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Twenty4Tim „ genderfluid im Mainstream?

Verfasst: Sa 8. Okt 2022, 12:29
von Nora_7
Hallo alle,
ich bin zwar aus der Zielgruppe der Fans entwachsen, denn och ist der Ansatz bemerkenswert. In seinen Videos wechselt der Sänger stetig zwischen allen Genderklischees, und die Darstellung weiblicher Sing-Sternchen ist wirklich beeindruckend - Sex Appeal übertrifft Stimme. Auch sonst trägt er, was er will, auch Kleider.

Beispiele:
https://www.selfies.com/apps/instagram/ ... rrt-84419/
https://www.youtube.com/watch?v=QU3FC2h5u-k

Was meint ihr - hilfreich für die Akzeptanz?

Mir ist gestern beim Stammtisch - Dirdl war angesagt - aufgefallen, das guut gestylt auch positiv gesehen wird. Wir waren ca. 20 Mädels, die innerhalb von 30 Minuten ankamen. Am Eingang stand eine Gruppe Frauen, Alter 25-50, checkten mich ab und strahlten mich dann an "Willkommen, wir sind ihr Empfangskommitee". Ca. 150 Gäste innen - alles normal.

Liebe Grüße Nora_7

Re: Twenty4Tim „ genderfluid im Mainstream?

Verfasst: Mo 10. Okt 2022, 21:57
von Nora_7
Als Ergänzung: es gibt doch noch mehr zu tun als gedacht. Zum Glück begegne ich diesen kranken Hirnen nicht oder bemerke sie nicht: FB-Kommentare (für die, die Zugang haben) zur Late Night Berlin vom 4.10 auf pro7:

https://www.facebook.com/LateNightBerli ... &ref=notif

Unglaublich, man fühlt sich in die 30er Jahre versetzt.
Nora_7

Re: Twenty4Tim „ genderfluid im Mainstream?

Verfasst: Mo 10. Okt 2022, 23:03
von Nico
Hilfreich für die Akzeptanz von wen oder was?

Es gibt schon immer Menschen in den Medien, die mit Geschlechterklischees spielen und für Aufmerksamkeit sorgen.
Vorteilhaft ist sicherlich, dass sich die Menschheit an den Anblick gewöhnt und es somit weniger außergewöhnlich ist.
Es bleiben aber Kunstfiguren, die kaum etwas mit dem realen Leben von trans oder crossdressenden Menschen zu tun haben. Problematisch sehe ich, dass es immer wieder von einigen Menschen in einen Topf geworfen wird. Mein Leben ist aber kein Spiel oder Selbstinszenierung und ich kann mich auch nicht damit Identifizieren. Deshalb sehe ich nicht, wo es für meine Akzeptanz von Vorteil ist, evtl. ist es sogar von Nachteil.

Re: Twenty4Tim „ genderfluid im Mainstream?

Verfasst: Di 11. Okt 2022, 08:09
von sbsr
Nora_7 hat geschrieben: Sa 8. Okt 2022, 12:29 Was meint ihr - hilfreich für die Akzeptanz?
Wohl eher nicht. Für die, die uns nicht wohl gesonnen sind, dient das als weiterer Beweis, dass wir alle ausgeflippte Spinner sind.

Wenn ich ganz ehrlich sein darf, ich selbst bin auch kein großer Fan dieser übertriebenen Darstellung von "neuen Geschlechteridentitäten".

Nora_7 hat geschrieben: Sa 8. Okt 2022, 12:29 Mir ist gestern beim Stammtisch - Dirdl war angesagt - aufgefallen, das gut gestylt auch positiv gesehen wird.
Was ich immer sage, "normal" verhalten, halbwegs Wert auf Passing legen und vor allem kein großes Ding draus machen, das schafft am meisten Akzeptanz. Die Kritiker können weg schauen, ohne dass ihnen das Thema aufgezwungen wird, die unschlüssigen sehen, dass wir weder beißen noch ansteckend sind.

Nora_7 hat geschrieben: Mo 10. Okt 2022, 21:57 Zum Glück begegne ich diesen kranken Hirnen nicht oder bemerke sie nicht
Letzteres, definitiv. Die Akzeptanz ist meiner Meinung - und teils Erfahrung - nach bei weitem nicht (mehr) so gut, wie wir uns immer einreden wollen. Die meisten sind nur zu feige um was zu sagen, oder das Thema ist ihnen zumindest so lange egal, so lange sie nicht damit konfrontiert werden.

