Geschlechtsneutrale Kindererziehung - Wie aus einem Artikel ein diskussionswürdiges Thema für unsere FEM-Gruppe wurde
Verfasst: So 26. Jun 2022, 11:37
Darum geht es:
Hildegard, ein Mitglied der FEM-Gruppe meiner Mama, hat in der Freien Presse (Zeitung) vor einiger Zeit einen Artikel gelesen (den ich mal aus der Zeitung herausgezogen habe - siehe Bild) und hat neulich den Inhalt zum Thema unserer FEM-Gruppe gemacht. Unter dem Titel "Geschlechtsneutrale (androgyne) Kindererziehung" wollten wir einen Erfahrungs/Meinungsaustausch debattieren, was besonders interessant ist, denn einige Frauen haben Kinder, andere wiederum nicht. Unter diesem Aspekt lohnt sich gerade ein Dialog, denn hier kann man die Meinungen von kinderlosen und kinderreichen Mamas (Eltern) schön aus erster Hand erfahren.
Der Artikel:
Wie ihr aus dem Artikel herauslesen könnt, geht es einmal mehr darum wie man sein Kind in Geschlechterfragen/Rollen erziehen soll. Ich glaube dieses Thema hat noch nie so viel Aufmerksamkeit erfahren wie in der heutigen Zeit - ich persönlich finde es sehr gut darüber diskutieren zu können.
Lackierte Fingernägel (bei Jungs) scheint ein sehr häufig vorkommendes Beispiel für geschlechtsneutrale Kindererziehung zu sein, denn dies lese (und höre) ich in diesem Zusammenhang sehr oft, deshalb wundert es mich auch nicht dies erneut in einem Artikel zu lesen. Genauso wenig überrascht mich die Reaktion der Autorin, die die Handlung ihres Sohnes toleriert, während der Vater eine "entschuldigende Position" einnimmt.
Meine Erziehung:
Ich bin in den späten 70ern geboren und habe meine Kindheit in den frühen 80er Jahren verbracht, wohlgemerkt zu DDR-Zeiten, und schon damals hat mir meine Mama beigebracht nicht in Geschlechterrollen zu denken, sondern überlies es mir wie und mit was ich groß werden wollte. Jedoch hatte ich mit 6, 8 oder 11 Jahren noch keinen Bezug mich für Mädelssachen zu interessieren. Ich hatte weder das Verlangen mit Puppen zu spielen, noch wollte ich Mädchensachen tragen. Ich war ein Junge, stellte Unsinn an, hatte meine Matchbox-Autos und spielte Fußball. Natürlich ganz zur Freude meines Papas, denn dieser hielt recht wenig von den geschlechtsneutralen Ansichten meiner Mama. Heute kann ich sagen, daß ich in meinen jungen Jahren nicht wirklich verstanden habe was geschlechtsneutrale Kindererziehung für mich bedeuten würde. Bei meiner Entwicklung über die vielen Jahre bin ich Tina heute besonders dankbar, daß sie es mir bereits als Kind ermöglich hätte nicht in Geschlechterrollen zu denken, sondern mir die Wahl gelassen hätte, in wem ich mich entwickeln würde. Naja, mit einigen Jahren "Verspätung" habe ich dies inzwischen nachgeholt.
