Zurecht steht heute das Gedenken an die
Ermordeten im Mittelpunkt.
Nach meiner Auffassung sind jedoch auch diejenigen ermordet worden, die
durch Suizid aus dem Leben geschieden (sind), weil sie durch fehlende Akzeptanz und erhebliche Mängel im Gesundheitssystem keinen anderen Ausweg gesehen haben
Quelle:
https://vielfalt-frankfurt.de/2021/11/1 ... er-gewalt/
Mag ihr Tod auch durch eigene Hand herbeigeführt worden sein, so sind die Gründe oftmals im Außen.
Niemand legt sich freiwillig eine Schlinge um den Hals, setzt sich eine tödliche Injektion oder anderes.
Niemand tötet sich selbst, um tot zu sein.
Es geht um das Beenden eines dauerhaften Zustands, der unerträglich geworden ist. Beides kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Therapeutische Arbeit kann darin resultieren, dass das Ziel "Ich will nicht mehr leben" in "Ich will
so nicht mehr leben" transformiert wird. Letzteres führt bald in eine Sackgasse, wenn die Kräfte erschöpft sind, wenn niemand da ist, der unterstützt, wenn keine positiven Erfahrungen gesammelt werden können. Kein durchschnittlich resilienter, unerleuchteter mitteleuropäischer Mensch kann lange in vollständiger Isolation und Ausgrenzung überleben, nur weil er sich "schöne Gedanken" macht. Gedanken steuern Gefühle, aber sie verbessern kein Umfeld, schaffen keine positiven Kontakte, keine Hilfe bei Problemen und bewältigen keine traumatische Vergangenheit.
Es ist offenbar unmöglich, Zahlen über suizidierte Trans*personen des vergangenen Jahres zu finden, um sie zu den Ermordeten addieren zu können.
In Deutschland findet alle 5 Minuten ein Suizidversuch statt, der alle 58 Minuten gelingt. Insgesamt starben in 2019 weitaus mehr Menschen durch Suizid als durch Mord, Drogen, Verkehrsunfälle zusammen. Die Statistik ist nicht nur unaktuell, sondern auch undifferenziert. Beispielsweise ist unklar, ob assistierte Suizide überhaupt enthalten sind und falls ja wieviele. Deshalb ist der Anteil an Trans*personen nicht zu erwarten. Die stiefmütterlich gepflegten Zahlen sind hier zu finden:
https://www.suizidpraevention.de/inform ... zide-2019/
Ich werde jedenfalls auch für jene, die durch ihre Familie, den nahesten Umkreis, dem sie einst vertrauten, durch Chefs und Kollegen, Hater, Mobber und andere in den Tod getrieben wurden, eine Kerze anzünden. Während die Täter bestätigt, unterstützt, applaudiert und befördert werden, haben deren Opfer hoffentlich endlich Frieden gefunden.
Nicht die Aggressoren haben gewonnen, sondern diejenigen, welche endlich ohne Hass, Angst und Schmerz sein dürfen, was ihnen im Leben versagt wurde.