conny hat geschrieben: Sa 2. Apr 2022, 23:19
@Jaddy
wo gab, gibt es denn diese Probleme? Wo ist einer Person denn mal der Kragen geplatzt? Wer nimmt Witze persönlich?
Nunja, bei Geraldine lese ich, dass die die Witze über "Ossis" zu viel werden. tl;dr "ich kann es nicht mehr ertragen".
conny hat geschrieben: Sa 2. Apr 2022, 23:19
Zum Empfinden von Geraldine habe ich mich ja schon geäußert.
Hm ja. U.a. Dein Beitrag war Anlass für meinen mittleren Absatz. Ich zeig mal kurz, wie Deine Sätze bei mir ankommen:
lange bevor mit "Ossis" unsere ostdeutschen Bewohner gemeint waren, waren es die Ostfriesen. Diese haben die sehr zahlreichen Witze über sie jahrelang mit Gelassenheit "ertragen" und nicht als herabwürdigung empfunden.
* über andere werden auch Witze gemacht (ja)
* die stellen sich nicht so an (stimmt nicht so ganz)
Witze über Bayern, Österreicher u.a. gibt es auch, ebenso wie über Blondinen und Minderheiten. Dass sich z.B. blonde Frauen über Blondinenwitze aufregen habe ich noch nicht gehört und als Mensch mit Behinderung über den einen und anderen Witz über Behinderte gelacht.
* ich hab noch nichts anderes gehört (das... ist eher eine Holschuld, oder? Vielleicht nicht richtig hingehört?)
* andere lachen mit, wenn Witze über sie gemacht werden (also dazu... weiter unten)
Warum? Diese Menschen und ich nehmen die Witze nicht persönlich. Diese Witze sind menschlich und psychologisch sicher erklärbar.
Aber ich verstehe Deine Verärgerung. Sie hat m.E. aber damit zu tun, dass Ostdeutsche immer noch ein Minderwertigkeitsgefühl haben gegen das sie selbst angehen müssen. Denn das hindert sie daran, z.B. bei den Witzen über den Dingen zustehen. Mehr Selbstbewusstsein bitte!
* Sei nicht so empfindlich (again)
* ich weiss besser Bescheid über dich als Du: Das hier ist dein Problem
* du hast ein Problem, deshalb sind deine Kritik, Frust, Ärger ungültig
* ändere dich, dann hast du kein Problem mehr (nennt sich victim blaming)
Das habe ich, der 30 Jahre lang in beruflich in Leipzig tätig war, schon immer gesagt.
* Die hätten alle kein Problem, wenn sie nur täten, was ich ihnen sage
Zusammenfassung: "Geraldine, du hast kein Recht dich zu beklagen, schaff dir Selbstbewusstsein ran und ertrag es gefälligst"
Insgesamt jetzt nicht sooo einfühlsam, sondern ziemlich vom hohen Ross runter. In dem Fall würde wohl passen "in perfekter Wessi-Manier"
Und naja, "andere lachen mit, wenn Witze über sie gemacht werden"... das ist so eine Sache. Viele Betroffene solcher "Witze" machen gute Mine zum bösen Spiel, wenn sie in der Minderheit sind, in einer gewissen sozialen Abhängigkeit, wenn sie das Verhältnis zu Kolleg"¢innen nicht gefährden wollen, nicht "aufmüpfig" erscheinen wollen, weil das dann Konsequenzen hat. Eins wird geschnitten in der Firma, die "Witze" werden übler, Mobbing droht. Dieses "Fawning", eine der vier (oder 5) Trauma-Reaktionen, wird häufig schon in der Schule gelernt.
Das ist ein absolut gängiges Muster. Standard für Therapeutys. Ich kenne es von mir früher und ich weiss es direkt von Freundys und Bekannten zum Thema LGBTQ, Körpergewicht, Sportlichkeit, "unmännliche" Attribute, Herkunft, Hautfarbe, psychische Probleme und so weiter. Das ist wieder so ein Ding, wo ~sorry~ autochtone, in der Regel männliche Wesen häufig einfach null mitbekommen, was in den Personen um sie herum wirklich abläuft, bis sie explodieren oder nach innen zusammenfallen. Und ich spreche da aus eigener Erfahrung auf beiden Seiten.
Ich will da jetzt nicht in Geraldines Namen ein riesiges Fass aufmachen, sondern nur verdeutlichen, dass ich die Reaktionen u.a. von Dir auf ein klares "das wird mir zu viel, ich ertrag das nicht mehr, ich fühle mich in meiner Würde verletzt" generell für problematisch halte. Sie sind unsensibel, entwerten Geraldines Perspektive, setzten die eigene, unbetroffene EInstellung darüber und propagieren generell einen Umgang miteinander, wo verletzende "Witze" gemacht werden dürfen, ohne das sich Betroffene dagegen wehren dürfen. Keine Umgebung, in der ich sein möchte.
Oder anders gesagt: Wenn sich Menschen irgendwo so verhalten, suche ich das Weite.