Seite 1 von 1
Wem wird denn was weggenommen, wenn andere selbstbestimmt leben?
Verfasst: Do 28. Mär 2024, 09:12
von Anne-Mette
EDITION F
Unsere Redakteurin wundert sich über die Transfeindlichkeit mancher Menschen und blickt mit Sorge auf derzeitige Entwicklungen. In ihrer Voices-Kolumne erklärt sie, weshalb wir uns alle mit diesem Thema auseinandersetzen sollten.
https://editionf.com/gegen-transfeindli ... zu-bilden/
Re: Wem wird denn was weggenommen, wenn andere selbstbestimmt leben?
Verfasst: Do 4. Apr 2024, 23:52
von missy
Vorweg genommen: ich finde die Voice Kolumne richtig gut. Keine 10 Minuten zu lesen, aber inhaltsstark.
Ein wenig Schwierigkeiten habe ich mit der abschließenden Aufforderung "Lasst uns Banden bilden."
Banden?
Kinderbanden? "Peter ist in meiner Bande." - "Dann ist Julia in meiner." - Kann nicht sein. Passt nicht.
Kriminelle? Mehrere Straftäter zusammen sind eine Bande. Passt auch nicht.
Reden wir über Bandenkriminalität oder gar Bandenkriege? Bestimmt auch nicht.
Klar "Bande" hat einen Vorteil: sie bietet Schutz. Und keiner steht allein. Das spricht für "Bande".
Den Aufruf "Bildet Banden" gab es glaube ich schon mal. Ich meine Ende der 70er Jahre im Umfeld der Grünen, Friedens-, Frauen- und Umweltbewegung. Vielleicht ist der Aufruf in diesem Sinne gemeint.
Trotzdem finde ich hätte man an der Stelle eine eindeutigere und zeitgemäßere Formulierung finden können.
Schade gerade für den Abschluss der Kolumne.
Auf die Frage, "wem wird denn was weggenommen, ...", hat die Kolumne eine Antwort: "Das Weltbild mancher Menschen gerät ins Wanken, wenn vermeintliche Abweichungen von der Norm [also auch wir] sichtbar werden. Das wiederum macht Menschen Angst, gibt ihnen ein Gefühl der Orientierungslosigkeit. Und in einer zunehmend komplexen, von Krisen geplagten Welt, wünschen sich Menschen Vertrautes und Eindeutigkeit."
Auf jeden Fall: Lesen lohnt!
Herzlich,
missy
Re: Wem wird denn was weggenommen, wenn andere selbstbestimmt leben?
Verfasst: Fr 5. Apr 2024, 09:17
von Lana
missy hat geschrieben: Do 4. Apr 2024, 23:52
"Lasst uns Banden bilden."
Dieser Aufruf oder die Aufforderung "Bildet Banden!" sind in der Frauenbewegung weit verbreitet.
Natürlich liegt ihnen ein positiver Gruppenbegriff zu Grunde, der gegenseitige Unterstützung und Zusammenarbeit für gemeinsame Ziele in den Vordergrund stellt:
Die Bezeichnung Bande ist eine Entlehnung aus dem Französischen bande = "Gruppe, Schar" und stand ursprünglich für eine Gruppe von Menschen, die sich hinter einer gemeinsamen Fahne (gotisch bandwa "Symbol, Zeichen") versammeln.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bande_(Gruppe)
LGL
Re: Wem wird denn was weggenommen, wenn andere selbstbestimmt leben?
Verfasst: Sa 6. Apr 2024, 09:48
von Drachenfrau
Guten Morgen zusammen,
die Selbstbestimmung beeinflußt niemand anderen, wenn dieser in sich gefestigt ist.
Menschen, die irgendwie "anders" sind und dafür ist es noch nicht einmal nötig, transident, non-binär zu sein, haben es immer schwer in der Masse der Gemeinschaft dazu zu gehören, weil die Zugehörigkeit durch ein "Gleich-Sein" der Masse definiert wird und den, der"zu sehr individuell/anders" ist, ausschließt.
Allerdings gibt es ein Video, das durch Telegram läuft und darin wird in einer Bewegung auf der Straße gesungen: we are here, we are queer, we are coming for your children.
