Meine Güte, Diskussionen aus dem letzten Jahrhundert - sollte man meinen. Und doch finden sie heute noch statt. Bezeichnend ist diese Aussage:
Aber die Einflüsse des Klerus sind immer noch so weitreichend, dass Politik und Verwaltung nicht den Mut haben, die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben durchzusetzen.
Wenn ich das richtig verstanden habe, erbringt die katholische Kirche als Träger lediglich Dienstleistungen für die öffentliche Hand, die wiederum einen gesetzlichen Versorgungsauftrag zu erfüllen hat. Bezahlt wird das ganze zu hundert Prozent aus öffentlichen Geldern und Mitteln der Krankenkassen.
Die Kirche bekommt also Geld der Allgemeinheit für die von ihr erbrachten Leistungen. Sie bringt keine eigenen Mittel zur Finanzierung der Leistungen und zum Unterhalt auf.
Wie man da auf die Idee kommen kann, das Leistungsspektrum mitbestimmen zu wollen, erschließt sich mir nicht. Noch weniger verstehe ich, warum das überhaupt diskutiert werden muss, die gesetzlichen Regelungen sind da eindeutig: es gibt kein Mitspracherecht. Das wird so auch im Interview bestätigt.
Wenn es da was zu besprechen gibt, dann ist es doch, ob die Kirche überhaupt ein komplettes Leistungsangebot liefern kann (wozu ohne Zweifel Schwangerschaftsabbruch gehören). Falls nicht, ist ihr Angebot offensichtlich nicht geeignet, die Trägerschaft (mit) zu übernehmen.
Dennoch bleibt die Frage:
Aus welchem Grund lässt sich die öffentliche Verwaltung von der Kirche noch immer auf der Nase herumtanzen?
LGL