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STERN | Experte schlägt bis zu 2000 Euro Selbstbeteiligung für Kassenpatienten vor
Verfasst: Mi 22. Feb 2023, 10:35
von Anne-Mette
"Von welchem Geld?" werden sich viele Menschen fragen
https://www.stern.de/gesundheit/kranken ... 20220.html
Re: STERN | Experte schlägt bis zu 2000 Euro Selbstbeteiligung für Kassenpatienten vor
Verfasst: Mi 22. Feb 2023, 11:18
von Ulrike-Marisa
Moin,
...das riecht nach Klassenkampf. Wer soll so etwas als Rentner oder Normalverdiener bezahlen?
Gruß, Ulrike-Marisa
Re: STERN | Experte schlägt bis zu 2000 Euro Selbstbeteiligung für Kassenpatienten vor
Verfasst: Mi 22. Feb 2023, 11:22
von Blossom
Tja, damit bekämen wir dann endgültig amerikanische Verhältnisse ... Vor denen habe ich bereits in meiner Abschlussarbeit zur Heimleitung gewarnt, in der ich das amerikanische und deutsche Gesundheitssystem wirtschaftlich gegeneinander positionierte. Zumal ich selbst in den USA Werbetafelnvon Krankenversicherern an Autobahnen bewundern durfte, die z.B. Arbeiter im 50 Stock auf schmalen Stahlträgern zeigten und mit dem textlichen Hinweis für sich warben: Wenn auch sie nicht täglich ein solches Risiko eingehen, dann kommen Sie zu uns.
Was bitte soll neben Ski-Fahren als Eigenrisiko denn noch kommen? Fallschirmspringen, Paragleiten, Reiten oder Kanufahren? Auch Fahrradfahren stellt ein Eigenrisiko dar ... Dann dürften wir auch gleich ergänzen: Wer laufend zu McDonald geht soll für seine Adipositas-Probleme selbst aufkommen und alle damit verbunden Nebenerkrankungen?
Ich habe lange Jahre einen alten Herrn in einer 1:1 Versorgung (24/7) zu Hause betreut, der infolge einer schweren Lungenerkrankung an der Beatmung hing - eine Erkrankung, die er sich beruflich im Untertagebau zugezogen hat ... und damit pro Jahr die Kosten für ein Einfamilienhaus versursacht hat ... Hätte er umschulen und dieses Eigenrisiko nicht eingehen sollen?
Ja, ein gutes Gesundheitssystem kostet sehr viel Geld ... Aber ein Land wie unseres, dass auf dem Prinzip der Solidargemeinschaft aufgebaut ist, wird daran gemessen, wie es mit seinen Kranken, Alten und Armen umgeht!
Dann werden wir halt tiefer in die Tasche greifen müssen ... aber über Sozialversicherungsabgaben, entsprechend der Einkommensverhältnisse! Und bitte, ganz schnell weg von der Privatversicherung ... Mal ganz ehrlich: Wo liegt der Unterschied in der Diagnostik, der es rechtfertigt, anstatt des einfachen Satzes grundsätzlichen den 2,3 fachen zu berechnen - oder mittels irgendeiner an den Haaren herbeigezogenen Begründung gar bis zum 3,5 fachen?!
Was wäre denn das nächste? Menschen aus dem System von vornherein auszuschließen, nur weil sie ein Risiko darstellen ... oder wie in den USA ein System, nachdem vorab berechnet wird, ob sich eine OP etc. überhaupt rechnet? Quasi das Alter, Allgemeinzustand, zu erwartende Lebenszeit etc. Einfluss hat? Denn ein solches System gibt es dort bereits!
Und ist das Problem eigentlich ein Neues? Doch wohl kaum! Schon in den 1980ern wusste man, wann die geburtenstarken Jahrgänge auf das System zukommen ... aber es ist wie mit Vielem ... Es wird nicht vorausgeplant.
Dazu führe ich immer gern den Straßenbau an, wenn ich als Dozentin unterwegs bin: Immer mehr Straßen, immer mehr Brücken etc ... Bauen reicht nicht, wenn man bei der Planung der Kosten nicht berücksichtigt, dass das alles auch erhalten werden will! Jeder Hausbesitzer weiß, wann er das Dach erneuern muss und beginnt rechtzeitig Geld anzusparen. Er wartet nicht erst, bis es reinregnet!
