Was passiert, wenn man seine Angst vor Ablehnung überwindet ?
Verfasst: Mi 31. Mär 2021, 21:28
Moin,
viele, die meine Beiträge kennen, wissen das ich immer wieder mit mir ringe, viel nachdenke und so manches ausprobiert habe. Aber letztlich schwingt immer die Angst vor Ablehnung mit. Ich habe eine kleines Segelboot, auf dem ich in den letzten Jahren immer wieder für ein paar Tage en femme gelebt habe. Mir ging es darum, herauszufinden, ob ich das Leben als Frau leben kann. Ich habe dabei eine Menge guter Erfahrungen gemacht und ich weiß, dass ich zwischen den Geschlechter pendle. Heute habe ich die Vorstellung, dass bei der Geschlechtervergabe ich beim lieben Gott zweimal "hier" gerufen habe. Beim zweiten Mal sagte Gott, jetzt habe ich Dir bereits das kleine Teil zwischen Deinen Beinen verpasst, jetzt musst Du sehen, wie Du damit klar kommst ...
Ich bin wieder einmal für drei Tage en femme auf meinem Boot und ich habe jetzt wieder einmal einenSchritt gemacht. Ich bin früher oft angstvoll Begegnungen aus dem Weg gegangen, da ich befürchtete nicht ernst genommen zu werden. Ich glaube, das passiert auch, wenn man nicht von dem überzeugt ist, was man tut. Was aber passiert, wenn ich konsequent als Frau lebe, einfach so, als wäre alles normal ? Beim Kranen, bei Fragen in der Hafenverwaltung, beim Abgeben des Anhängers bei Privatleuten ?
Nun, die Antwort ist ganz einfach: nichts. Alle Menschen mit denen ich zu tn hatte, haben mich nichts ausgewöhliches spüren lassen. Ich bin sogar von anderen Menschen angesprochen worden (ohne Bezug zu trans). ICh habe nicht versucht, Frau zu spielen, meine Stimme zu manipulieren oder sonst etwas "unnatürliches zu tun. Meine Überwindung der Angst hat mir ein völlig neuartiges Lebensgefühl vermittelt. Es fühlt sich für mich in etwa so an, dass es von Bedeutung ist, man selber zu sein und nichts zu spielen. Hier in den Niederlanden ist man vielleicht besonders tolerant, was die Lebensumstände anderer Menschen betrifft, aber es ist für mich wieder ein sehr wichtiger Schritt.
Für mich lautet die Botschaft, sei einfach Du selber und nicht das, was Du glaubst, das andere von Dir erwarten. Eigentlich ein bekannter Satz, aber das persönlich zu erleben, ist für mich ein tiefgreifende Erfahrung. Es geht nicht darum, wie eine Frau zu sitzen oder zu reden, es geht darum, man selbst zu sein. Ich habe schon oft gedacht, dass ich das wäre, aber meine Erfahrungen zeigen mir immer wieder, dass nicht theoretische Betrachtungen, sondern die persönliche Erfahrung immer von größerer Bedeutung ist. Zwischen meinem erste Auftreten en emm in der Öffentlichkeit und heute liegen schätzungsweise 25 Jahre und ich binn immer wieder überrascht, dass ich überrascht werde.
Das wünsche ich Euch auch, aber nicht, dass Ihr dafür 25 Jahre braucht (abgesehen von denen, die sowieso schon viel weiter sind). Habt Mut, seid nicht der Abklatsch einer Frau, die Ihr nicht sein könnt. Seid diejenigen, die Ihr seid. Dafür sind Umwege und (Fehl-)Versuche notwendig. Fangt mit dem einfachsten an, aber fangt an. Zweifel verzögern den Prozess, nutzen tun sie in der Regel nichts. Machtdas, was Euch möglich ist, aber auch nicht mehr. Fordert viel von Euch, aber man kann nicht alles über Nacht erreichen. Nicht das Urteil von Anderen ist wichtig für Euch, sondern dass Ihr anständig behandelt werdet. Was die Menschen denken, ist nicht wichtig, sondern was Ihr über Euch denkt.
Ich bin auch noch weit davon entfernt, meine Zweigeschlechlichkeit ganz selbstverständlich zu leben. Aber ich habe wieder einen Schritt gemacht, der auch in die Zukunft strahlen wird. Selbstbewusstsein, sich selber bewusst sein, ist aus meiner Sicht eine entscheidenede Grundlage. Ich gebe damit Anderen keine Chance, mich despektierlich zu behandeln (besoffene Männergruppen mal ausgenommen
). Meine Erfahrungen in Alltagssituationen sind sehr positiv. Ich bin einfach nur ich. Man kann mit mir reden, ob ich nun Nagellack trage oder nicht, ist ohne Belang. Das ist für mich die Kernerfahrung. Mir ist es gelungen, vor Menschen zu stehen, und mein Äußeres als nicht wichtig zu betrachten. Das ist eine Riesenveränderung. Es stimmt natürlich nicht ganz, für mich war es wichtig, aber ich habe es nicht wichtig genommen. Schwer zu beschreiben.
