Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?
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chrisvomsee
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Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 1 im Thema

Beitrag von chrisvomsee »

Hallo zusammen,

in einem anderen Posting (von Geli) kam ein Thema auf, welches mich sehr beschäftigt. Schon länger, und auch immer mehr.
Es ging darum dass die Ehefrau zwar Bescheid weiß, akzeptiert und auch ganz toll unterstützt, aber einem möglichen "Outing" zu Freunden und Verwandten skeptisch und mit Ängsten begegnet.
Geli hat geschrieben: Di 11. Jan 2022, 14:20 Die Angst der Veränderung ist überwunden, aber es bleibt aber immer noch ihre Angst vor dem Outing im Freundes- und Familienkreis, welche ich sehr ernst nehme und deshalb auch kein Outing plane.
Genau so ist es bei mir. Aber "WARUM"?
Klar, ich habe sie natürlich gefragt. Aber eine wirkliche Antwort (mit der ich etwas anfangen kann) kam nicht.
Natürlich ist es Grund genug zu sagen "ich habe einfach Angst davor"

Aber ich hätte da einige Freund*innen, vor denen ich gerne geoutet wäre. (Wobei ich das Wort "geoutet" gar nicht mag)

Ich sage es lieber so: "Ich hätte gerne dass meine langjährigen Freunde und Freundinnen (zum Teil seit der Kindheit) mich endlich "wirklich" kennen.
Je mehr ich mich mit mir selbst arrangiert habe, und mich selbst akzeptiert habe, desto mehr finde ich es total schade, dass ich das vor meinen Freunden verheimliche.

Die kennen mich nun schon so lange, sind mit mir älter (und klüger) geworden. Wir haben zusammen so viel erlebt, gelebt, überlebt, gesungen, gesoffen, und und und...
Aber mein Thema, welches mich seit ich denken kann beschäftigt, welches so vieles in mir geprägt hat, das kennen sie nicht.

Ich glaube nicht mal dass es so wichtig wäre, dass sie sehen wie ich mich manchmal kleide oder mit Prücke ect.
Ich möchte dass sie "wissen" was ich fühle, was ich mache, was in mir vorgeht, und ich möchte dass sie mich endlich "wirklich" kennen lernen.
Dass sie verstehen, warum ich manchmal etwas "komisch" bin, warum ich mich für Minderheiten einsetzte, warum mein Duschgel eben oft einen rosa Deckel hat, warum ich schon immer ungern fotografiert wurde.
Sie bräuchten dann nicht mehr fragen ob ich krank bin, nur weil ich wieder mal ein schönes buntes Tuch um den Hals habe. Meine Band wüsste dann, dass "Lola" grad mit ihnen an der Gitarre steht, und nicht nur im Liedtext vorkommt (The Kinks). Sie wüssten warum ich an Fasching so gut mit hohen Schuhen klarkomme, und sie könnten vielleicht verstehen warum ich in der Jugend- und Schulzeit so schüchtern und zurückhaltend war den Mädchen gegenüber. (Ich war zu der Zeit total unsicher was mit mir "nicht stimmt" .. ob ich schwul bin, nur dumm oder was auch immer...)

So, vor meiner finalen Frage aber ganz kurz noch Infos zu mir: (bin erst seit ein paar Monaten hier dabei)

- Bin verheiratet, zwei Schulkinder, Frau und Kinder wissen es, meine Schwester auch, aber das war's.
- Meine Frau hat Angst dass es "immer mehr" wird mit meiner weiblichen Seite.
- Und ja, ich will mehr
- Ich würde mich als "non-binär" bezeichnen. Schubladen mag ich nicht.
- Ich mag mein Geschlecht, bin hetero
- Meinen sehr männlichen Körper mag ich nicht so.
- Möchte nicht "immer" Frau sein. (Schublade) Sondern liebe das Zwischendrin und den Wechsel.

Ok, viel geschrieben. Nun wird aber die Frage kurz:

Wie nehme ich meiner Frau die Angst?
Oder sehe ich das tatsächlich zu blauäugig und so ein "Outing" vor Freund*innen könnte tatsächlich zu großen Problem führen?

Wer hat Erfahrungen?

Liebe Grüße vom Bodnesee schon mal an alle die das hier ganz gelesen haben :-)

Chris
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Lisa
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 2 im Thema

Beitrag von Lisa »

Hallo Chris,.

