DLF: Geschlechteridentität | Der schwierige Weg zu einem neuen Transsexuellenrecht
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Marielle
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Re: DLF: Geschlechteridentität | Der schwierige Weg zu einem neuen Transsexuellenrecht

Post 16 im Thema

Beitrag von Marielle »

Guten Abend zusammen, Hallo Anke,
Anke hat geschrieben: Do 27. Mai 2021, 17:46Und ich verstehe nicht, warum es nicht längst Gespräche mit den Schwarzen
jetzt leider nur ganz kurz, weil es an Zeit mangelt. Ich werde den Beitrag aber ergänzen.

Es gibt Gespräche mit den Schwarzen; seit Jahren. Ein paar wenige Leute (auch und grade beim BVT*) kümmern sich um vieles von dem was hier (in reichlicher Unkenntnis der Sachlage) kritisiert und beklagt wird. Auch ich selbst habe mich mit einer ganzen Reihe von CDU/CSU-MdBs rumgeplagt unterhalten, um irgendwie wenigsten ein kleines Loch in den Zaun zu machen. Das macht keinen Spaß! Aber es ist notwendig und wird von manchen Menschen gemacht.

Alle, die sich von naiven Vorstellungen und Wunschzetteldenken verabschieden können, die eine ausreichend hohe Frusttoleranz haben und die zur Kommunikation in einer gänzlich anderen Echo-Kammer als der eigenen Willens und in der Lage sind, sind herzlich eingeladen, daran mitzuwirken. Eine weitere Qualifikation ist auch noch ganz wichtig. Man muss bereit und in der Lage sein, alle die, die die anderen Qualifikationen nicht haben, aber trotzdem aus irgendwelchen Gründen glauben mitreden zu müssen, geflissentlich an die Seite zu stellen; nach Möglichkeit ohne sie dabei persönlich zu beschädigen.

Habt es gut

Marielle
Zuletzt geändert von Marielle am Do 27. Mai 2021, 21:58, insgesamt 1-mal geändert.
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MichiWell
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Re: DLF: Geschlechteridentität | Der schwierige Weg zu einem neuen Transsexuellenrecht

Post 17 im Thema

Beitrag von MichiWell »

Anne-Mette hat geschrieben: Do 27. Mai 2021, 11:48 Es bestehen Ängste und Vorbehalte, wenn der "juristische Geschlechterwechsel" so einfach vorgenommen werden kann wie die Erlangung eines dgti-Ergänzungsausweises.
Die bestehen ja nicht nur in weiten Teilen der heteronormativen Gesellschaft, sondern sind auch unter LSBT nicht so selten. Selbst hier ist .. und das gerade auch von Betroffenen, die den beschwerlichen Weg gegangen sind oder gerade gehen, zu lesen, dass man es "denen" bloß nicht so leicht machen dürfe, weil "die" ja sonst reihenweise ihr Geschlecht wie ihre Unterhose wechseln würden. Übertreiben veranschaulicht. :wink:

Ganz ehrlich:

Es macht mich jedes Mal aufs Neue wütend, wenn ich vernehmen muss, dass Menschen, deren Geschlechtsempfinden bedauerlicherweise nicht mit den äußeren Geschlechtsmerkmalen übereinstimmen, doch gefälligst die Ernsthaftigkeit ihres Wunsches zu beweisen haben. :cry:
Brauchst Du Hilfe und hast niemanden zum quatschen? Dann schick mir ´ne PN!
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Re: DLF: Geschlechteridentität | Der schwierige Weg zu einem neuen Transsexuellenrecht

Post 18 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,
Marielle hat geschrieben: Do 27. Mai 2021, 21:57 Es gibt Gespräche mit den Schwarzen; seit Jahren. Ein paar wenige Leute (auch und grade beim BVT*) kümmern sich um vieles von dem was hier (in reichlicher Unkenntnis der Sachlage) kritisiert und beklagt wird. Auch ich selbst habe mich mit einer ganzen Reihe von CDU/CSU-MdBs rumgeplagt unterhalten, um irgendwie wenigsten ein kleines Loch in den Zaun zu machen. Das macht keinen Spaß! Aber es ist notwendig und wird von manchen Menschen gemacht.
Um so schlimmer, denn scheinbar ist nichts dabei herausgekommen. Finde ich auch nicht überraschend, wenn der Vorstand des BVT* nach Proporz und nicht nach Kompetenz gewählt wird. Es geht ja nicht nur darum zu sprechen, sondern das auch so anzugehen, dass dabei etwas herauskommt.

