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NZZ: Krampf der Geschlechter: Das ist eine Frau! — Nein, ist es nicht!

Verfasst: So 27. Feb 2022, 08:29
von Anne-Mette

Re: NZZ: Krampf der Geschlechter: Das ist eine Frau! — Nein, ist es nicht!

Verfasst: So 27. Feb 2022, 12:30
von Jaddy
Ein für die NZZ erstaunlicher Artikel. Neutral bis positiv. Gutes Beispiel mit Balian Buschbaum und tatsächlich ohne die häufig üblichen Fauxpas.

Zusatzinfo: In der Schweiz gilt seit 1.1.2022 ein Selbstbestimmungsgesetz, dass die Änderung des Registereintrags - leider bisher nur binär - durch einfache Erklärung beim zuständigen Zivilstandsamt ermöglicht. Kostet 75 Franken. Davor hatte die Schweiz auch nur ein gerichtliches Verfahren mit Gutachten und tw auch OP-Zwang.

Bisher ist die Schweiz mW noch nicht untergegangen :)

Re: NZZ: Krampf der Geschlechter: Das ist eine Frau! — Nein, ist es nicht!

Verfasst: So 27. Feb 2022, 15:13
von Michi
Jaddy hat geschrieben: So 27. Feb 2022, 12:30 Ein für die NZZ erstaunlicher Artikel. Neutral bis positiv. Gutes Beispiel mit Balian Buschbaum und tatsächlich ohne die häufig üblichen Fauxpas.
Dem stimme ich mit Einschränkungen zu. Mit Einschränkungen deshalb, weil ich an 2 Stellen im Artikel Fehler (meiner Meinung nach gravierende) wahrnehme.

Zum Einen wird im Bezug auf J. K. Rowling und TERFs eine "false balance" hergestellt. Persönliche Beleidigungen, wie auch gruppenbezogene Herabsetzungen und Verächtlichmachungen sind keinesfalls als gleichwertig mit einer postulierten Humorlosigkeit anzusehen. Da werden die Maßstäbe völlig verzerrt.

Zum Anderen gleich ein doppelter Fauxpas dort, wo es um Jugendliche geht.

Zitat aus dem Artikel: "Das gilt vor allem, wenn die Wahl zur Geschlechtsänderung schon ab vierzehn Jahren erlaubt werden sollte, wie es bei dem geplanten Gesetz diskutiert wird."

Nicht nur, dass wieder von "Geschlechtsänderung" geschrieben wird, obwohl das Geschlecht nicht geändert, sondern angeglichen wird.

Geändert werden allenfalls die äußeren Geschlechtsmerkmale.

Aber es geht ja gerade nicht um eine (irreversible) Änderung der Geschlechtsmerkmale, sondern lediglich um die Selbstbestimmung Änderung des Geschlechtseintrags. Ich finde, diese Unterscheidung sollte ein Journalist gleich welchen Geschlechts hinbekommen, denn sachlich richtiges Berichten ist bzw. sollte Bestandteil dieses Berufsbildes sein.

Jaddy hat geschrieben: So 27. Feb 2022, 12:30 Bisher ist die Schweiz mW noch nicht untergegangen :)
Richtig. Nicht die Schweiz, und auch das Abendland geht nicht daran zu Grunde, dass ein paar Menschen mit der Biologie abweichender Geschlechtsidentität so sein dürfen, wie sie sind.

Re: NZZ: Krampf der Geschlechter: Das ist eine Frau! — Nein, ist es nicht!

Verfasst: So 27. Feb 2022, 15:25
von Lana
MichiWell hat geschrieben: So 27. Feb 2022, 15:13
Zum Anderen gleich ein doppelter Fauxpas dort, wo es um Jugendliche geht.

Zitat aus dem Artikel: "Das gilt vor allem, wenn die Wahl zur Geschlechtsänderung schon ab vierzehn Jahren erlaubt werden sollte, wie es bei dem geplanten Gesetz diskutiert wird."
Liebe Michi,

ich finde, da bist du ein bisschen streng. Gemeint ist doch die Änderung des Geschlechtseintrags. Und da passt der Begriff Änderung dann auch.

