Das "nordische Modell" ist ja nicht neu. Nach Schweden haben die Niederlande und andere es probiert. Alle mit dem Ziel, Zwangsprostitution und Menschenhandel zu bekämpfen. Jedenfalls als offizielle Begründung.
Verschiedene Studien haben die Effekte untersucht und kommen zum gleichen Ergebnis: Es gibt nicht weniger Prostitution und schon gar nicht weniger Menschenhandel, Gewalt oder Zwangsprostitution. Stattdessen müssen die betroffenen Frauen mehr Gewalt erleiden, weil nicht nur ihre Sklavenhalter*innen, sondern auch die Freier mehr Strafe befürchten. Gleichzeitig wird der Ausstieg erschwert, weil statt Schutz vor den Täter*innen häufig sofort die Abschiebung folgt, nach der sie erneut abgegriffen und versklavt werden.
Für freiwillig in der Sexarbeit tätige bedeuten die üblichen Regelungen, dass keine dritte Person von den Einkünften profitieren darf, keinen Schutz, sondern ein hohes Existenz-Risiko. Bestraft werden können und werden in Ländern mit "nordischem Modell" nämlich auch zB Vermieter*innen von Wohnungen und andere, die mittelbar aus den Einnahmen bezahlt werden. Die Sexarbeiter*innen riskieren also bei jedem Verfahren den Verlust zB ihrer Wohnung, weil die Vermietung nicht unversehens belangt werden will.
Folge: Als Geschäftspartner*innen bleiben nur jene, die die Illegalität in Kauf nehmen, sich entsprechend bezahlen lassen und in der Regel nicht zimperlich sind.
Mit anderen Worten: Sexkaufverbote oder die
verschärfte Freierbestrafung nach -§232a(6) StGB sind nicht zielführend, sondern vor allem für die Opfer schädlich. Sie erhöhen das Erpessungspotenzial für alle Beteiligten und erzeugen mehr Illegalität, Gewalt und Leid, indem es nicht gegen Menschenhandel direkt vorgeht, sondern gegen Sexarbeit generell.
Weitere Infos, insbesondere über die
kursierenden Zahlen beim
Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen.