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Bin ich ein Problemmensch?
Verfasst: Sa 3. Apr 2021, 15:47
von Patricia
Ich möchte den Beitrag von Carrie nicht dazu nutzen mich kritisch über die Aussage von Helga auszudrücken. Deshalb gibt es hier ein eigenes Thema dazu.
Helga hat geschrieben: Fr 2. Apr 2021, 21:33
In der öffentlichen Wahrnehmung treten leider nur Extreme auf. Zum einen die Drag- Queens wie Ru Paul oder Olivia Jones, zum anderen Problemmenschen, die ihr gesamtes bisheriges Leben über den Haufen werfen, die Familie verlassen, den Beruf kündigen, um sich einer Hormontherapie und einer ganzen Reihe von Operationen zu unterziehen.
Liebe Helga,
eine sehr unglückliche Formulierung meine Meinung nach, denn ich und auch einige andere trans Frauen hier aus dem Forum fühlen uns durch diese Aussage schon arg angegriffen. Auch wenn ich meine Familie nicht verlassen habe, sondern meine Frau mich verliess, im Endeffekt weil ich trans bin. Auch ich unterziehe mich einer Hormontherapie mit der es mir definitiv besser geht und auch ich würde mich unter das Messer legen um so zu sein wie es meiner Meinung nach richtig sei. Ach und meine Arbeit habe ich, zwar nicht direkt, aber auch aufgrund meiner Transsexualität verloren. Bin ich aber deshalb ein Problemmensch, weil ich ein normales Leben führen möchte??? Weil ich nicht mehr Leiden will???
Vielleicht magst du uns ja erklären was du mit deiner Aussage meinst.
LG
Patricia
Re: Bin ich ein Problemmensch?
Verfasst: Sa 3. Apr 2021, 15:57
von Engelchen
Liebe Patricia,
danke für den Beitrag - es ist tatsächlich besser ihn aus dem anderen Thread rauszuziehen.
Ja, auch ich fühle mich da in irgendeiner Form angegriffen und hoffe auf Klärung.
Kann ja sein das ich es völlig falsch lese.
Liebe Grüße
Lisa
Re: Bin ich ein Problemmensch?
Verfasst: Sa 3. Apr 2021, 16:10
von Andrea aus Sachsen
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Man bzw. frau kann es auch ganz neutral sehen: Wir alle sind Problemmenschen. Schließlich haben wir alle unsere kleinen und großen Probleme verschiedenster Art.
Re: Bin ich ein Problemmensch?
Verfasst: Sa 3. Apr 2021, 16:26
von Mirjam
Dankeschön Patricia, du sprichst mir so aus der Seele

Aber das weißt du ja, wir haben uns vorhin schon darüber unterhalten

Und auch dankeschön Lisa für deinen Beitrag im urprünglichen Thema
Andrea aus Sachsen hat geschrieben: Sa 3. Apr 2021, 16:10
Man bzw. frau kann es auch ganz neutral sehen:
Wir alle sind Problemmenschen. Schließlich haben wir alle unsere kleinen und großen Probleme verschiedenster Art.
Naja Andrea, lies das nochmal in Ruhe durch, was Helga da geschrieben hatte. Ich jedenfalls sehe nur 2 Möglichkeiten für mich, das zu interpretieren: Entweder es war wirklich nur ein kleiner Teil der transidenten Menschen gemeint, dann fehlt aber ein eindeutiger (!) Hinweis darauf. Oder es sollte sich auf alle beziehen, dann fühle ich mich ganz persönlich davon angegriffen. Ich hoffe mal, Helga stellt das klar.
LG, Mirjam
Re: Bin ich ein Problemmensch?
Verfasst: Sa 3. Apr 2021, 16:34
von Andrea aus Sachsen
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Mirjam hat geschrieben: Sa 3. Apr 2021, 16:26
Naja Andrea, lies das nochmal in Ruhe durch, was Helga da geschrieben hatte.
Ich hatte nur versucht, das Thema dieses Theads, unabhängig von anderen Beiträgen, ganz unvoreingenommen zu betrachten.
Re: Bin ich ein Problemmensch?
Verfasst: Sa 3. Apr 2021, 18:21
von Nicole Fritz
Danke Patricia,
Ich hatte bereits eine Antwort auf Helgas Beitrag formuliert, diese aber dann nicht abgeschickt. In einen Vorstellungs-Thread gehörte sie nicht hinein.