Es stimmt schon, dass wir anerkennen sollten, dass es bei der Berichterstattung ganz langsam in die richtige Richtung geht.

LGL

Re: NZZ: Krampf der Geschlechter: Das ist eine Frau! — Nein, ist es nicht!

Verfasst: So 27. Feb 2022, 15:33
von Michi
Lana hat geschrieben: So 27. Feb 2022, 15:25 ich finde, da bist du ein bisschen streng.
Hallo Lana,

du solltest nicht den Fehler begehen, die Macht der Worte zu unterschätzen.

Wenn etwas ungenau geschrieben ist, dann denken wir uns das, was wir meinen, und andere (die uns unsere Existenz und Daseinsberechtigung gerne absprechen wollen) denken sich das, was ihnen in den Kram passt, zumal es schon deutlich in deren Richtung geht.


Beste Grüße
Michi

Re: NZZ: Krampf der Geschlechter: Das ist eine Frau! — Nein, ist es nicht!

Verfasst: Mo 28. Feb 2022, 02:59
von Karla
Klartext:
es gibt 3-jährige Trans-Mädels, die ihren Penis mittels Nagelschere loszuwerden versuchen:
...und von unserer ganzen Diskussion haben DIE GARANTIERT noch NIE GEHÖRT!
-> Nazi-Methoden sind (zum Glück) nicht mehr konsensfähig:
"Alles, was nicht ins erbgesunde cis-hetero-Raster paßt, wird "aussortiert" - rosa Winkel, "Grafeneck und T1",...

Cis-Hetero IST SUPER: für ALLE, die da reinpassen!
Meine Tante durfte die "diamantene" feiern!!!
..incl. Enkeln, Urenkeln: Traum!!! (Tränchen!!!)

...ich hab es TROTZDEM zu 3 tollen Kindern gebracht!
...und mit MEINEM Coming-Out gewartet, bis auch die jüngste den Bachelor unter Dach und Fach hatte!

...muß frau nich so machen, bei mir war es halt so!
(auf den Bachelor kam es mir nicht an, ich war gleichzeitig in eine Lebenskrise geraten und konnte nicht mehr anders)

Fazit:

Coming-Out geht mit 3 und auch mit (fast) 63:
Es ist jedoch IMMER zu respektieren!

Die Ansätze:

"Transvestitenschein" - gibt es seit ca 100 Jahren - hoffe, daß KEINE von uns den je mißbraucht hat für Überriffe auf Frauen!

dgti-Ausweis:
Die selbstdefinierte Identität ist zu respektieren!!! - SELBST wenn es nur an 1 von 366 Tagen ist!!!
- solange niemand "Karen White" spielt - und auch da gilt: NEIN heißt NEIN!
-> den gibt es seit über 20 Jahren, hat bislang nicht zum Untergang Deutschlands geführt!

-> welche Probleme haben die FRAUEN mit uns?
(TERFs und AfD sind wahrscheinlich "beratungsresistent")

LG Karla

Re: NZZ: Krampf der Geschlechter: Das ist eine Frau! — Nein, ist es nicht!

Verfasst: Mo 28. Feb 2022, 06:59
von ExUserIn-2026-04-08
Karla hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 02:59Klartext:
Hallo Karla,

bei deinem Telegrammstil wird mir leider einiges nicht ganz klar, wie es gemeint ist. Könntest du bitte zukünftig deine Aussagen etwas deutlicher und ausführlicher formulieren ?

Vielen Dank

Re: NZZ: Krampf der Geschlechter: Das ist eine Frau! — Nein, ist es nicht!

Verfasst: Mo 28. Feb 2022, 07:53
von Anne-Mette
Moin,
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 06:59 bei deinem Telegrammstil wird mir leider einiges nicht ganz klar, wie es gemeint ist
außerdem stört mich die "Garnierung" mit immer wieder "merkwürdigen Floskeln" in ganz vielen Beiträgen, die kaum zum Thema gehören.
Ich sage es mal ganz offen, weil es sonst nicht verstanden wird: Es nervt langsam!

Gruß
Anne-Mette

Re: NZZ: Krampf der Geschlechter: Das ist eine Frau! — Nein, ist es nicht!

Verfasst: Mo 28. Feb 2022, 10:55
von Wally
Balian Buschbaum sieht die Sache als Transmann naturgemäß aus einem speziellen Blickwinkel, und bezüglich geschlechtlicher Schutzräume wie Umkleideräume und Toiletten kann er leicht reden: FzM haben ein perfektes, männliches Passing, sobald sie mal ein Jahr lang Testosteron gekriegt haben, die nimmt dann spontan niemand mehr als Frau wahr, egalo wie sie sich geben. Und cis-Männer fühlen sich auch selten bedroht, wenn da plötzlich ein Mann mit weiblichem Unterleib unter der Gemeinschaftsdusche steht. Für Buschmann ist das einfach kein Thema mehr.

Die meisten von uns Transfrauen werden aber von der Mehrzahl der Menschen spontan als Männer wahrgenommen, es sei denn, wir treiben extremen Aufwand und halten Kontakte auf Distanz. Die Leute sind zwar schon sehr viel toleranter geworden; wir dürfen uns mittlerweile auch als Transfrauen erkennbar in der Öffentlichkeit bewegen und werden deshalb gesellschaftlich kaum noch isoliert und diskriminiert. Aber in der spontanen Wahrnehmung der meisten Menschen sind und bleiben wir dabei trotzdem "verkleidete Männer"; da sollten wir uns keine Illusionen machen. Man kann - wie neuerdings im Bundestag :wink: - verbieten, das offen auszusprechen; aber die originäre, spontane Empfindung kann man nicht verbieten, die ist nun mal da und beeinflußt das Denken weit mehr als alle Verbote und politisch korrekten Sprachregelungen.

Dazu kommt, dass sich die große Mehrzahl der Frauen von Männern fallweise bedroht fühlt - eben deshalb ja das Bedürfnis nach geschlechtsspezifischen Schutzräumen. Genau an diesem Punkt stoßen wir Transfrauen an ein Grundproblem, egal ob operiert oder nicht, und auch egal, ob rechtlich-amtlich als Frau bestätigt oder nicht. Auch mit meinem weiblichen Ausweis kann ich als Transfrau - als die ich nun mal äußerlich erkennbar bin und bleibe - nicht einfach unsensibel in eine Damenumkleide reintrampeln. Die theoretische Rechtslage hilft mir da nicht gegen Zoff und Geschrei unmittelbar vor Ort.

Hilfreich ist in solchen Situationen ein umsichtiger, sensibler Umgang mit den cis-Geschlechtsgenossinnen: man muß Frauen diesbezüglich ernstnehmen und um ihr Vertrauen als Geschlechtsgenossinnen werben. Das hat es mir auch schon in den vergangenen 20 Jahren - lange vor der Personenstandsänderung - möglich gemacht, fallweise weibliche Schutzräume mit zu benützen; es kam mir dabei immer zugute, dass die Frauen eben auch wissen, dass man als geborener Mann eine weibliche Identität nicht wie einen Rock im Kaufhaus kaufen kann, sondern dass das ein langer, schwieriger, dorniger Weg ist. Dadurch hatte ich bei den meisten cis-Frauen einen Vertrauensbonus, der meist als "Mut" anerkannt und gelobt wurde, und der eben auch gewährleistete, dass sie meiner ehrlichen Motivation Glauben schenkten und mich in ihren Kreis aufnahmen. Hartleibige TERFs sind mir dagegen bisher nur selten begegnet.

