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Ein offenes Gespräch mit meiner Mutter & wie es ausging

Verfasst: So 19. Jun 2011, 08:32
von Vamper
Erst einmal entschuldigt, das ich eine längere Zeit nicht hier war. Der Weg der Selbstfindung war nicht einfach und ging mit schweren Depressionen und Suizidgedanken hervor. Bin seitdem in psychiatrischer Behandlung inklusive Medikamenten mit Nebenwirkungen jenseits von gut und böse.

Ich hatte vor ein paar Tagen den Entschluß gefasst, mit offenen Karten zu spielen bei meiner Mutter (wer sich an meinen erstes Thema erinnert, weiß auch noch warum nicht mit meinem Vater).
Also lud ich meine Mutter zum Essen ein und versuchte sie mit Anspielungen an die früheren Geschehnisse zu erinnern. Ich hätte es auch direkt gleich sagen können was ich meinte, denn sie wußte sofort was mir auf dem Herzen lag. Sie hatte sich schon damals nie getraut, mit mir über dieses Thema zu reden, da sie dachte es wäre mir unangenehm und/oder peinlich. Dabei wäre ich froh gewesen wenn sie es getan hätte, denn ich hatte mich nie getraut.

Es kamen Fragen auf ob ich mich als Frau fühlte, welches ich beantworten konnte mit "Damals war es angenehm etwas tragen zu können was einen nicht einsperrt wie Jeanshosen, es war ein Stück Freiheit. Mittlerweile sage ich, ich fühle mich mehr als Frau als Mann. Allein die Träume nachts die immer stärker werden, wo ich ganz als Frau bin und dann wache ich auf und sehe nur es war ein Traum." Oder ob ich mit meiner Psychiaterin schon darüber geredet hätte, was ich aber noch nict mit "Ja" beantworten konnte, denn bis jetzt schob ich die Depressionen etc auf andere Dinge ab wenn ich mit jemand darüber redete, obwohl ich wusste, wieso genau diese da sind. Sie fragte mich, ob ich bereit wäre, ihr Bilder von mir zu zeigen oder mich live präsentieren würde so wie ich mich fühle. Diese Bilder habe ich auch hier in meiner Galerie hochgeladen und zeigte ihr diese.
Ich konnte sehen das sie ein bisschen erschrocken war, denn sie sagte sofort "Das bist doch nicht du. Nein das kann nicht sein das bist doch nicht du." Doch das war ich aber, der Unterschied ist zugegebenermaßen wirklich enorm und so ließ ich sie das erstmal verdauen.

Aber es kam der Satz, den ich persönlich nie für möglich gehalten hätte : "Egal für welchen Weg du dich entscheidest, du bist und bleibst immer mein Kind, das ich immer lieb haben werde." Was so ein Satz auslösen kann.. Ich zitterte am ganzen Körper, fiel ihr um den Hals und fing an zu weinen. Es war der schönste Satz den ich seit vielen Jahren gehört hatte.

Ich werde sie auf ihre Bitte hin mitnehmen zu meinem nächsten Gespräch bei meiner Psychiaterin und dieses Thema gemeinsam angehen.


Danke fürs lesen.

Re: Ein offenes Gespräch mit meiner Mutter & wie es ausging

Verfasst: So 19. Jun 2011, 10:26
von Anne-Mette
Moin,

das hört sich doch gut an; Du bist auf einem Weg, der nicht einfach sein wird, aber Du siehst, manchmal erhält man unerwartet Hilfe, die einen aufbaut.
So wird sich Deine Lage sicherlich stabilisieren und Du wirst aus eigener Kraft gestaltend eingreifen können, wenn die düstere Phase völlig überstanden ist und Du die Medikamente reduzieren oder absetzen kannst.
Der Psychologe wird sicherlich in der nächsten Zeit ein wertvoller Begleiter für Dich sein.
Zu Deiner Mutter kann man gratulieren.