Mir geht es ähnlich, habe die gleich Ängste sowohl bei mir als auch bei meiner Partnerin. Sie weiss seit ein paar Wochen von meiner weiblichen Seite, kann dem ganzem aber nicht wirklich etwas abgewinnen. Lisa soll nicht erwarten, dass sie Freudensprünge macht, lässt mir aber zu Hause meinen kleinen Spielraum für Lisa. Da eins meiner Lieblings Mottos lautet: Weniger ist oft mehr, kann ich bisher ganz gut damit umgehen, Lisa hat einen Platz in unserem gemeinsamen Leben, wenn auch nur einen kleinen bisher, aber es gibt ihn und dies ist schön für mich😃...und hat mir ja auch Mut gemacht, mich hier in diesem tollen Forum anzumelden, endlich ein Platz und ganz liebe Mädels wo Lisa ganz Lisa sein kann. Auf eine schöne gemeinsame Zeit, ich freue mich darauf, glG Lisa
manchmal_melissa
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 3 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Hi Chris,

Erfahrungen hab ich keine, soviel vorweg, aber es geht mir ganz ähnlich.

Bei mir weiß es auch nur meine Freundin. Ein Freund ahnt vielleicht etwas, weil er selbst in der queeren Szene unterwegs ist, aber das wars dann. Bei dem würde es mir wohl auch nichts ausmachen, der fände das wahrscheinlich cool. Generell sind es bei mir nicht so sehr die Freunde (bis auf meinen besten), vor denen ich mich manchmal outen möchte, sondern vor allem meine Eltern. Wir haben ein so gutes Verhältnis und es fühlt sich falsch an, so einen wichtigen Teil von mir zu verschweigen.

Auch bei mir ist es immer wieder meine Freundin, die mich davon abhält. Aber nicht aus Angst vor den Reaktionen à la "Was sollen denn die Leute sagen"¦?" Nein, sie versucht eher mich zu schützen. Ihr Argument ist immer: "Was bringt es dir? Ist es das wert?" Und ich denke, da hat sie einen guten Punkt. Man weiß eben nie wie die anderen reagieren. Klar, wenn es gut läuft, wäre das klasse. Aber wenn es schlecht läuft, wäre es schlimmer als vorher. Ich bin deshalb bis jetzt immer zu dem Schluss gekommen, es sein zu lassen.

Es kommt aber natürlich immer auf das Gegenüber an. Ich weiß nicht, ob meine Eltern das Wort queer überhaupt kennen. Wenn du da zuversichtlicher bist, was deine Akzeptanz angeht, sieht das wieder anders aus.

Ich bin gespannt, was noch an Antworten kommt. So ähnlich gibt es das Thema ja auch schon. Ich lasse mich auf jeden Fall auch gern eines besseren belehren.

Liebe Grüße,
Melissa
ChristinaF
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 4 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

chrisvomsee hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 01:01 Hallo zusammen,

Wie nehme ich meiner Frau die Angst?
Oder sehe ich das tatsächlich zu blauäugig und so ein "Outing" vor Freund*innen könnte tatsächlich zu großen Problem führen?

Wer hat Erfahrungen?

Liebe Grüße vom Bodnesee schon mal an alle die das hier ganz gelesen haben :-)

Chris
Wie du deiner Frau die Angst nehmen kannst, kann ich leider nicht beantworten. Aber ich glaube, dass Frauen ganz allgemein eine Art "Radar" in sich haben und sich dadurch der Gedanke auftut, wie es mit dir weitergeht, wie du dich noch entwickelst.
LG Christina
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 5 im Thema

Beitrag von Mary »

Hallo Chris,
aus meiner Sicht ein paar Anmerkungen:
Persönlich fände ich es kein Problem, wenn mein Mann sein zweites ich auch Freunden vorstellen wollen würde. Ich überlasse es ihm, und wenn er mich in seine Entscheidung einbeziehen möchte - gern.
Wenn es gemeinsame Freunde betrifft, würde ich gern einbezogen werden, einfach um gemeinsam zu gucken, wie es geschehen kann und um ein wenig einzuschätzen, wie die Reaktion wohl sein würde. Natürlich könnten wir auch sage, wenn sie ihn nicht nehmen, wie er ist, was waren das für Freunde. Aber so einfach ist es dann doch irgendwie nicht. Natürlich hat dies viel mit unserer Sozialisation und der Gesellschaft zu tun. Nicht schön, aber leider Tatsache.
Wären es nur meine Freunde/Freundinnen, so würde ich das ungefragt nicht wollen (so sie überhaupt aufeinander treffen, was bei uns eher nicht der Fall ist), ich würde aber auch nicht einfach über sein zweites ich reden.