Was aber, wenn nun Ganserer und die Grünen durchsetzen, dass ein geborener Mann eine weibliche Identität im Einwohnermeldeamt TATSÄCHLICH wie einen Rock im Kaufhaus kaufen kann - Antrag ausfüllen, unterschreiben, Gebühr zahlen, und tschüs? Und in der Woche drauf "Hab's mir anders überlegt", nochmal Unterschrift und Gebühr - fertig? Da wird der Vertrauensbonus, auf den ich bisher dank TSG zählen konnte, absehbar den Bach runter gehen: eine so leicht, schnell und völlig ungeprüft änderbare Identität bedeutet im Effekt GARNICHTS mehr. Ich kann sie zwar dieses eine Mal schneller und problemloser erwerben, auf den ersten Blick scheint das bequem. Aber ich kann's dann auch genauso gut bleiben lassen, weil der Wisch dann völlig wertlos ist, nichts mehr aussagt und zu nichts mehr taugt. Dafür muss ich in Zukunft JEDESMAL, wenn ich als Frau unter Frauen sein will, buchstäblich wieder bei Adam und Eva anfangen, um mir das dazu nötige Grundvertrauen zu erwerben; und anstatt eines einschlägig geschulten, erfahrenen und in aller Regel auch wohlwollenden Gutachters sitzt mir dann in einer zunehmenden Zahl solcher Situationen eine TERF gegenüber, die mir ihren Mittelfinger zeigt, weil sie schon mal einen windigen Typen erlebt hat, der mit der amtlichen Geschlechtsidentität irgendwelche dummen Späßchen trieb.

Ganserer und Konsorten erweisen uns mit diesen kurzsichtigen Plänen einen Bärendienst; die längerfristigen Folgen werden uns das Leben als Transsexuelle im Alltag massiv erschweren.

Re: NZZ: Krampf der Geschlechter: Das ist eine Frau! — Nein, ist es nicht!

Verfasst: Mo 28. Feb 2022, 11:26
von Jaddy
EIn sehr langer Text für zwei Erkenntnisse, die allen klar sind, die sich etwas intensiver mit dem Thema befassen:

1. Bis auf mglw wenige Ausnahmen (von denen mir bisher keine einzige aufgefallen ist), sind trans Frauen eher übersensibel, anderen Frauen zu nahe zu treten und gehen eher gar nicht in gender-segregierte Räume - also bspw lieber gar nicht auf öffentliche Toiletten etc. Viele meiden sogar Schwimmbäder und Saunen. Mit anderen Worten: Das Problem gibt's praktisch nicht.

2. Die amtliche Registeränderung im Standesamt ist im realen Alltag völlig irrelevant. Herzlichen Glückwunsch zu der Erkenntnis, die ich hier ja auch nur dutzende Male ausführlich erklärt habe.

Aber da fehlen noch zwei Erkennnis-Schritte: Erstens legalisiert der Zettel nichts, keinen Zugang, keinen Anspruch. Hausrecht gilt. Es hat sich auch noch nie ein Gewalttäter von einem fehlenden amtlichen Zettel abhalten lassen, egal ob mit oder ohne Kleid. Zweitens ist auch die "Prüfung", die TSG Gutachten, völliger Kappes. Weil sie eben nichts beweisen kann. Schon gar nicht, ob ein Mensch für andere ungefährlich ist. Die Idee eines "objektiv beweisbaren Geschlechts" (im Sinne von sozialem Geschlecht, also Gender) ist schlicht und einfach Unfug.

Das alles ist und bleibt also eine Angstmache basierend auf Pseudo-Argumenten, die sich laut der Erfahrungen in anderen Ländern real in ein bisschen warme Luft auflösen.

Re: NZZ: Krampf der Geschlechter: Das ist eine Frau! — Nein, ist es nicht!

Verfasst: Mo 28. Feb 2022, 11:49
von Tina-K.
.
Hallo Jaddy

Darf ich an dieser Stelle mal meinen Dank und meine Hochachtung ausdrücken, für Deinen unermüdlichen Einsatz. ---))) ---)))

( wann schläfst Du eigentlich ? )

elgetina ))):s

Re: NZZ: Krampf der Geschlechter: Das ist eine Frau! — Nein, ist es nicht!

