Eine wirklich sehenswerte Dokumentation, die genau das zum Inhalt hat, was wir eigentlich alle wissen: Geschlecht ist nicht nur das, was wir zwischen den Beinen tragen oder durch sonstige körperliche Merkmale nach Außen zeigen. Geschlecht spielt sich auf mehreren Ebenen ab: Körperlich, psychisch, sozial, etc. Es ist auch keineswegs so eindeutig wie der Mainstream dies gerne hätte. Menschen sind nunmal nicht so digital, dass sie sich in 0 oder 1 abbilden ließen. Geschlecht ist ein Spektrum von Rot nach Blau mit sehr viel Violett. Selbst die körperliche Ebene weist trotz eindeutiger Merkmale durchaus Variationen im Detail auf.
Dass sich die Kommentare lediglich an Dr. Korte und den Pubertätsblockern abarbeiten, die hier nur am Rande erwähnt werden, zeugt von dem Stellenwert, den dieses Thema im Forum einnimmt. Pubertätsblocker scheinen der Schlüssel zum Glück zu sein, der den älteren Transmenschen verwehrt bleibt, und den einige Experten auch den Nachfolgegenerationen verwehren wollen. Was lässt sich mit Pubertätsblockern und einer anschließenden medizinisch begleiteten Pubertät unter gegengeschlechtlichen Hormonpräparaten nicht alles umgehen: Bei MzF: Kein Stimmbruch, die Haare bleiben auf dem Kopf und zeigen sich sonst bestenfalls an den Beinen. Die Schultern bleiben schmal, Hände und Füße sowie der ganze Körper eher zierlich. All die Probleme, mit denen sich Transmenschen herumschlagen müssen sind einfach garnicht existent.
Da wir die Diskussion an anderer Stelle kürzlich auch hatten, ziehe ich hier mal ein Zitat rein:
Aria hat geschrieben: Sa 8. Mai 2021, 12:08
Bestes und prominentestes Beispiel dafür ist wohl Kim Petras. Sie ist vom Körperbau nicht von einer biologischen Frau zu unterscheiden - bis auf die angesprochene Beckenpartie eventuell. Aber das sind dann echte Luxusprobleme.
Hallo Aria, ich hoffe es ist ok, dass ich die Zeilen hier reinbringe, die Thematik ist die Gleiche.
Kim Petras ist ein gutes und schlechtes Beispiel in Einem. Sie ist eine wirklich hübsche Frau, die völlig unerkannt leben könnte, wenn sie sich nicht immer wieder selbst outen würde. Auf das Aussehen und die Figur dürfte ein großer Teil der biologisch geborenen Frauen neidisch sein. Un hier liegt der erste Knackpunkt. Eine Pubertät unter Östrogen ist noch kein Garant für ein gutes weibliches Aussehen im Sinne des derzeitigen Schönheitsideals. Sonst müssten ja alle biologischen Frauen Model- Maße haben.
Hätte mir vor ca. 40 Jahren, als mir zu Beginn meiner (männlichen) Pubertät meine Neigung zur Weiblichkeit bewusst wurde, Jemand gesagt: "Nimm diese Pille (oder wie auch immer die Blocker verabreicht werden) und du hast die Chance später wie Kim Petras auszusehen. Nimmst du sie nicht wirst du dich entwickeln wie dein Vater, Onkel Hermann und Onkel Erwin (grobschlächtig, glatzköpfig, fettleibig)!" Keine Frage. Ich hätte die Pille genommen, insbesondere wenn Eltern, Behandler und andere Autoritätspersonen immer wieder versichert hätten, dass dies völlig ok ist.
Aber wäre das mir gegenüber ehrlich gewesen? Meine Mutter, Tante Hilde, Tante Gisela- die Frauen in meiner Familie sind klein, kräftig gebaut und machen einen körperlich etwas plumpen Eindruck. Es wäre wohl eher wahrscheinlich, dass ich mich nach Pubertätsblockern und Östrogen- Pubertät in diese Richtung entwickelt hätte. Meine Schwester sieht mit 50 tatsächlich aus wie Tante Gisela. Hormone sind nicht alles. Vieles ist körperlich und erblich vorveranlagt. Meine Mutter hatte mit Mitte 40 die gleiche Konfektionsgröße wie ich mit Mitte 50. 42/44. Da ich 20cm größer bin, wirkt die Figur deutlich gestreckter. Hilde und Gisela sind noch etwas breiter. Liebe Tanten, die Ihr dies hoffentlich nie lesen werdet: Mit eurer Figur kann ich trotz lebenslänglich Testosteron locker mithalten!
