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Hände weg vom Grundgesetz
Verfasst: Sa 10. Feb 2024, 16:45
von Sabrina Verena
Hier ist mal ein kurzer aber guter Artikel zum Thema streichen des Wortes Rasse aus dem Grundgesetzt.
https://www.msn.com/de-de/nachrichten/o ... ec3&ei=154
Ich kann dem nur zustimmen.
Wenn ich sehe, wie Antifaschisten zu Volksverhetzern erklärt werden und angeblich Naziverbrechen verharmlosen, bloß weil sie auf Parallelen von Früher zu Heute verweisen, kann ich nur noch wütend werden.
Z.B.
Der Umgang des AFD- Umfeldes mit Grünen Politikern und der Umgang mit Juden in den 1930er Jahren.
Wer dieses Vergleicht findet sich schnell vor dem Richter wieder.
Der Artikel bezieht sich zwar auf das Wort Rasse im GG.
Die Anmerkung im Text passt aber ebenso auf das von mir eingebrachte Beispiel.
LG Verena
Re: Hände weg vom Grundgesetz
Verfasst: So 11. Feb 2024, 13:06
von Jaddy
Hm ja nein

Die Diskussion um das Wort im Artikel ist schon etwas tiefgründiger. Im Kern geht es darum, dass die Verwendung in der bisherigen Form - "(3) Niemand darf wegen ... seiner Rasse ... benachteiligt oder bevorzugt werden" - die Existenz von "Rassen" bei Menschen nahelegt. Es erzeugt sozusagen eine falsche Wahrheit durch die Formulierung. Bei Menschen gibt es keine "Rassen".
Klar wissen alle, "was eigentlich gemeint ist", weil wir alle mehr oder weniger gelernt haben, was Rassismus ist. Wir haben damit auch gelernt, diese Unterschiede selbst und ständig zu machen. Vielfach unbewusst. Aber die Idee steckt in uns allen. Deshalb will aktuelle anti-rassistische Arbeit genau dort ansetzen. Es geht um das Bewusstsein, dass Menschen
rassifiziert werden. D.h. andere Menschen schreiben ihnen Unterschiedlichkeit zu, die nicht existieren. Gleiches gilt für andere Markierungen. Menschen werden
migrantisiert, also "ausländisch" eingeschätzt und ihnen daraufhin irgendwelche Dinge unterstellt - auch wenn sie seit Napoleons Zeiten hier leben. Ebenso all die anderen Markierungen.
Der Unterschied ist: Während es für Geschlecht, Sprache und Herkunft etc wenigstens einigermassen objektive Kriterien gibt - was die Zuschreibungen nicht richtiger macht - ist "Rasse" bei Menschen einfach Unfug. Es gibt Rassismus, aber keine "Rassen".
Es ist deshalb wichtig, das ganze Konzept "Rasse" klar zu ächten und die Perspektive richtig zu stellen: Es sind falsche Annahmen vergangener Jahrhunderte und ihre bis heute fortwirkenden Pseudo-Rechtfertigungen für Unterdrückung und Benachteiligung. Die entsprechende Formulierung müsste also wenn überhaupt heissen: "Niemand darf ... durch Rassifizierung (oder rassistische Markierung)...".
Allerdings bin ich selbst nicht tief genug in den Fachdiskussionen zwischen Jura, Psychologie, Soziologie etc drin, um mir eine klare Meinung über die beste Lösung zuzutrauen.
Re: Hände weg vom Grundgesetz
Verfasst: So 18. Feb 2024, 13:33
von Sabrina Verena
Dazu muss ich was anmerken.
Vor der Antike hatten sich, wie bei anderen Tieren auch, durch die räumliche Distanz sehr wohl, die Menschen unterschiedlich entwickelt.
Ob das nun schon Rassen (Unterarten) waren oder nicht, darüber kann man sich streiten. Spätesten seit der Antike gibt es durch Wanderungen und Kriegszüge Vermischung.
Die biologischen Fakten und nicht der politische Wille sollten hier maßgebend sein.
Es gibt durchaus genetische Unterschiede. Asiaten und Europäer haben Neandertaler Gene, welche bei den Afrikanern nicht vorkommen. Diese aber haben insgesamt eine höhere Anzahl an Genen.
Das Seltsame ist, dass bei Amazonen (Papageienart) kleine farbliche Abweichungen im Wangengefieder neue Rassen hervorbringen, während beim Menschen die äußeren und genetischen Unterschiede keine Rassenunterschiede sind.
Für mich wird da nicht objektiv argumentiert, sondern mit der politischen Schere im Kopf.