Verfasst: Mo 28. Feb 2022, 12:32
von Lana
Liebe Wally,
Wally hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 10:55Auch mit meinem weiblichen Ausweis kann ich als Transfrau - als die ich nun mal äußerlich erkennbar bin und bleibe - nicht einfach unsensibel in eine Damenumkleide reintrampeln.
Aber nach der Einführung eines Selbstbestimmungsgesetzes ist das dann auf einmal OK? Oder wie soll ich das hier verstehen:
Wally hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 10:55Was aber, wenn nun Ganserer und die Grünen durchsetzen, dass ein geborener Mann eine weibliche Identität im Einwohnermeldeamt TATSÄCHLICH wie einen Rock im Kaufhaus kaufen kann - Antrag ausfüllen, unterschreiben, Gebühr zahlen, und tschüs?
Wird es nicht eher so bleiben wie es heute schon ist, wenn man seine Mitmenschen und ihre Bedürfnisse respektiert?
Wally hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 10:55Hilfreich ist in solchen Situationen ein umsichtiger, sensibler Umgang mit den cis-Geschlechtsgenossinnen: man muß Frauen diesbezüglich ernstnehmen und um ihr Vertrauen als Geschlechtsgenossinnen werben.
Das sehe ich ganz genauso.

Du befürchtest also ein kleines Privileg ("Vertrauensbonus") zu verlieren, das Du Dir vermeintlich durch den TSG-Prozess verdient hast:
Wally hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 10:55der Vertrauensbonus, auf den ich bisher dank TSG zählen konnte
Deine Verlustangst ist unbegründet, weil es dieses Privileg zwar gibt, aber nicht aufgrund deines Pesonenstands, und das weißt du auch:
Wally hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 10:55egal, ob rechtlich-amtlich als Frau bestätigt oder nicht
Vielmehr geht es um Rücksichtnahme, Vertrauen und Respekt.

Deine Personenstandsänderung spielt schon heute in all diesen Situationen gar keine Rolle. Warum also sollte sie es in Zukunft tun?
Daher ist es auch völlig egal, auf welche Weise sie zustande gekommen ist.

LGL

Re: NZZ: Krampf der Geschlechter: Das ist eine Frau! — Nein, ist es nicht!

Verfasst: Mo 28. Feb 2022, 12:42
von Aria
Wally hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 10:55 Die meisten von uns Transfrauen werden aber von der Mehrzahl der Menschen spontan als Männer wahrgenommen, es sei denn, wir treiben extremen Aufwand und halten Kontakte auf Distanz.
.......
Aber in der spontanen Wahrnehmung der meisten Menschen sind und bleiben wir dabei trotzdem "verkleidete Männer"; da sollten wir uns keine Illusionen machen.
Hast du mit diesen Aussagen von dir auf andere geschlossen oder sind das tatsächliche Beobachtungen? Ich kann die jedenfalls nicht bestätigen. Und wenn es doch mal nicht ganz zu der Erwartung passt, finde ich nicht, dass sich diese Person deshalb verstecken muss. Und da hat Buschbaum recht, wenn er sagt, dass der Kontakt Akzeptanz schafft und nicht die Gesetzeslage alleine.

Re: NZZ: Krampf der Geschlechter: Das ist eine Frau! — Nein, ist es nicht!

Verfasst: Mo 28. Feb 2022, 13:09
von Jaddy
Lana hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 12:32 Du befürchtest also ein kleines Privileg ("Vertrauensbonus") zu verlieren, das Du Dir vermeintlich durch den TSG-Prozess verdient hast:
Wally hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 10:55der Vertrauensbonus, auf den ich bisher dank TSG zählen konnte
Deine Verlustangst ist unbegründet, weil es dieses Privileg zwar gibt, aber nicht aufgrund deines Pesonenstands, und das weißt du auch:
Wally hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 10:55egal, ob rechtlich-amtlich als Frau bestätigt oder nicht
Vielmehr geht es um Rücksichtnahme, Vertrauen und Respekt.