Re: STERN | Experte schlägt bis zu 2000 Euro Selbstbeteiligung für Kassenpatienten vor
Verfasst: Mi 22. Feb 2023, 11:31
von Anne-Mette
Ulrike-Marisa hat geschrieben: Mi 22. Feb 2023, 11:18
Wer soll so etwas als Rentner oder Normalverdiener bezahlen?
Es wird davon gesprochen, dass es "abgestuft" verlaufen soll.
Trotzdem wird es viele Menschen in Nöte bringen und sie werden vermutlich auf notwendige Arztbesuche (d/m/w) verzichten.
Wir sind längst in einer Zeit angekommen, in der über Armut nicht mehr überwiegend "theoretisch" diskutiert wird und es "die Anderen betrifft". Es sind in der Praxis weite Bereiche der Bevölkerung betroffen.
Re: STERN | Experte schlägt bis zu 2000 Euro Selbstbeteiligung für Kassenpatienten vor
Verfasst: Mi 22. Feb 2023, 11:37
von Heike-Simone
Naja,Vorschläge von "Experten",egal ob Gesundheit,Rente,Soziales,richtig was gearbeitet hat von denen noch keiner.

Re: STERN | Experte schlägt bis zu 2000 Euro Selbstbeteiligung für Kassenpatienten vor
Verfasst: Mi 22. Feb 2023, 11:44
von Runa
Hallöchen!
Also ich denke, es ist erstmal ein Vorschlag. Was dann wie letztendlich kommt, steht auf einem anderen Blatt. Dass sich etwas ändern muss, dürfte bei den ständig steigenden Kosten allen klar sein. Und ich denke auch nicht, dass nötige Behandlungen verwehrt werden nur weil du dir die 2000 Euro nicht leisten kannst. Dafür wird es sicher Härtefallregelungen geben. Oder aber es kommt tatsächlich ein abgestuftes System, dass sich am Einkommen orientiert. Wobei dann ja wieder die Besserverdiener schreien dürften, wenn jemand der nicht zuzahlen muss durch starkes Rauchen, Alkoholismus oder Drogen krank wird. Denn zumindest diese drei Dinge sind vermeidbares Eigenrisiko, oder?
LG
Runa
Re: STERN | Experte schlägt bis zu 2000 Euro Selbstbeteiligung für Kassenpatienten vor
Verfasst: Mi 22. Feb 2023, 11:48
von Blossom
Anne-Mette hat geschrieben: Mi 22. Feb 2023, 11:31
Trotzdem wird es viele Menschen in Nöte bringen und sie werden vermutlich auf notwendige Arztbesuche (d/m/w) verzichten.
Ganz genau ... und mit welchem Ergebnis?
Am eigenen Beispiel? Im Dezember war es eine Erkältung. Ich bin nicht hin, habe stattdessen weitergearbeitet ... Es wurde schlimmer ... und am Ende war es eine verschleppte Erkältung, die zu einer schweren Bronchitis und einem fast dreiwöchigen Arbeitsausfall geführt hat. Ich habe mir keinen Gefallen getan und dem System auch nicht, weil es die Kosten um ein Vielfaches erhöht hat.
Genau darauf wird es dann für Viele hinauslaufen ... Sie werden erst gehen, wenn sie den Kopf unterm Arm haben ... Und in wie vielen Fällen wird es dann evtl.zu spät sein?
Re: STERN | Experte schlägt bis zu 2000 Euro Selbstbeteiligung für Kassenpatienten vor
Verfasst: Mi 22. Feb 2023, 11:52
von Anne-Mette
Heike-Simone hat geschrieben: Mi 22. Feb 2023, 11:37
richtig was gearbeitet hat von denen noch keiner
Das ist wohl nicht so ganz richtig bei vielen, die sich Experten und Expertinnen (d/m/w) nennen .
Es kommt natürlich darauf an, was unter "richtig was gearbeitet" verstanden wird.