[image]
https://ibb.co/GRtstTM[/image]
Das ist für Eltern äußerst beängstigend.
Dazu muss ich sagen, es macht auch mich sehr nachdenklich, denn ein solcher Sprechgesang geht darüber hinaus, um für Offenheit dem "Anders-Sein" gegenüber zu werben.
Das polarisiert und nichts treibt Menschen schlimmer und stärker in Widerstand (Gewalt mit eingeschlossen), wenn sie in Angst verfallen.
Es gibt oftmals mehr zu bedenken als man sich vorstellen kann.
Viele Grüße,
Ulla
Re: Wem wird denn was weggenommen, wenn andere selbstbestimmt leben?
Verfasst: Sa 6. Apr 2024, 13:26
von Lina
Was zusätzlich schlimm ist: Die Haltungen der primitivsten Gemüter in Amerika werden von Leuten hier drüben praktisch kopiert.
Da sieht man solche idioten, mal sus dem rechten Flügel, mal auch Typen mit kulturellen Wurzeln aus dem Nahosten darüber schwafeln, dass "jetzt können Männer einfach behaupten, sie identifizieren als Frauen und Damentoilette benutzen "
Wie dämlich kann man sein? Erstens: Warum sollten sie das tun?
Zweitens: Was hat das mit dem Selbstbestimmungsgesetz zu tun.
Männer durften nach dem Gesetz (das esxeben nicht gibt) schon die ganze Zeit die Damentoilette benutzen.
Tat es jemand? Keine Ahnung - ich habe bestimmt häufiger das Gegenteil gesehen, wenn beispielsweise die Schlange zu lang war.
Andere vorgeschobenen Argumente beziehen sich auf Kinder. Die sind ja so wunderbar, in der Diskussion zu haben. Da kann man ja behaupten, dass die Eingriffe in de Selbstbestimmung anderer, die man verlangt, zum Schutz der Kinder wären.
Da hört man auch viel Gelaber, dass 1:1 aus amerikanischen Diskussionen kopiert ist.
Soooo schlimm, wenn man Kinder als Gruppe gendermeutral ansprechen würde - die armen Kinder werden ja gar nicht mehr wissen, dass sie nicht Mädchen sind. Eben! Es wird fast immer nur gemutmaßt, dass JUNGEN verweiblicht werden.
So als würde ein Wesen, von jeglichem Spezies, erst mal jemanden brauchen, der sein Geschlechtsmerkmal einordnet und ihm dann erzählt, wie er sich zu benehmen hat!
OK, dass es solche Haltungen gibt, wissen wir alle, in das ist nicht mal der Punkt, worauf ich hin will.
Nein, was mich aufregt ist, dass so viele - auch von euch hier - DUMMDAEMLICH die Diskussion auf den Prämissen der anderen weiter führt!
-Es gibt in der Biologie nur zwei Geschlechter. So ist die Natur.
- bla. bla. es gibt doch mehr ... bla. bla. Intersex ...
- Das sind aber Abnormitaeten.
... und die Manipulation hat funktioniert, die Diskussion wird auf dem Ebene der Biologie weiter geführt.
Warum?
Es gibt doch einen Rattenschwanz an Wissenschaften die 23 Stunden am Tag wesentlich relevanter sind als die Biologie.
Psychologie, Soziologie, Linguistik, Rechtswissenschaft.
Die Biologiediskussion lässt sich doch so schnell abhaken.
Man braucht dich nur die Aufmerksamkeit auf folgendes leiten: In wie vielen Interaktionen über den Tag war die Beschaffenheit der primären Geschlechtsmerkmale eines Mitmenschen maßgeblich oder gar bekannt?
Es ist jetzt 1300h, ich bin vor 5 Stunden aufgestanden, und bis jetzt waren sie bei 2 Personen Bekannt und in keinem Fall maßgeblich.
Das wir Menschen sind, haben wir eine Kultur und dazo Eine Sprache.
Aber weiss jemand, ob seine Katze gender fluid ist? Wie soll man es wissen. Mann, Frau, Trans, genderspezifische oder -neutrale Pronomen kann es nur geben, weil wir soziokulturelle Umstände geschaffen haben, wofür wir die Worte brauchen.