Deine Personenstandsänderung spielt schon heute in all diesen Situationen gar keine Rolle. Warum also sollte sie es in Zukunft tun?
Daher ist es auch völlig egal, auf welche Weise sie zustande gekommen ist.
Zumal die wenigsten unbedarften Menschen "draussen" wissen, was das TSG ist und wie eine trans Person den amtlichen Zettel bekommt. Die meisten sind eher geschockt, wenn ich ihnen die Prozedur erkläre. Für eingefleischte TERFs etc macht es eh keinen Unterschied und für alle anderen ist es auch keine Sache eines amtlichen Papiers, sondern spontaner, emotionaler Reaktion. Sei es nun auf ein konkretes oder ein imaginiertes Zusammentreffen.

In der realen Situation würde das Herumwedeln mit der neuen Geburtsurkunde auch eher lächerlich wirken, weil weder problemangemessen, noch zielführend.

Im übrigen gibt es eben auch mit Selbstbestimmungsgesetz erfahrungsgemäss (andere Länder) keinen massenweisen Ansturm auf Änderungen und schon gar kein ständiges hin und her.

Re: NZZ: Krampf der Geschlechter: Das ist eine Frau! — Nein, ist es nicht!

Verfasst: Mo 28. Feb 2022, 18:49
von Wally
Jaddy hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 11:26 1. Bis auf mglw wenige Ausnahmen (von denen mir bisher keine einzige aufgefallen ist), sind trans Frauen eher übersensibel, anderen Frauen zu nahe zu treten und gehen eher gar nicht in gender-segregierte Räume - also bspw lieber gar nicht auf öffentliche Toiletten etc. Viele meiden sogar Schwimmbäder und Saunen. Mit anderen Worten: Das Problem gibt's praktisch nicht.
Na, na... Wenn ich (wie seit einem Jahr eigentlich immer) als Transfrau im Rock oder Kleid unterwegs bin, benütze ich SELBSTVERSTÄNDLICH auch die öffentliche Damentoilette - was denn sonst? Das hat zwar bisher (auch mit männlichem Perso) zum Glück nicht zu irgendwelchen Problemen geführt; es ist aber schon ein beruhigendes Gefühl, jetzt den Ausweis als Frau zu haben, der mich immerhin auch juristisch berechtigt, die Damentoilette zu benützen. Eine TERF kann mich dann natürlich immer noch spontan angiften, mir aber wenigstens keinen weiter reichenden Ärger verursachen. Und in manchen öffentlichen Toiletten sitzt ja auch irgend so ein Zerberus am Eingang, der kassiert und Männlein/Weiblein ihren Weg weist. Bei so einem habe ich mit dem weiblichen Perso im Zweifelsfall auch klar die besseren Karten.
Bei Flugreisen (und mittlerweile auch bei vielerlei anderen Gelegenheiten) gibt's oft geschlechtlich getrennte Sicherheitskontrollen; auch da entscheidet im Zweifelsfall der Ausweis darüber, wo ich mich einzuordnen habe (und fallweise dann sogar darüber, wie z.B. das Röntgenecho meines BHs interpretiert wird...).
Auch im privateren Rahmen (Gruppenfreizeiten und -Reisen, Seminare, Sportveranstaltungen etc.) gibt's immer wieder das Problem, dass einem z.B. für Männer und Frauen getrennte Schlafräume zugewiesen werden. Dass man dieses Problem nicht allein mit dem Ausweis lösen kann, und dass unsereins solchen Problemen dann oft ausweicht (entweder durch zähneknirschendes Akzeptieren eines Männer-Schlafplatzes - oder schon von vornherein durch Verzicht auf das ganze Events aus eben diesem Grund), heißt ja nicht, dass es das Problem nicht gäbe!
Jaddy hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 11:26 2. Die amtliche Registeränderung im Standesamt ist im realen Alltag völlig irrelevant.
Rhetorische Gegenfrage: Warum ist es denn dann so wichtig, dass man sie ohne Gutachten kriegt - wenn's doch so "völlig irrelevant" ist, ob man sie überhaupt kriegt?