Ob die Kommentare zu dem Beitrag auf FB jetzt unbedingt etwas mit Trans* oder Gender an sich zu tun hat, glaube ich allerdings auch nicht. Mir fallen zig B/C/... Promis ein, bei denen die Reaktionen sehr ähnlich ausgefallen wären.

Re: Twenty4Tim „ genderfluid im Mainstream?

Verfasst: Di 11. Okt 2022, 10:05
von Nora_7
sbsr hat geschrieben: Di 11. Okt 2022, 08:09 Ob die Kommentare zu dem Beitrag auf FB jetzt unbedingt etwas mit Trans* oder Gender an sich zu tun hat, glaube ich allerdings auch nicht.
Das Erschreckende ist der Haß, der aus vielen Kommentaren hervorsticht. Ich glaube, in direkter Begegnung würde sich keiner diese Aussagen trauen, aber "aus sicherer Entfernung" zeigen sie ihr wahres ich. Die ausschließlich rechtwinklinge und schwarz-weiße Welt des archaischen Spießertum-Weltbildes wird gestört, und das darf nicht sein. Sehen wir noch drastischer in USA bei den Republikanern.

Zum Glück sind meine Außenerfahrungen durchweg positiv, mein Selbstbewußtsein entsprechend entwickelt.

Bei weiterem Nachdenken meine ich zu erkennen, dass das "gemeine Volk" die größten Probleme mit ausgeprägtem androgynem Aussehen hat. Dort ist der Shitstorm am bösesten. Es ist wohl in ihrer archaischen 100% binären Welt damit voll überfordert.

Liebe Grüße Nora_7

Re: Twenty4Tim „ genderfluid im Mainstream?

Verfasst: Di 11. Okt 2022, 11:53
von Eva
Ich will das mal weder optisch noch inhaltlich/musikalisch das Video beurteilen, da sin Geschmäcker ja verschieden.

Aber warum muss die Aussage wieder sein: "Komm doch und hasse mich, deine Beleidigungen können mir nix, ich bin dir moralisch überlegen."
Das provoziert doch wieder alle, die das anders sehen, Beleidigungen mit dem Ziel zu formulieren, ihn (und alle, die mit in den Topf geworfen werden) doch zu verletzen.

Warum nicht einfach als Frau auftreten, in einem Song, in dem es überhaupt nicht um diese Thematik geht?
Sein Passing ist super - wenn er dabei nicht aussehen würde wie eine Comic-Figur, sondern wie eine normale Frau, dann wäre ich echt gespannt, wie die Gegenseite reagiert.

Ich erinnere mich an eine Band aus meiner Kindheit, der Sänger sah aus wie eine Frau, hatte eine tiefe Stimme, und das erregt natürlich Aufmerksamkeit. In den Texten ging es aber nicht um Geschlechter, Identitäten, Provokationen oder sonst was. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich da eine Gegenbewegung mobilisiert hat. Ohne Provokation gab es keine Angriffsfläche.

Re: Twenty4Tim „ genderfluid im Mainstream?

Verfasst: Di 11. Okt 2022, 12:04
von Account gelöscht
Nicht alles was Kritik ist, ist ein Hasskommentar. Im Gegenteil, die Kommentierenden haben sich teilweise sehr viel Mühe gegeben und lustig ist es stellenweise auch. Ich habe ganz ehrlich auch nur mit den Augen gerollt, ich kann mit solchen Darstellungen nichts anfangen. Kunstfigur okay, aber für irgendwas, was auch immer hilfreich ist es nicht.

Re: Twenty4Tim „ genderfluid im Mainstream?

Verfasst: Di 11. Okt 2022, 13:29
von Nora_7
sbsr hat geschrieben: Di 11. Okt 2022, 08:09 Wenn ich ganz ehrlich sein darf, ich selbst bin auch kein großer Fan dieser übertriebenen Darstellung von "neuen Geschlechteridentitäten".
Nico hat geschrieben: Mo 10. Okt 2022, 23:03 Deshalb sehe ich nicht, wo es für meine Akzeptanz von Vorteil ist, evtl. ist es sogar von Nachteil.
Ich befürchte auch, dass dieses nicht Fisch/nicht Fleisch eher irritierend als unterstützend wirkt. Es wäre sicher hilfreicher, wenn ein Mann mit Rock oder Kleid auftritt und sich nicht tuntig zu schminken. Klassisches Makeup, auch glamouröser, OK. Oder vollständig im TG-Look, dann aber mit Stil. Die Kleidung "dazwischen" ist i.d.R. nicht stimming. Vor allem zu ersterem traut sich keiner, letzteres wird wenn komplett und überzeugend weitgehend akzeptiert (s. Abgeordnete im Bundestag).

