Ich möchte ganz gerne einen Gedanken weiterspinnen und zitiere mich mal selbst:
Helga hat geschrieben: Di 31. Aug 2021, 23:46
Ganz klar: Ich bin eine Frau. Und ich bin ein Mann. Und alles was sich dazwischen abspielt. Hier im Forum ist oft vom "wahren Ich" die Rede. Aber dieses wahre ich kann sehr trügerisch sein, insbesondere wenn es uns so süß anlächelt. Mein wahres "Ich" ist nicht auf dem biometrischen Foto in meinem männlichen Personalausweis abgebildet und auch nicht auf meinem Avatar, auch wenn mir Letzteres wesentlich besser gefällt. Mein wahres "Ich" entzieht sich leider der Abbild- Fähigkeit, da es das gesamte Spektrum abdeckt. Es war ein riesen Fehler die weiblichen Bestandteile meiner Persönlichkeit so lange zu unterdrücken. Ich habe mich selbst eingeschränkt, konnte mich nicht entfalten, es war sehr schmerzhaft. Würde ich aber jetzt vor lauter Euphorie über neu entdeckte Weiblichkeit die männlichen Bestandteile meiner Persönlichkeit unterdrücken, wäre dies ein genauso großer Fehler. Ob ich will oder nicht. In den gut 50 Jahren, die ich nur als Mann verbracht habe, hat meine Persönlichkeit auch deutliche männliche Wesenszüge entwickelt. Die Harmonie kommt dadurch zustande, dass ich beide zulasse, beiden ihren Raum gebe. Das hat durchaus praktische Vorteile. Ich kann mich deutlich besser in mein Gegenüber hineindenken. Egal, ob es männlich oder weiblich ist. Ich nutze bei meinen Entscheidungen "männliche" Analythik und "weibliches" Bauchgefühl und fahre damit sehr gut. Ich kann einfühlsam zuhören und trotzdem als stringenter Entscheider auftreten.
(Liebe Melanie, bitte entschuldige, dass ich dir deinen Thread vollgespammt habe. Der Gedanken- Überdruck hat sich einfach ein Ventil gesucht)
Fast alles, was wir heute als Unterschied zwischen Mann und Frau betrachten ist unnatürlich, menschengemacht und größtenteils innerhalb einer vergleichsweise kurzen Zeitspanne der letzten ca. 10.000 Jahre entstanden in der die Menschheit Städte, Gesellschaftsformen und Kulturen entwickelt hat.
Um uns nicht unnötig durch zivilisatorische Errungenschaften und gesellschaftliche Zwänge ablenken zu lassen, blicken wir zurück in die archaischen Zeiten des frühen Homo- Sapiens, dessen Tagesinhalt wohl nur darin bestand das Überleben der eigenen Person und weniger anderer ihm nahestehenden Menschen für die nächsten Tage zu sichern. Es gibt keine Kleidung, keine Behausung, keine Fortbewegungsmittel, abgesehen von einigen Steinen kein Werkzeug und keine Gebrauchsgegenstände. Gegessen wird nur, was selbst erlegt, oder selbst gesammelt wurde. Abgesehen vom nackten Körper gibt es nichts, was irgendwie als gesellschaftliches oder geschlechtliches Statussymbol herhalten konnte.
Die Natur hat beim Design dieser nackten Körper neben unterschiedlichen Ausprägungen gleicher Anlagen eigentlich nur einen wesentlichen Unterschied entworfen, der mit der Fortpflanzung zusammenhängt und für diese essentiell ist: Ein Geschlecht gibt die Samenzelle für die Nachkommen, das andere stellt die Eizelle zur Verfügung und behält die Frucht solange bei sich, bis diese einen gewissen Grad der Überlebensfähigkeit erreicht hat und das Licht der Welt erblicken kann.
Bis hierher ist die natürliche Geschlechter- (Aufgaben-) Trennung klar und eindeutig. Aber bereits mit der Geburt des Nachwuchses verwischt die Aufgabentrennung oder wird sogar aufgehoben. Das gebärende Geschlecht übernimmt zwar in der Regel für eine gewisse Zeit die Aufgabe den Nachwuchs mittels geschlechtsspezifischer Ausprägungen zu ernähren, sprich zu stillen, wir wissen aber, dass auch das andere Geschlecht in der Lage ist in Notfallsituationen diese Ausprägungen zu entwickeln. Auch Männer können theoretisch stillen. Dass Frauen nach Verlust des Samengebers genauso gut und erfolgreich auf die Jagd gehen konnten wie Männer, haben sie gerade in kriegerischen Zeiten immer wieder bewiesen.
