MiriamR hat geschrieben: Mi 24. Feb 2021, 17:04
Es werden mehr Männchen als Weibchen geboren. Da die Überlebenswahrscheinlichkeit durch Kriege und Unfälle bei Männchen geringer ist als bei Weibchen.
Liebe Miriam, Liebe Alle,
diese Geschichte habe ich auch schon so ähnlich gehört. Die Geschichte gehört aber wohl ebenso ins Reich der modernen Märchen, wie die Geschichte, dass Spinat viel Eisen enthalten würde. Tatsächlich ist durch Untersuchungen herausgefunden worden, dass während der Schwangerschaft in Summe mehr weibliche Föten abgehen. Also nur eine zufällige Korrelation, aber keine Kausalität.
https://www.stern.de/panorama/wissen/me ... 30786.html
Nichts desto trotz ist es auch ein Fakt, dass ganz besonders im ersten Lebensjahr deutlich mehr Jungs als Mädchen sterben. Aber das hat noch nicht wirklich mit dem viel "gepriesenen" höherem Risikoverhalten von Männern zu tun, geschweige denn mit Kriegen und so. Dafür interessiert sich die Evolution nicht die Bohne. Selbst wenn die Hälfte bis drei Viertel oder mehr Männer vor dem Erreichen der Zeugungsfähigkeit wegsterben würden, wäre das noch kein Problem für den Arterhalt. Dafür hätten sich auch die passenden Lebensmodelle entwickelt.
So wie ich den Beitrag verstanden habe, geht es auch nicht so sehr darum, dass es wesentlich weniger Frauen als Männer geben würde. Und tatsächlich ist das Geschlechterverhältnis in Summe auch eher umgekehrt. Man müsste schon die Vielehe (1 Mann + 2 und mehr Frauen) bemühen, damit Männer in großer Zahl "leer ausgehen".
Nein, es ist vielmehr so, dass Frauen zunehmend lieber ihre Kinder alleine großziehen wollen, sofern sie überhaupt Kinder wollen. Warum das so ist, ob aus Egoismus, weil sie durch gesellschaftliche Konventionen (Unterhaltspflicht für die Erzeuger) vermeintlich oder tatsächlich besser gestellt sind, oder auch nur, weil die Menschen, und damit auch die Frauen in unserer Gesellschaft generell egoistischer werden, lässt sich trefflich streiten. Wahrscheinlich spielen mehrere Faktoren zusammen.
Ich sehe es nicht so, dass die Männer mit dem Sesshaftwerden und Beginn der Landwirtschaft beschlossen hatten, dieses "Naturgesetz" auszuhebeln. Das passt zwar gut ins einseitig überzeichnete Bild vom Patriarchat, unter dem aber nur wenige Männer einen echten Vorteil hatten. Tatsächlich hatten die Frauen auch im monogamen Lebensmodell weiterhin die Kontrolle, wann sie Sex hatten, und besorgten sich den "guten Samen" nebenher, wie die Zahl der Kuckuckskinder zeigt. Und die war wohl seit jeher nicht gerade gering, wie sich mit dem Aufkommen von Vaterschaftstests zeigte. Das "Naturgesetz" hat also eher noch immer Bestand. (Es ist übrigens bezeichnend, dass man Männern wenn möglich die Klarheit verweigert, ob das von der Frau geborene Kind auch ihres ist. Ansonsten wären Vaterschaftstests nach der Geburt heute selbstverständlich.)
Man könnte auch genau so anders herum denken, dass die Frauen damals diesen Weg gegangen sind, um die Sexualität der Männer unter Kontrolle zu bringen, und sie sich als willfähige Versorger dienstbar zu machen.
Aber womöglich war es doch eher ein Geben und Nehmen zum gemeinsamen Vorteil, woraus sich diese Form des Zusammenlebens entwickelt hat. Auf der einen Seite gewannen die Frauen Versorgungssicherheit, um ihren Nachwuchs besser durchbringen zu können, und gewährten dafür im Gegenzug Zugang zu Sex und zumindest den Anschein, dass der Mann neben ihr auch seinen eigenen Nachwuchs versorgt.
Ein Gedanke noch am Ende, weil da so zynisch von "männlicher" Zivilisation geschwurbelt wird. Hätte es ohne diese Art des Zusammenlebens überhaupt irgendeine Zivilisation gegeben?
Vermutlich nicht, weil die Frauen dann immer noch damit beschäftigt wären, ihren Nachwuchs durchzubringen, während sich die Männer im Kampf um die Gunst der Weibchen weiterhin gegenseitig die Köpfe eingeschlagen hätten.
Dass wir heute da sind, wo wir sind, ist die gemeinschaftliche Leistung von Frauen und Männern. Das kann man gut oder schlecht finden, aber nicht wirklich leugnen.
Liebe Grüße
Michi