Genau, das ist das Gefährliche.
Zum Rassenbegriff:
In der Biologie werden die Begriffe Rasse und Unterart synonym genutzt. Das Zuchtwesen unterscheidet hingegen (z.B. Katzen einer Unterart) in unterschiedliche Rassen.
Zur Katze:
Europäische und nubische Wildkatze (Falbkatze) sind zwei Unterarten (Felis sylvestris sylvestris und Felis sylvestris lybica). Die zur Falbkatze gehörenden domestizierten Hauskatzen (Felis sylvestris dom f catus) werden in Rassen unterschieden. Kreuzungen aus Europäischer Wildkatze und Hauskatze werden Blendlinge (Jägersprache) genannt.
Zum Menschen:
Beim Menschen ist erschwerend, dass die Wissenschaft selber sich im Unklaren darüber zu sein scheint, ob der moderne Mensch eine Art oder Unterart ist.
Homo sapiens oder Homo sapiens sapiens ist durchaus nicht das Selbe. Auch Homo neandertalensis und Homo sapiens neandertalensis ist nicht das Selbe.
Nebenbemerkung:
Sowieso nervend, dass man in jeden Buch eine andere Menschheitsgeschichte ließt.
LG Verena
Re: Hände weg vom Grundgesetz
Verfasst: So 18. Feb 2024, 19:10
von Jaddy
Sabrina Verena hat geschrieben: So 18. Feb 2024, 13:33
Das Seltsame ist, dass bei Amazonen (Papageienart) kleine farbliche Abweichungen im Wangengefieder neue Rassen hervorbringen, während beim Menschen die äußeren und genetischen Unterschiede keine Rassenunterschiede sind.
Für mich wird da nicht objektiv argumentiert, sondern mit der politischen Schere im Kopf.
Genau, das ist das Gefährliche.
Die unterschiedliche Verwendung des Begriffs ist genau der Knackpunkt. "Von interessierter Seite", also von Rassist*innen, wird er nämlich gar nicht wirklich "biologisch" verwendet. Rassismus bedeutet, irgendwelchen äusseren Merkmalsclustern _andere_ Eigenschaften zuzuordnen, intellektuelle, charakterliche, soziale, und damit Menschen pauschal zu kategorisieren bzw zu hierarchisieren. Marke "Der Scharze schnackselt gern" (Gloria vTuT), Höckes "K- vs R- Ausbreitungstyp", schlechtere Schulempfehlungen, weniger Kompetenz zutrauen, usw. Ausserdem werden "Rassen" konstruiert, die überhaupt nichts mit Biologie zu zun haben, bspw eine "jüdische" oder "arische".
Diese Zuordnungen aka Vorurteile _und_ die daraus folgende Ungleichbehandlung ist Rassifizierung. Künstlich, beliebig, willkürlich, menschenverachtend. Das hat mit Biologie nichts zu tun. Deshalb, und weil eben historisch belastet bzw den bewussten Missbrauch reproduzierend, hat der Begriff im Grundgesetz eigentlich nichts zu suchen.
Re: Hände weg vom Grundgesetz
Verfasst: So 18. Feb 2024, 19:25
von Lana
Dann wäre es nur konsequent, den Begriff Rassifizierung gleich mit abzuschaffen. Der leitet sich schließlich von Rasse ab und ergibt somit keinen Sinn, wenn Rasse nicht definiert ist. Irgendwie ist das sonst sowas ähnliches wie eine Tautologie.
LGL
Re: Hände weg vom Grundgesetz
Verfasst: So 18. Feb 2024, 20:00
von Jaddy
Lana hat geschrieben: So 18. Feb 2024, 19:25
Dann wäre es nur konsequent, den Begriff Rassifizierung gleich mit abzuschaffen. Der leitet sich schließlich von
Rasse ab und ergibt somit keinen Sinn, wenn
Rasse nicht definiert ist. Irgendwie ist das sonst sowas ähnliches wie eine Tautologie.
Einerseits ja. Andererseits existiert Rassismus. Also wie darüber reden, ohne die Idee irgendwie zu legitimieren bzw zu reproduzieren? Rassifizierung drückt genau wie Migrantisierung diese Zuschreibung durch andere aus. Es dreht die Perspektive um, so dass nicht die angeblichen Merkmale der Diskriminierten im Vordergrund stehen, sondern die unzulässige Assoziationen durch andere.
Re: Hände weg vom Grundgesetz
Verfasst: So 18. Feb 2024, 20:16
von Lana
Naja, Migration ist als Begriff ja nicht so verpönt wie Rasse. Migrantismus hab ich noch nie gehört, aber bitte, wenn es den Betroffenen hilft...