Unser FEM-Treffen:
Ich war sehr gespannt wie die Frauen über das Thema denken würden und freute mich auf dieses Treffen riesig. Ich hatte aber auch schon die Vorahnung, daß es ein Thema sein wird, das "heftig" diskutiert werden wird. Zunächst einmal haben wir in der Gruppe geklärt, was man überhaupt mit "geschlechterneutraler Erziehung" verbindet - schon hier stellte sich heraus, daß die Teilnehmerinnen verschiedenen Definitionsformen dazu haben. Für einige Frauen beginnt dies schon von der Geburt des Kindes, bsw. bei der Vergabe eines geschlechtsneutralen Namens. Ein "Streitpunkt" war, wie viel Freiheiten man als Eltern dem Kind bei der Eigenentwicklung in Sachen typisierte Geschlechterrolle zukommen lassen darf. Ein weiterer Punkt war, daß geschlechtsneutrale Kindererziehung in den meisten Fällen mit Jungs in Verbindung gebracht wird, da dies eben mehr auffällt, als bei Mädels - sei es in Sachen Mode, Ausdruck/Emotionen, Spielsachen, etc. Besonders hat mich gefreut, daß einige Teilnehmerinnen aktuelle Beispiele aus ihren Familien/Kindern zur Debatte beitragen konnten - hier einige Beispiele:
Pro:
- Beate (Kinder - 3 Mädchen, 1 Junge), spürt, daß ihr Junge (7 Jahre) sich für feminine Dinge interessiert, lieber mit seinen Schwestern (als mit gleichaltrigen Jungs) spielt, wobei sie diese Entwicklung (hin zum Femininen) unterstützt, selbst vom Papa kommt dazu Beistand
- Fiona, hat einen Sohn und würde ihm, wenn er denn wolle, die Möglichkeit geschlechtsneutraler Erziehung ermöglichen
- Uta (kinderlos) wäre offen für eine geschlechtsneutrale Kindererziehung, sieht aber die Gefahr von Ausgrenzung und Mobbing in der Schule, was das Risiko einer positiven Kinderentwicklung zur Folge haben könnte
Contra:
- Regina (Kinder - 2 Mädchen, 2 Jungs) hat keinen Bezug zu Geschlechtsneutralität und hält androgyne Kindererziehung für falsch
- Sabine (kinderlos) würde ihre Kinder definitiv nicht geschlechtsneutral erziehen
- Olga (Kinder - Mädchen und Junge) berichtete, daß ihr Junge mehrmal die Kleider seiner Schwester trug (und mit Schminke spielte) und sie es unterbunden hat, genau wie der Papa. Allerdings scheint dies mehr als nur ein Spaß/Phase des Sohns zu sein, wobei sie nun fürchten, daß ihr Junge feminine "Tendenzen" entwickeln wird
- Petra (Kinder - 3 Mädchen) findet, daß bei geschlechtsneutraler Erziehung die persönliche Identität und Identifikation mit dem eigenen Geschlecht des Kindes auf der Strecke bleiben würde
Neben einer Gruppendiskussion führten wir auch eine Umfrage durch, wo es abzustimmen galt, ob man für oder gegen eine "geschlechtsneutrale Kindererziehung" sei - das Ergebnis fiel mit 60/40 (gegen eine geschlechtsneutrale Kindererziehung) aus. Grundsätzlich hat mir der Meinungsaustausch rundum dieses Themas sehr gut gefallen, auch wenn die Meinungen ziemlich auseinander gingen - aber das soll in einer Diskussionsrunde ja auch so sein!
Meine eigene Meinung zum Thema:
Zunächst einmal muß geklärt werden, wie ich persönlich geschlechtsneutrale Kindererziehung auslege. Geht es darum, das Geschlecht des Kindes zu "verleugen"? Möchte ich aus einem Jungen ein Mädchen machen, oder umgekehrt? Oder gar ein Kind durch geschlechtsspezifische Stereotypisierungen in eine bestimmte Rolle drängen?
Ich sehe geschlechtsneutrale Erziehung in erster Linie als Chancengleichheit, bzw. die Möglichkeit die Charakterisierung beider Geschlechter erfahren zu können. Hätte ich ein Kind, würde ich ihm/ihr die Chance ermöglichen sich völlig frei in Persönlichkeit, Charakter, Individualität oder Wesensart zu entwickeln. Ich würde es meinem Kind überlassen selbst herauszufinden wer es sein möchte. Das schwierige dabei wäre wohl, das Alter herauszufinden, ab wann man diesen Weg seinem Kind überlässt. Ich wäre dafür in sehr jungen Jahren als Eltern dem Kind eine gewisse "Führung" zu geben, aber vielleicht mit 5 oder 6 Jahren kann man seinem Kind schon die ersten Schritte / Entscheidungen in Sachen Geschlechterentwicklung überlassen. In meinem persönlichen Umfeld habe ich meine Überzeugung zum Thema schon mehrfach angesprochen. Neben Anerkennung bekomme ich aber auch immer wieder (berechtigte...?) Bedenken zu hören:
"Findest du nicht, daß, wenn du deinen Sohn im Kleid in die Schule schicken würdest es verspottet, gehänselt oder in gesellschaftlichen Dingen benachteiligt wird?"
Diese eine Frage/Bedenken (unter vielen anderen die ich zu hören bekomme) hat durchaus seine Legitimität. Natürlich sollte man immer um das Wohl seines Kindes besorgt sein und unter dieser Sichtweise sollte man genau überlegen, ob man mit dieser offenen Haltung seinem Kind mehr schadet, als es letzendlich unterstützt. In so einem Fall hofft man immer auf die Toleranz der Anderen und das es verstanden wird, warum man seinem Kind die Möglichkeit einer geschlechtsneutralen Erziehung bietet. Gerade das Beispiel mit der Schule ist bei einer früher Erziehung dieser Art super wichtig. Ich finde, wenn man bereits bei der Einschulung seines Kindes damit offen umgeht und den Lehrer*innen und Mitschülern*innen zeigt, daß man seinen Sohn erlaubt in "mädchensachen" die Schule zu besuchen, fällt der Einstand leichter, als wenn es ein paar Klassen später passieren würde. Wichtig wäre für mich nur, ob es mein Kind auch wollte - der Druck dahingehend sollte NICHT von mir (oder den Eltern überhaupt) ausgehen!