Ich finde es auch ziemlich arrogant Kritikern Unkenntnis vorzuwerfen. Ich frage mich, warum wir so wenig Kenntnis haben? Warum ist so wenig vom BVT* zu sehen und zu hören? Und ich muss nicht unbedingt selbst Eier legen um festzustellen, dass eins faul ist. Und ich sehe den Verband auch in der Bringschuld, wenn es darum geht uns zu informieren.
Marielle hat geschrieben: Do 27. Mai 2021, 21:57 Alle, die sich von naiven Vorstellungen und Wunschzetteldenken verabschieden können, die eine ausreichend hohe Frusttoleranz haben und die zur Kommunikation in einer gänzlich anderen Echo-Kammer als der eigenen Willens und in der Lage sind, sind herzlich eingeladen, daran mitzuwirken. Eine weitere Qualifikation ist auch noch ganz wichtig. Man muss bereit und in der Lage sein, alle die, die die anderen Qualifikationen nicht haben, aber trotzdem aus irgendwelchen Gründen glauben mitreden zu müssen, geflissentlich an die Seite zu stellen; nach Möglichkeit ohne sie dabei persönlich zu beschädigen.
Wie Du weißt habe ich meinen Versuch gemacht um hier etwas zu mitzugestalten und bin an den etablierten Seilschaften gescheitert. Wenn in Berlin gekungelt wird, dann ist es recht schwer von Baden-Württemberg aus einzugreifen. Daher habe ich mich entschieden, meine Zeit und Energie an anderer Stelle einzusetzen.

Trotzdem sage ich hier meine Meinung und formuliere Kritik. Vielleicht wacht der BVT* ja irgendwann mal auf und fängt an das Thema kompetent und professionell anzugehen. Aber vielleicht haben wir auch einfach Glück und es gibt im Herbst den Regierungswechsel, den ich mir erhoffe. Doch als Verband nur darauf zu setzen, ist viel zu wenig.

Liebe Grüße

Anke
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Re: DLF: Geschlechteridentität | Der schwierige Weg zu einem neuen Transsexuellenrecht

Post 19 im Thema

Beitrag von Svetlana L »

Anke hat geschrieben: Fr 28. Mai 2021, 10:57 Um so schlimmer, denn scheinbar ist nichts dabei herausgekommen.
Wie viele öffentliche Anhörungen hat es zu LSBTI-Themen im Allgemeinen und trans*spezifischen Themen schon gegeben und wie oft haben sich die eingeladenen Wissenschaftler_innen positiv in unserem Sinne den Mund fusslig geredet (bis auf solche Gäste, die von der Union oder AfD eingeladen wurden) - das ist an denen vermutlich alles abgeprallt. Gerade wird ja wieder eine Bundesrat-Initiative zu Art. 3 GG gestartet. Ich glaube mittlerweile, beim überwiegenden Teil der Union ist für uns nichts zu holen - trotzdem oder gerade deswegen sollten wir aber auch hier am Ball bleiben. Steter Tropfen ... usw.
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana
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Re: DLF: Geschlechteridentität | Der schwierige Weg zu einem neuen Transsexuellenrecht

Post 20 im Thema

Beitrag von Anke »

Hallo,
Svetlana L hat geschrieben: Fr 28. Mai 2021, 11:38
Wie viele öffentliche Anhörungen hat es zu LSBTI-Themen im Allgemeinen und trans*spezifischen Themen schon gegeben und wie oft haben sich die eingeladenen Wissenschaftler_innen positiv in unserem Sinne den Mund fusslig geredet (bis auf solche Gäste, die von der Union oder AfD eingeladen wurden) - das ist an denen vermutlich alles abgeprallt. Gerade wird ja wieder eine Bundesrat-Initiative zu Art. 3 GG gestartet. Ich glaube mittlerweile, beim überwiegenden Teil der Union ist für uns nichts zu holen - trotzdem oder gerade deswegen sollten wir aber auch hier am Ball bleiben. Steter Tropfen ... usw.
die Argumente kann ich gut verstehen. Doch trotzdem bin ich davon überzeugt, dass hier etwas möglich ist. Dafür braucht es einen anderen Denkansatz.

