Liebe Anne-Mette,
vielen Dank für den Link! Natürlich habe ich mir sofort den Artikel durchgelesen und möchte gleich auf einiges davon eingehen - dafür zitiere ich einige Textstellen:
"Am Montag findet der 110. Weltfrauentag statt. Der Anlass beschert uns die Gelegenheit, unsere historischen und auch heutigen Heldinnen im Kampf um die Geschlechtergerechtigkeit zu ehren, die Rückschritte anzuprangern und neue Forderungen zu stellen."
Zunächst einmal möchte ich festhalten, daß Anne-Mette mit ihrem Satz...
Anne-Mette hat geschrieben: Mo 8. Mär 2021, 08:34
Ich meine, muss ja jeder wissen, welches die richtige Selbstbezeichnung ist...
...einen wichtigen Punkt anspricht: nämlich die Selbstbezeichnung. Ich selbst bin keine Transfrau, von der Definition her trifft es CD wohl am ehesten, dennoch ist auch für mich der Weltfrauentag wichtig. Die Frage die ich mir aber stelle ist, ob ich als CD auch all die Privilegien die Frauenrechtlerinnen bisher für die (Bio) Frauen erreicht haben, auch zutreffen, bzw. einfordern darf?!? Vom Geschlecht her bin ich männlich, vom Äußeren aber weiblich - ist das Grund genug mich zur feminisierten Gesellschaft zu zählen und all die Rechte der Frauen einzufordern? Wenn ich jetzt eine klare Antwort mit "JA" abgebe, werde ich sicher bei einigen anecken, allein schon da ich keine Transfrau bin und eben auch ein männl. Geschlecht habe. Aber ist das fair? Auch ohne OP (zur Transfrau) möchte ich als Frau gesehen werden und bediene mich in der Öffentlichkeit diverser weiblicher Konditionen.
"Sollte der Frauentag deutschlandweit zum Feiertag werden?"
Für meine Mama war der Frauentag schon immer wichtig und hat mir auch schon früh beigebracht die Frauen zu respektieren. So kam ich schon in meiner Kindheit dazu, mich mit Feminismus und Frauenrechten zu beschäftigen was ich für einen großen Pluspunkt in meiner Entwicklung erachte. Schade, daß dies nicht auch in der Schule unterrichtet wurde - jedenfalls nicht zu meiner Schulzeit. Deshalb freut es mich umso mehr, daß mich meine Mama so gut unterrichtet hat. Ob der Frauentag ein Feiertag werden sollte, möchte ich jetzt gar nicht beurteilen. Allerdings würde dies die Errungenschaften aller Frauenrechtlerinnen etwas mehr in den Vordergrund rücken - so ist es doch lediglich ein Tag unter "vielen solcher Art".
"Umso bedauerlicher ist es, dass ausgerechnet Frauen, die sich sogar damit brüsten, Feministinnen zu sein, diesen Cocktail toxischer Maskulinität unreflektiert schlucken und in ihrem Sexismus-Suff sogar selbst verbreiten. Viele von ihnen sind unter der Zuschreibung "TERFs" oder "Trans-Exclusionary Radical Feminists" gefasst. Radikal sind sie auf alle Fälle, progressiv aber keineswegs. TERFs reduzieren unser Leben auf Schlafzimmer, Toiletten und Umkleidekabinen. Für sie gibt es nur zwei Geschlechter: Männlein und Weiblein, und sie beschränken sich auf biologische Merkmale, die bei der Geburt zu erkennen sind. Das soziale Geschlecht und die autonomen Wünsche der betroffenen, non-binär denkenden Personen spielen in dieser Sichtweise keine Rolle."
Diese Diskussion ist auch an mir nicht vorbeigegangen und auch ich finde es uns gegenüber uns (also Trans, CD, etc.) mehr als diskriminierend! Das eigentliche Übel daran ist, daß solche Behauptungen von Feministinnen stammen, die eigentlich für alle weiblichen Rollenbilder offen sein sollen. Per se zu sagen, daß alle Trans/Gender die Chance schamlos ausnutzen um in diverse weibliche "Betätigungsfelder" mit "Spannerhintergrund" vorzudringen ist schon recht hanebüchen. Sicher gibt es auch hier Schwarze Schafe, aber gleich von 100% auszugehen...
In meinem obigen kopierten/zitierten Text wir u.a. auch das das genannt
"Für sie gibt es nur zwei Geschlechter: Männlein und Weiblein" und dabei zählen die Frauenrechte wohl nur für eines dieser "beiden" Geschlechter - eben Weiblein. Ich finde das Grundverkehrt, ich finde nicht daß das Geschlecht hierbei eine Rolle spielen sollte, sondern wie man vom Kopf her sich fühlt - als Mann kann man hier auch eine Frau sein, bsw. als CD (wie ich).
"So hat sie sich einmal über die Formulierung "menstruierende Menschen" lustig gemacht. Sie schrieb: "Ich bin sicher, dass es früher ein Wort für diese Menschen gab. Kann jemand helfen? "Wumben? Wimpund? Woomud?" Offensichtlich meinte sie women, Frauen, wobei sie aber übersah, dass nicht alle Frauen menstruieren — etwa trans Frauen. Umgekehrt sind nicht alle Menschen, die menstruieren Frauen — zum Beispiel nicht binäre Menschen und trans Männer."
Eine weiterer Punkt vor der mir von der Aussage her graut ist, daß Frauen auf ihre Menstruation reduziert werden: Als Transfrau oder CD menstruiere ich nicht und falle deshalb aus dem Allgemeinbild einer Frau. Allein schon dieses Aussage finde ich Frauenfeindlich! Natürlich weiß auch ich, daß die Menstruation ein wichtiger Teil der weibl. Natur ist und jeden Monat die Frauen betrifft, wobei das wohl nicht die "schönsten" Tage sind. Aber nur weil ich keine Menstruation habe und auch nicht wirklich weiß, was während dieser Tage der weibliche Körper durchmacht, so ist das kein Grund Transfrauen ist Recht auf Weiblichkeit abzuschlagen!
Fazit:
Der Artikel zeigt sehr schön auf, daß es immer noch sehr viele Vorbehalte gegenüber Trans, CDs, etc. gibt. Was mich daran stört ist, daß WIR viel Gegenwind von Feministinnen bekommen, für die es scheinbar immer noch das gewohnte Bild der Frau gibt, aber nicht akzeptieren, daß das herkömmliche Geschlechterrollenbild längst veraltet ist. Gerade von diesen Menschen hätte ich mehr Toleranz, Akzeptanz und vor allem UNTERSTÜTZUNG, bzw. mehr Zuspruch gegenüber einem Coming Out gehört!!! Aber warum ist eher das Gegenteil der Fall - wovor haben die Frauen Angst? Fühlen sie sich in ihrer Rolle als Frau bedroht? Das kann nicht sein, warum auch??? Was ich besonders schrecklich finde ist, das Transfrauen immer noch um ihre Rechte kämpfen müssen - vor allem unter den Augen dieser Menschen.
Ich werde den Frauentag heute für mich definitiv noch feiern - wenn auch allein. Aber egal, ich glaube ich habe es mir verdient, mich selbst Frau nennen zu dürfen, bzw. nehme ich mir das Recht von jedem so gesehen zu werden - ja, das ist mir WICHTIG!
Jennifer