Kim Petras hatte eine sehr gute Ausgangsposition. Laut Internet ist sie 1,68 groß, nach Anschauung würde ich auf Konfektionsgröße 32 oder 34 tippen. Inwieweit bei Oberweite oder sonstigen Details mit operativen Mitteln nachgeholfen wurde, darüber konnte ich nichts finden. Ich stelle mal eine steile These auf, die ich nicht beweise, die mir aber auch niemand widerlegen kann: Sie wäre auch mit männlicher Pubertät eine sehr schöne Frau geworden. Wahrscheinlich wäre sie 1,75 groß und damit an der Untergrenze für eine Modelkarriere, würde Konfektionsgröße 36 oder 38 tragen. Die Stimme wäre sicherlich nicht so kindlich, würde sich mehr im anfrogynen Bereich bewegen und mit etwas Logopädie deutlich weiblich enstellen lassen. Wer das nicht glauben will möge sich nur im Forum umschauen. Hier gibt es einige Mitglieder, die sich fernab der Jugend, teilweise erst im 6. Lebensjahrzehnt für eine Hormontherapie entschieden haben und dennoch ein wunderbares Passing hinlegen. Nicht zu reden von denen, die im Leben kein Hormonpräparat eingenommen haben und trotzdem Bio- Frauen neidisch auf ihr Aussehen machen.
Kim Petras ist ein schlechtes Beispiel, weil die reelle Gefahr besteht, dass sie falsche Anreize und Motivationen weckt. Die Motivation für Pubertätsblocker mit einer 90% Wahrscheinlichkeit der anschließenden Transition sollte nicht sein: Ich möchte so aussehen wie Kim Petras und Karriere im Showbiz machen. Die Motivation sollte sein: Ich komme mit meinem Geburtsgeschlecht nicht zurecht und möchte die körperlichen Merklmale auf ein Minimum reduzieren. Dass der Wechsel in ein anderes Geschlecht soviel Energie und Kreativität freisetzt dürfte auch die absolute Ausnahme sein. Nebenbei habe ich mich durch einige Videos von Kim Petras geklickt: Kennzeichen der Musik und der Videos ist eine sehr starke Überbetonung einer girlihaften Weiblichkeit. Sie legt eine Klischeehaftigkeit an den Tag, wie sie sonst immer nur den Crossdressern vorgeworfen wird. Trotz des absoluten Passings scheint sie noch einiges an "Vergangenheitsbewältigung" betreiben zu müssen.
Im Zusammenhang mit Pubertätsblockern gibt es immer wieder Kommentare wie: "Ich wäre froh wenn meine Eltern mir dies ermöglicht hätten. Was wäre mir alles erspart geblieben!" Das sind konjunktive Tagträume, die auf einer individuellen Lebenserfahrung basieren und sich nicht als Klischee auf andere übertragen lassen. Wer mehrere Jahrzehnte "als Mann" gelebt hat, sollte beurteilen können, ob dies der richtige Lebensentwurf ist, und ob vielleicht ein dauerhafter Wechsel des Geschlecht bessere Lebensqualität bringen könnte. Wer bereits vor Beginn der natürlichen Pubertät in die geschlechtliche Entwicklung eingreift kann dies nicht beurteilen, da ganz einfach die Erfahrungen fehlen.
So wie sich Transfrauen und Crossdresser gelegentlich vorstellen wie es wäre als Frau geboren zu sein, werden sich Frauen, die vor Beginn der männlichen Pubertät in die Transition gegangen sind, irgendwann vorstellen wie es gewesen wäre als Mann gelebt zu haben. Auch wenn in der Jugend das Thema eigene Kinder in der Regel keine oder nur geringe Rolle spielt, werden sie sich im Alter fragen, wie es wäre leibliche Kinder zu haben. Konjunktive Träume. Sie werden es nie erfahren.
Liebe Grüße
Helga