Die Assoziationen, die du gerne mit dem Rassismus-Begriff verknüpft hättest, klingeln bei mir nicht. Und wenn ich mal eine Prognose wagen darf:
Viele sind es leid, dass bestehende Begriffe ständig mit politisch korrekter neuer Bedeutung versehen werden sollen und sperren sich dagegen, ähnlich wie das beim Gendern der Fall ist. Könnte also auch nach hinten losgehen...
LGL
Re: Hände weg vom Grundgesetz
Verfasst: Mo 19. Feb 2024, 09:24
von edeka
Jaddy hat geschrieben: So 18. Feb 2024, 20:00
Andererseits existiert Rassismus. Also wie darüber reden, ohne die Idee irgendwie zu legitimieren bzw zu reproduzieren? Rassifizierung drückt genau wie Migrantisierung diese Zuschreibung durch andere aus. Es dreht die Perspektive um, so dass nicht die angeblichen Merkmale der Diskriminierten im Vordergrund stehen, sondern die unzulässige Assoziationen durch andere.
Rassifizierung ? Migrantismus ?
Warum einfach, wenn's auch kompliziert geht !
Solche neuen Begriffe drücken höchstens Arroganz aus: "ich schaffe eine neue Sprache, weil ich mit den Proleten nicht reden will." Das ist die Perspektive.
Und was erreicht man damit ? In wessen Sinne ist das dann ?
Re: Hände weg vom Grundgesetz
Verfasst: Mo 19. Feb 2024, 10:09
von Jaddy
ascona hat geschrieben: Mo 19. Feb 2024, 09:24
Jaddy hat geschrieben: So 18. Feb 2024, 20:00
Andererseits existiert Rassismus. Also wie darüber reden, ohne die Idee irgendwie zu legitimieren bzw zu reproduzieren? Rassifizierung drückt genau wie Migrantisierung diese Zuschreibung durch andere aus. Es dreht die Perspektive um, so dass nicht die angeblichen Merkmale der Diskriminierten im Vordergrund stehen, sondern die unzulässige Assoziationen durch andere.
Rassifizierung ? Migrantismus ?
Warum einfach, wenn's auch kompliziert geht !
Solche neuen Begriffe drücken höchstens Arroganz aus: "ich schaffe eine neue Sprache, weil ich mit den Proleten nicht reden will." Das ist die Perspektive.
Und was erreicht man damit ? In wessen Sinne ist das dann ?
Migrantisierung. Und es geht keineswegs darum, irgendwen auszuschliessen, sondern um präzise Sprache. "Es heisst Schraubendreher, nicht Schraubenzieher". "Dat is keine Lein, dat is nen Ende. Und dat Ende von' Ende heet Tampen". Undsoweiter. es ist doch durchaus spannend, neue Begriffe zu lernen und neue Perspektiven, um Dinge besser zu verstehen. Sagt ja keinein, dass es alle so verwenden müssen. Aber sie können. Um genau sagen zu können, was sie meinen. Sprache ist toll

Re: Hände weg vom Grundgesetz
Verfasst: Mo 19. Feb 2024, 19:43
von Malvine
Jaddy hat geschrieben: Mo 19. Feb 2024, 10:09
"Es heisst Schraubendreher, nicht Schraubenzieher"
[Klugscheissmodus]
Historisch betrachtet entstand der Bergriff Schraubenzieher von der Tatsache, dass selbiger früher zum Einziehen der Schrauben ins Holz verwendet wurden...
[/Klugscheissmodus]
Re: Hände weg vom Grundgesetz
Verfasst: Do 22. Feb 2024, 10:50
von Sabrina Verena
Jaddy hat geschrieben: So 18. Feb 2024, 19:10
Sabrina Verena hat geschrieben: So 18. Feb 2024, 13:33
Das Seltsame ist, dass bei Amazonen (Papageienart) kleine farbliche Abweichungen im Wangengefieder neue Rassen hervorbringen, während beim Menschen die äußeren und genetischen Unterschiede keine Rassenunterschiede sind.
Für mich wird da nicht objektiv argumentiert, sondern mit der politischen Schere im Kopf.
Genau, das ist das Gefährliche.