Würde er einfach so, in unserer Straße, vor die Tür wollen, hätte ich schon Einwände. Die haben einfach was mit der Struktur hier vor Ort und unseren Vermietern zu tun. Das war bislang aber auch kein Thema, da eine Vollzeitfrau nicht sein Ansinnen ist.

Wie deiner Frau die Angst zu nehmen ist, weiß ich leider auch nicht. Jede(r) ist ja anders. Ich habe keine Angst, aber trotzdem fühlt sich manches seltsam an. Und damit muss mich mich auseinandersetzen. Ob es bei deiner Frau so ähnlich ist oder sie tatsächlich Angst hat, kann sie nur selbst beantworten. Für mich ist die Situation eher etwas skurril und surreal. Das bleibt vermutlich auch so. Und solange wir trotzdem darüber reden können und mein Mann es ok findet, wie es ist, habe ich da keinen Frieden mit.

Mag deine Frau mal herkommen, vielleicht? Eventuell in den Chat, mit Verabredung? Vielleicht hilft ein Gespräch unter Partnerinnen?
Wenn dir das Leben in den Hintern tritt, nutze den Schwung um vorwärts zu kommen....
MoreThan2m
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 6 im Thema

Beitrag von MoreThan2m »

Hallo Chris
Ich kann sehr gut nachvollziehen wie Du Dich fühlst.
40 Jahre lang habe ich genauso gedacht und meine Frau hat nach dem Outing auch als ersten daran gedacht was andere den dadrüber denken
würden und man sich zum Gespött machen würde.
Vor ein paar Wochen habe ich dann den Entschluß gefasst das ich in die Offensive gehe
Ich habe meinen engen Freunden in einem persönlichen Gespräch meine Neigungen erzählt und was soll ich sagen: nur positives Feedback.
Alle haben sich sogar noch dafür bedankt, das man man so offen gesprochen hat. Mir hat es die Freundschaft zu einigen sogar verstärkt.
Und seitdem geht es mir viel besser. kein verstecken mehr. und wenn man mit einer Damenuhr auftaucht.... egal. Meine lackierten Fingernägel.... egal
alle wissen ja nun was los ist. Dieses neue Gefühl von Freiheit möchte ich nicht mehr missen und im Nachgang sind alle Befürchtungen nicht eingetreten.
Wir haben alle nur dadurch gewonnen

Lg Julia
Fen
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 7 im Thema

Beitrag von Fen »

Hi zusammen,

Ich kann aus der Sicht einer Partnerin erzählen.
Ich habe drei engere Freundinnen,die sich gegenseitig nicht kennen und die auch E./ Caro live nicht kennen. Dann habe ich noch eine WhatsApp Gruppe mit 5 oder 6 Mädels aus der Schulzeit. Wir treffen uns nie real, nur über WhatsApp.

Bei den drei realen Freundinnen habe ich gesagt,dass E.gerne Frauenkleider trägt. Das schwierige dabei war für mich jedesmal,dass ich nicht heulend ankam und getröstet werden musste,sondern ich das auch noch gut finde. Wenn die Mädels jetzt denken, dass es pervers ist,als Mann Frauenkleider zu tragen,dann bin ich ja noch perverser,die das auch noch fördert.

Nach ein paar anfänglichen Nachfragen von den Mädels wird das Thema jetzt weitgehend außen vor gelassen und E.hauptsächlich als Mann betrachtet. Mich behandeln sie nicht anders als vorher. Wenn ich per WhatsApp grüße,denke ich jedesmal drüber nach, ob ich Grüße von Caro und mir oder Grüße von E.und mir ausrichte.

Bei den Schulfreundinnen juckt es mich regelmäßig in den Fingern,mich in der Gruppe mit Hilfe eines Fotos zu outen. Obwohl eigentlich gar nichts dagegen spricht, Ich sehe sie eh nie live, und ich sowieso eine Außenseiterin bin (als einzige unverheiratet und kinderlos) traue ich mich nicht. Wir haben dann doch eine zu lange gemeinsame Geschichte. Und ich scheue die neugierigen Nachfragen.