Raffelhüschen: Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen (geb. 1957, verh., drei Kinder) ist Professor für Finanzwissenschaft und Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und war Prof. II an der Universität Bergen, Norwegen (1994-2019). Er studierte in Kiel, Berlin und Aarhus (Dänemark)
Quelle und weitere Informationen:
https://www.fiwi1.uni-freiburg.de/prof- ... elhuschen/
Re: STERN | Experte schlägt bis zu 2000 Euro Selbstbeteiligung für Kassenpatienten vor
Verfasst: Mi 22. Feb 2023, 11:53
von Blossom
Runa hat geschrieben: Mi 22. Feb 2023, 11:44
Wobei dann ja wieder die Besserverdiener schreien dürften, wenn jemand der nicht zuzahlen muss durch starkes Rauchen, Alkoholismus oder Drogen krank wird.
Darüber könnte man sich streiten ... vergessen wir nicht, dass es auch eine medizinische Disposition gibt ... Kinder von Rauchern, Alkoholikern oder Drogenabhängigen greifen später selbst zu diesen Mitteln ... Schwierig in diesen Fällen von Eigenrisiko zu sprechen, nicht wahr?
Re: STERN | Experte schlägt bis zu 2000 Euro Selbstbeteiligung für Kassenpatienten vor
Verfasst: Mi 22. Feb 2023, 11:55
von Martina-NB
Ach Leute, da wollte mal wieder ein selbsternannter Experte in die Medien kommen...
Warum sowas überhaupt zur Kenntnis nehmen und auch noch darüber diskutieren?
Re: STERN | Experte schlägt bis zu 2000 Euro Selbstbeteiligung für Kassenpatienten vor
Verfasst: Mi 22. Feb 2023, 11:55
von Jasmine
Blossom hat geschrieben: Mi 22. Feb 2023, 11:22
Tja, damit bekämen wir dann endgültig amerikanische Verhältnisse ...
Runa hat geschrieben: Mi 22. Feb 2023, 11:44
......Also ich denke, es ist erstmal ein Vorschlag. Was dann wie letztendlich kommt, steht auf einem anderen Blatt. ....................
@ Runa. Sowas sind gefährliche Vorschläge die unser Sozialsystem untergraben. Der Abbau sozialer Leistungen ist doch bereits Realität. Mir blutet das Herz wenn ich Rentner sehe die Deutschland mit aufgebaut haben und heute Flaschen sammeln gehen.
Liebes Blümchen, du hast es sehr gut ausgedrückt. Solche Forderungen empfinde ich als gesellschaftsgefährdend. Aber es werden sich bestimmt einige Befürworter finden die unser derzeitiges Sozialsystem weiter untergraben wollen. Es ist doch schon heftig wenn sich der Staat auf die Tafeln verlässt, kommt denn nun der nächste Schlag? Irgendwie scheint es die Zeit der Spalter zu sein. Ein gegenseitiges Ausspielen von Bevölkerungsgruppen halte ich für sehr gefährlich. Vielleicht sollte statt zu spalten und die Zweiklassen-Versorgung zu vertiefen nach besseren Lösungen gesucht werden. Wird bei dem Thema Krankenversicherung Deutschland auch wieder überholt?
Wenn ich in die Niederlande schaue, denke ich wir sind heute da wo die Niederlande bereits 2005 waren.
https://de.wikipedia.org/wiki/Krankenve ... ederlanden
Wir brauchen keine Reform nach der anderen, das nenne ich verschlimmbessern. Müssen wir das Rad neu erfinden?
Genauso ist es mit den Renten. Wenn alle einzahlen würden dann wäre es gerechter. Die Pensionen von Beamten, Politikern usw. sollten auch nicht besser sein als die Rente in einem vergleichbaren Beruf in der Wirtschaft.
Hier habe ich mir mal die Entwicklung aus Österreich angesehen.
Liebe Grüße Jasmine
Re: STERN | Experte schlägt bis zu 2000 Euro Selbstbeteiligung für Kassenpatienten vor
Verfasst: Mi 22. Feb 2023, 12:07
von Anne-Mette
Martina-NB hat geschrieben: Mi 22. Feb 2023, 11:55
Warum sowas überhaupt zur Kenntnis nehmen und auch noch darüber diskutieren?