Jaddy hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 11:26 Aber da fehlen noch zwei Erkennnis-Schritte: Erstens legalisiert der Zettel nichts, keinen Zugang, keinen Anspruch. Hausrecht gilt. Es hat sich auch noch nie ein Gewalttäter von einem fehlenden amtlichen Zettel abhalten lassen, egal ob mit oder ohne Kleid.
Der "Zettel" legalisiert sehr wohl - und bei einer Vielzahl konkreter Gelegenheiten im Alltag! - den Zugang zu frauenspezifischen Räumen. Das Problem ist nur, dass einem die bloße Legalität eines Zugangs als Frau (worum sonst sollte es denn bei der amtlichen Bestätigung des Geschlechts überhaupt gehen?) manchmal nur wenig nützt, weil z. B. eine TERF in der Damendusche eines öffentlichen Hallenbades mich halt nach ihrem ersten, optischen Eindruck als Mann identifiziert und herumschreit, anstatt nach meinem rechtlichen Geschlechtsstatus zu fragen.
Der Ausweis kann aber sogar in dieser Situation durchaus trotzdem helfen oder sogar den Ausschlag geben, wenn ich den an der Auseinandersetzung beteiligten Frauen ruhig und freundlich erkläre, dass ich transsexuell bin, ihnen zeige, dass ich immerhin auch eindeutig weibliche Brüste habe, mit denen ich eben nicht so gern in die Männerdusche möchte, und dass ich u. a. auch deswegen amtlich, nach Recht und Gesetz als Frau gelte, ohne Wenn und Aber. Eine TERF werde ich so zwar kaum überzeugen können; aber den anderen Beteiligten kann ich so im Fall einer weiteren Eskalation der Situation schon klarmachen, dass nicht ich, sondern die TERF diejenige ist, die sich da ins Unrecht setzt.
Jaddy hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 11:26 Zweitens ist auch die "Prüfung", die TSG Gutachten, völliger Kappes. Weil sie eben nichts beweisen kann. Schon gar nicht, ob ein Mensch für andere ungefährlich ist.
Klar können Gutachter das emotionale Geschlecht einer Person - um das es hier letztlich geht - beim heutigen Wissenstand nicht endgültig und zweifelsfrei beweisen. Sie können (und müssen!) es aber z. B. psychiatrisch von Geisteskrankheiten unterscheiden, die ja auch "transsexuelle" Symptome zeitigen können. Vor allem aber können sie - u. a. allein schon anhand des für das Verfahren in Kauf genommenen Aufwands - ziemlich zuverlässig unterscheiden, ob es sich um ein wirklich tiefes, nicht oder zumindest nur sehr schwer veränderbares, langfristiges Bedürfnis des Betreffenden handelt, oder womöglich bloß um eine momentane Laune, die schon morgen wieder ganz anders aussehen kann. Guck mal in den Beschluss zu Deinem Verfahren: genau DIESE Frage - eben nicht die Frage, ob der Betreffende eine Frau IST - stellt der Richter den Gutachtern, und sie beantworten sie nach bestem Wissen und Gewissen.

Für die transsexuelle Chirurgie braucht man die psychiatrisch/psychologischen Gutachten sowieso auch weiterhin, schon aus forensischen Gründen: ein Chirurg darf solche Operationen keinesfalls ohne bestmöglich gesicherte Diagnose durchführen, die er aber als Spezialist fürs Skalpell weder zeitlich noch fachlich leisten kann; er kann da gar nicht anders, als sich auf psychologische Fachgutachten zu stützen. Und diese Gutachten sind dann auch keineswegs bloß "völliger Kappes", sondern liefern durchaus einigermaßen verlässliche Informationen. Absolute Sicherheit können sie zwar nicht geben; aber da sie immerhin die besten, verlässlichsten, derzeit verfügbaren Entscheidungsgrundlagen liefern, sind sie unverzichtbar.