Gruß
Fen
Life is short. Break the rules. Forgive quickly. Kiss slowly. Love truly. Laugh uncontrollably. And Never regret anything that made you smile. (James Dean)
ExuserIn-2022-08-18
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 8 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-08-18 »

Hallo Chris,

zunächst möchte ich sagen wie schön ich es finde das deine Frau dir Akzetanz und Toleranz entgegegen bringt. Dies kann sie scheinbar bis zu einem gewissen Grade sehr gut für sich selbst managen.
Dabei muss sie sich allerdings mit ihren eigenen Gefühlen, welcher wiederum ihre eigenen Bedürfnissen hinweisen, auseinander setzen. Und dies ist oftmals nur bis zu einem bestimmten Punkt möglich. Es stellt sich mir hier auch die Frage inwieweit Sie sich dieser Gefühle und Bedürfnisse überhaupt klar ist. Was möchte Sie ? Wie sehr läuft das was Sie Dir zugesteht gegen das was Sie beziehungsweise Du möchtest ? Kennst Du alle ihre Bedürfnisse ?
Sich über die eigenen Gefühle und die des Partners klar zu werden hilft Ängste abzubauen.

Es hilft nur darüber reden. Eventuell auch mit proffesioneller Unterstützung. Die hier schon öfters von mir gelesene Haltung das ein "normaler" Psychotherapeut nicht geeignet sei, da die meisten von Ihnen kaum transexuelle Erfahrungen haben teile ich nicht. Wenn der Therapeut über Emphatie verfügt sind dies die besten Voraussetzungen.

Wenn Du dich nach aussen outest dann betrifft dies auch deine Frau. Selbst wenn wir nicht wissen können ob von "Aussen" tatsächlich negatives an deine Frau oder Dich herangetragen wird so bedeutet ein Outing deinerseits für Sie emotionalen Stress. Du sagst es selber:
chrisvomsee hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 01:01 aber einem möglichen "Outing" zu Freunden und Verwandten skeptisch und mit Ängsten begegnet.
Wenn ihr beide euch klar seid, Einig seid, euch ganz und gar mit euren Bedürfnissen versteht wird ein Outing nach "Draussen" euer Outing sein.

Ich wünsche Dir von herzen alles Gute für Dich, für Sie Für Euch

Cecil
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 9 im Thema

Beitrag von -=Tom=- »

Hallo Chris,

du wirst auf deine Frage sehr viele unterschiedliche Meinungen/Ratschläge erhalten. Das was Du und deine Frau daraus machen, könnt nur ihr entscheiden und lenken. Gib dem ganzen Zeit um wachsen zu können und dann einen Schritt vor den anderen :wink: .

Gerne möchte ich dir hier von meinen Erfahrungen berichten. Das gleiche Thema habe ich mit meiner Frau auch letztes Jahr gehabt und wir haben intensiv darüber gesprochen. Meine Frau möchte nach wie vor nicht das ich mit einem Plakat (sinnbildlich gesprochen) über dem Kopf rumlaufe und es in die Welt hinaus rufe :lol: .
Das aber nur aus dem Grund, der möglichen Verletzung meiner Gefühle durch Menschen die dem Thema nicht aufgeschlossen genug sind. Einige gut ausgewählte Freunde haben in gemeinsamen Gesprächen (meine Frau war jedesmal mit dabei) von meiner "Leidenschaft" erfahren. Das Feedback war durch die Bank positiv und ich kann mich jetzt um einiges mehr meinen Freunden gegenüber entspannter verhalten. Erst vor ein paar Tagen habe ich mich einer guten Freundin geöffnet und ihr nach dem Gespräch gesagt, jetzt kennst Du mich zu 100% und weist was mich ausmacht. Darauf hat sie sich für das schöne Gespräch und mein Vertrauen bedankt. Die Freundschaft ist dadurch eher inniger geworden, als das ein Schaden entstanden ist.
Mir tut es gut mit vertrauten Personen über mich zu sprechen und für meine Frau war es ebenfalls wichtig, am Anfang eine Vertrauensperson zu haben, mit der sie das Thema besprechen kann unabhängig von mir.

