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"Sieg" über die Krankenkasse

Verfasst: Sa 23. Apr 2022, 12:44
von Engelchen
Hab heute mein Urteil vom Sozialgericht bekommen und die Krankenkasse muss zahlen.
Meine Stimm-Op wurde genehmigt, im Moment für Würzburg und das will ich noch ändern.
Mein Wunsch wird schwierig, weil ich möchte nach Hamburg und dies ist eine Privatklinik.
Ich versuche zumindest den Kostenanteil zu bekommen den die KK auch bei anderen Klinik zahlen müssten.
Mal sehn was passiert.

Liebe Grüße

Lisa

Re: "Sieg" über die Krankenkasse

Verfasst: So 24. Apr 2022, 23:30
von Helga
Liebe Lisa,
in der Trans- Community scheint sich die Krankenkasse und insbesondere der medizinische Dienst (MDK) zu einem besonderen Feindbild entwickelt zu haben, das es stets zu bekämpfen gilt. Dabei ist die Krankenkasse gar keine Geheimorganisation mit unbeschränkten Mitteln und Möglichkeiten, sondern lediglich eine Verwaltungseinheit, die Geld aus der Solidargemeinschaft (also von uns allen) einsammelt um damit medizinisch erforderliche Maßnahmen zu finanzieren, die sich die Betroffenen häufig nicht leisten können. Dabei ist es durchaus richtig zu prüfen, ob die gewünschte Maßnahme medizinisch erforderlich ist, ob sie dem Individuum tatsächlich Linderung bringt oder ob es gegebenenfalls günstigere Alternativbehandlungen gibt.
Ich gönne dir deine Stimm- OP von ganzem Herzen. Den Ausdruck "Sieg" finde ich aber völlig unangebracht.

Re: "Sieg" über die Krankenkasse

Verfasst: So 24. Apr 2022, 23:42
von Claudia-67
Hallo Helga,
Helga hat geschrieben: So 24. Apr 2022, 23:30 Ich gönne dir deine Stimm- OP von ganzem Herzen. Den Ausdruck "Sieg" finde ich aber völlig unangebracht.
ich möchte keine Stimm-OP haben, respektiere aber, wenn Lisa das möchte. Ich habe bei einer Hobbykollegin das nicht so gelungene Ergebnis hören können und seitdem lasse ich das lieber.


Doch, es ist ein Sieg gegen die KK.
Ich kenne noch das Theater von der Pflege meiner Mutter, wo die sich angep..t haben für eine 40kg schwere Person einen Leichtbau-Rollator zu bezahlen.

Aus unserer SHG habe ich da auch schon Sachen mitbekommen. Die Krankenkasse hat das zu prüfen, was selbstverständlich legitim ist. Wenn die aber bei mir rumzicken, lasse ich das auch eskalieren bis zum Sozialgericht. Die wollen es manchmal nicht anders.
Mir stehen in diesem Jahr noch die Kostenübernahme für die GaOP und sicher nächstes Jahr für die Nadelepilation bevor und irgendwann vermutlich Brustaufbau. Mal schauen, wie sich aufführen. Bei der Laser-Epi ging es bei mir relativ problemlos ohne Antrag, aber bei anderen wieder nicht. Muss man auch nicht verstehen.

LG
Claudia

Re: "Sieg" über die Krankenkasse

Verfasst: Mo 25. Apr 2022, 00:42
von Blossom
Claudia-67 hat geschrieben: So 24. Apr 2022, 23:42 es ist ein Sieg gegen die KK
Liegen alle Voraussetzungen vor, sprechen keinerlei Risiken dagegen und ist das gewünschte bzw. erwartete Ziel erreichbar, hätte sich die Kasse nicht "quergestellt".
Ich gönne es Lisa ... würde das aber niemals bei mir machen lassen. Erstens bemängelt niemand meine Stimme, Logopädie würde völlig reichen, wenn ich etwas verändern wollte - und niemand würde mir eine Garantie auf das von mir erhoffte Ergebnis geben ... Was aber dann? Weitere OP, wieder klagen? Endlos für etwas kämpfen, was eh nicht erreichbar ist?
Das betrifft nicht nur eine in meinen Augen überflüssige Stimm-OP sondern auch andere OPs ... Für mich persönlich geht es darum, dass ich mit mir selbst in Einklang bin ... bin ich das, kann ich mich annehmen, wie ich bin und muss nicht weiter eingreifen, geschweige denn meine Kraft für stetes "Kämpfen" einsetzen ... Allein schon beruflich muss ich meine Stimme jeden Tag einsetzen, aber noch nie wurde mir entgegengetragen, sie sei nicht weiblich genug oder wurde am Telefon gefragt "ob auch meine Frau" zu Hause sei. Außerdem sollte man immer bedenken, dass das Risiko von dauerhafter Heiserkeit und anderem besteht, ganz abgesehen davon, dass die Höhe einer weiblichen Cis-Stimme eh unerreichbar ist.
Sieg, Kampf, Kapitulation, Streiten ... was auch immer, klingt nach Krieg ... und allein den brauche ich nicht. Aber gut, so sehe ich das halt für mich.

