eigentlich begann meine Reise auf dem Weg zur Frau natürlich nicht erst diese Woche, aber nach all den Hürden, die es im Vorfeld nicht zuletzt dank Corona zu überwinden galt, habe ich den Eindruck, dass ich jetzt endlich auf dem Weg bin, an dessen Ziel mein Leben als Frau sowohl geistig als auch körperlich steht. Gerade bin ich sehr euphorisch und muss das unbedingt mit jemandem Teilen, der mich vielleicht versteht. Also wird dies mein Medium Euch, wenn ihr wollt daran teilhaben zu lassen und vielleicht jemanden Mut zu machen, wenn er benötigt wird. Falls ich gerade im fachlichen Bereich mal falsche Begriffe verwende nicht böse sein, ich bin von Haus aus Infanterist, was er nicht kennt macht er kaputt.
Ich hatte am Donnerstag meinen ersten Termin in der Begleittherapie im ZiP in Kiel. Kleiner "Heimvorteil" die nutzen die Räume der alten Kinderkardiologischen Ambulanz, da kenne ich mich wenigstens aus.
Also morgens aufgehübscht und zeitig los, denn parken kann man da eher mäßig gut. Schnell durch die Anmeldung, die ist am alten Platz geblieben und dann 1 Treppe runter zu den Ärztezimmern.
Ich wurde auch sehr schnell von meiner neuen Therapeutin eingesammelt und wir haben uns dann nett gute 45min. unterhalten. Ich bin ohne feste Erwartungen hingegangen, einfach nur froh, dass es endlich weiter geht. Im ersten Termin geht es ja eh darum sich "zu beschnuppern" sie hat mich dann auch erzählen lassen, warum ich da bin, klar hatte sie meine Akte schon gelesen, aber es von mir zu hören ist ja etwas völlig anderes. Dann ging es weiter über die Familie und Job bis hin zu meinen Erwartungen/Zielen. Ich habe ihr gleich gesagt, dass ich zwar mit den Richtlinien der Behandlung vertraut bin, aber doch so schnell wie eben möglich mit der Einnahme der Hormone beginnen möchte. Dazu kommt Logopädie für die Stimme und eine Bartentfernung. Ich habe zwar "noch" relativ blondes Haar, aber ich werde halt nicht jünger und der Bartschatten nervt auch ein wenig. Meine Therapeutin war da sehr verständnisvoll, ich habe jetzt alle 14-Tage einen Termin, was mir sehr gelegen kommt, da ich so die 12 "Pflichttermine" schnell voll habe und da ich auch bei meiner 1. Therapeutin von den probatorischen Sitzungen zwecks Quartalsgespräch und späterer Indikation bleibe, will sie meinen Fall in der nächsten Woche auf der Teamsitzung besprechen, ob meine "Wartezeit" nicht verkürzt werden kann, da ich ja im April bereits dort war. Ich erwarte keine Sonderbehandlung oder Wunder, aber es wäre doch schön wenn dem zugestimmt werde würde. Jedenfalls stellte mich die Termindichte gleich vor eine neue Herausforderung. Alle Termine sind ausschließlich vormittags. Es gibt schlicht keine Nachmittagstermine. Also muss ich an jedem Termin später zum Dienst. Wie erkläre ich das meinem Team. Die Mädels wissen bislang nichts von meiner Transidentität. Als Leitung kann ich zwar viel schieben, aber wir sind zu klein, um mich komplett raus ziehen zu können. Also habe ich wie an der Offiziersschule gelernt die Lage beurteil und eine Entscheidung getroffen. Mit Bauchflattern habe ich als erstes meine Stellvertretung ins Bild gesetzt und wurde echt überrascht, wie cool sie darauf reagiert hat. Sie selber hat zwar auch regelmäßige Facharzttermine aber das, was ich vor mir habe, ist dann doch eine andere Nummer. Jedenfalls geht es mir gerade gefühlt richtig gut, da ich bisher nur positive Feedbacks auf mein outing bekommen habe. Am Mittwoch setze ich mein restliches Team in Kenntnis und bis zum Ende des Monats plane ich auch mit bei der "Chefetage" damit durch zu sein. Was dann noch bleibt sind die Eltern, aber die informiere ich tatsächlich erst nach Absprache mit meinen "Chefs". So geht eine turbulente Woche zu Ende und eine Weitere liegt vor mir.
Ich freue mich darauf mich weiter mit Euch über Eure Erfahrungen austauschen zu können.
Alles Liebe Eure Katharina Maxine