Dies sind aber nur meine Erfahrungen und Gedanken zu dem Thema. Jede Beziehung verläuft nach einem eigenen Fahrplan und daher werdet Ihr euren Weg finden. Auf jeden Fall bereichert es euer Leben jetzt schon. Meine Frau kann sich meine weibliche Seite nicht mehr wegdenken. Sie hat mir mal im Vertrauen gesagt, ich habe sie in diese Welt mitgenommen und sie kann nicht mehr ohne diese leben. Sollte ich mich jemals von ihr trennen, so wüsste sie nicht wie sie einen "Mann" finden soll, der sie auf die gleiche "Reise" mitnehmen würde.... (he)
Liebe Grüße

Tom
Geli
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 10 im Thema

Beitrag von Geli »

Hallo Chris,
chrisvomsee hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 01:01 Oder sehe ich das tatsächlich zu blauäugig und so ein "Outing" vor Freund*innen könnte tatsächlich zu großen Problem führen?

Wer hat Erfahrungen?
wie du ja aus meinem Beitrag entnehmen kannst, bin ich nur bei meiner Frau geoutet und unsere Heilpraktikerin weiß von meinem Crossdressing. Zu meinem großen Glück war diese Heilpraktikerin als eine Vertrauensperson meiner Frau nicht negativ gegenüber meiner Leidenschaft eingestellt und konnte meiner Frau einige Ängste nehmen. Es war auch für meine Frau wichtig mit einer Vertrauensperson über das Thema Crossdressing sprechen zu können.
Aber trotzdem ist die Angst "was sagen und denken die anderen" sehr tief verwurzelt. Ich könnte mir zwar gut vorstellen, dass unsere Nachbarschaft und auch Freundeskreis damit keine Probleme hat, aber meine Frau ist davon nicht so überzeugt, deshalb werde ich mich nicht outen. Bei der Verwandtschaft ist es nochmals eine andere Situation hier spielen noch andere Punkte eine wichtige Rolle.

Ich habe meiner Frau zwar angeboten auch mit ihrer besten Freundin darüber zu reden, aber bis jetzt hat sie es nicht gemacht (zumindest weiß ich nichts davon).
Womit ich eher ein Problem habe, ist die Möglichkeit, dass ein Outing nicht durch mich erfolgt, sondern indem eine eingeweihte Person es z.B. in der Verwandtschaft weiterverbreitet und ich oder meine Frau dann damit unerwartet konfrontiert werden. Das führt vielleicht nicht zu großen Problemen, aber es könnte schwierig werden, falsche Vorstellungen wieder gerade zu rücken. Hier im Forum wurde ja schon vielfältig über weitverbreitet Vorurteile geschrieben. Für den Fall eines Outings bevorzuge ich das Outing meinerseits bzw. durch meine Frau, wenn wir es vorher abgesprochen haben.

Damit möchte ich den doch etwas längeren Text enden lassen. Es gibt sicherlich noch weitere Aspekte die von Fall zu Fall relevanter sind, aber das würde den Rahmen sprengen.

Liebe Grüße
Geli
Freue Dich über jeden Tag an dem Du machen kannst was Dir Freude macht.
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 11 im Thema

Beitrag von Fiona »

Hallo Chris,

Julia hat meine Erfahrungen auch schon super auf den Punkt gebracht :-) Daher hier nur ein Zitat, wie ich es auch empfinde.
MoreThan2m hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 12:00 ...
Ich habe meinen engen Freunden in einem persönlichen Gespräch meine Neigungen erzählt und was soll ich sagen: nur positives Feedback.
Alle haben sich sogar noch dafür bedankt, das man man so offen gesprochen hat. Mir hat es die Freundschaft zu einigen sogar verstärkt.
Und seitdem geht es mir viel besser. kein verstecken mehr. und wenn man mit einer Damenuhr auftaucht.... egal. Meine lackierten Fingernägel.... egal
alle wissen ja nun was los ist. Dieses neue Gefühl von Freiheit möchte ich nicht mehr missen und im Nachgang sind alle Befürchtungen nicht eingetreten.
Wir haben alle nur dadurch gewonnen
...
Im Vorfeld waren für uns noch einige Dinge wichtig:
  • Nimm deine Frau ernst
  • Nimm sie mit bei deinen Ausflügen (ins Forum) und erzähle ihr von Dir, Deinen Gefühlen und Deinem Inneren, wie Du Dich fühlst
  • Gibt ihr Zeit und überfordere sie nicht mit Informationen
  • Nimm ihre Bedenken wahr und redet darüber
Dann sollte einem erfolgreichen 'Outing' nichts im Wege stehen.