Bisher wird immer aus unserer Sicht vorgegangen und argumentiert. Ich finde es erfolgversprechende, wenn wir uns ernsthaft und mit Respekt mit der Sichtweise der C-Parteien auseinandersetzen und aus diesem Blickwinkel argumentieren. Damit meine ich nicht, dass wir uns deren Sicht zu eigen machen. Stattdessen finde ich es wichtig zu verstehen, wie die CDU, bzw. ihre Repräsentanten denken und argumentieren. Ich bin mir sicher, dass sich hier neue Ansatzpunkte finden lassen, um mit ihnen in einen konstruktiven und zielführenden Dialog zu kommen.

Hinzu kommt für mich folgendes. Die LSBTI-Community zeigt oft Tendenzen zu bestimmten Parteien. Ich halte das für falsch. Wo sich einzelne politisch engagieren und was sie wählen, das ist ihre Privatsache. Aber als Community sollten wir parteipolitisch neutral sein. Unser Ziel ist es Veränderungen herbeizuführen, die uns helfen. Mit welchen Parteien das gelingt, ist für mich ohne Belang.

Liebe Grüße

Anke
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Re: DLF: Geschlechteridentität | Der schwierige Weg zu einem neuen Transsexuellenrecht

Post 21 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Anke,
Um so schlimmer, denn scheinbar ist nichts dabei herausgekommen.
Nur halt, dass es zwei mal verhindert werden musste und konnte, dass unsäglich schlechte Entwürfe ins Parlament kommen und dort mit der Mehrheit der Regierungskoalition verabschiedet worden wären; zuletzt Anfang April 2021. Und vielleicht noch, dass die endgültige Ausgestaltung der Regelungen im §45b PStG es wenigstens einer Reihe von Menschen erspart hat, sich den unwürdigen Prozeduren nach dem TSG zu unterziehen. Sonst allerdings nichts weltbewegendes.

Der weeeeeeeeeeeeit überwiegende Teil der CDU/CSU und das BMI sind schlicht nicht Willens, eine Reform des TSG anzugehen, der man von Seiten der Betroffenenverbände auch nur annähernd zustimmen könnte. Vielmehr wurde zuletzt versucht, das Thema vor event. kommenden Koalitionsverhandlungen so zu erledigen, dass man in den nächsten Jahren darauf verweisen könnte, dass Thema doch grad erst neu geregelt zu haben. Allerdings -der Entwurf dazu wurde ja veröffentlicht- ohne auch nur ansatzweise substanzielle Änderungen vorgenommen zu haben. Das ist die Situation in der wir sind. Es lässt sich anhand von Medienberichten oder Plenar- und Ausschussprotokollen öffentlich nachlesen; macht nur leider kaum jemand.

Dazu kommt, dass sich in den seeeehr mühsamen Aufbau von beidseitig respektierten Kontakten zu möglichen Alliierten bei den Konservativen im BT und in den Ministerien zu oft Leute aus der Comunity einmischen, deren Einlassungen -sagen wir mal- nicht hilfreich sind. Als prägnantes Beispiel mag eine Person aus der Comunity dienen, die sich -wie auch immer sie das geschafft hat- in ein wichtiges Gespräch zwischen Verbänden und BMJV 'reingequascht' hat. Sie erschien in Badelatschen und Strandkleid im Ministerium (ok, es war im Sommer), referierte in ihrem Redebeitrag in wirren Worten einen Zusammenhang zwischen Transfeindlichkeit und Kapitalismus und legte großen Wert auf Selfies mit Wichtig-Wichtig-Leuten. Das ist genau so tatsächlich passiert.

Man kann sowas natürlich machen, aber du wirst mir zustimmen, dass es nicht hilfreich ist, wenn in Ministerien der Eindruck entsteht, trans* Personen seien überdurchschnittlich verwirrt. Ich könnte mehrere Beispiel dafür bringen, wie nach aussen gegebene Infos zu Gesprächen mit MdBs o.Ä. folgende Gespräche mit diesen Leuten erschwert haben, weil die Gesprächspartner_innen zwischenzeitlich mit wütenden, kruden oder wunschzetteligen E-Mails aus der Comunity 'bearbeitet' wurden. Das macht keinen Spass und hat natürlich Auswirkungen auf den Informationsfluß.

Es geht ja nicht nur darum zu sprechen, sondern das auch so anzugehen, dass dabei etwas herauskommt.
Das sehe ich auch so. Es ist auch eigentlich gar nicht schwer. Es braucht nur die richtige Antwort auf eine recht einfache Frage: Wie bringt man, mit wenig personellen Resourcen und ohne großen öffentlichen Meinungsdruck, kreuzkonservative, am Thema überwiegend desinteressierte und durch das Abstimmungsergebnis zur Eheöffnung für Homosexuelle noch immer quasi traumatisierte Abgeordnete dazu, gesetzgeberisch etwas zu tun, wofür sie in ihren Wahlkreisen von ihren ebenso strukturierten Wähler_innen bestenfalls keinen Beifall bekommen?