Gruß
CPG

Re: Ein offenes Gespräch mit meiner Mutter & wie es ausging

Verfasst: So 19. Jun 2011, 15:10
von Vamper
Danke für eure Antworten :) Ich kann nicht so oft und lange an den PC, ich seh teilweise alles verschwommen (Nebenwirkung..) und da bekomme ich schnell Kopfschmerzen. Es baut mich sehr auf, eure Antworten als auch die Reaktion meiner Mutter.

Selbstvertrauen hatte (und habe) ich auch selber garkeins (wirklich null), aber wer soweit ist lieber seinem Leben ein Ende zu setzen also so weiterzuleben, der muss irgendwann mit der Wahrheit rausrücken. Die riesige Hürde die aber auch noch vor mir liegt, ist meine Freundin. Sie hat sich damit abgefunden das ich Frauenkleidung trage, aber sie hat mir schon vorher klar gesagt "Wenn du irgendwann eine Frau werden willst bin ich weg, denn ich bin nicht lesbisch." Es ist schon eine kleine Zeit her in der sich viel geändert hat (sie hat mir ja beigebracht wie man sich schminkt ohne das man nachher noch Teile vom Bartwuchs sieht auch wenns frisch rasiert ist und und und), aber ich glaube sie wird auf gut deutsch am Rad drehen.

Ich werde ihr nicht sofort damit die Tür einrennen, ich bereite mich erstmal mit meiner Psychiaterin darauf vor, vielleicht kommt sie auch mit zu einem Gespräch und ich steh nicht ganz alleine da, das wäre die beste Lösung denke ich.

Re: Ein offenes Gespräch mit meiner Mutter & wie es ausging

Verfasst: Do 23. Jun 2011, 08:21
von Vamper
Frau Mann hat geschrieben:Nun, wie hieß es so schön im Kino: " Das Leben findet seinen Weg." klingt platt, ist aber so.

Ich möchte dies in Bezug auf Deine Beziehung anwenden, denn wenn Deinen Freundin Dich wirklich liebt, dann findet sie vielleicht auch einen Weg sich zuarangieren. entscheidend ist doch, dass sich gefühlsmäßig zwischen Euch keine Mauer aufbaut und mal ehrlich, der Mensch bleibt doch bestimmt der gleiche, ob nun männlich oder weiblich im Ausweis steht.
entscheidend ist aber meiner Meinung nach, dass Ihr viel miteinander redet, (mache ich mit meiner Frau inzwischen auch so) und Euch soviel Zeit lasst, wie möglich.

Ein Paargespräch bei Deiner Psychiaterin ist bestimmt ein guter Einstieg. Sicher findet sich dort die Gelegenheit, das Verständnis Deiner Freundin weiter zu wecken.

Grüßle
Hallo,
ich konnte einfach nicht warten und musste es ihr erzählen. Ich habe es langsam angehen lassen. Am ersten Tag war die Reaktion ein Gefühlschaos bei ihr, durch viele Ängste zb das ich sie nichtmehr als Partnerin haben möchte und das sie die Person die sie kennen und lieben gelernt hat nichtmehr wiedererkennt.

Der zweite Tag kam auf mit Sachen wie das sie mich zum "Online Shopping" einlud, soll heißen künstliche Fingernägel und Make Up, Klamotten und "Kurse wie man es richtig anstellt (Schminken usw)". Das fand ich toll wir redeten eigentlich fast den ganzen Tag darüber und ich merke richtig das sie sich dafür auch interessiert.
Was sie aber auch nachschauen wollte, wie soetwas im Ablauf aussieht wenn "Mann zu Frau" werden möchte. Also vom Anfang beim Gespräch mit einem Psychologen bis hin zum letzten Schritt und eventuell die Dauer des ganzen. Entweder haben wir nicht richtig gesucht oder wir sind zu blöd :) .

Kennt jemand eine Seite , wo man sich so etwas anschauen und nachlesen kann?

Re: Ein offenes Gespräch mit meiner Mutter & wie es ausging

Verfasst: Do 23. Jun 2011, 08:37
von Anne-Mette
Guten Morgen Vamper,

wir haben einige hier an Board, die auch in so einem Prozess stecken und sich sicherlich noch zu Wort melden.