Ich drücke Dir die Daumen.

LG Fiona
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 12 im Thema

Beitrag von chrisvomsee »

Hallo zusammen,

ich bin eben recht überwältigt von den wirklich netten und sicherlich ehrlichen Antworten.
Aus jeder Antwort lese ich so viel eigene Erfahrung und ich erkenne wie vielfältig die Lösungen sein können für ein und das selbe Problem.
Und ich erkenne auch, dass ich selbst und meine liebe Frau wieder einmal gefragt sind, hierfür eine ganz eigene Lösung zu finden.
Und was hilft mehr, als viele unterschiedliche Erfahrungen von Anderen zu bekommen, um selbst Entscheidungen zu treffen.

Dafür erst mal vielen Dank (flo) (ich bin wieder etwas gewachsen)

Ich werde demnächst aber auf einige Beiträge noch speziell eingehen. (dieser Thread endet hier sicher nicht)
Und vielleicht kommen ja noch ein paar mehr )))(:

Liebe Grüße

Chris
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 13 im Thema

Beitrag von Lana »

Hallo Chris,

wie du deiner Frau diese Angst nehmen kannst, weiß ich natürlich auch nicht. Allerdings stelle ich bei meiner Partnerin fest, dass sie im Laufe der Zeit "lockerer" reagiert, wenn mal wieder jemand neu von meiner weiblichen Seite erfährt.

Grundsätzlich ist es so, dass sie nicht möchte, dass ihre Familie und Freunde davon erfahren. Bei gemeinsamen Freunden war das zu Beginn auch so, bei alleinigen Freunden von mir und bei meiner Familie habe ich mich im Laufe von zwei Sommern geoutet. Dabei waren die ersten Gespräche ohne ihr Wissen abgelaufen, weil ich mich zu Beginn nicht traute, mit ihr darüber zu reden und mir erst selbst über mich klar werden musste, wozu der Austausch mit zwei engen Freunden für mich notwendig war.

Sie war dann im Nachhinein etwas überrascht, dass ich mich tatsächlich traute, mit meinen Eltern darüber zu reden, wollte dann aber interessiert über deren Reaktionen und die von gemeinsamen Freunden berichtet haben.
Und da kann ich mich Julia nur voll und ganz anschließen:
Es gab (zumindest vordergründig) keine negativen Reaktionen, vielmehr entwickelten sich oft sehr intime Gespräche, in deren Verlauf sich die andere Seite immer mehr öffnete. Andere wiederum haben sichtlich zu knabbern, da mein Sein nicht in ihr Weltbild passt. Das müssten sie nun erweitern, und nicht alle sind dankbar dafür.
Dennoch gibt es keine Ablehnung, sondern im schlechtesten Fall Ignoranz des Themas, nach dem Motto: schön, dass wir mal darüber geredet haben, aber nun ist auch wieder gut damit.

Meine Partnerin war bisher bei keinem meiner Coming-Outs anwesend. Sie kennt es nur aus meinen Erzählungen, die sichtlich nicht ihrer Erwartung entsprechen. Das geht nun mit Unterbrechungen seit zwei Jahren so, und gibt ihr wohl so langsam etwas mehr Zutrauen, dass es tatsächlich so sein könnte, dass die meisten Menschen im persönlichen Umfeld diese Neuigkeit neutral bis positiv aufnehmen. Das hatte sie nicht erwartet.

Der zweite wichtige Punkt bei ihr ist, dass sie Sorge hat, dass sie sich für mein Anders-Sein in irgendeiner Form rechtfertigen müsste, weil sie mit mir zusammen ist. In so eine Situation möchte sie auf gar keinen Fall kommen. Das ist auch mit ein Grund, warum sie nicht mit mir in weiblicher Form rausgehen möchte, weil sie dann ja in gewisser Weise mit "drin hängt". Dieser Gedanke überfordert sie.
Er lässt sich auch nur schwer ausräumen, weil es an ihr selbst läge, die Erfahrung zu machen, dass sie eben nicht komisch angeschaut wird, nur weil ihr Partner sich verändert hat. Der letzte Satz ist nur eine Vermutung von mir, aber ich bin mir nach meinen eigenen Erfahrungen ziemlich sicher, dass es für die Partnerin ähnlich laufen würde, zumindest in unserem sozialen Umfeld. Der Unterschied zum eigenen Coming-Out ist, dass es für mich selbstgewählt war, meine Partnerin diese Freiheit nur eingeschränkt hat, vor allem bei gemeinsamen Bekannten.