Hat das was mit Biologie oder Physiologie zu tun? Teilweiße, teilweiße nicht, aber in welchem Verhältnis?
Die Worte - Mann, Frau, er, sie bezeichnen doch mehr als 90% der Zeit Personen, die man mit einem bestimmten Aussehen, Verhalten, Rollenmuster mindestens grob einteilt.
Hat das mit Biologie zu tun? Oder mit Linguistik, Kultur und Soziologie.
Wenn ich sage - Bring mal der Dame da drüben das hier ... worauf beziehe ich mich dann bei "Dame". Muss ich wissen, wie ihre primären Geschlechtsteile aussehen? Haben sie mich überhaupt zu interessieren?
Wieder ein Zusammenspiel von Linguistik und Kulturphänomen.
Also, warum dich dazu manipulieren lassen, nur über Biologie zu reden. Denken diese Typen etwa, sie hätten ein gottgegebenes Recht, mit jeder Frau Sex zu haben, und sie hätten deshalb auch das Recht über Geschlechtsmerkmale ihrer Mitmenschen Bescheid zu wissen?
Vermutlich. Aber dieses primitive Verhalten darf doch gerne laut erwähnt werden!
Oder wir reden wirklich über Biologie und bleiben nicht nur beim Spezies - Mensch. Wir unterscheiden uns von anderen weil wir strikt binäre Rollenmuster geschaffen haben ...
Re: Wem wird denn was weggenommen, wenn andere selbstbestimmt leben?
Verfasst: Sa 6. Apr 2024, 14:12
von Blossom
Auf die Frage, wem wird denn war weggenommen, wenn andere selbstbestimmt leben? ... Niemandem wird etwas weggenommen!
Und doch ist es so, dass Viele das wohl so empfinden ...
Ich selbst hatte vorgestern am Abend ein Erlebnis der speziellen Art ... Um die Ecke ist eine Spielhalle. Ich bin mit einer der Mitarbeuterinnen befreundet und war auf einen Kaffee da, um mit ihr zu tratschen. Im Verlauf dessen öffnete jemand die Tür. Ein Mittzwanziger, offensichtlich im Drogenrausch, der direkt lautstark herumpöbelte - sehr aggressiv in Sprache und Körperhaltung. Inhaltlich kann ich das Gesabbel gar nicht mehr konkret wiedergeben. Aber es ging darum, dass er es Scheiße fände, dass Menschen ihr Geld verzocken würden. Sie sollten alle in die Hölle fahren und der Inhaber allen voran ... Da ich in seiner Nähe stand, schaute ich ihn verwundert an. Man rechnet ja nicht mit einer derart theatralischen Auftritt, und es schien, als stünde der Typ unter Drogen. Allein, dass ich ihn ansah, reichte ihm, sich jetzt auf mich zu fixieren ... Und dann wurde es heftig. Inhaltlich sagte er: "Ach, schau an, eine schwule Sau in Frauenklamotten. Na, lässt du dich auch schön in den Arsch ficken? ... Sag'mal, hast du in Pisse gebadet, so wie du riechst?" ... als er dann auch noch drohte: "Typen wie mich müsste man abstechen", rief die Aufsicht still die Polizei hinzu. Ich bekam Unterstützung seitens der Spieler und wir haben den Typen vorübergehend gemäß "Jedermann-Paragraph" vorläufig festgehalten. Strafanzeige wurde von mir und der Spielhalle gestellt.
So glücklich ich mit meinem Leben auch bin, verlief dieses Jahr durchaus nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. Bereits zwei Mal wurden mir die Außenspiegel am Wagen weggetreten! Einmal in Kombination mit zerstochenenden Vorderreifen und einem Zettel unterm Wischer: "Transschweine sollte man vergasen!" ... Strafanzeige wurde gestellt, auch wenn dabei letztlich nichts rauskommt. Ich stelle jedenfalls fest, dass ich wohl zur Zielscheibe geworden bin ... von wem auch immer. Das macht mir einerseits Sorge, andererseits lasse ich mich davon auf meinem Weg nicht unterkriegen.