Hier zeigt sich wieder einmal deutlich die tiefe Spaltung zwischen Trans-Personen und Crossdressern oder Transvestiten. Ich verstehe es so: die einen haben Probleme und die anderen machen sich welche mit ihren Auftritten in Frauenkleidern. Wäre da nichts, würden sie doch immer schön brav den Mann spielen und dabei glücklich werden.
Aber da ist die Trans-Community. Da heißt es nicht selten immer noch: entweder trans oder nicht. Und wenn nicht ist es nur so etwas wie ein Hobby. Bin ich aber wirklich nur deswegen nicht Trans(*?), weil ich als nicht binär den ganzen Weg nicht gehen will? - Deshalb könnte von Helga der Schuss zurück kommen: "Ihr seid Problemmenschen und wir haben nur ein schönes Hobby ...".
Liebe Grüße
Nicole
Re: Bin ich ein Problemmensch?
Verfasst: Sa 3. Apr 2021, 23:32
von Helga
Patricia_cgn hat geschrieben: Sa 3. Apr 2021, 15:47
Bin ich aber deshalb ein Problemmensch
Liebe Patricia,
ein ganz klares nein! Falls dies anders rübergekommen sein sollte möchte ich mich in aller Form bei dir, bei Lisa und allen anderen, die sich gekränkt fühlen entschuldigen!
Es ging mir um Folgendes:Wir beschäftigen uns hier im Forum sehr häufig mit den Reaktionen von Außenwelt, Berufskolleg*innen, insbesondere aber von Familie und Partner*in. Gerade bei letzteren erscheinen die oft sprunghaften Reaktionen völlig unverständlich. Aber was weiß ein cis- Durchschnittsmensch, der sich mit diesem Thema nie wirklich beschäftigt hat, über das weite Spektrum TransX?- Im Grunde nur das, was die Medien ihm/ ihr präsentieren. Und das sind entweder schillernde, künstliche Dragqueens, sprich Witzfiguren, oder aber echte Menschen, Transfrauen oder Transmänner, die als "Problemmenschen" dargestellt werden. Ich wollte damit keineswegs geschrieben haben, dass sie Problemmenschen sind. Sie werden ganz im Stil des Genres "Problemfilm" in der medialen Darstellung zu Problemmenschen erklärt, ohne Aufklärung oder Auflösung zu bringen.
Da die öffentliche Wahrnehmung weitestgehend durch die Medien gesteuert wird, ist TransX für viele Menschen mit Witz oder Problem verknüpft. Darin vermengen sich Vorurteile aus einem früheren Jahrtausend, dass Trans(en) verkappte Homosexuelle sind, die auf Männerfang gehen oder das Stigma von Transmenschen in früheren Zeiten oder anderen Kulturen keiner legalen Tätigkeit nachgehen zu dürfen und den Lebensunterhalt mit Prostitution bestreiten zu müssen. Dies alles erschwert das Verständnis bei Außenstehenden, Partner*innen und zum Teil auch bei uns selbst.
Liebe Grüße
Helga
Re: Bin ich ein Problemmensch?
Verfasst: So 4. Apr 2021, 00:28
von MiriamR
Hallo Helga.
Helga hat geschrieben: Sa 3. Apr 2021, 23:32
Falls dies anders rübergekommen sein sollte möchte ich mich in aller Form bei dir, bei Lisa und allen anderen, die sich gekränkt fühlen entschuldigen!
Danke, für die Klarstellung. Und danke auch für die klaren Worte zu der medialen Darstellung "unsereins".
Ich gebe Dir da auch vollkommen Recht.
Entweder Show-Figuren oder Problemkinder. Ziemlich Stereotyp.
Ich hoffe das sich da mal was ändert. Aber ich fürchte das wird noch was dauern.
Wenn ich allein daran denke wie ewig lang Schwule nur als die bunt angezogene "Tunte" dargestellt wurden, werden wir das wahrscheinlich nicht mehr erleben.....
Und ich denke aber auch, das niemand von uns "Trans"-Menschen bezweifelt, das auch CD zum Teil mit erheblichen Schwierigkeiten innerhalb von Familie und Co. zu kämpfen haben.