Ein weiteres (vielleicht zutreffendes) Argument ist, daß Kinder die geschlechtsneutral erzogen wurden, später im Leben eine gewisse Zugehörigkeit fehlen wird. Denn nur weil ich so offen mein Kind erziehen würde, wird das in der Gesellschaft und ihren Normen nicht überall genauso angesehen oder gar toleriert. Unsere Gesellschaft teilt nach wie vor sehr gern in weiblich oder männlich ein - auch wenn heute ein "divers" hinzugekommen ist. Und wie soll dann ein Kind seine Zugerhörigkeit kennen, wenn es nicht geschlechtsspezifisch erzogen wurde? Diese Überlegungen der Kritiker mögen zum Teil stimmen und genau deshalb wird vielen eine geschlechtsneutrale Kindererziehung nicht in den Sinn kommen - einfach aus Angst, das später dem Kind eine Geschlechtsidentifikation fehlen könnte.
Ein Kind großzuziehen ist schon schwer genug, dies im Sinne einer Geschlechtsneutralität zu tun ist eine wahre Herausforderung und ich zolle allen Eltern Respekt, die diese Möglichkeit ihrem Kind bieten! Wie bereits erwähnt, bin ich durch meine Mama auf gewisse Art schon in die Richtung einer offenen Erziehung gebracht wurden und würde meine Kind, wenn es dies denn auch möchte, jede Unterstützung ermöglichen.
Eure Meinung:
So, nun seit ihr gefragt:
- Was haltet ihr von diesem Thema?
- Wie definiert ihr für euch "geschlechtsneutrale Kindererziehung"?
- Wo seht ihr Vorteile oder Nachteile?
Des Weiteren würde ich mich wieder freuen, wenn ihr an der Umfrage teilnehmen würdet - mein Häckchen habe ich unter Punkt 1 gesetzt.
Jennifer
Hildegard, ein Mitglied der FEM-Gruppe meiner Mama, hat in der Freien Presse (Zeitung) vor einiger Zeit einen Artikel gelesen (den ich mal aus der Zeitung herausgezogen habe - siehe Bild) und hat neulich den Inhalt zum Thema unserer FEM-Gruppe gemacht. Unter dem Titel "Geschlechtsneutrale (androgyne) Kindererziehung" wollten wir einen Erfahrungs/Meinungsaustausch debattieren, was besonders interessant ist, denn einige Frauen haben Kinder, andere wiederum nicht. Unter diesem Aspekt lohnt sich gerade ein Dialog, denn hier kann man die Meinungen von kinderlosen und kinderreichen Mamas (Eltern) schön aus erster Hand erfahren.
Der Artikel:
Wie ihr aus dem Artikel herauslesen könnt, geht es einmal mehr darum wie man sein Kind in Geschlechterfragen/Rollen erziehen soll. Ich glaube dieses Thema hat noch nie so viel Aufmerksamkeit erfahren wie in der heutigen Zeit - ich persönlich finde es sehr gut darüber diskutieren zu können.
Lackierte Fingernägel (bei Jungs) scheint ein sehr häufig vorkommendes Beispiel für geschlechtsneutrale Kindererziehung zu sein, denn dies lese (und höre) ich in diesem Zusammenhang sehr oft, deshalb wundert es mich auch nicht dies erneut in einem Artikel zu lesen. Genauso wenig überrascht mich die Reaktion der Autorin, die die Handlung ihres Sohnes toleriert, während der Vater eine "entschuldigende Position" einnimmt.