Liebe Grüße Nora_7

Re: Twenty4Tim „ genderfluid im Mainstream?

Verfasst: Di 11. Okt 2022, 16:28
von Nico
Ich sehe das Problem bei den Menschen, die Kunstfiguren mit echten Menschen in einen Topf werfen, und nicht bei den Künstlern.
Anderen vorzuschreiben, wie sie sich zu Kleiden/Schminken/Präsentieren haben, steht mir nicht zu und möchte ich auch nicht. Zudem gibt es nicht binäre Menschen, die nicht auf einer Seite sein können, oder Menschen mit nicht so guten Passing. Auch die sind zu akzeptieren.

Re: Twenty4Tim „ genderfluid im Mainstream?

Verfasst: Di 11. Okt 2022, 16:40
von Lana
Nora_7 hat geschrieben: Di 11. Okt 2022, 13:29 Ich befürchte auch, dass dieses nicht Fisch/nicht Fleisch eher irritierend als unterstützend wirkt.
Unterstützend wobei?
Bei der Aufrechterhaltung eines binären Weltbilds?

Klar ist es erstmal gewöhnungsbedürftig, die (Stil-) Brüche zu sehen. So wie es auch mal Diskussionen gab, ob knutschende Männer in der Öffentlichkeit dem Anliegen der Schwulenbewegung nützlich sind oder eher kontraproduktiv, weil zu viele Irritationen auslösend?

Aber was bleibt letztlich übrig, wenn es auf absehbare Zeit eine größere Akzeptanz von CD und Trans* geben soll, die nicht nur klassisch-binäre Gender umfasst?
Sollen z.B. nichtbinäre Menschen nur deshalb auf Sichtbarkeit verzichten, nur damit diejenigen, denen der binäre Wechsel genügt, nicht aus ihrer Komfortzone raus müssen?

LGL

PS:
Ansonsten hat Nico eigentlich alles notwendige dazu geschrieben.

Re: Twenty4Tim „ genderfluid im Mainstream?

Verfasst: Di 11. Okt 2022, 19:46
von Nora_7
Lana hat geschrieben: Di 11. Okt 2022, 16:40 Unterstützend wobei?
Bei der Aufrechterhaltung eines binären Weltbilds?
Manchmal ist der Weg das Ziel: Die Reihenfolge muss passen, Überforderung vermeiden.

Nora_7

Re: Twenty4Tim „ genderfluid im Mainstream?

Verfasst: Mi 12. Okt 2022, 15:15
von ExuserIn-2023-01-07
Naja, er ist Influencer. Hier geht es nicht um Akzeptanz von irgendwas, sondern um Klicks und Follower. Der ganze Social Media fu** basiert auf narzisstischer Selbstdarstellung. Das bringt uns nicht weiter, schadet auch nicht. Einfach nicht so ernst nehmen.

Androgyne Popstars gab es schon immer. Um nur einige zu nennen: Boy George, Annie Lennox, David Bowie, Pink, Prince und zu guter letzt der von mir besonders verehrte Brian Molko. Alle haben tausend mal mehr Stil (musikalisch und von ihrer Ausstrahlung/Persönlichkeit her) als Twenty4Tim. OK, das ist jetzt meine ganz persönliche subjektive Sicht der Dinge "¦. (smili)

Hier noch der passende Song dazu: viewtopic.php?p=355905#p355905

Re: Twenty4Tim „ genderfluid im Mainstream?

Verfasst: Mi 12. Okt 2022, 20:45
von Lavendellöwin
Juna33 hat geschrieben: Mi 12. Okt 2022, 15:15der von mir besonders verehrte Brian Molko.
Absolut Juna,

ich liebe Brian Molko und die Songs von Placebo, da ist Tiefe und Aussagekraft in den Texten
und die Songs sind so oder so immer hervorragend arrangiert.

David Bowie vermisse sehr aus ganzem Herzen.

Aber ich liebe auch Life of Agony und Mina Caputo die sich in einer härteren Szene behauptet hat.
Oder Against Me mit Laura Jane Grace..wobei beide ja (trans)Frauen sind.

Da ist Twenty4Tim nun wirklich kein Vergleich..

Alles Liebe Marie (flo)