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Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Verfasst: Di 5. Okt 2021, 15:15
von ExUserIn-2026-04-08
Moin in die Runde,

wie viele wissen, lebe ich seit ich denken kann, zwischen den Geschlechtern. Meine Frau und meine Kinder (beide außer Haus) sind soweit eingeweiht. meine Frau ist nicht begeistert, aber es ist i.O. für sie. Vielleicht müssen wir hieran noch wachsen.

Aber hier geht es um meinen Arbeitgeber, den Staat. Ich habe fast auf den Tag genau noch 6 Jahre zu arbeiten und dort bin ich nicht geoutet. Gerade meine Situation zwischen den Geschlechtern, also das Uneindeutige, hat mich davor zurück schrecken lassen. Ich möchte mich nicht dauernd erklären müssen. Ich bin innerhalb des Hauses nicht offiziell als Frau aufgetreten und halte das auch für meine Privatsache, in die ich nicht jeden blicken lassen will. Mein direkter Chef und auch die Gleichstellungsbeauftragte könnte ich noch einweihen, aber mehr möchte ich derzeit nicht.

Durch Corona hatte ich in den letzten eineinhalb Jahren die Möglichkeit, so oft wie ich wollte, en femme zu leben und zu arbeiten. Ich habe das sehr genossen und ich möchte das auch weiterhin tun. Jetzt gibt es bei uns eine neue Dienstvereinbarung, die uns bezüglich des Arbeitsortes erlaubt, an 2 Tagen die Woche zuhause zu arbeiten. Darüber hinaus sind individuelle Regelungen möglich. Mein Chef lehnt aber weitere Zugeständnisse trotz aller Vorteile auch für den AG ab. Sein einziges Argument ist die Förderung des Zusammenhalts der Gruppe. Dafür gibt er aus seinem Gefühl eben die 3 Tage pro Woche im Büro an.

Jetzt bleiben mir noch zwei Wege, um ein höheres Maß an Home Office zu erzielen. Die Ultima Ratio wäre das Outing, um mir den nötigen Freiraum zu erkämpfen. Das bringt mich in eine massive Zwickmühle. Meine Frage ist also, soll ich diesen Weg beschreiten, wenn alles andere versagt ? Wie seht Ihr das aus Eurer Perspektive ? Habt Ihr Erfahrungen, die mir weiter helfen können ?

Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Verfasst: Di 5. Okt 2021, 15:29
von ChristinaF
Liebe Vicky,
möchtest du dich nur wegen des Home Office's outen oder für deine Arbeit im Büro?
LG Christina

Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Verfasst: Di 5. Okt 2021, 16:27
von ExUserIn-2026-04-08
Hallo Christina,

danke für die Nachfrage. Ich möchte mich nach wie vor nicht im Büro outen, da mir der ganze Diskussionsaufwand zu hoch wäre. Eine eindeutige TS-Lage wäre "relativ" einfach zu erklären, aber da ich mich immer wieder in einer "Schaukel" befinde, ist das aus meiner Sicht schwer vermittelbar. Deshalb ist mein weibliches Leben im Homeoffice so wichtig. Outen würde ich mich nur gegenüber den Menschen, die für eine Individualregelung wichtig sind. Das wäre im besten Fall der direkte Chef. Aber der ist wahrscheinlich wieder in der Zwickmühle, da er ja auch einen Chef und eine Dienststellenleitung hat. Welche Kreise es dann noch zieht, ist nicht mehr kontrollierbar. Getuschel hinter meinem Rücken über mein Thema wäre mir ziemlich unangenehm.

Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Verfasst: Di 5. Okt 2021, 16:53
von Blossom
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 15:15 Jetzt bleiben mir noch zwei Wege, um ein höheres Maß an Home Office zu erzielen. Die Ultima Ratio wäre das Outing, um mir den nötigen Freiraum zu erkämpfen. Das bringt mich in eine massive Zwickmühle. Meine Frage ist also, soll ich diesen Weg beschreiten, wenn alles andere versagt ? Wie seht Ihr das aus Eurer Perspektive ? Habt Ihr Erfahrungen, die mir weiter helfen können ?
Hi Vicky,

wenn du das Maß an Home-Office erhöhen möchtest, wirst du wohl nicht drumherum kommen. Allerdings wird sich dein direkter Vorgesetzter (und weitere) äußern müssen, wenn er zu einer Ausnahme von der Regel bereit ist. Das bezieht auch andere Kollegen mit ein, die das für sich auch einfordern würden. Damit wäre es dann ein Coming-Out, nicht wahr?

