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taz | Gender und deutsche Sprache: Was für echte Fans

Verfasst: Di 11. Apr 2023, 17:04
von Anne-Mette
Unsere Autorin hat Spaß am Gendern. Es ermöglicht ihr, andere Menschen mitzudenken. Und die Schönheit der deutschen Sprache zu gestalten.

https://taz.de/Gender-und-deutsche-Sprache/!5926977/

Re: taz | Gender und deutsche Sprache: Was für echte Fans

Verfasst: Di 11. Apr 2023, 17:18
von ExUserIn-2026-04-08
Ich will dich kennenlernen, wenn du beim ersten Date mit mir über diese Gehweg-Fragen 'ne Flasche Wein leerst.
Ein echtes Angebot der Autorin. Ich fürchte nur, Ihre Leber (wie ist eigentlich die männliche Form von Leber?) wird Probleme bekommen ...

Re: taz | Gender und deutsche Sprache: Was für echte Fans

Verfasst: Di 11. Apr 2023, 17:47
von Lina
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 11. Apr 2023, 17:18
Ich will dich kennenlernen, wenn du beim ersten Date mit mir über diese Gehweg-Fragen 'ne Flasche Wein leerst.
Ein echtes Angebot der Autorin. Ich fürchte nur, Ihre Leber (wie ist eigentlich die männliche Form von Leber?) wird Probleme bekommen ...
Wieso? Du könntest sie doch auch auf Kaffee und Berliner"innen einladen.

Re: taz | Gender und deutsche Sprache: Was für echte Fans

Verfasst: Di 11. Apr 2023, 18:26
von Annette
Bonsoir

Das Beispiel mit dem Bürger*&%$#@innensteig mag ich ganz besonders, die reinste Satire. Ich habe selbst mal einen Text veröffentlicht mit ähnlichen Beispielen, den ich jedoch (noch) nicht hier veröffentlichen werde. Zu sehr befürchte ich, dass einige der User@#$innen meine oft bitterböse und provokative Satire in den falschen Hals bekommen und dann einen "Scheiss-Sturm" gen Westen lostreten werden. Doch im Schreibhandwerk gibt es nichts schöneres als sich den sprachlichen Inhalt dafür zunutze zu machen. Zum Verfassen von satirischen Texten! Zur Unterhaltung, zur Anregung, zur Provokation! Ich kann vier bis fünf Sprachen, doch ausgerechnet das Deutsche scheint mir dafür am geeignetsten. Dieser amtsdeutsche und bürokratische Touch, wie ich das liebe (dennoch empfinde ich deutsch auch als eine sehr schöne und gefühlsbetonte Sprache, dies liegt natürlich an der richtigen Wortwahl).

Das Gendern in der Sprache wird manchmal leider völlig übertrieben, in diesem Falle kommt es der allgemeinen Unterhaltung des Publikums eines satire-verfassenden und -vortragenden Individuums entgegen. Nur leider auch allen anderen, nämlich den Skeptikern und Gegnern. Das ist die Kehrseite des Genderns in der Sprache.

Liebe Grüsse aus dem Land der Luxemburger*&%$#@innen

Annette

Re: taz | Gender und deutsche Sprache: Was für echte Fans

Verfasst: Di 11. Apr 2023, 18:54
von Jaddy
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 11. Apr 2023, 17:18
Ich will dich kennenlernen, wenn du beim ersten Date mit mir über diese Gehweg-Fragen 'ne Flasche Wein leerst.
Ein echtes Angebot der Autorin. Ich fürchte nur, Ihre Leber (wie ist eigentlich die männliche Form von Leber?) wird Probleme bekommen ...
Dir ist schon klar, dass Dinge im Deutschen kein Gender haben, sondern nur Genus, oder?

Und dass dieser Dreh, Sachen in vermeintlich witziger Form eine verdrehte Art von genderinklusiver Sprache anzudichten eine typische Strategie von anti-queerem und anti-feministischem Aktivismus ist, ja?

Re: taz | Gender und deutsche Sprache: Was für echte Fans

Verfasst: Di 11. Apr 2023, 18:57
von Jaddy
Bildschirm-­foto 2023-04-11 um 18.44.38.png
Na, wer entdeckt den Fehler in der Bildunterschrift?