Ich hoffe, nicht belehrend zu erscheinen. Das liegt mir fern. Ich möchte jedem und Jeder Mut machen, für sich einzustehen. Das ist das wichtigste, was aus meiner Sicht wirklich zählt. Je mehr Menschen mit uns die Erfahrung machen, dass wir keine Monster, sondern einfach nur Menschen sind, die auch nur ganz "normal" ihr Leben leben möchten, wird es irgendwann möglich sein, uns als Teil in der Gesellschaft zu sehen. In der Geschlechterfrage sind wir heute noch etwas Besonderes, aber das muss nicht so bleiben. Vieles ist in Bewegung, wir können auf Verständnis hoffen. Nicht bei jedem/r, aber bei vielen. Mir ist es die Anstrengung wert, ich selber zu sein.
viele, die meine Beiträge kennen, wissen das ich immer wieder mit mir ringe, viel nachdenke und so manches ausprobiert habe. Aber letztlich schwingt immer die Angst vor Ablehnung mit. Ich habe eine kleines Segelboot, auf dem ich in den letzten Jahren immer wieder für ein paar Tage en femme gelebt habe. Mir ging es darum, herauszufinden, ob ich das Leben als Frau leben kann. Ich habe dabei eine Menge guter Erfahrungen gemacht und ich weiß, dass ich zwischen den Geschlechter pendle. Heute habe ich die Vorstellung, dass bei der Geschlechtervergabe ich beim lieben Gott zweimal "hier" gerufen habe. Beim zweiten Mal sagte Gott, jetzt habe ich Dir bereits das kleine Teil zwischen Deinen Beinen verpasst, jetzt musst Du sehen, wie Du damit klar kommst ...
Ich bin wieder einmal für drei Tage en femme auf meinem Boot und ich habe jetzt wieder einmal einenSchritt gemacht. Ich bin früher oft angstvoll Begegnungen aus dem Weg gegangen, da ich befürchtete nicht ernst genommen zu werden. Ich glaube, das passiert auch, wenn man nicht von dem überzeugt ist, was man tut. Was aber passiert, wenn ich konsequent als Frau lebe, einfach so, als wäre alles normal ? Beim Kranen, bei Fragen in der Hafenverwaltung, beim Abgeben des Anhängers bei Privatleuten ?
Nun, die Antwort ist ganz einfach: nichts. Alle Menschen mit denen ich zu tn hatte, haben mich nichts ausgewöhliches spüren lassen. Ich bin sogar von anderen Menschen angesprochen worden (ohne Bezug zu trans). ICh habe nicht versucht, Frau zu spielen, meine Stimme zu manipulieren oder sonst etwas "unnatürliches zu tun. Meine Überwindung der Angst hat mir ein völlig neuartiges Lebensgefühl vermittelt. Es fühlt sich für mich in etwa so an, dass es von Bedeutung ist, man selber zu sein und nichts zu spielen. Hier in den Niederlanden ist man vielleicht besonders tolerant, was die Lebensumstände anderer Menschen betrifft, aber es ist für mich wieder ein sehr wichtiger Schritt.
Für mich lautet die Botschaft, sei einfach Du selber und nicht das, was Du glaubst, das andere von Dir erwarten. Eigentlich ein bekannter Satz, aber das persönlich zu erleben, ist für mich ein tiefgreifende Erfahrung. Es geht nicht darum, wie eine Frau zu sitzen oder zu reden, es geht darum, man selbst zu sein. Ich habe schon oft gedacht, dass ich das wäre, aber meine Erfahrungen zeigen mir immer wieder, dass nicht theoretische Betrachtungen, sondern die persönliche Erfahrung immer von größerer Bedeutung ist. Zwischen meinem erste Auftreten en emm in der Öffentlichkeit und heute liegen schätzungsweise 25 Jahre und ich binn immer wieder überrascht, dass ich überrascht werde.
Das wünsche ich Euch auch, aber nicht, dass Ihr dafür 25 Jahre braucht (abgesehen von denen, die sowieso schon viel weiter sind). Habt Mut, seid nicht der Abklatsch einer Frau, die Ihr nicht sein könnt. Seid diejenigen, die Ihr seid. Dafür sind Umwege und (Fehl-)Versuche notwendig. Fangt mit dem einfachsten an, aber fangt an. Zweifel verzögern den Prozess, nutzen tun sie in der Regel nichts. Machtdas, was Euch möglich ist, aber auch nicht mehr. Fordert viel von Euch, aber man kann nicht alles über Nacht erreichen. Nicht das Urteil von Anderen ist wichtig für Euch, sondern dass Ihr anständig behandelt werdet. Was die Menschen denken, ist nicht wichtig, sondern was Ihr über Euch denkt.
Ich bin auch noch weit davon entfernt, meine Zweigeschlechlichkeit ganz selbstverständlich zu leben. Aber ich habe wieder einen Schritt gemacht, der auch in die Zukunft strahlen wird. Selbstbewusstsein, sich selber bewusst sein, ist aus meiner Sicht eine entscheidenede Grundlage. Ich gebe damit Anderen keine Chance, mich despektierlich zu behandeln (besoffene Männergruppen mal ausgenommen
Ich hoffe, nicht belehrend zu erscheinen. Das liegt mir fern. Ich möchte jedem und Jeder Mut machen, für sich einzustehen. Das ist das wichtigste, was aus meiner Sicht wirklich zählt. Je mehr Menschen mit uns die Erfahrung machen, dass wir keine Monster, sondern einfach nur Menschen sind, die auch nur ganz "normal" ihr Leben leben möchten, wird es irgendwann möglich sein, uns als Teil in der Gesellschaft zu sehen. In der Geschlechterfrage sind wir heute noch etwas Besonderes, aber das muss nicht so bleiben. Vieles ist in Bewegung, wir können auf Verständnis hoffen. Nicht bei jedem/r, aber bei vielen. Mir ist es die Anstrengung wert, ich selber zu sein.