Die unterschiedliche Verwendung des Begriffs ist genau der Knackpunkt. "Von interessierter Seite", also von Rassist*innen, wird er nämlich gar nicht wirklich "biologisch" verwendet. Rassismus bedeutet, irgendwelchen äusseren Merkmalsclustern _andere_ Eigenschaften zuzuordnen, intellektuelle, charakterliche, soziale, und damit Menschen pauschal zu kategorisieren bzw zu hierarchisieren. Marke "Der Scharze schnackselt gern" (Gloria vTuT), Höckes "K- vs R- Ausbreitungstyp", schlechtere Schulempfehlungen, weniger Kompetenz zutrauen, usw. Ausserdem werden "Rassen" konstruiert, die überhaupt nichts mit Biologie zu zun haben, bspw eine "jüdische" oder "arische".
Diese Zuordnungen aka Vorurteile _und_ die daraus folgende Ungleichbehandlung ist Rassifizierung. Künstlich, beliebig, willkürlich, menschenverachtend. Das hat mit Biologie nichts zu tun. Deshalb, und weil eben historisch belastet bzw den bewussten Missbrauch reproduzierend, hat der Begriff im Grundgesetz eigentlich nichts zu suchen.
Hallo!
Wenn ich jetzt aber den Begriff Rasse aus dem GG deshalb streiche, weil Rassisten ihn missbrauchen, dann akzeptiere ich diesen Missbrauch.
Ich nehme ihn als Gesetz für meine Sprache damit an.
Letzten Endes ändert es nichts an der Denkweise der Rassisten und normale Bürger fühlen sich, wie man aktuell ja beobachten kann, verraten und gegängelt.
Die Urväter des GG haben den Begriff Rasse deshalb mit ins GG genommen, weil sie eben genau diesen Rassisten das Handwerk erschweren wollten und die Verbrechen der Nazis für die Zukunft verhindern wollten.
Indem ich den Begriff Rasse streiche, verharmlose ich somit die Naziverbrechen.
LG Verena
Re: Hände weg vom Grundgesetz
Verfasst: Do 22. Feb 2024, 14:00
von Jaddy
Sabrina Verena hat geschrieben: Do 22. Feb 2024, 10:50
Jaddy hat geschrieben: So 18. Feb 2024, 19:10
Die unterschiedliche Verwendung des Begriffs ist genau der Knackpunkt. "Von interessierter Seite", also von Rassist*innen, wird er nämlich gar nicht wirklich "biologisch" verwendet. Rassismus bedeutet, irgendwelchen äusseren Merkmalsclustern _andere_ Eigenschaften zuzuordnen, intellektuelle, charakterliche, soziale, und damit Menschen pauschal zu kategorisieren bzw zu hierarchisieren. Marke "Der Scharze schnackselt gern" (Gloria vTuT), Höckes "K- vs R- Ausbreitungstyp", schlechtere Schulempfehlungen, weniger Kompetenz zutrauen, usw. Ausserdem werden "Rassen" konstruiert, die überhaupt nichts mit Biologie zu zun haben, bspw eine "jüdische" oder "arische".
Diese Zuordnungen aka Vorurteile _und_ die daraus folgende Ungleichbehandlung ist Rassifizierung. Künstlich, beliebig, willkürlich, menschenverachtend. Das hat mit Biologie nichts zu tun. Deshalb, und weil eben historisch belastet bzw den bewussten Missbrauch reproduzierend, hat der Begriff im Grundgesetz eigentlich nichts zu suchen.
Wenn ich jetzt aber den Begriff Rasse aus dem GG deshalb streiche, weil Rassisten ihn missbrauchen, dann akzeptiere ich diesen Missbrauch.
Ich nehme ihn als Gesetz für meine Sprache damit an.
Letzten Endes ändert es nichts an der Denkweise der Rassisten und normale Bürger fühlen sich, wie man aktuell ja beobachten kann, verraten und gegängelt.
Die Urväter des GG haben den Begriff Rasse deshalb mit ins GG genommen, weil sie eben genau diesen Rassisten das Handwerk erschweren wollten und die Verbrechen der Nazis für die Zukunft verhindern wollten.
Indem ich den Begriff Rasse streiche, verharmlose ich somit die Naziverbrechen.
Tja, das sind genau die beiden Positionen. Beide haben ihre Argumente pro und kontra. Wie ich bereits in
viewtopic.php?p=383106#p382450 schrieb, bin ich persönlich nicht tief genug in den Fachdiskussionen, um Studien etc zu bewerten, also mir eine wirklich fundierte Meinung zuzutrauen. Ich wollte lediglich aufzeigen, was hinter den Überlegungen zur Streichung steckt.
P.S. neben den Vätern waren auch Mütter dabei (und auch potenziell nichtbinäre Eltern, nach heutiger Terminologie).