Für mich war es vermutlich leichter, denn ich habe mich bereits als TS um eine Stelle beworben. Man kennt mich nicht anders. Festhalten kann ich aber, dass es bislang mit niemanden diesbezüglich irgendein Problem gab. Ganz im Gegenteil, denn mir wird immer wieder erklärt, wie gut man es findet, dass ich meinen Weg gehe. Aber ja, es gibt auch immer wieder interessierte Fragen, die ich allerdings gerne beantworte.

Liebe Grüße vom
Blümchen (na)

Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Verfasst: Di 5. Okt 2021, 17:00
von scheue_Sarah
Hallo Vicky,

selbst wenn Du Dich bei Deinem Chef outen würdest...
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 16:27 Getuschel hinter meinem Rücken über mein Thema wäre mir ziemlich unangenehm.
...kämst du um das Getuschel nicht herum:
Warum hat der eine Sonderbehandlung?
Es wird nach Gründen gesucht und auch die vermeintlich gute Ausrede (die mir momentan nicht einfällt) wird kaum die anderen zufrieden stellen.

Darüber hinaus ist die Frage, wieviel Verständnis Dein Chef hat. Wenn er Deine Situation als "Quatsch" abtut wird es nachher eher schwieriger im Umgang.
Ich sehe ja ein, die "scheue Sarah" sieht wieder einmal mehr die Nachteile, aber manche nennen es Risk Management.

Du wirst den richtigen Weg gehen, dabei wünsch ich Dir Erfolg!
Sarah

Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Verfasst: Di 5. Okt 2021, 17:19
von Aria
Ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster und behaupte, dass du - wenn du die Möglichkeit zu dauernden HO hättest - diese auch die allermeiste Zeit en femme verbringen würdest. Denn mir scheint, dass ist die Zeit in der du dich am wohlsten fühlst. Anders lässt sich mir nämlich nicht den Wunsch nach mehr HO erklären. Ich denke du hast dich in den 1,5 Jahren si sehr daran gewöhnt so oft en femme sein zu können, dass du nun Bedenken hastwas wäre, wenn du das nicht nicht mehr machen kannst.

Ich lehne mich mal noch weiter aus dem Fenster und sage, wenn du Diskussionen nicht hättest oder führen müsstest, würdest du dich schon längst nicht mehr in dieser Schaukel befinden. Dann würdest du dich vermutlich schon seit Jahrzehnten als 100% weiblich definieren.

MMn hast du nur 2 Möglichkeiten. Entweder outest du dich in kleinen Kreis - so wie du es sagst - und erarbeitest dir somit deine Zeit en femme Zuhause (sofern das genehmigt wird), gibst aber die unbequemen Auseinandersetzungen an deinen Vorgesetzten ab. Oder du outest dich generell, führst anfangs paar Gespräche (Diskussionen sind das nämlich keine) und kannst danach endlich dein Leben leben - im HO und auf der Arbeit.

Also für mich hat die 2. Option deutlich mehr Charme, da ich damit endlich frei wäre. Ich kann es mir nämlich ehrlich gesagt nicht mehr vorstellen so einen Eiertanz zu vollführen und mir den Kopf darüber zu zerbrechen. Aber das bin ich, nicht du!

Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Verfasst: Di 5. Okt 2021, 17:55
von ExUserIn-2026-04-08
Zunächst einmal vielen Dank für die schnellen Rückmeldungen. Mir ist klar, dass meine Haltung ein wenig an "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass" erinnert. Dem will ich nicht wiedersprechen. ;-)

