Nebenthema zu: Eine Frau mit Penis
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Dunja
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Nebenthema zu: Eine Frau mit Penis

Post 1 im Thema

Beitrag von Dunja »

Hallo zusammen,

Auch von mir einen Herzlichen Glückwunsch und ein großes Danke für diesen Threat.

Sorry, wenn ich diesen Threat kapere.

Das möchte ich so nicht verallgemeinert stehen lassen:
Diva hat geschrieben: So 2. Jan 2022, 18:11 Es geht um den Öffentlichen Dienst in einer großen, großen Stadt, den nichttechnischen Verwaltungsbereich. Da braucht es keine Ansage, eine "Frau mit Penis" zu sein. Denn der umsichtige Dienstherr hat darauf geachtet, dass Menschen von meiner Art auf ewig in der Personalakte gebrandmarkt sind. Während es in der Privatwirtschaft möglich ist, durch ein aktuelles Arbeitszeugnis auf den neuen Namen und die Änderung der wichtigsten Zeugnisse der Vergangenheit das Zwangsouting zu vermeiden, ist das im ÖD dank der Personalakte unmöglich. Dort sind fein säuberlich alle alten Unterlagen incl. des beglaubigten Gerichtsbeschlusses zur VÄ / PÄ abgelegt, sodass ein potentieller neuer Arbeitgeber sofort im Bilde ist, was er sich da in sein sauberes Haus holen würde. Jahrelange Diskussionen mit verschiedenen Juristen haben immer das gleiche ergeben: Es gibt keinerlei gesetzliche Verpflichtung für den Dienstherrn, diesen alten Mist zu ändern, denn zum Zeitpunkt der Ausstellung dieser Unterlagen galt ja noch der alte Name, womit freilich alles rechtens ist. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass der Gerichtsbeschluss ebenso Bestandteil der Akte ist. Es gibt demnach keinen juristischen Weg, dieses Zwangsouting zu verhindern - und dass da jemand "Good will" hätte, ist ausgeschlossen, weil sich niemand für eine "Transe " aus dem Fenster lehnen und auf unsicheres Terrain begeben möchte. Juristen sind vorsichtige Menschen und lassen lieber andere crashen als selbst einen erhobenen Zeigegfinger zu kassieren.
Diva hat geschrieben: So 2. Jan 2022, 18:11 Wenn dann weiter gebohrt wird, muss ich deutlicher werden und andeuten, dass leider in allen Bereichen etliche Leute der Meinung sind, mit meiner geänderten äußeren Identität ein "Problem" haben zu müssen. Ich weise dann auf meine ausgesprochene Dummheit hin, entgegen anderer Trans*Personen die Transition am alten Ort durchzuführen, anstatt zuvor abzutauchen, um dann Jahre später "als Frau" anderswo wieder aufzutauchen. Ich habe nun eingesehen, dass diese Verfahrensweise weitaus schlauer ist und versuche das jetzt nachzuholen.
Auch ich arbeite im ÖD. Beworben hatte ich mich in meiner damaligen amtlichen Identität (männlich).
Als ich dann den Arbeitsvertrag zugesendet bekommen habe, lag diesem unter anderem das AGG bei. Dieser Vertrag war von meinem zukünftigen Dienstherren noch nicht unterzeichnet.
Mein Plan war von anfang an, mich zu outen bevor ich beginne.
So habe ich, nachdem ich diesen (wegen C.....) persönlich in den Briefkasten eingeworfen hatte, meinem zukünftigen Arbeitgeber, bzw der Dame des Peronalbüros eine Mail geschickt mit meinem Outing und habe auf das beigelegte AGG verwiesen.
Die Reaktion war vorbildlich. Am folgenden Arbeitstag habe ich einen Anruf bekommen mit der Aussage, das dies für sie nicht relevant sei.
Etwas mehr als 5 Monate musste ich in einer Doppel - Identität verbringen bis zur Nä/Pä. Offiziell, einschließlich für alle Mitarbeiter einsehbaren Mitarbeiter Liste, als männlich mit der zugehörigen Email Adresse, bei Kolleg_innen weiblich als Dunja. Schließlich war meine amtliche Identität nicht zu leugnen, hatte ich doch nicht einmal einen DGTi Ausweis.
Nach der Vorlage meines Gerichtsbeschlusses wurden alle sichtbaren Dokumente und Daten geändert.
Einzig die WC Frage war grotesk, habe ich doch selbstverständlich das Lehrerinnen WC benutzt, bis nach ca einer Woche mein Arbeitskollege mir sagte, es würde Missmut darüber geben. Seit dem benutze ich überwiegend das genderneutrale Behinderten WC im Nebengebäude, vorausgesetzt mir bleibt so viel Zeit dorthin zu gelangen :lol: .