Re: taz | Gender und deutsche Sprache: Was für echte Fans

Verfasst: Di 11. Apr 2023, 19:41
von Susi T
Danke Jaddy, das trifft es sehr gut.
Hatte erst Ostern eine solche Diskussion, bei der mir alles mögliche entgegengebracht wurde, nur um mir klar zu machen, das unsereins die Menschen überfordert.
Von den neuen bunten Regenbogenflaggen, über den Genderwahnsinn bis hin zu allem was falsch läuft.
Im Zweifelsfall wird da nämlich nicht differenziert.

Re: taz | Gender und deutsche Sprache: Was für echte Fans

Verfasst: Di 11. Apr 2023, 20:13
von Lana
Jaddy hat geschrieben: Di 11. Apr 2023, 18:54 Dir ist schon klar, dass Dinge im Deutschen kein Gender haben, sondern nur Genus, oder?
Hmm, was denn nun?
Wenn die dt. Sprache gar kein Gender kennt, wie kann sie dann überhaupt gegendert werden?
Und wieso ist es dir dann so unheimlich wichtig, dass es gemacht wird, wo es doch nur um das Genus geht?

LGL

Re: taz | Gender und deutsche Sprache: Was für echte Fans

Verfasst: Di 11. Apr 2023, 20:17
von Michi
Den "Bürger*innensteig" anstatt dem Gehweg den Vorzug zu geben, also den Nerv-Faktor vorsätzlich so hoch wie möglich zu halten, ist kein Spaß, sondern ganz bewusste Provokation, und liefert den Gegnern des Genderns auch noch unnötige Argumente frei Haus. Dafür habe ich kein Verständnis!

Re: taz | Gender und deutsche Sprache: Was für echte Fans

Verfasst: Di 11. Apr 2023, 20:29
von Michi
Lana hat geschrieben: Di 11. Apr 2023, 20:13
Jaddy hat geschrieben: Di 11. Apr 2023, 18:54 Dir ist schon klar, dass Dinge im Deutschen kein Gender haben, sondern nur Genus, oder?
Hmm, was denn nun?
Wenn die dt. Sprache gar kein Gender kennt, wie kann sie dann überhaupt gegendert werden?
Und wieso ist es dir dann so unheimlich wichtig, dass es gemacht wird, wo es doch nur um das Genus geht?

LGL
Da wird auf einen angeblichen Unterschied zwischen Objekten und Subjekten abgestellt, und abweichend von den tatsächlichen Sprachregeln gerne falsch behauptet, dass Substantive, die Subjekte bezeichnen, keinen Genus hätten, sondern "nur" einen Sexus. Also: Der "Stein" hätte einen Genus .. sprich der Artikel bezieht sich auf das grammatikalische Geschlecht von "Stein", während der "Hund" nur einen Sexus hätte, und sich der Artikel auf das Geschlecht des Tiers beziehen würde, anstatt auf das grammatikalische Geschlecht.

Re: taz | Gender und deutsche Sprache: Was für echte Fans

Verfasst: Di 11. Apr 2023, 20:33
von Ulrike-Marisa
Moin,
da lobe ich mir doch das alte Wort Trottoir aus meiner Kindheit. Da gab's keine Probleme mit Menschen, die ihn benutzten. :wink:

Ade, Ulrike Marisa :)

Re: taz | Gender und deutsche Sprache: Was für echte Fans

Verfasst: Di 11. Apr 2023, 21:04
von Jaddy
Tira hat geschrieben: Di 11. Apr 2023, 19:41 Danke Jaddy, das trifft es sehr gut.
Hatte erst Ostern eine solche Diskussion, bei der mir alles mögliche entgegengebracht wurde, nur um mir klar zu machen, das unsereins die Menschen überfordert.
Von den neuen bunten Regenbogenflaggen, über den Genderwahnsinn bis hin zu allem was falsch läuft.
Im Zweifelsfall wird da nämlich nicht differenziert.
So ist das. "Zu viel", "zu schnell", "braucht doch niemand", "haben wir keine anderen Probleme", usw.

Auch wenn ich hier in den Thread gucke: Nichts neues. Die gleiche Leier von den gleichen Leuten und der Tenor bleibt auch der gleiche.

Dabei geht es eigentlich nur um die Bitte, ein bisschen netter zu sein. Nur so als Anregung, damit alle besser klar kommen. Also erst mal zu den bekannten 49%, aber auch zu den ca 3%, die bis vor wenigen Jahren nicht so auf dem Schirm waren.

