Also nur um das einzuordnen: Jan Feddersen ist schon lange auf der anti-trans Schiene. Immer mal wieder auch zusammen mit Till Randolph Amelung, der ja auch ganz genau zu wissen meint, wer trans ist und vor allem wer nicht *hüstel* Feddersen macht hier den Stichwortgeber und hinterfragt kein Stück, obwohl jeder einzelne Absatz durch den Faktencheck rasselt.
Korte wiederholt alle längst widerlegten Behauptungen. Die "rapid onset gender dysphoria" (ROGD) von Lisa Littmann zum Beispiel, die rein auf der Befragung von Eltern beruhten, die sich in (3 oder 4) Online-Foren austauschten, weil sie mit der Transidentität ihrer Kinder nicht klar kamen und "völlig überrascht wurden". Hint: Sie hatten vorher nichts wahrnehmen wollen und wollten es dann auch nicht wahrhaben. Überraschend, dass sie überrascht waren oder? Dass Korte selbst weiter hinten das Wort "Stichprobenverzerrung" benutzt ist da schon dreist.
Die angeblich tausende Prozent Steigerungen bei trans Jungs sind nur so viel im Vergleich zu vorher, wo transmännliche Identität quasi unsichtbar war (und häfig sehr spät nach einer Tour durch die Butchwelt entdeckt wurde). Tatsächlich gleichen sich die Zahlen insgesamt nur an die transweiblichen an, wobei trans Männer offenbar vergleichsweise früher körrperlich transitionieren wollen, weil ihr Körper sie auch viel deutlicher darauf aufmerksam macht, jeden Monat. Im Alter ab 25 sind die Zahlen dann irgendwann ausgeglichen.
Es gibt da eine wunderbare Grafik als Analogie:
Bildschirmfoto 2022-05-01 um 01.06.13.png
Zu Beginn des 20sten Jahrhunderts wurde schrittweise die Bestrafung und das "Umtrainieren" (=Konversionstherapie...) bei Linkshändigkeit abgeschafft. "Enorme prozentuale Steigerung" - bis zu dem Plateau bei ca 12%, offenbar der Rate an natürlicher Varianz.
Die Kostenübernahme und die Klassifikation als Störung. Auch Unfug so wie er das darstellt, meines Erachtens bewusst falsch. Transidentität selbst ist keine Störung, sondern eine Varianz. Der Leidensdruck durch die Kollision mit dem eigenen Körper und vor allem der Umwelt erzeugt Leidensdruck und der kann eben "krankheitswertig" sein und da übernehmen die Kassen dann auch, so wie es im SGB steht. Korte vereinfacht unzulässig, so wie es ihm in den Kram passt.
Die armen unglücklichen Transmenschen nach der OP... sind auch so ein Unfug. Nicht die Transition macht unglücklich, sondern Nicht-Akzeptanz durch die Umgebung. Hatten wir schon. Der Knackpunkt ist aber, dass sie ohne Transition auch nicht besser dran sind. Nur äusserlich unauffällig. Also bis zum seelischen Zusammenbruch.
Die bösen Pubertätsblocker, diese neumodische Erfindung... werden seit 40 Jahren cis Jugendlichen gegeben, wenn deren Pubertät zu früh einsetzt. Und zwar weit vor dem Alter wie bei trans Jugendlichen. Diese Medikamente sind vergleichseweise (zu HET) ziemlich gut erforscht und dokumentiert und erzeugen keine irreversiblen Veränderungen. Da lügt Korte also, denn das muss er wissen.
DIe Pubertätsblocker sind genau dafür da, die Entscheidung so lange zu vertagen, bis klar ist, ob sich Kind / Jugendliche*r "mit seinem Geburtsgeschlecht" (falsch: Der gesellschaftlichen Zuordnung von Gender zu seinem Körper) "aussöhnt". Und zwar ohne dass der Leidensdruck währenddessen durch die Pubertät unerträglich wird. Das zu verweigern ist Folter.
Es gäbe noch mehr Stellen, wo er wirklich Unfug erzählt oder auf ebenso zweifelhafte Studien verweist wie bei Littmann, deren Paper ja von ihrer Uni zurückgezogen wurde, weil unwissenschaftlich.
Es gibt nur wenige Stellen, wo er mal was richtiges sagt: 1. Er weiss sicher nicht, was mit Transidentität gemeint ist, weil er seine cis Weltsicht als Norm nimmt. 2. Es ist quasi unmöglich, Transidentität objektiv zu ertesten, weil sie im Kopf und Gefühlsleben der Person stattfindet. Nur sie kann entscheiden, was ist und womit sie sich besser fühlt.