Liebe CD....wir haben das tragen der Kleidung das dem anderen Geschlecht zugeordnet wird auch hinter uns, und das entsprechende Outing in Familie und Co.
Wir verstehen Euch....ich verstehe nicht, wer da immer Gräben aufwirft, wo es jede Menge Brücken gibt....
weibliche Grüße
Miriam
Re: Bin ich ein Problemmensch?
Verfasst: So 4. Apr 2021, 00:56
von Patricia
Liebe Helga,
vierlen Dank für die Klarstellung. Ich stimme Dir teils bei was die Darstellung von transidenten Personen in den Medien angeht. Oft genug werden dort Problemfälle gezeigt da dies leider die Zuschauerquoten leider erhöht. Auch ich habe schon oft genug erlebt dass auch diejenigen die sich für aufgeklärt halten und unsereins scheinbar akzeptieren doch klischeebehaftetes Denken aufzeigen, ohne sich dessen bewußt zu sein uns damit zu verletzen oder sich bewußt zu sein, dass ihre Denkweise aus einem strengbinären heteronormativen Denken herkommt.
LG Patricia
Re: Bin ich ein Problemmensch?
Verfasst: So 4. Apr 2021, 03:36
von heike65
Ich scheine da wohl eine völlig andere Wahrnehmung zu haben.
Es gibt sicherlich sehr reisserische Artikel in den Medien,aber auch Beiträge die ganz einfach das Leben eines Transmenschen darstellen möchten, vielfach mit einer deutlichen Empathie. Und an Helga: es gibt auch Frauen die nicht nur mit dem Crossdressen ihres Partners kein Problem haben, sonder auch damit das aus ihrem Ehemann ihre Ehefrau geworden ist. Ich denke sich selbst als etwas völlig normales anzunehmen ist da sehr hilfreich, es strahlt auch auf das gegenüber aus, wer sich selber als Exot/in sieht, die Person wird auch sicherlich als Paradiesvogel wahrgenommen.
Re: Bin ich ein Problemmensch?
Verfasst: So 4. Apr 2021, 09:23
von Engelchen
Helga hat geschrieben: Sa 3. Apr 2021, 23:32
Liebe Patricia,
ein ganz klares nein! Falls dies anders rübergekommen sein sollte möchte ich mich in aller Form bei dir, bei Lisa und allen anderen, die sich gekränkt fühlen entschuldigen!
Liebe Helga,
hab ganz lieben Dank dafür und akzeptiert.
Es kam halt tatsächlich in diesem kurzen Ansatz anders rüber, weswegen ich ja auch schrieb evtl. es falsch zu interpretieren.
Liebe Grüße
Lisa
Re: Bin ich ein Problemmensch?
Verfasst: So 4. Apr 2021, 13:26
von Helga
Hallo Allerseits,
da dieser Ausdruck zu einigen Missverständnissen führte, möchte ich gerne noch erläutern, was ich unter Problemmensch verstehe. Dies ist kein Trans- spezifisches Thema.
Es wurde bereits geschrieben, alle Menschen haben Probleme. Eigentlich ständig und in der Regel mehrere gleichzeitig, mit zunehmendem Alter gefühlt exponentiell ansteigend: Finanzielle Probleme, berufliche Probleme, gesundheitliche Probleme, schulische Probleme, zwischenmenschliche Probleme, etc. Vieles davon hört sich wesentlich besser an, wenn der Begriff Herausforderung verwendet.
Probleme gehören zum Menschsein dazu, und das ist auch gut so, denn: Kein Problem - keine Lösung - keine Weiterentwicklung.
Zu Problemmenschen werden wir erst, wenn wir nicht mehr die Kontrolle über unsere Probleme haben, sondern unsere Probleme die Kontrolle über uns. Das heißt, wenn wir unser Denken und Handeln nur noch an den Problemen orientieren ohne dass dieses Denken und Handeln zu einer Bewältigung oder Lösung der Probleme führt.
Dies ist dann die Situation, in der wir uns selbst und im Zweifel auch die Menschen in unserem Umfeld blockieren.
Es ist nicht schlimm ab und an kurzzeitig in diese Problemmensch- Lethargie zu fallen, passiert mir selbst auch gelegentlich, schlimm ist es irgendwann nicht mehr aus dieser Rolle heraus zu kommen, weil zuviel unbearbeitet liegen geblieben ist.
Liebe Grüße
Helga