Wenn es diese Antwort gibt, wird es ein Kinderspiel sein.

Trotzdem sage ich hier meine Meinung und formuliere Kritik
.
You're welcome.


Hab es gut

Marielle

PS: Ich hatte diesen Beitrag weitgehend geschrieben, bvor ich deinen letzten Beitrag geĺesen habe. Genau das, was du darin beschreibst, versuchen einige Leute. Auch im BVT*.
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Re: DLF: Geschlechteridentität | Der schwierige Weg zu einem neuen Transsexuellenrecht

Post 22 im Thema

Beitrag von Svetlana L »

Marielle hat geschrieben: Fr 28. Mai 2021, 13:10 weil die Gesprächspartner_innen zwischenzeitlich mit wütenden, kruden oder wunschzetteligen E-Mails aus der Comunity 'bearbeitet' wurden.
Ich glaube, dass das zum Alltag von Abgeordneten gehört. Dieses Recht steht nun mal allen Bürger_innen offen, die jeweiligen Wahlrkreisabgeordneten oder auch andere Abgeordnete zu kontaktieren. Dazu bedarf es keiner "nach außen gegebenen Informationen". Und ja, auch ich habe schon Briefe an Abgeordnete und Ministerien geschrieben, z. B. nach dem Urteil des BVerfG zum Personenstand divers, als das Gesetz dazu in Arbeit war usw. Und das werde ich auch weiterhin tun, wenn ich meine, mich einbringen zu müssen/können. Das läuft bei mir unter den Stichpunkten "Demokratie" und "Transparenz politischen Handelns". Dass das in angemessener Form geschehen sollte ist aus meiner Sicht selbstverständlich, aber ich hoffe doch, dass die Abgeordneten bzw. deren Mitarbeiter_innen das schon filtern bzw. entsprechend einsortieren können.
Liebe Grüße aus Berlin
Svetlana
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Re: DLF: Geschlechteridentität | Der schwierige Weg zu einem neuen Transsexuellenrecht

Post 23 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Anke hat geschrieben: Fr 28. Mai 2021, 13:05 .............. Stattdessen finde ich es wichtig zu verstehen, wie die CDU, bzw. ihre Repräsentanten denken und argumentieren. .............
Liebe Anke, irgendwie möchte ich dir da Recht geben. Ich bin auch gerne bereit mit meinen Kommunalpolitikern zu reden, aber was bringt das? Muß ich heute im Jahr 2021 den Politikern wirklich Menschenrecht und Wissenschaft beibringen? Deutschland möchte doch eine moderne Demokratie sein. Der Referentenentwurf hat doch klar gezeigt wie die Regierung tickt.
In meinem Rechtsverständnis sollten sich ein paar Politiker aller Parteien des Bundestages zusammensetzen und gemeinsam mit Verbänden sich das TSG Gesetz vornehmen und einen Gesetzesentwurf entwickeln. Hier dürfte es auch nicht darum gehen welche Partei den finalen Gesetzestext auf ihre Flagge schreibt. Sondern die ganzen Parteien könnten mal zeigen das sie sich für eine Minderheit einsetzen. In Deutschland sollten nicht irgendwelche rückständigen Parteiansichten umgesetzt werden, sondern wie sich eine moderne Demokratie versteht und welche Standarts und Zeichen sie in einer modernen EU setzen möchte.
Liebe Grüße Jasmine
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Re: DLF: Geschlechteridentität | Der schwierige Weg zu einem neuen Transsexuellenrecht

Post 24 im Thema

Beitrag von Anke »

Liebe Jasmin, hallo alle übrigen,

deine Gedanken kann ich gut verstehen und nachvollziehen. Das wäre sicherlich ein guter und schöner Weg und das Ergebnis wäre sicherlich sehr erfreulich.

Doch die Realität ist eine andere. Das mag uns nicht gefallen, doch ich bezweifele, dass sich das grundsätzlich ändern lässt. Für diese Zweifel habe ich fundierte Gründe, doch es würde den Rahmen sprengen, das alles hier darzulegen.