Re: "Sieg" über die Krankenkasse

Verfasst: Mo 25. Apr 2022, 07:30
von Tatjana_59
Blossom hat geschrieben: Mo 25. Apr 2022, 00:42
Claudia-67 hat geschrieben: So 24. Apr 2022, 23:42 es ist ein Sieg gegen die KK
Das betrifft nicht nur eine in meinen Augen überflüssige Stimm-OP sondern auch andere OPs ... Für mich persönlich geht es darum, dass ich mit mir selbst in Einklang bin ... bin ich das, kann ich mich annehmen, wie ich bin und muss nicht weiter eingreifen, geschweige denn meine Kraft für stetes "Kämpfen" einsetzen ... Allein schon beruflich muss ich meine Stimme jeden Tag einsetzen, aber noch nie wurde mir entgegengetragen, sie sei nicht weiblich genug oder wurde am Telefon gefragt "ob auch meine Frau" zu Hause sei. Außerdem sollte man immer bedenken, dass das Risiko von dauerhafter Heiserkeit und anderem besteht, ganz abgesehen davon, dass die Höhe einer weiblichen Cis-Stimme eh unerreichbar ist.
Sieg, Kampf, Kapitulation, Streiten ... was auch immer, klingt nach Krieg ... und allein den brauche ich nicht. Aber gut, so sehe ich das halt für mich.
Auch für mich stellt sich die Frage Stimmband OP nicht.
Auch ich kenne Ergebnisse die nicht prickelnd sind.
Zudem birgt sie die Gefahr einer Micky Maus Stimme.
Zudem muss man weiterhin zur Logopädie.

Ich kann dich nur beglückwünschen Blossom dass deine Stimme offensichtlich weiblich genug ist.
Ich muss mir ständig am Telefon anhören "kann ich mal ihre Frau sprechen", obwohl ich mich immer mit Vor und Nachnanen melde.
Richtig nervig wird es wenn trotz Beteuerungen meinerseits immer wieder nach meiner Frau gefragt wird, weil mein Telefonpartner offensichtlich Seife statt Hirn im Kopf hat.
Trotzdem habe ich mich damit abgefunden und strebe keine weitere OP an.

LG Tatjana

Re: "Sieg" über die Krankenkasse

Verfasst: Mo 25. Apr 2022, 07:47
von Engelchen
Tatjana_59 hat geschrieben: Mo 25. Apr 2022, 07:30 Ich muss mir ständig am Telefon anhören "kann ich mal ihre Frau sprechen", obwohl ich mich immer mit Vor und Nachnanen melde.
Richtig nervig wird es wenn trotz Beteuerungen meinerseits immer wieder nach meiner Frau gefragt wird, weil mein Telefonpartner offensichtlich Seife statt Hirn im Kopf hat.
Genau das ist der Punkt - ein ständiges Zwangsouting. (ko)
JEDE Op hat ihre Risiken und man sollte es der Person überlassen die es betrifft, ob sie dies eingehen will. (pea)

Ich habe für mich meine Entscheidung getroffen und musste mir dieses Recht erkämpfen und habe letztendlich "gewonnen" (poli)

Ich habe auch bewusst das Wort "Sieg" in Anführungszeichen gesetzt, aber das fällt eh niemand auf - sich darüber zu "streiten" fällt mir nicht ein.
Soll es ein(e) jede(r) sehen wie er will.

Liebe Grüße

Lisa

Re: "Sieg" über die Krankenkasse

Verfasst: Mo 25. Apr 2022, 07:48
von Anke
Hallo Lisa,

vor allem herzlichen Glückwunsch, dass Du dich durchsetzen konntest. Ich drücke dir fest die Daumen, dass Du auch das Ergebnis bekommst, dass Du dir wünschst.