Für den Erhalt der Art ist es unabdingbar, dass ein Geschlecht die "Rolle" des anderen übernehmen kann.
Beim Stillen sind Frauen aber erwiesenermaßen deutlich besser und leistungsfähiger weshalb sie sich mit dem Nachwuchs an einen möglichst sichereren Ort zurückziehen, um das Kind vor wilden Tieren zu schützen, was eine ebenso wichtige Aufgabe wie die Jagd darstellt. Wenn sie nicht stillen sind sie meistens schwanger, wodurch sie für die Jagd zu unbeweglich werden und lieber Früchte, Beeren, Wurzeln und ähnliches sammeln.
Damit hat sich vor ganz pragmatischem Hintergrund die erste gesellschaftlich bedingte Rollenverteilung der Menschheitsgeschichte entwickelt.
Als der Mensch sich in kühlere Regionen ausbreitet entsteht die Notwendigkeit Kleidung zu entwickeln. Die Frau, die durch Schwangerschaften periodisch an Leibesfülle zu- und wieder abnimmt, bevorzugt weite Gewänder, die dies zulassen und den Bauch nicht einschnüren. Gerne bodenlang, um die Kälte nicht zu sehr an den Leib zu lassen. Auf der Jagd, die über Stock und Stein geht und den Jäger manches Mal zwingt schnell einen Baum zu erklimmen um nicht selbst zur Beute zu werden, sind lange, weite Gewänder eher hinderlich. Der Jäger trägt kürzere Gewänder und gegebenenfalls separate "Beinkleider"
So dürfte sich stark vereinfacht dargestellt der Unterschied in der Bekleidung zwischen Mann und Frau herausgebildet haben. Eigentlich auch pragmatisch.
Diese pragmatisch bedingten Differenzierungen wurden in den letzten 10.000 Jahren zivilisatorischer, gesellschaftlicher und kultureller Entwicklung aus religiösen, spirituellen und insbesondere ideologischen Gründen derartig aufgebauscht, dass die eigentlichen Hintergründe kaum noch erkennbar sind und mangels Begründbarkeit meistens einer "Gott- gewollten" Hierarchie weichen mussten.
Zu welchen Auswüchsen dies geführt hat und leider in Teilen der Welt immer noch führt, ist hinlänglich bekannt.
In unserer sogenannten "westlichen Zivilisation" mussten Generationen von Menschen (in der Regel Frauen) hart daran arbeiten, bis diese Hierarchie einigermaßen aufgebrochen war.
Wie sah diese Emanzipation, die Befreiung aus der männlichen Vorherrschaft aus?
Zunächst ging es darum Rechte zu bekommen, die nur Männern vorbehalten waren: Das Recht über sich selbst bestimmen zu dürfen, das Recht zu wählen und gewählt zu werden. Dann ging es darum die gleiche schulische, berufliche und Universitäre Ausbildung machen zu können. Als die Gleichbe
rechtigung formal erreicht war, ging es aber noch weiter. Das, was bislang als typisch männliche Kleidung betrachtet wurde, nimmt die Damenwelt komplett für sich in Anspruch und hat hierbei nicht einmal Hemmungen, sich direkt in der Herrenabteilung zu bedienen. Aber damit ist das Ende der Emanzipation noch nicht erreicht. Frauen übernehmen mehr und mehr Eigenschaften, Verhaltensweisen aber leider auch Unarten, die bislang als typisch männlich galten. Emanzipierte Frauen haben Durchsetzungsvermögen, sind willensstark, besitzen Führungsqualitäten, denken rational. Auf der Kehrseite sind sie rücksichtslos, laut und gewalttätig.
Sie fahren damit aber ganz gut, weil sie ihre weiblichen Qualitäten nicht außer Acht lassen und diese mit "männlichen" Eigenschaften und Verhaltensweisen kombinieren.
Ein schönes Beispiel dafür ist, dass immer mehr Frauen in der Politik in die vorderste Reihe treten.
Die Emanzipation der Frau ist nichts anderes als das Zulassen der auch bei Frauen vorhandenen männlichen Seite und das gezielte Einsetzen des gesamten Gender- Spektrums.
Hier sind die Frauen den Männern (mal wieder) einen Schritt voraus.