Meine Erziehung:
Ich bin in den späten 70ern geboren und habe meine Kindheit in den frühen 80er Jahren verbracht, wohlgemerkt zu DDR-Zeiten, und schon damals hat mir meine Mama beigebracht nicht in Geschlechterrollen zu denken, sondern überlies es mir wie und mit was ich groß werden wollte. Jedoch hatte ich mit 6, 8 oder 11 Jahren noch keinen Bezug mich für Mädelssachen zu interessieren. Ich hatte weder das Verlangen mit Puppen zu spielen, noch wollte ich Mädchensachen tragen. Ich war ein Junge, stellte Unsinn an, hatte meine Matchbox-Autos und spielte Fußball. Natürlich ganz zur Freude meines Papas, denn dieser hielt recht wenig von den geschlechtsneutralen Ansichten meiner Mama. Heute kann ich sagen, daß ich in meinen jungen Jahren nicht wirklich verstanden habe was geschlechtsneutrale Kindererziehung für mich bedeuten würde. Bei meiner Entwicklung über die vielen Jahre bin ich Tina heute besonders dankbar, daß sie es mir bereits als Kind ermöglich hätte nicht in Geschlechterrollen zu denken, sondern mir die Wahl gelassen hätte, in wem ich mich entwickeln würde. Naja, mit einigen Jahren "Verspätung" habe ich dies inzwischen nachgeholt.
Unser FEM-Treffen:
Ich war sehr gespannt wie die Frauen über das Thema denken würden und freute mich auf dieses Treffen riesig. Ich hatte aber auch schon die Vorahnung, daß es ein Thema sein wird, das "heftig" diskutiert werden wird. Zunächst einmal haben wir in der Gruppe geklärt, was man überhaupt mit "geschlechterneutraler Erziehung" verbindet - schon hier stellte sich heraus, daß die Teilnehmerinnen verschiedenen Definitionsformen dazu haben. Für einige Frauen beginnt dies schon von der Geburt des Kindes, bsw. bei der Vergabe eines geschlechtsneutralen Namens. Ein "Streitpunkt" war, wie viel Freiheiten man als Eltern dem Kind bei der Eigenentwicklung in Sachen typisierte Geschlechterrolle zukommen lassen darf. Ein weiterer Punkt war, daß geschlechtsneutrale Kindererziehung in den meisten Fällen mit Jungs in Verbindung gebracht wird, da dies eben mehr auffällt, als bei Mädels - sei es in Sachen Mode, Ausdruck/Emotionen, Spielsachen, etc. Besonders hat mich gefreut, daß einige Teilnehmerinnen aktuelle Beispiele aus ihren Familien/Kindern zur Debatte beitragen konnten - hier einige Beispiele:
Pro:
- Beate (Kinder - 3 Mädchen, 1 Junge), spürt, daß ihr Junge (7 Jahre) sich für feminine Dinge interessiert, lieber mit seinen Schwestern (als mit gleichaltrigen Jungs) spielt, wobei sie diese Entwicklung (hin zum Femininen) unterstützt, selbst vom Papa kommt dazu Beistand
- Fiona, hat einen Sohn und würde ihm, wenn er denn wolle, die Möglichkeit geschlechtsneutraler Erziehung ermöglichen
- Uta (kinderlos) wäre offen für eine geschlechtsneutrale Kindererziehung, sieht aber die Gefahr von Ausgrenzung und Mobbing in der Schule, was das Risiko einer positiven Kinderentwicklung zur Folge haben könnte
Contra:
- Regina (Kinder - 2 Mädchen, 2 Jungs) hat keinen Bezug zu Geschlechtsneutralität und hält androgyne Kindererziehung für falsch
- Sabine (kinderlos) würde ihre Kinder definitiv nicht geschlechtsneutral erziehen
- Olga (Kinder - Mädchen und Junge) berichtete, daß ihr Junge mehrmal die Kleider seiner Schwester trug (und mit Schminke spielte) und sie es unterbunden hat, genau wie der Papa. Allerdings scheint dies mehr als nur ein Spaß/Phase des Sohns zu sein, wobei sie nun fürchten, daß ihr Junge feminine "Tendenzen" entwickeln wird
- Petra (Kinder - 3 Mädchen) findet, daß bei geschlechtsneutraler Erziehung die persönliche Identität und Identifikation mit dem eigenen Geschlecht des Kindes auf der Strecke bleiben würde
Neben einer Gruppendiskussion führten wir auch eine Umfrage durch, wo es abzustimmen galt, ob man für oder gegen eine "geschlechtsneutrale Kindererziehung" sei - das Ergebnis fiel mit 60/40 (gegen eine geschlechtsneutrale Kindererziehung) aus. Grundsätzlich hat mir der Meinungsaustausch rundum dieses Themas sehr gut gefallen, auch wenn die Meinungen ziemlich auseinander gingen - aber das soll in einer Diskussionsrunde ja auch so sein!