Da Du mit Ärzten und Psychologen zu tun hast, werden die Dir bestimmt eine Anlaufstelle für eine sachkundige Beratung nennen können. Wenn das nicht der Fall ist, dann melde Dich mal und nenne Deinen Wohnort; dann schaue ich mal, ob ich etwas finde; denn eine Beratung durch Leute, die sich auskennen, ist sehr wichtig.

Gruß
CPG

Re: Ein offenes Gespräch mit meiner Mutter & wie es ausging

Verfasst: Do 23. Jun 2011, 08:46
von Vamper
Hallo cpg, wir wohnen in der Umgebung von 56070 Koblenz , Rheinland-Pfalz. Ich weiß nicht ob es hier in der Gegend jemanden gibt, der auf diesem Gebiet Ahnung hat, wir wohnen auch noch nicht allzulange hier :)

Re: Ein offenes Gespräch mit meiner Mutter & wie es ausging

Verfasst: Do 23. Jun 2011, 08:53
von Anne-Mette
Du hörst von mir (smili)

Gruß
CPG

Re: Ein offenes Gespräch mit meiner Mutter & wie es ausging

Verfasst: Do 23. Jun 2011, 10:06
von Anne-Mette
Moin,

ich würde mal bei Pro Familia anrufen:

http://www.profamilia-rlp.de/koblenz.html

Andererseits ist es sicherlich gut, nicht zu viele Fässer aufzumachen und erst einmal abzuwarten, was Deine jetzigen Ansprechpartner sagen.

Gruß
CPG

Re: Ein offenes Gespräch mit meiner Mutter & wie es ausging

Verfasst: Do 23. Jun 2011, 13:13
von Bianca D.
Frau Mann hat geschrieben:Mütter können großartige Menschen sein und ich finde es ganz toll, dass sie zu Dir hält. Nutze die Chnace.
Hallöchen,

Dem kann ich nur zustimmen,mit deiner Mutter kannst du eine großartige Freundin an deiner Seite gewinnen,wobei mich die Worte etwas traurig machen,da ich mit meiner Mutter nicht so ein
Glück habe.
Im übrigen habe ich aber das Gefühl,daß du auf einem guten und richtigen Weg bist.
Vamper hat geschrieben:Kennt jemand eine Seite , wo man sich so etwas anschauen und nachlesen kann?
Zu deiner Frage,schau mal hier nach.Das ist ein nettes kleines Forum,speziell auf die Belange von Transsexuellen
ausgerichtet.Ließ dich da mal ein bißchen ein und du wirst auf vieles eine Antwort finden.Ohne Registrierung geht da aber nichts,weil der Schutz der Privatsphäre dort für sehr wichtig erachtet
wird.Wenn du sonst noch Fragen hast,kannst dich gerne melden.

LG Bianca

Re: Ein offenes Gespräch mit meiner Mutter & wie es ausging

Verfasst: Fr 24. Jun 2011, 08:28
von Vamper
Hallo,
ich bin es wieder. Ich bin seit gestern Abend wieder richtig depressiv, warum genau weiß ich nicht. Es ist wieder so, als würde ich es nicht schaffen es durchzuhalten. Meine Freundin wollte gestern Abend mit mir reden aber ich bekam wieder keinen Ton raus.. als ob mir jemand den Mund zugenäht hätte.
Ich weiß einfach nicht ob ich es durchhalte, denn der Weg ist ein langer (so wie ich es im Internet nun teilweise gefunden habe) und .. keine Ahnung ich wünscht mir grad einfach das mir einfach die Decke auf den Kopf knallt und es ist vorbei :(

Re: Ein offenes Gespräch mit meiner Mutter & wie es ausging

Verfasst: Fr 24. Jun 2011, 08:35
von Bianca D.
Moin,

Das sind völlig normale Gefühle.Es ist in der Tat ein langer Weg,aber mit jedem Tag,den du auf deinem Weg weiter gehst,wirst du spüren,daß es dir besser geht.Mir geht es seit Beginn der
Hormontherapie so gut wie noch nie in meinem Leben,aber es gibt immer mal wieder Tage,wo man in einem Loch verschwinden will.Das gehört dazu,wie das Salz in der Suppe.Also nur Mut:
Morgen ist ein neuer Tag und vor allem rede mit einer vertrauten Person.