Trotz etlicher Nachfragen im Kollegium habe ich bisher niemand finden können, dem die Person bekannt ist, die Ihren Missmut zu der WC Frage geäußert hat.
Zum besseren Verständnis: Zu den Lehrkräften gehöre ich nicht.

VLG Dunja
Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als Angst.
(Zitat aus dem Film "Plötzlich Prinzessin")
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Re: Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater in mehreren Akten

Post 2 im Thema

Beitrag von Diva »

Hallo Claudia,
Claudia-67 hat geschrieben: Mo 3. Jan 2022, 02:48 das kann doch nicht wahr sein, oder? Wie ist das mit dem Offenbarungsverbot aus dem TSG zu vereinbaren?
Ganz einfach: von der Obrigkeit wird der Joker "öffentliches Interesse" gezogen. Diese Ausnahme ist im TSG festgeschrieben und wird gerne sehr großzügig ausgelegt.
Denk nur an die Grundbücher: Bis vor ein paar Jahren konnte ein potentieller Erwerbender aus dem Grundbuch ersehen, dass er von einer "Transe" kaufen würde. Der BGH hat dem Unfug inzwischen einen Riegel vorgeschoben.
Claudia-67 hat geschrieben: Mo 3. Jan 2022, 02:48 Wer führt denn diese Akte? Da haben dann andere Behörden drauf Zugriff?
Aktenführende Stelle ist hier das (zentrale) Landesverwaltungsamt, also nicht die Dienststelle. Zugriff haben die dortigen Mitarbeitenden, z.B. zu Zwecken der Gehaltsberechnung, oder andere Stellen, welche die Akte begründet anfordern (z.B. wg. Bewerbung).

LG
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Re: Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater in mehreren Akten

Post 3 im Thema

Beitrag von Claudia-67 »

Hallo Diva,
Diva hat geschrieben: Do 6. Jan 2022, 07:35 Ganz einfach: von der Obrigkeit wird der Joker "öffentliches Interesse" gezogen. Diese Ausnahme ist im TSG festgeschrieben und wird gerne sehr großzügig ausgelegt.
Denk nur an die Grundbücher: Bis vor ein paar Jahren konnte ein potentieller Erwerbender aus dem Grundbuch ersehen, dass er von einer "Transe" kaufen würde. Der BGH hat dem Unfug inzwischen einen Riegel vorgeschoben.
da ist die Frage, ob das mitsamt dem TSG gekippt wird. Schon sehr fraglich alles. Wahrscheinlich hat keiner dagegen geklagt.

LG
Claudia
Mary
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Re: Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater in mehreren Akten

Post 4 im Thema

Beitrag von Mary »

Doch Claudia, es wurde geklagt, schon mehrmals,leider wurden die Klagen alle abgewiesen. Das Verfahren wurde,wie Dieses erläutert hat, als korrekt erklärt.

Wir hoffen mal, dass sich zumindest was daran tut,wie kan Daten weitergegeben darf ...
Wenn dir das Leben in den Hintern tritt, nutze den Schwung um vorwärts zu kommen....
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Re: Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater in mehreren Akten

Post 5 im Thema

Beitrag von Melanie72 »

Hallo zusammen,

also von meiner Bewerbung kann ich auch nur positives berichten. Wobei bei mir als Freiberuflerin die "Bewerbungsgespräche" ein bisschen lockerer sind. Das ich offensichtlich keine Cis-Frau bin, sieht man und hört man an meiner Stimme. Trotzdem ist dieses Thema während des Gesprächs nicht einmal erwähnt worden. Es ging nur darum, was ich bisher gemacht habe und was ich in dem Team machen werde. Inzwischen arbeite ich in dem Projekt und niemand hat bisher gegenüber unserer Teamleitung erwähnt, dass es ihm/ihr irgendwie unangenehm wäre. Alle sind mit meiner Arbeit zufrieden und wir kommen gut miteinander aus. Ok, wie es aussehen würde, wenn ich vor Ort arbeiten würde, weiß ich natürlich nicht. Ob ich dann auch Probleme mit der Toilettenbenutzung hätte, habe ich keine Ahnung. Im Homeoffice gehe ich halt auf meine eigene 😆

Liebe Grüße

Melli
„Ich glaube, dass die einzig wahre Religion darin besteht, ein gutes Herz zu haben“ - Dalai Lama
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