Lana hat geschrieben: Mi 10. Mai 2023, 10:51
Jaddy hat geschrieben: Mi 10. Mai 2023, 10:19Dies gibt aber Gelegenheit, sich umzuzuschauen, welche Themen heute "vergessen" werden. Weche Gruppen heute mit ihren Diskriminierungserfahrungen nicht durchdringen und_oder mit "ach die, naja" oder gar Zustimmung zur Diskrminierung abgetan werden. Und wenn sich da was ändert, hat's immerhin was gebracht
Daran habe ich Zweifel, wenn du die zitierten Aussagen zum Beispiel auf Menschen anwenden würdest, die sich während der letzten drei Jahre für ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit rechtfertigen mussten und gezielt diskriminiert wurden. Nur als Beispiel: 2-G Regelung.
Klarstellung:
Ich möchte hier keine neue Coronadiskussion.
Aber ich würde mich freuen, wenn diese Vorgänge als krasse gesellschaftliche Fehlleistung im Sinne von institutionalisierter und staatlich sanktionierter Diskriminierung gesehen würden. Zustimmung zu dieser Form von Diskriminierung gab es auch hier im Forum, wo man sich ansonsten gerne sehr tolerant und "woke" gibt.
Spannende Frage. Es gibt ja einige Ansätze zur Evaluierung, aber noch keine echte Diskussion oder Aufmerksamkeit.
Wenn ich drüber nachdenke und den Komplex vergleiche mit zum Beispiel unterschwelligem und strukturellem Rassismus, fallen mir zwei Dinge auf.
Zum einen gab es bei Rassismen nie auch nur ansatzweise Evidenz, dass andere Personen gefährdet sein könnten, sondern lediglich frei erfundene Behauptungen(1). Es gab keine neuartige, akute Gefahrenlage, also mit messbaren Opfern, berechtigter Angst, offensichtlicher Überlast von Systemen (auch wenn die vorher vorsätzlich marode gemacht wurden) und so weiter. Es gab keinen politischen Zeitdruck, gegen diese Gefahrenlage bei unsicherer Faktenlage und wenig tatsächlichem Wissen vorzugehen.
Zum anderen ist für eine Aufarbeitung vermutlich tatsächlich ein zeitlicher Abstand nötig. Um emotionalen Abstand zu gewinnen, tatsächliche Fakten zu generieren und diese dann ohne die Aufregung der damaligen Zeit zu diskutieren. Beim Corona-Thema sind wir da nach meiner Einschätzung noch nicht. In meiner Bubble kristallisieren sich jetzt ein paar hardcore Panik-Menschen heraus, die wie Kaninchen auf die (immer kleiner werdende) Schlange starren und sämtliche anderen Risiken vollkommen vernachlässigen, mit denen sie schon immer gelebt haben. Umgekehrt verbeissen sich hartnäckige Pandemie-Leugnys (keine in meiner Bubble) in die 0,3 Promille mutmasslicher Post-Vac-Fälle und folgen da vor allem einem verschwörungsgläubigen Anwalt, der das gerade medial pusht. Die große Mehrheit hingegen ist froh, das Thema größtenteils ignorieren zu dürfen - also von den aktuell schwer Kranken, Sterbenden und long-covid Betroffenen mal abgesehen. So ein ganz kleines bisschen wie nach '45, denke ich. Alle irgendwie beschädigt, aber coping.
Das wird noch ein bisschen dauern, und ich bezweifle, dass es bei der nächsten Pandemie o.ä. viel besser laufen wird.
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit hingegen ist grundsätzlich verschieden, weil die Betroffenen in der Regel keine Möglichkeit haben, die diskriminierungsauslösenden Merkmale abzulegen, also z.B. Hautfarbe, Herkunft, sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität. Es ist auch keine zeitliche Begrenzung absehbar, keine Verbesserung der Faktenlage und keine Motivation von staatlicher Seite, weil im Unterschied zu den Covid-Massnahmen die Diskriminierung wegen Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht oder Sexualität der Mehrheit keine Probleme oder Aufwand bereitet. Wenn plötzlich alle vor dem Betreten einer öffentlichen Toilette ihr "Geschlecht" (welches auch immer) oder Abstammung nachweisen müssten, sähe das anders aus.
Beim Thema trans sind wir übrigens gerade wieder in einer Phase künstlicher Aufregung mit Mythen und Behauptungen, und obwohl hier massenweise Evidenz pro Akzeptanz und contra irgendwelcher
bans vorliegt, hindert das Menschen mit bestimmter Agenda nicht daran, weiter Diskriminierung zu pushen.
Also mal zusammengerechnet hoffe ich, dass wir ingesamt mehr "
woke" werden in der
ursprünglichen Bedeutung des Wortes, auch wenn es bei manchen und neuen Themen immer eine Weile braucht, bis sie menschenfreundlich und mitfühlend angegangen werden können.
(1) "die" klauen, morden, nehmen uns unsere Frauen weg, bereichern sich an <wasauchimmer>. Siehe die Propaganda von afd, npd & Co.