Meine eigene Meinung zum Thema:
Zunächst einmal muß geklärt werden, wie ich persönlich geschlechtsneutrale Kindererziehung auslege. Geht es darum, das Geschlecht des Kindes zu "verleugen"? Möchte ich aus einem Jungen ein Mädchen machen, oder umgekehrt? Oder gar ein Kind durch geschlechtsspezifische Stereotypisierungen in eine bestimmte Rolle drängen?
Ich sehe geschlechtsneutrale Erziehung in erster Linie als Chancengleichheit, bzw. die Möglichkeit die Charakterisierung beider Geschlechter erfahren zu können. Hätte ich ein Kind, würde ich ihm/ihr die Chance ermöglichen sich völlig frei in Persönlichkeit, Charakter, Individualität oder Wesensart zu entwickeln. Ich würde es meinem Kind überlassen selbst herauszufinden wer es sein möchte. Das schwierige dabei wäre wohl, das Alter herauszufinden, ab wann man diesen Weg seinem Kind überlässt. Ich wäre dafür in sehr jungen Jahren als Eltern dem Kind eine gewisse "Führung" zu geben, aber vielleicht mit 5 oder 6 Jahren kann man seinem Kind schon die ersten Schritte / Entscheidungen in Sachen Geschlechterentwicklung überlassen. In meinem persönlichen Umfeld habe ich meine Überzeugung zum Thema schon mehrfach angesprochen. Neben Anerkennung bekomme ich aber auch immer wieder (berechtigte...?) Bedenken zu hören:
"Findest du nicht, daß, wenn du deinen Sohn im Kleid in die Schule schicken würdest es verspottet, gehänselt oder in gesellschaftlichen Dingen benachteiligt wird?"
Diese eine Frage/Bedenken (unter vielen anderen die ich zu hören bekomme) hat durchaus seine Legitimität. Natürlich sollte man immer um das Wohl seines Kindes besorgt sein und unter dieser Sichtweise sollte man genau überlegen, ob man mit dieser offenen Haltung seinem Kind mehr schadet, als es letzendlich unterstützt. In so einem Fall hofft man immer auf die Toleranz der Anderen und das es verstanden wird, warum man seinem Kind die Möglichkeit einer geschlechtsneutralen Erziehung bietet. Gerade das Beispiel mit der Schule ist bei einer früher Erziehung dieser Art super wichtig. Ich finde, wenn man bereits bei der Einschulung seines Kindes damit offen umgeht und den Lehrer*innen und Mitschülern*innen zeigt, daß man seinen Sohn erlaubt in "mädchensachen" die Schule zu besuchen, fällt der Einstand leichter, als wenn es ein paar Klassen später passieren würde. Wichtig wäre für mich nur, ob es mein Kind auch wollte - der Druck dahingehend sollte NICHT von mir (oder den Eltern überhaupt) ausgehen!
Ein weiteres (vielleicht zutreffendes) Argument ist, daß Kinder die geschlechtsneutral erzogen wurden, später im Leben eine gewisse Zugehörigkeit fehlen wird. Denn nur weil ich so offen mein Kind erziehen würde, wird das in der Gesellschaft und ihren Normen nicht überall genauso angesehen oder gar toleriert. Unsere Gesellschaft teilt nach wie vor sehr gern in weiblich oder männlich ein - auch wenn heute ein "divers" hinzugekommen ist. Und wie soll dann ein Kind seine Zugerhörigkeit kennen, wenn es nicht geschlechtsspezifisch erzogen wurde? Diese Überlegungen der Kritiker mögen zum Teil stimmen und genau deshalb wird vielen eine geschlechtsneutrale Kindererziehung nicht in den Sinn kommen - einfach aus Angst, das später dem Kind eine Geschlechtsidentifikation fehlen könnte.
Ein Kind großzuziehen ist schon schwer genug, dies im Sinne einer Geschlechtsneutralität zu tun ist eine wahre Herausforderung und ich zolle allen Eltern Respekt, die diese Möglichkeit ihrem Kind bieten! Wie bereits erwähnt, bin ich durch meine Mama auf gewisse Art schon in die Richtung einer offenen Erziehung gebracht wurden und würde meine Kind, wenn es dies denn auch möchte, jede Unterstützung ermöglichen.
Eure Meinung:
So, nun seit ihr gefragt:
- Was haltet ihr von diesem Thema?
- Wie definiert ihr für euch "geschlechtsneutrale Kindererziehung"?
- Wo seht ihr Vorteile oder Nachteile?
Des Weiteren würde ich mich wieder freuen, wenn ihr an der Umfrage teilnehmen würdet - mein Häckchen habe ich unter Punkt 1 gesetzt.
Jennifer