Keine Ahnung, was an so einer Bitte so verstörend ist. Vor allem, weil sie ziemlich direkt auch "uns" zugute kommt. D.h. die sich hier so echauffieren spielen ziemlich direkt denen in die Hände, die "uns", alle hier, am liebsten tot sehen wollen.

Klar haben wir viele andere Probleme. So richtige sogar. Klimakrise. Verbrauchte Infrastruktur. Bildung, Rente, Pflege. Wäre super, wenn die konsequent angegangen würden. Wenn generisches Maskulinum auch nur eines dieser Megaprobleme beseitigen würde, wäre ich ja dafür. Aber da dem nicht so ist, sehe ich in der Aufregung gegen sprachliche Fairness nur Ablenkung auf Kosten anderer.

Re: taz | Gender und deutsche Sprache: Was für echte Fans

Verfasst: Di 11. Apr 2023, 21:18
von Jaddy
Ulrike-Marisa hat geschrieben: Di 11. Apr 2023, 20:33 Moin,
da lobe ich mir doch das alte Wort Trottoir aus meiner Kindheit. Da gab's keine Probleme mit Menschen, die ihn benutzten. :wink:
Das ist der Punkt. Wenn es tatsächlich um die Kultur der deutschen Sprache ginge, wären Synonyme hoch im Kurs. Es brauchte nicht einmal Lehnworte. Fussweg, Gehweg, Gehsteig. Die Puristys könnten sich messen in der Optimierung genderneutraler und inklusiver Formen und Formulierungen ohne Sternchen - auch wenn damit das Mitdenken weiter ausgeblendet würde. Aber sei's drum.

Aber es geht nicht um schöne Sprache. Es geht um Patriarchat, Macht und Verlustängste.

Re: taz | Gender und deutsche Sprache: Was für echte Fans

Verfasst: Di 11. Apr 2023, 21:20
von Lana
MichiWell hat geschrieben: Di 11. Apr 2023, 20:29Da wird auf einen angeblichen Unterschied zwischen Objekten und Subjekten abgestellt
Danke für die Erläuterung. Leider verstehe ich nicht, was du mit Subjekten und Objekten meinst. Ist das ein ähnliches Konzept wie belebte und unbelebte Substantive in manchen slawischen Sprachen?

LGL

Re: taz | Gender und deutsche Sprache: Was für echte Fans

Verfasst: Di 11. Apr 2023, 21:29
von Helga
Jaddy hat geschrieben: Di 11. Apr 2023, 18:57 Na, wer entdeckt den Fehler in der Bildunterschrift?
Hallo Jaddy,
dieser Post verdeutlicht sehr gut das eigentliche Problem beim Gendern: Wer sich als Laie (beim Gendern sind wir mangels schulisch oder universitär erlernter entsprechender Kompetenzen fast alle Laien) auch noch so viel Mühe gibt, stößt früher oder später an Grenzen der seit Jahrzehnten gelernten, gelebten und gewohnten Umgangssprache, muss sich darauf von (meist selbsternannten) Fachmenschen oberlehrerhaft zurechtweisen lassen und zieht sich frustriert zurück.

Es ist mir schleierhaft, was du uns mit dem Satz oben sagen möchtest!

Im Übrigen würde ich folgende Strategie vorschlagen: Schaue nicht danach wer angesprochen wurde, sondern danach, wer angesprochen werden sollte. 99% aller Menschen, die die Floskel "Damen und Herren" benutzen, tun dies nicht, um damit Nonbinäre auszugrenzen, sondern wollen damit alle Menschen ansprechen. (Von dem restlichen 1% möchtest du mutmaßlich auch garnicht angesprochen werden.) Das ständige Kritisieren und Zurechtweisen führt mit Sicherheit nicht zu Verständnis und ernsthafter Auseinandersetzung sondern eher zu Ausgrenzung und Häme. Die Lokalpolitiker (von denen die meisten keine höhere Schulbildung haben) einer nicht weit von dir entfernt gelegenen kleinen Großstadt hatten vor einigen Jahren von den ewigen Zurechtweisungen derart die Nase voll, dass sie per Dekret der öffentlichen Verwaltung das Gendern verbieten wollten. Die Vorlage wurde zum Glück schnell wieder einkassiert, der Vorgang zeigt aber sehr gut, dass Sprache sich nicht per Doktrin und nicht in in kurzer Zeit verändern lässt.

Liebe Grüße
Helga