Was die "Genehmigung für mehr HO betrifft, diese ist mit Idividualvereinbarungen in der Dienstvereinbarung ausdrücklich erlaubt. Es ist also keine "Sonderbehandlung" oder Ausnahme von der Regel. Wer von einer Begründung, wenn diese überhaupt erforderlich ist, ist von mir nicht kontrollierbar. Ob dies Chef, Chef-Chef, Personalabteilung oder Dienststelleitung ist, weiß ich nicht. Die Personalabteilung ist jedenfalls gut besetzt mit Schwatzbasen ...
WiebkeTL hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 16:52 Vermutlich würde er in Erklärungsnot geraten, selbst wenn er das erlauben wollte...
Es könnte umgekehrt sein. Dass er in Erklärungsnöte kommt, wenn er das nicht tut... Hier liegt für ihn und die Dienststelle die gefahr der Diskriminierung.
Blossom hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 16:53 Aber ja, es gibt auch immer wieder interessierte Fragen, die ich allerdings gerne beantworte
Interessierte Fragen beantworte ich auch gerne. Ich habe einen Horror, wenn ich aber an das Geschwätz denke. Ich denke, ich muss noch ein wenig am Selbstbewusstsein arbeiten ...
scheue_Sarah hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 17:00 Ich sehe ja ein, die "scheue Sarah" sieht wieder einmal mehr die Nachteile, aber manche nennen es Risk Management.
Kann ich nachvollziehen, aber manchmal stürze ich mich ins kalte Wasser. Irgendwie schwimme ich dann doch ...

@Aria: Danke für's Hinauslehnen ... Im Ernst, es gibt noch mehr Gründe für HO. Angefangen von weniger Autofahren, mehr Zeit mit meiner Frau, mehr Kraft und Konzentration für mich ... Aber das
Aria hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 17:19 diese auch die allermeiste Zeit en femme verbringen würdest

ist bereits seit 1,5 Jahren der Fall. Keine Ahnung, ob das 78, 80 oder 90% der Zeit der Fall ist, aber es ist mir definitiv wichtig.
Aria hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 17:19 Ich lehne mich mal noch weiter aus dem Fenster und sage, wenn du Diskussionen nicht hättest oder führen müsstest, würdest du dich schon längst nicht mehr in dieser Schaukel befinden. Dann würdest du dich vermutlich schon seit Jahrzehnten als 100% weiblich definieren.
An den 100% zweifle ich, aber die Tendenz ist richtig. Mein Traum seit der Pubertät ist eine Fee, die mir einen Wunsch gestattet. Ich würde mich für einen beliebigen Wechsel zwischen w und m entscheiden und die Umwelt würde es als vollkommen normal ansehen. Was ich nicht weiß, ist die Frage, inwieweit mein "m" auf der Basis gesellschaftlicher Konventionen steht oder auch intrinsisch veranlagt ist.
Aria hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 17:19 Also für mich hat die 2. Option deutlich mehr Charme, da ich damit endlich frei wäre. Ich kann es mir nämlich ehrlich gesagt nicht mehr vorstellen so einen Eiertanz zu vollführen und mir den Kopf darüber zu zerbrechen. Aber das bin ich, nicht du!
Das kann ich nachvollziehen. Kurz gesagt: mir geht der Arsch noch auf Grundeis, auch wenn ich manchmal selbstsicher daher komme ...

Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Verfasst: Di 5. Okt 2021, 18:39
von Zita
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 17:55
WiebkeTL hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 16:52 Vermutlich würde er in Erklärungsnot geraten, selbst wenn er das erlauben wollte...
Es könnte umgekehrt sein. Dass er in Erklärungsnöte kommt, wenn er das nicht tut... Hier liegt für ihn und die Dienststelle die gefahr der Diskriminierung.
Hmm, also, ich tu jetzt malso, als wäre ich Dein Chef. Ich hätte auch ein Problem damit, für eine Person, so eineabweichende Regelung zu erlauben, ohne das für das Team ersichtlich ist, wie die Entscheidung zu stande gekommen ist. Und den Diskriminierungsvorwurf kannst Du da schwer aufbauen, da Du kein Grundrecht hast, dass Dein Chef für Dich "lügt" (was jetzt natürlich etwas gemein überspitzt formuliert ist.

Es wäre Diskrimienierung, wenn Dein Chef Dir das Arbeiten in Deinem empfundenen Geschlecht verweigert. Da würde die Antidiskrimierungsstelle zurecht auf dei Barikaden gehen. Aber ich glaube kaum, dass eine entsprechende Stelle Dir Unterstützung dafür gibt, dass Du Dich Deinene Kollegen gegenüber nicht outen magst. Zumindest ich als Chef würde es so sehen, dass ich Dir 100% Unterstützung für Dein Standig innerhalb des Teams geben würde, aber ich hätte ein Problem damit, so ein "Geheimnis" aktiv zu decken.