Du sagst, dass die Ansichten dieser Partei rückständig sind und ich stimme dir zu. Doch leider hilft das nicht weiter. Aus deren Blickwinkel ist das richtig und sie werden Argumente dafür vorbringen. In einer Demokratie ist es völlig normal und auch wichtig, dass zu vielen Sachverhalten unterschiedliche Ansichten existieren. Der einzige Weg um damit klar zu kommen ist der konstruktive Diskurs, der Austausch von Argumenten.

Manchmal, wie in diesem Fall, ist das schwer auszuhalten, auch für mich. Du kannst dir sicher sein, dass mich das auch auf die Palme bringt. Aber wenn ich mich wieder beruhigt habe, dann komme ich wieder runter und überlege, wie ich diejenigen, die das anders sehen, von meiner Sichtweise überzeugen kann. Denn das ist der Weg in der Demokratie, bei allen Themen.

Du hast ein paar Mal hier kritisiert, dass die SPD nicht mit dem Antrag der Grünen gestimmt hat. Ich gehe mal davon aus, dass mindestens die Mehrzahl, wenn nicht sogar alle SPD-Abgeordneten im Grunde ihres Herzens für diesen Antrag waren. Doch die SPD hat einen Koalitionsvertrag und an den ist sie gebunden. So sehr mich das in diesem Fall schmerzt, im Grunde bin ich darüber auch froh. Denn wenn solche Verträge nicht eingehalten werden, dann ist keine stabile Regierung mehr möglich und wir bekommen Zustände wie beispielsweise in Italien, wo alle Nase lang die Regierung ausgewechselt wird. So etwas schadet einem Land nachhaltig, die wirtschaftliche Lage und die Verschuldung Italiens beweisen das. So ein Vertrag ist immer ein Kompromiss und das bedeutet eben auch, dass jede Seite bestimmte Dinge nicht umsetzen kann.

Daher gibt es für mich nur zwei Wege ans Ziel zu kommen. Entweder die C-Parteiern überzeugen oder ein Regierungswechsel.

Liebe Grüße

Anke
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Re: DLF: Geschlechteridentität | Der schwierige Weg zu einem neuen Transsexuellenrecht

Post 25 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo Svetlana,

ich bin sicher, dass du keine solchen Mails schreibst, wie ich sie gemeint und bemängelt habe.

Sicherlich können die MdBs und ihre Büroleute auch Einlassungen bewerten und ggfs. filtern. Es ist nur leider zu menschlich, soetwas nur dann zu tun, wenn es einem in den Kram passt. Davon spreche ich mich nicht frei und MdBs sind auch nur Menschen.

Habs gut

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Re: DLF: Geschlechteridentität | Der schwierige Weg zu einem neuen Transsexuellenrecht

Post 26 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Ohne Marielles detaillierten Einblick in Hinterzimmergespräche zu haben, ist mein Eindruck, dass "wir müssen nur mit allen reden" bei allem rechts von SPD (und Teilen _der_ SPD) für uns wirklich gar nichts bringen wird. Das TSG ist vierzig Jahre alt. Zwei Generationen. Und in den C-Parteien bewegt sich seitdem nichts, ohne dass ein sie mit Verfassungsgerichtsentscheiden oder ähnlichem zu minimalen Zugeständnissen zwingt. Selbst dann wehren sie sich mit Klauen und Zähnen und bauen irrwitzige, doppelt hohe Hürden ein, von denen sie sich zähneknirschend die Hälfte abringen lassen, bloss um dort zu landen, wo sie eh mindestens hin wollten.

Zwei Generationen! Da sind Leute, die jünger sind als der hiesige Altersschnitt. Leute wie der Henrichmann, der an jeder Stelle seine Fiktion eines "objektiv validierten Geschlechtseintrags" anbringt und trotz Jura-Abschluss und als Mitglied des Innenausschusses bei der Debatte um das Selbstbestimmungsgesetz Personenstandsrecht und medizinische Transition bei Kindern und Jugendlichen munter vermischt hat. Ich mutmasse mal: Das war absichtliche Vernebelung.

Und diese Absicht basiert auf bestimmten Glaubenssätzen, die in Fundament und Statik der C-Parteien fest verankert sind. SIe sind der Grund dafür, dass Leute wie Henrichmann dort eintreten. Glaubenssätze wie "objektives Geschlecht", "traditionelle Familie", usw. Wir könnten auch sagen cis-het-patriachal.