Trotz all dieser Überlegungen bin ich froh, dass heute nahezu alle Menschen, die mich näher kennen, über mich Bescheid wissen, aus den Gründen, die du im Eingangsbeitrag erwähnt hattest. Es macht das Leben wieder leichter, selbstverständlicher und unkomplizierter. Und es besteht die große Chance, seine nahen Mitmenschen nochmal neu kennenzulernen und an ganz unerwarteten Stellen interessierte Gesprächspartner zu finden.
Bei mir sind einige Freundschaften wieder neu aufgelebt, die jahrelang in einer Art Stand-by-Modus festhingen, und mit anderen Leuten habe ich eine ganz neue Tiefe des Erfahrungsaustausch erlebt, die ich mir davor so nicht vorstellen konnte.

Ich möchte dich ermutigen, mit einer Person zu sprechen, der du voll vertraust, und wünsche dir schöne Gespräche, die euch dann ein Stück weiterbringen, so dass deine Frau langsam ein Gefühl dafür bekommen kann, dass beim Coming-Out nicht nur Risiken bestehen, sondern dass es die Chance bietet, seine Familienmitglieder und alten Freunde von einer ganz neuen Seite kennenzulernen, was die Beziehung sehr bereichern kann.

Ich wünsche dir viel Glück dabei!

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
Fen
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 14 im Thema

Beitrag von Fen »

Lana hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 22:04

Der zweite wichtige Punkt bei ihr ist, dass sie Sorge hat, dass sie sich für mein Anders-Sein in irgendeiner Form rechtfertigen müsste, weil sie mit mir zusammen ist. In so eine Situation möchte sie auf gar keinen Fall kommen. Das ist auch mit ein Grund, warum sie nicht mit mir in weiblicher Form rausgehen möchte, weil sie dann ja in gewisser Weise mit "drin hängt". Dieser Gedanke überfordert sie.
Hi Lana,

Genau diese Angst, uns rechtfertigen zu müssen, kenne ich sehr gut. Allerdings gilt die nur bei Familie und o.g whats App Gruppe. U.a. Deshalb outen wir uns bei der Familie nicht. In der fremden Öffentlichkeit finde ich nicht, dass ich mich vor irgendjemandem fürs Crossdressen meiner Partnerin rechtfertigen muss. Deshalb habe ich auch kaum Scheu,mit ihr raus zu gehen.
Klar,ich hänge als Begleitung mit drin. Ich bemerke oft die Blicke von Passanten von Caro, zu mir,zurück zu Caro,wie um zu prüfen mit wem "die Transe" unterwegs ist.

Gruß
Fen
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Re: Alle meine Freunde kennen mich nicht wirklich, ist das nicht sehr schade?

Post 15 im Thema

Beitrag von Lana »

Fen hat geschrieben: Do 13. Jan 2022, 23:00 Genau diese Angst, uns rechtfertigen zu müssen, kenne ich sehr gut. Allerdings gilt die nur bei Familie und o.g whats App Gruppe. U.a. Deshalb outen wir uns bei der Familie nicht. In der fremden Öffentlichkeit finde ich nicht, dass ich mich vor irgendjemandem fürs Crossdressen meiner Partnerin rechtfertigen muss.
Liebe Fen,

da hatte ich mich vielleicht unklar ausgedrückt:
Diese Angst vor dem Sich-Rechtfertigen-Müssen bezieht sich natürlich in erster Linie auf die Menschen, mit denen man ein engere Verhältnis hat oder mit denen man regelmäßig zu tun hat.

Bei uns ist es aber schon so, dass sie darüber hinaus eine Art allgemeines Unwohlsein verspürt, mit dem Thema Trans* in Verbindung gebracht zu werden. Warum das so ist, hab ich noch nicht rausbekommen.

LGL
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Blaise Pascal
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