Das ist natürlich eine schwierige Situation. Aber grundsätzlcih bist Du im öffentlichen Dienst auf einer sehr guten Position (Arbeite selber im öffentlichen Dienst und habe mich gerade vor ein paar Monatenvor meinem Chef geoutet). Mehr Angst als vor ein paar "Sonderlingen" im Team hat man da eigentlich vor der Anti-Diskreminierungsstelle. Aber das ist alles nur meine persönliches Gefühl.

Liebe Grüße
Zita

Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Verfasst: Di 5. Okt 2021, 18:56
von Jen
Huhu Vicky, (ki)

Da stehst Du ja vor einer richtig schwerwiegenden Entscheidung, die ich nicht nochmal vor mir haben möchte...

Die schriebst "Dienstherrn", d.h. Du bist verbeamtet? Hier möchte ich Dir zu bedenken geben, dass hier noch ältere Strukturen herrschen. :cry: Außenherum zeigt man sich liberal, aber hinter dem Rücken... (ag) Habe das vor ein paar Jahren selber mitbekommen, als das Thema "Divers" frisch aufkam. Da haben sich alle drüber lustig gemacht. Männlein wie Weiblein bzgl. der Toilettenfrage etc... Kannte auch einige, die haben es abgelehnt "divers" in manchen offiziellen Schreiben zu schreiben. "Es gibt nur Mann oder Frau. Daneben nichts, bla, bla, bla ...."
Aber wie gesagt, ist schon einige Zeit her, da könnte sich manches verändert haben (hoffentlich)....???

Was das Hintenherum angeht, wenn Du Dich "nur" Deinem Chef outest, weiß es trotzdem kurze Zeit später das ganze Büro. Spätestens, wenn Du mehr Homeoffice oder was auch immer wie die anderen bekommst. Wenn dann herauskommen würde, dass Du die "Sonderbehandlung" auf Grund Deiner Geschlechtsidentität erhalten hast.... Oje... Das dann in Zusammenhang mit dem zuvor genannten Punkt... Oje Oje... :o Bedenke, was die Leute nur über schwangere Frauen und deren Ausfälle am Arbeitsplatz sagen.... (ag)

Ich wollte Dir jetzt um Himmelswillen keine Angst machen. (flow) Auch kenne ich Deine Kollegen / Chef usw. nicht... Das sind alles Sachen, die natürlich sehr ausschlaggebend sind...
Und wie bei allem im Geschäft... Der ganze Stress dauert nur eine verhältnismäßig kurze Zeit an. Danach normalisiert sich i.d.R. wieder alles und es wird normal. (ki) Dann sind wieder andere Dran über die man sich den Mund zerreißen kann. Spätestens vor der nächsten Beförderungsrunde ist Dein Thema vergessen, es sei denn Du stehst auf der Liste der zu Befördernden... :wink: :lol: :lol: :lol: :lol:

Das wird, solltest Du diesen Weg gehen, kein leichter. (Schlauer Spruch Ende :roll: )

Ich gehe aber mit Aria total konform. Höre auf Deine Innere Stimme. Wenn Dein (Leidens-) Druck so groß ist, dass Du schier verrückt wirst, wenn Du Dich 3 von 7 Tagen (2Tage Wochenende und 2 Tage HO) verstellen musst, dann bleibt Dir sicherlich nichts anderes übrig als es mit allen Konsequenzen durchzuziehen... :|

Sorry, da kann ich Dir leider nicht helfen. Das ist beides ziemlich blöd. Ich persönlich hatte es auch so weit rausgezögert, bis es nicht mehr ging... Dann wurde es (ist es teils noch) schwierig, aber ich bereue, außer der räumlichen Trennung von meinen Kindern, nichts. Es lebt sich einfach viel freier und ungezwungener. Eine Last weniger. (he)

Liebe Grüße von einer Jen, die jetzt viel geschrieben hat, aber auch nichts Neues erzählt hat... :? :lol: :lol:

Jen (ki)

Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Verfasst: Di 5. Okt 2021, 19:03
von Stefanie1963
Hi Vicky,

Ich möchte die Angelegenheit mal anders betrachten.
Mir stellte sich folgende Frage:

Eine mitarbeitende Person "outet" sich mir gegenüber als TS und begehrt umfangreichere Zeiten im HO mit der Begründung, in dieser Zeit entsprechend der persönlichen Präferenz besser leben zu können.
Vorausgesetzt ich würde, wie dein Vorgesetzter, 2 Tage HO in der Woche für ausreichend erachten und aus Gründen der Gruppendynamik die restlichen Tage in Präsenz verlangen, wäre doch allein der Wunsch, diese persönliche Entscheidung nicht in der Gruppe zu teilen und möglichst 5 Tage HO zu bekommen für mich nicht zwingend. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht und ich würde dir jede Unterstützung und jeden Schutz gewähren, um dein Leben so zu leben, wie es deiner Vorstellung nach sein sollte, aber das kann auch durch ein ein offeneres Umgehen geschehen.
Wenn durch eine solche, nicht offen begründete Einzelentscheidung sich die Teamleistung verändert, da die anderen Teammitglieder anfangen zu spekulieren und "misstrauisch" zu werden, ist die Entscheidung so nicht mehr zu gerechtfertigen.

Vllt. musst du dich hier entscheiden, ob du die Schaukel anhältst oder ob sie bereits seit geraumer Zeit ohnehin schon auf einer Seite fest verhakt hat.

Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Verfasst: Di 5. Okt 2021, 19:14
von ExUserIn-2026-04-08
Vielen Dank für die konstruktiven Beiträge Das hilft. :kissing_heart: Ich möchte nur nochmal auf einen Punkt eingehen: Es gibt Individualvereinbarungen, von denen einige profitieren. Das betriffft geschätzt ca. 20% des Referats. Ich wäre da kein Einzelfall.

Ja, ich bin Beamtin

Nein, ich werde nicht mehr befördert. EDEKA: Ende DEr KArierre ... Ich melde mich morgen noch einmal ...

Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Verfasst: Di 5. Okt 2021, 19:33
von Stefanie1963
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 19:14 Ich möchte nur nochmal auf einen Punkt eingehen: Es gibt Individualvereinbarungen, von denen einige profitieren. Das betriffft geschätzt ca. 20% des Referats. Ich wäre da kein Einzelfall.

Ja, ich bin Beamtin

Ja, natürlich gibt es die. Die Frage ist doch aber, ob dem Rest der Gruppe der Grund dafür nicht bekannt werden darf. Das hatte ich Deinem Wunsch aber entnommen, dass du Deine persönlichen Gründe eben nicht in der Gruppe bekannt geben möchtest. Ich bezweifle allerdings, dass, auch wenn die Entscheidung Deinen Wünschen entsprechend getroffen würde, die Gruppe nicht doch relativ schnell die Gründe erfahren würde. Gerade beim Bürotratsch in einer Behörde ist ein Geheimnis keins mehr, wenn es mehr als eine Person weiß.

Mit über 40 Dienstjahren in einem Dienst- und Treueverhältnis traue ich mir diese Prognose zu. :o

Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Verfasst: Di 5. Okt 2021, 19:53
von Michi
Hallo Vicky,

ich hab ja vor längerer Zeit schon mal geschrieben, dass, wenn ich es mir aussuchen könnte, ich am liebsten nach Lust und Laune mal so und mal so in die Firma gehen würde. Aber mir war damals schon klar, dass das meine Mitmenschen noch mehr herausfordern würde, als ein 100%iger Wechsel.

Inzwischen hat es sich "ergeben", dass sich letzte Woche auch ein zweiter Kollege in meinem Büro eindeutig homo- und transfeindlich geäußert hat. Ich habe vorsichtig, aber bestimmt dagegen gehalten, aber viel machen kann ich nicht. :cry:

Leider sind wir nur ein kleines Unternehmen .. falls jemand mit einem Gang zum Gleichstellungsbeauftragten ankommen will .. ist nicht!


Bei dir als Beamtin sollte es nicht wirklich ein Problem geben. Da sehe ich es wie Aria und andere. Einfach sagen und machen. Was kann denn schlimmstenfalls passieren, wogegen du dich nicht offiziell und erfolgreich wehren könntest? Ich sehe da nichts.