Vierzig Jahre. Und es kommen die immergleichen Antworten. Macht langsam. Geduldet euch. Wir müssen die Bevölkerung mitnehmen. Aber eigentlich meinen sie "_wir_ wollen das alles nicht".

Zwei Generationen. Die wachsen nach. Die sterben nicht aus oder entwickeln LGBTQIA+ freundliche Tendenzen.

Deshalb wird es meiner Ansicht nach nicht mit diesen Leuten gehen. Klar können wir mit ihnen reden. Vielleicht um ihnen ein paar irrationale Ängste zu nehmen. Wir können "uns" normalisieren. Aber wir werden sie nie wirklich überzeugen. Sie werden nie _für_ derart liberale Gesetze stimmen. Nur wenn sie keine andere Wahl haben. Wenn der Preis für ihre Verweigerung zu hoch wäre. In Form von anderen Mehrheiten, Verfassungsgerichtsentscheiden oder ähnlichem.
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Re: DLF: Geschlechteridentität | Der schwierige Weg zu einem neuen Transsexuellenrecht

Post 27 im Thema

Beitrag von Lana »

Anne-Mette hat geschrieben: Do 27. Mai 2021, 11:48
Leider haben Gegnerinnen und Gegner von Reformen Insgtrumente mit großer medialer Reichweite - und Unterstützung aus allen Parteien.
Ich glaube ja, dass die durch die große Medien wahrgenommene öffentliche Meinung heute der entscheidende Hebel ist, wenn man gesellschaftliche und damit politische Änderungen anstoßen möchte.
Wie du richtig schreibst, gibt es in dem Bereich einen großen Vorteil bei den Möglichkeiten für den Zugang zu wichtigen Medien und Veröffentlichungskanälen.

Von einzelnen (zum Glück zunehmenden) Veröffentlichungen aus unserem Umfeld in großen Medien mal abgesehen, findet die Diskussion zum Thema Trans* und TSG in kleinen Nischen statt, die für die breite Öffentlichkeit fast unsichtbar sind. Diese kleinen Kanäle sind natürlich wichtig für die Community, aber für öffentlichkeitswirksame Beiträge wnig wirksam. Da müssten die großen mehr ins Boot geholt werden, und zwar so, dass nicht nur um den CSD herum mal ein paar Artikel erscheinen, sondern kontinuierlich.
Vielleicht passiert das auch gerade so langsam immer mehr, ich maße mir nicht an, das wirklich einschätzen zu können.

Dennoch, wenn man mal zurück blickt, wann die Union in Abstimmungen entgegen ihrer Grundhaltung gestimmt hat, dann war das entweder, wenn sie dazu durch gerichtliche Beschlüsse gezwungen wurde, oder wenn der gefühlte medial-öffentliche Druck so groß wurde, dass sie sich die eigene überkommene Meinung aus strategischen Gründen nicht mehr leisten konnte. Nur dann passiert es, dass die Union zumindest teilweise für solche Dinge wie den Atomausstieg oder die Ehe für Alle stimmt.

Fehlt der öffentlich-mediale Druck, hintertreiben und verschleppen diese Leute Änderungen so lange es irgendwie möglich ist, wie am aktuellen Beispiel TSG zum wiederholten Male gezeigt wird.

Es braucht also beides:
Das Klein-Klein vieler Gespräche im Hintergrund, und großen öffentlich-medialen Druck, den die Entscheidungsträger nicht mehr ohne Ansehensverlust ignorieren können.

LGL
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Re: DLF: Geschlechteridentität | Der schwierige Weg zu einem neuen Transsexuellenrecht

Post 28 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Hallo zusammen,

ich möchte hier noch einen anderen Aspekt einwerfen. In den vergangenen 1 1/2 Jahren gab und gibt es immer noch ein bestimmendes Thema mit C.... Vieles ist dem zum Opfer gefallen. Aktionen, welche in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden gab es kaum. Und wenn, waren die Teilnehmerzahlen begrenzt. Mit mehr Unterstützung durch die Medien, Berichte von Demos zum Beispiel, könnte es den Druck bei den Gesprächen erhöhen. So aber sind unsere Interessen nicht im Blickwinkel der Politiker.

Dieses Jahr zum CSD wurden in vielen Städten Regenbogenfahnen aufgebaut. Gebäude wiurden in Regenbogenfarben angestrahlt. Ja es sah sehr schön aus. Mehr war meist nicht möglich, dieses Jahr, wegen der Sache mit dem C....

Viele liebe Grüße von Magdalena
Lebe jeden Tag.
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