Nochmals zur Ausgangsfrage, denn die hätte ich dem o.a. Typen gerne gestellt: Was nehme ich dir weg, wenn ich lebe wie ich lebe?
Re: Wem wird denn was weggenommen, wenn andere selbstbestimmt leben?
Verfasst: Sa 6. Apr 2024, 15:33
von Maxine
Liebe Blossom,
ich finde es schade und traurig, dass wir auch 2024 immer noch solche Erlebnisse haben müssen. Ihr habt absolut richtig gehandelt, auch wenn ich fürchte, das am Ende nicht viel herauskommen wird.
Ich arbeite seit März 2023 mit einer Kollegin zusammen, die mich allein deswegen ablehnt, weil ich Katharina bin und es mir herausnehme so zu leben, wie ich mich fühle. Ich sollte erst mit ihr in einer Gruppe arbeiten, das wurde kurzfristig vor meinem Dienstantritt noch geändert. Aber wir arbeiten bei uns Teiloffen, also müssen wir zusammenarbeiten und sie spricht nicht mit mir, weder privat, was ja ok wäre, ich muss auch nicht jeden mögen, aber auch praktisch nicht dienstlich. Antworten tut sie auf Fragen in Sätzen, die so kurz sind, dass es gerade noch als höflich angesehen werden kann. Neben ein, zwei anderen Gründen ist dies einer der wichtigsten, warum ich zum 30.06. die Einrichtung verlassen werde. Aber was nehme ich ihr weg? das war ja die Ausgangsfrage. Nichts!! ist meine Antwort aber ich passe nicht ihr Weltbild und das ist für sie und viele andere Grund genug Menschen, die irgendwie anders sind abzulehnen. Schade, dass auch 2024 einige Menschen nichts dazu gelernt haben.
In diesem Sinne sonnige Grüße aus Neumünster
Re: Wem wird denn was weggenommen, wenn andere selbstbestimmt leben?
Verfasst: Sa 6. Apr 2024, 16:44
von Blossom
Maxine hat geschrieben: Sa 6. Apr 2024, 15:33
Ich arbeite seit März 2023 mit einer Kollegin zusammen, die mich allein deswegen ablehnt, weil ich Katharina bin und es mir herausnehme so zu leben, wie ich mich fühle.
Nun, zum Glück ist das bei mir schon gänzlich anders. In meinem sozialen Umfeld - Familie, Verwandschaft, Freunde, Hausgemeinschaft und auch auf der Arbeit - werde ich voll anerkannt und in keinster Form gemobbt. Eher das Gegenteil, denn sämtlich alle sagen mir, es sei richtig, endlich zu leben. Im Haus tauschen wir Frauen sogar Kleidung, die wir aussortieren, aber viel zu schade für die Altkleidersammlung ist ... und bei einem Kaffee oder Tee haben wir dabei noch tolle Gespräche.
Ich vermute, jemandem auf die Füße getreten zu sein, was die Gewalt an meinem Wagen anbelangt ... Immerhin stehe ich am SPD-Stand in der Innenstadt, setze mic für queere Themen ein und mache deutlich, was ich von einer AFD, deren Wählern und rechtem Gedankentum halte. Vermutlich bin ich damit einem zu Nahe gekommen. Anders ist die gehäufte Aggression nicht zu verstehen ... Angst lasse ich mir keine machen. Als ich vorhin meinen Postkasten leerte fand sich ein Computerausdruck: "In Waltrop ist kein Platz für Tunten!". Also weiß derjenige ja, wie ich heiße, wo ich wohne und versucht mich einzuschüchtern. Nur hat er da Pech, denn über all die Jahre bin ich viel zu stabil als das dergleichen noch funktionieren würde. Waum ich "ER" schreibe? Weil das Feedback von Frauen durchweg positiv ist, und es eher die Männer sind, die sich ablehnend verhalten.
Und ja die Frage bleibt ... und ich kann jetzt schon sagen, dass ich sie beim nächsten Mal am Stand Passanten stellen werde, die abwertend reagieren. Ich bin jetzt schon auf die Resonanz gespannt.