Liebe Grüße
Michi

Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Verfasst: Di 5. Okt 2021, 20:38
von heike65
Also ich finde Arias Standpunkt und Argumente gut, und als Beamte hast du nun wirklich nichts zu befürchten ausser etwas Geschwätz.
Stell dir vor du würdest seit 30 Jahren im Baumarkt,Discounter,Lokal etc gearbeitet haben, vielleicht noch selbstständig mit entsprechenden Ängsten des wirtschaftlichen Ruins, dann könnte ich deine Bedenken nachvollziehen, aber in deinem Fall erscheint es mir als Angst auf hohem Niveau, Und was spricht dagegen mal als Mann man als Frau zur Arbeit zu erscheinen ? Klar ist Uneindeutigkeit schwerer fürs Umfeld, aber selbst das geht, selber über Monate ausprobiert, und ja meine Kunden haben sich hinter meinem Rücken teilweise das Maul zerrissen, und als ich mit dem switchen/Androgynität aufgehört habe, kam: Endlich bist du eine Sie. Mach was dir gut tut, wirtschaftliche Folgen sind ja nicht zu befürchten, und das Gerede ist schnell vorbei, dann wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben, viel Glück in deiner Entscheidungsphase.

Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Verfasst: Di 5. Okt 2021, 21:25
von Wally
Liebe Vicky.

Bei der Vorstellung eines "Teil-Outings" gegenüber dem Vorgesetzten hätte ich ein ungutes Gefühl. Zum einen ist es die Frage, wie weit man sowas eingrenzen kann. Du schreibst, Du möchtest Dich nicht voll outen wegen "zuviel Gesprächsbedarf": dieser Gesprächsbedarf entsteht aber doch erst recht, wenn's die ganze Abteilung hintenrum erfährt - und kann dann noch dazu nicht gedeckt werden, weil's ja offiziell nicht bekannt ist, also auch nicht offen darüber geredet werden kann.

Zum anderen ist es auch für das Selbstbewußtsein nicht gut, sich mit der eigenen Weiblichkeit im HomeOffice zu verstecken. Da kannst Du noch so aufgeklärt und Dir Deiner Rechte bewußt sein: die tagtägliche gelebte Situation "so sollen mich die Anderen nicht sehen" kratzt dann doch permanent an der Legitimität Deines Frau-Seins; so kommst Du nie zu einer unbefangenen Haltung.

Ich wüßte auch nicht, warum eine teilweise/zeitweise offen gelebte Weiblichkeit erklärungsbedürftiger wäre als ein kompletter Rollenwechsel. Von der Qualität her macht das ja keinen Unterschied, sondern nur von der Quantität her. Zudem mache ich gerade jetzt (seit Januar diesen Jahres lebe ich 24/7 als Frau) die Erfahrung, dass mich so gut wie nie jemand nach Erklärungen fragt - das war eigentlich nur mein eigenes Kopfkino vorher, dass ich glaubte, mich erklären zu müssen: ich muß das nicht, ich darf einfach sein :-) Es ist für mich auch nach einem Dreivierteljahr immer noch spannend, mich bei allen möglichen Gelegenheiten erstmals en femme zu zeigen: beim Friseur, beim Arzt, in der Autowerkstatt, gegenüber unserem alten und seeehr konservativen Nachbarn, heute gegenüber dem Kaminkehrer, nächste Woche beim Klassentreffen (Abiturklasse)... Aber da das bisher durchweg problemlos war, habe ich die anfänglichen Skrupel vor solchen Wiederbegegnungen unter neuem Vorzeichen längst abgelegt, inzwischen genieße ich sie sogar: endlich darf ich mich ganz offen so zeigen, wie ich bin, ich brauche mich nicht mehr zu verstecken.

Als Beamte hast Du doch diesbezüglich das große Los gezogen: nirgendwo brauchst Du Dir wegen Deines Arbeitsumfelds weniger Gedanken zu machen als gerade im öffentlichen Dienst. Mach also Schluss mit dem Versteckspiel, zeig Dich einfach! Erklären mußt Du da garnichts, egal, ob als Teilzeit- oder Vollzeitfrau. Verstehen werden es die meisten Menschen so oder so nicht (damit haben wir ja sogar selber Probleme) - aber tolerieren werden sie es, das ist erst mal das Wichtigste. Positiv akzeptieren werden sie es in dem selben Maß, in dem Du dich selber als (Teil-)Frau akzeptierst und freimütig dazu stehst.