Zum Beitrag von Helga:

Ich sehe das anders. Du beschreibst zwar grob die Rolle der Krankenkassen. Doch vieles lässt sich überhaupt nicht nachvollziehen, was die Kassen mit Unterstützung des MDK entscheiden. Vor allem beim Thema Epilation ist das geradezu "haarsträubend" (schade, dass es nicht "barthaarausfallend" ist). Die Regelungen de Kassen sind völlig veraltet und gehen an der Realität total vorbei (Ich führe hier keine Details aus, weil das deutlich zu viel würde.). Doch sie sind ein praktisches Instrument um die Epilation mit schöner Regelmäßigkeit abzulehnen. Dass dann bei uns, den Betroffenen, ein Feindbild entsteht, ist nicht überraschend. Ich hoffe daher sehr, dass sich demnächst die Gesetzeslage ändert und diese Unsinn aufhört.


Liebe Grüße

Anke

Re: "Sieg" über die Krankenkasse

Verfasst: Mo 25. Apr 2022, 08:22
von Severine
@Lisa:
Zunächst Glückwunsch zu dem für dich positiv ergangenen Urteil.

Ich denke das sie nicht bewusst über die Wirkung des Wortes "Sieg" nachgedacht hat, nicht allein durch den Ukraine Konflikt ist
man etwas feinfühliger mit der einen oder anderen Wortwahl geworden. Sie hat für sich ein positives Urteil, aufgrund ihrer
individuellen Sachlage, erstritten und kann auf ihrem Weg, zu dem für sie die Stimmfeminisierung gehört, weitergehen.

Sie möchte die Operation gern machen, wird sich vermutlich ausreichend über die Risiken informiert haben - dann lasst sie
doch. Ich verstehe den Wunsch es vermutlich im MedVoc bei Professor Hess in Hamburg durchführen zu lassen, auch wenn es
eine Privatklinik ist. Die Vor- und Nachsorge, seine Ergebnisse sind für eine Wendler-/Glottoplastik ganz gut und ja, die Risiken
einer Heiserkeit, einer künstlichen femininen Stimme, das Problem kaum Kraft bzgl. der Lautstärke in der Stimme zu haben,
bestehen auch dort. Ich wäre an der Stelle erst einmal sehr glücklich über den erreichten Stand - ob ich mich nun wieder in
den Ring begebe nur weil ich die o. g. Klinik möchte ... Ich weiß nicht, man kann den Bogen auch überspannen.

Hut ab das sie es in dem fortgeschrittenen Alter noch angeht - Es wird, wenn es überhaupt gelingt, nach der OP noch eine
ganze Weile dauern bis sich etwas tun wird. Als ich den Weg, allerdings im Ausland als Selbstzahlerin, ging, war ich mit
Mitte 40 schon skeptisch und der Chirurg meinte es wird mindestens 4 Monate emsiges Training benötigen. Er sollte recht
behalten. Erst nach 6 Monaten tat sich etwas und ich brauchte dennoch wieder einen Logopäden (für Randstimme / Falsetto).
(Ich hatte vor der OP 30 Stunden Logopädie nach LaKru und danach noch einmal 10 Stunden.) Insgesamt habe ich über ein
Jahr benötigt. Eine höhere Stimmlage macht eben noch lange keine weibliche Stimme aus - Es gibt auch tolle tiefere Frauenstimmen.

Abschließend ... irgendwie erinnert es mich an meinem Beitrag vor kurzem noch in der TG Gruppe Deutschland auf Facebook
geführt. Es steht außer Frage das jede Operation ein Risiko darstellt. Wenn mit konventionellen Mitteln geholfen werden
kann, gut und schön - jede Operation die nicht stattfindet -> um so besser. Sie hat sich dafür entschieden, demzufolge
wünsche ich ihr wenig Komplikationen, eine schnelle Genesung und ein schönes Ergebnis.

Engelchen hat geschrieben: Sa 23. Apr 2022, 12:44 Hab heute mein Urteil vom Sozialgericht bekommen und die Krankenkasse muss zahlen.
Meine Stimm-Op wurde genehmigt, im Moment für Würzburg und das will ich noch ändern.
Mein Wunsch wird schwierig, weil ich möchte nach Hamburg und dies ist eine Privatklinik.
Ich versuche zumindest den Kostenanteil zu bekommen den die KK auch bei anderen Klinik zahlen müssten.
Mal sehn was passiert.

Liebe Grüße

Lisa

Re: "Sieg" über die Krankenkasse

Verfasst: Mo 25. Apr 2022, 17:04
von Magdalena
Liebes Engelchen,

da gratuliere ich zu dem Urteil für Dich über die Krankenkasse.
Und ich wünsche Dir, das du nun das von Dir gewünschte Ergebnis eintritt.

Viele liebe Grüße Magdalena