LG Bianca

Re: Ein offenes Gespräch mit meiner Mutter & wie es ausging

Verfasst: Fr 24. Jun 2011, 08:47
von Vamper
Hallo Bianca,
wenn ich nur wenigstens wüßte wo ich anfangen soll. Meine Psychiaterin verabschiedet sich in einer Woche in den wohlverdienten Urlaub, habe bis dahin nur noch eine Sitzung und ich weiß nicht ob ich es genau dann schaffe es ihr zu sagen. Denn wie schon geschrieben ist es manchmal als hätte mir jemand den Mund zugenäht ich bekomm es einfach nicht raus. Irgendwo einfach anrufen ist auch nicht so leicht denn selbst dann ist es wie zugenäht. Es wurde bei mir schon eine soziale Phobie festgestellt samt Depressionen und das macht es alles nicht leichter, auch wenn die Phobie noch nicht sonderlich "ausgereift" ist, da ist sie. Würde ich die Medikamente nicht nehmen, könnte ich wohl nichtmal mehr hier schreiben auch wenn es gut tut sich hier alles von der Seele zu schreiben.

Re: Ein offenes Gespräch mit meiner Mutter & wie es ausging

Verfasst: Fr 24. Jun 2011, 09:50
von Anne-Mette
Moin,

Deine Psychologin wird Dir hoffentlich eine Anlaufstelle nennen für die Zeit, in der sie nicht da ist.

Ansonsten ist hier auch fast den ganzen Tag jemand anwesend, wenn Du einfach mal ein paar Worte wechseln willst.
Ich denke, Deine Weichen sind soweit gestellt. Es ist schwer, das von Dir zu verlangen; aber Du solltest mit Geduld an die Angelegenheit herangehen.
Du hast noch sooooo viel Zeit vor Dir; mach Dir nichts kaputt durch unüberlegte Aktionen.
Schalte einen Gang zurück, wenn das möglich ist. Zwei Wochen Urlaub sollten vorüber gehen.

Gruß
CPG

Re: Ein offenes Gespräch mit meiner Mutter & wie es ausging

Verfasst: Fr 24. Jun 2011, 10:08
von Vamper
So wie ich es verstanden habe, möchte sie mir eine Adresse von einem Kollegen geben mit dem sie das schon abgesprochen hat. Ich hoffe es ist kein Kollege sondern eine Kollegin, sonst werde ich da wohl nicht auftauchen..
Ich weiß das ich eigentlich Geduld haben sollte, aber es ist wirklich schwer, nach all den Jahren zurückhaltung und Verdrängung ist es jetzt eindlich zum Coming Out gekommen und man wird schnell überheblich, weil man versuchen will die verlorene Zeit damit aufzuholen was aber eigentlich der falsche Schritt ist denn die Jahre kann ich nichtmehr aufholen egal wie schnell oder langsam es geht.

Ich möchte mich hiermit noch bedanken für dieses Forum denn ohne das wäre ich sicher nicht soweit gekommen wie jetzt. Ich würde wohl immernoch alles in mich hineinfressen und keiner Menschenseele etwas erzählen.

Re: Ein offenes Gespräch mit meiner Mutter & wie es ausging

Verfasst: Fr 24. Jun 2011, 10:16
von Anne-Mette
Moin,

es wird Dich kaum trösten
ABER

Du hast mal geschrieben (smili)
(ich bin mittlerweile 23)
Deshalb meinte ich "Du hast noch so viel Zeit!"

Viele von uns sind schon um die 50 - da überlegt man schon eher, wieviel Zeit noch bleibt und wieviel Zeit man vielleicht schon vertan hat.

Gruß
CPG