucht und es geht auch nicht weg.

Liebe Grüße, Shoshana
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ExUserIn-2026-04-08
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Re: Unsere Geschichte

Post 15 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hallo Jade,

Du schreibst, Du seiest das Problem. Ich sehe in einer Beziehung nicht so sehr die Schuldfrage im Mittelpunkt, sondern die der Verantwortung und zwar der eigenen Verantwortung. Das ist ein ganz anderer Ansatz.

Also, was ist das wahre Problem ? Ich halte es für sehr wichtig, diese Frage so genau und so konkret wie möglich zu beantworten. Ich weiß von mir selber, das es verlockend ist, dieser Frage ausweichend zu begegnen. Aber hier liegen mMn die Antworten.

Was genau stört Dich an Deinem Partner ?

Gibt es etwas, was es Dir schwer macht, die Persönlichkeit Deines Partners so zu akzeptieren, wie sie ist ?

Mir geht es nicht darum, dass Du Deine Bedürfnisse denen Deines Partners unterordnet. Es geht darum, den Anderen als den zu akzeptieren, der er ist. ICh weiß von mir, dass ich ein sehr starkes weibliches Bewusstsein habe, auch wenn mein Körper etwas anderes auszudrücken scheint, mein Hormonspiegel irgendwo zwischen m und f liegt und ich auch keine weibliche Sozialisation habe. Irgendetwas in mir sagt etwas anderes. Das alleine begründet kein Leid. Das Leid, das ich erlebe, liegt in den Lebensumständen, in denen ich lebe, ja leben muss. Erst im Laufe der Jahre habe ich begriffen, dass mein Leben nicht mehr und nicht weniger ist als das anderer Menschen. Die Spielregeln der Gesellschaft, die in meinem Kopf stecken und die ich verinnerlicht habe, konnte ich erst langsam ablegen und die Reise ist noch nicht zu Ende. So ist es nicht verwunderlich, dass auch Dein Partner immer wieder mit etwas Neuem um die Ecke kommt.

Du schreibst an anderer Stelle, dass das Leben aus Kompromissen besteht. Sorry, ich halte das für Unfug. Wir glauben viel zu häufig, Kompromisse eingehen zu müssen, aber tatsächlich kneifen wir, vielleicht aus Angst, sich der Situation zu stellen. Welchen Sinn kann es für haben, wenn Dein Partner eine ausgeprägt weibliche Ader hat ? Kann es sein, dass dieser Sinn darin liegt, dass Du Deine Denkschemen und Klischees durchbrichst ? Wenn Du willst, kannst Du das als eine Bereicherung Deines Lebens ansehen, in dem Du Dich nicht mehr länger als die Sklavin dieser Schemen siehst. Ich bin davon überzeugt, dass darin eine große Stärke liegt, die zu einer Freiheit von den Meinungen anderer führt.

Natürlich musst Du auf Deine Gefühle acht geben. Aber die eigenen Gefühle zu kontrollieren bedeutet, sich mit ihnen auseinander zu setzen. Ängste ? Wovor hast Du genau Angst ? Panik ? Was sind die Ursachen ? Schmerzen ? Was genau tut weh ? Ich bin davon überzeugt, dass unsere PartnerInnen der Spiegel unserer selbst sind. Wenn Dein Partner Höschen und BHs liebt, dann macht das etwas mit Dir. Für Deinen Partner ist das richtig so. Seine Ängste "erwischt" zu werden, können ihm auch etwas sagen. Du bist dabei "nur" der Auslöser, nicht die Ursache.

Verantwortung in der Beziehung bedeutet für mich, den eigenen Dingen auf den Grund zu gehen. Nur dann kann ich wachsen und mit mir die Beziehung. Der Andere ist gezwungen, damit umzugehen und seine Schritte zu gehen. Ansonsten gibt es Spannungen, die zum Problem werden können. Wir sind für das eigene Wachsen auf andere Menschen, die uns nahe stehen, angewiesen. Das ist nicht bequem, aber lohnend. Dabei ist es wichtig, dass wir nicht den Anderen uns anpassen wollen und uns nicht dem anderen anpassen. Kompromisse sind mMn hier fehl am Platz. Es geht darum, etwas aus den vermeintlichen Problemen etwas Neues zu machen. Wenn Du zu viele Zitronen gekauft hast, mach eine Limo draus. Du hast Dir einen weiblichen Mann "eingefangen"? Mach etwas aus Deiner Liebe. Für Dich. Es wird auch für ihn gut werden, denn es öffnen sich Türen für Euch, die Ihr sonst nie öffnen könntet. Zum Abschluss noch mein Lieblingsgedicht:

https://www.zgedichte.de/gedichte/khali ... liebe.html
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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