Im Übrigen finde ich es sehr daneben, dass Du die Gutachter hier immer wieder so abfällig als bloßes, willkürliches Hindernis auf dem transsexuellen Weg darstellst: sie sind in vielen Fällen wichtig für eine solide fundierte Entscheidungsfindung der Transsexuellen selber - in die eine wie in die andere Richtung. Meiner ersten Therapeutin vor 35 Jahren (sie war später nur deshalb nicht meine Gutachterin, weil sie leider viel zu früh verstarb) verdanke ich sogar schon die grundlegende Erkenntnis meiner transsexuellen Veranlagung; sie hat mich da behutsam und empathisch gegen meine eigenen, inneren Widerstände überhaupt erst hinbegleitet, ohne sie wäre mir das jedenfalls zu diesem Zeitpunkt nicht klargeworden. Ich hatte die Therapie mit einer ganz anderen Fragestellung begonnen... Auch die Gutachter für den Brustaufbau 10 Jahre später haben beileibe nicht bloß als Türwächter meine "Berechtigung" dazu überprüft, sondern sie haben mich in dieser - für mich selber damals durchaus noch schwierigen, mit Ängsten verbundenen - Entscheidung wesentlich bestärkt und mir mit ihrer sorgfältigen, kritischen Begleitung erst die nötige Sicherheit gegeben. Ich bin ihnen bis heute dankbar dafür, zumal sie gerade in diesem Fall auch selber einigen Mut aufbringen mußten, um den damals noch strikt binär orientierten, transsexuellen Weg als Leitlinie zu verlassen und mich auf einem gänzlich unkonventionellen Weg in einen Raum "zwischen den Geschlechtern" zu begleiten. Die waren da kein bißchen dogmatisch, sie haben sich einfach als Top-Fachleute bewährt, und mein weiterer Lebensweg hat dann ja auch die Richtigkeit ihrer Gutachten bestätigt.

Wer freilich glaubt, das alles schon von vornherein selber besser zu wissen, wer die psychologischen Gutachter als bloßes Hindernis sieht und ihnen "etwas vortanzt" (wie Du Dich in einem anderen Posting ausgedrückt hast), anstatt sich ihnen im Wortsinn anzuvertrauen, der braucht sich nicht darüber zu wundern, dass dabei dann nur Kappes rauskommen kann.
Jaddy hat geschrieben: Mo 28. Feb 2022, 11:26 Die Idee eines "objektiv beweisbaren Geschlechts" (im Sinne von sozialem Geschlecht, also Gender) ist schlicht und einfach Unfug.
Spätestens da wird's ideologisch: wer schon die bloße Idee der Beweisbarkeit eines nicht ausschließlich körperlichen Geschlechts für "Unfug" hält, der negiert damit in letzter Konsequenz die Existenz eines solchen, nicht unmittelbar körperlichen Geschlechts. Ich frage mich dann allerdings schon, warum Du Dich überhaupt mit dieser Frage beschäftigst, warum Du Dich selber auf den transsexuellen Weg begeben hast und warum Du die Politik eines transsexeuellen Bundestagsabgeordnten für so wichtig hältst und sie so vehement unterstützt. Denn wenn es ein psychisches, seelisches (oder wie auch immer) Geschlecht als unabänderliches, wesentliches, persönliches Merkmal gar nicht gibt, dann kann es das loogischerweise erst recht nicht abweichend vom körperlichen Geschlecht geben. Transsexualität und Crossdressing würden sich damit auf bloße, inhaltsleere Kleidungsfragen reduzieren - und das rechtfertigt doch in keiner Weise den ganzen Zores, den wir alle hier und anderswo um diese Thematik machen. Oder?