Ich halte es für wichtig und notwendig, sich mit drohenden Entwicklungen auseinanderzusetzen.
Vielen Menschen fehlt das Geld für "medizinische Zusatzleistungen" oder Zuzahlungen.
Schon jetzt müssen Kassenpatientinnen (d/m/w) in der gynäkologischen Praxis oftmals für eine Ultraschalluntersuchung bar bezahlen.
Ein Frauenarzt aus der Umgegung hat auch für Schwangerschaftsabbrüche eine "Zusatzgebühr" erhoben, zwar "nur" 10 Euro, aber manchen Betroffenen fällt auch das schwer.
Re: STERN | Experte schlägt bis zu 2000 Euro Selbstbeteiligung für Kassenpatienten vor
Verfasst: Mi 22. Feb 2023, 12:23
von Blossom
Jasmine hat geschrieben: Mi 22. Feb 2023, 11:55
Solche Forderungen empfinde ich als gesellschaftsgefährdend.
Gesellschaftsgefährdend ist die Lage ganz allgemein.
Ich bin ganz sicher keine Kommunistin oder stark links ausgerichtet ... Aber rein zufällig lief heute Morgen (ich musste um 3:45 raus und ließ nebenbei Phoenix laufen) eine Dokumentation über Karl Marx ... und ganz zum Ende sagte Engels am Grab seines Freundes in seiner Trauerrede (ich zitiere frei): Er wisse, dass sein Freund recht habe, wenn er sagte, die Gesellschaft würde durch den Kapitalismus in ferner Zukunft gespalten werden ... Nicht jetzt, aber sehr wahrscheinlich in 100 Jahren.
Und ich zitiere Branco Milanov, den ehemaligen Chefökonom der Weltbank, der in seinem jüngsten Buch "Die ungleiche Welt" schreibt, dass es den "Fahrstuhleffekt" für alle schon lange nicht mehr gibt. Zitat: "Während die einen, die ohnehin Wohlhabenden und Spitzenverdiener, weiter nach oben fahren, geht die Reise für die Mehrheit der Arbeitnehmer nach unten. Und dies trifft nicht nur die wachsende Anzahl von Armen, sondern durchzieht wesentliche Teile der Gesellschaft. Jüngste Zahlen des DIW für Deutschland haben gezeigt, dass die unteren 40 Prozent hierzulande nach 1990 reale Einkommensverluste hinnehmen mussten." Er schreibt weiter, dass insbesondere die Bedingungen der sozialen Sicherheit (und Aufstiegschancen) ausgehöhlt wurden und wir uns zu einer Abstiegsgesellschaft entwickeln.
Und genau diesen Aspekt hat Karl Marx in seinem "Das Kapital", Kapitel 23, bereits vorweggenommen.
Re: STERN | Experte schlägt bis zu 2000 Euro Selbstbeteiligung für Kassenpatienten vor
Verfasst: Mi 22. Feb 2023, 12:25
von Lavendellöwin
Öhmmm..
ihr wisst aber schon, das man das steuerlich geltend machen könnte, zumindest einen Teil, wenn man's richtig macht?
https://www.finanztip.de/aussergewoehnl ... lastungen/
Alles Liebe Marie

Re: STERN | Experte schlägt bis zu 2000 Euro Selbstbeteiligung für Kassenpatienten vor
Verfasst: Mi 22. Feb 2023, 12:31
von Blossom
EmmiMarie hat geschrieben: Mi 22. Feb 2023, 12:25
ihr wisst aber schon, das man das steuerlich geltend machen könnte?
Stimmt ... aber wir reden hier nicht von denen, die regelmäßig eine Steuerklärung machen ... möglicherweise nicht einmal über den entsprechenden Bildungsstand verfügen.
Wir reden von Menschen, die eh schon Probleme haben über die Runden zu kommen. Und letztlich kannst du von der Steuer nicht mehr zurückbekommen als du an Steuern gezahlt hast.
ich wüsste aber nicht, dass z.B. Arbeitslose, Bürgergeldempfänger etc. überhaupt Steuern zahlen.