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China: Kampf gegen die Feminierung der Männer
Verfasst: Di 16. Feb 2021, 12:46
von Nora_7
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inha ... ._amp.html
Das Macho-Imperium mit antiquarischen Männerbild meldet sich zurück. Und es ist über Männer und Frauen verteilt — immer noch seltsam, dass so viele Frauen auf "Richtige Kerle" — oder interpretiert "Testosteron-Hengste" stehen. S. a. die Diskussionen um Harry Styles. Genau die Typen, weshalb sie sich nicht allein nachts oder in einsame Gegenden trauen.
Ich behaupte, gebt dem Mann das Kleid und die Welt wird friedlicher. Dazu viel mehr Spass. Männlichkeit bedeutet nicht nur physisch und psychisch draufhauen. Letzteres konnte Maggie Thatcher auch, ersteres die Girlie Gangs. Und je mehr Männer sich trauen, desto mehr Gefallen werden sie daran finden, sich dem Anlaß und dem Gefühl entsprechend zu kleiden.
Leider sind die Widerstände immer noch groß - bloß nicht vom Mainstream abweichen, Beschränkung der männlichen Individualität auf Anzugfarbe, Krawatte und Uhr.
Von Weiberfasching bis heute habe ich mich als
derselbe Mensch jeden Tag neu erfunden, und so unterschiedlich geht es nur mit Frauen-zugeordneten Stylingmethoden: Flamenca (s. Bilder im Forum), Marylin, Dressed for Success — Lady in Red, Tiger-Lilly, Dirndl. Hat richtig Spaß gemacht.
Nora_7
Re: China: Kampf gegen die Feminierung der Männer
Verfasst: Di 16. Feb 2021, 14:14
von ExuserIn-2022-05-22
Das gibt"™s auch in Europa. Diese Einstellungen werden nicht so schnell verschwinden. Die sind hartnäckig. Gerade osteuropäische Länder machen eher Rückschritte.
Re: China: Kampf gegen die Feminierung der Männer
Verfasst: Di 16. Feb 2021, 14:31
von Wally
Nora_7 hat geschrieben: Di 16. Feb 2021, 12:46
Das Macho-Imperium mit antiquarischen Männerbild meldet sich zurück. Und es ist über Männer und Frauen verteilt — immer noch seltsam, dass so viele Frauen auf "Richtige Kerle" — oder interpretiert "Testosteron-Hengste" stehen. S. a. die Diskussionen um Harry Styles. Genau die Typen, weshalb sie sich nicht allein nachts oder in einsame Gegenden trauen.
... nicht allein, sondern nur in Begleitung mindestens eines "Richtigen Kerls" — oder "Testosteron-Hengstes", der sie beschützt. Das ist immerhin die große Mehrheit unter den Männern! Testosteron macht genausowenig zwangsläufig zum Vergewaltiger, wie Östrogen zur hirnlosen Gebärmaschine. Auch die Männer haben eine menschliche Evolution hinter sich...
Nora_7 hat geschrieben: Di 16. Feb 2021, 12:46
Ich behaupte, gebt dem Mann das Kleid und die Welt wird friedlicher.
Da halte ich dagegen: ich habe gerade unter MzF-Transen im Lauf der Jahrzehnte dermaßen krasse Giftnudeln erlebt, das übertraf glatt noch die giftigsten cis-Weiber, die mir begegnet sind - und das will was heißen
Mir leuchtet auch nicht ein, wieso ein "Kerl" dadurch friedlicher werden sollte, dass er ein Kleid anzieht - genauso wie es mir nicht einleuchtet, dass die Politik durch mehr Frauen friedlicher würde; die Geschichte hat das ja gerade
nicht bestätigt. Thatcher war bekanntlich kein bißchen friedfertiger als ihre männlichen Vorgänger und Nachfolger. Nach dem ersten Weltkrieg haben in Deutschland - von den Siegerstaaten diktiert - die Frauen erstmals das allgemeine Wahlrecht gekriegt, weil unter anderem auch dadurch die Welt "friedlicher" werden sollte. Und wen haben die dann prompt (deutlich mehr als die Männer!) gewählt? Ausgerechnet Adolf Hitler... Womit ich um Gottes Willen nix gegen das Frauenwahlrecht gesagt haben will; selbstverständlich steht das Wahlrecht Frauen genauso zu wie Männern. Aber dass ausgerechnet
dadurch die Welt friedlicher würde, halte ich für eine Latrinenparole.
Überhaupt macht mir diese ganze Genderdiskussion immer wieder Bauchschmerzen. Was, bitte, ist denn falsch an Männlichkeit und Weiblichkeit - gerade auch dann, wenn sie jeweils bewußt
kultiviert anstatt bloß unreflektiert animalisch ausagiert wird? Bloß weil WIR hier - als eine kleine Minderheit - uns in unserem cis-Geschlecht nur sehr eingeschränkt bis gar nicht wiederfinden, muß das doch noch lange nicht bei
allen Männern und Frauen so sein! Und selbst dass ich MzF-transsexuell bin, merke ich auch nicht vorwiegend daran, dass das "antiquierte" Männlichkeitsbild (jedenfalls bei mir) nix taugt, sondern viel mehr daran, dass ich mich in dem ebenso "antiquierten" Bild von Weiblichkeit spürbar positiv wiederfinde und zuhause fühle. Gerade wir Transgender sind doch der lebende Beweis dafür, dass "Gender" weit mehr ist als bloß x-beliebig angelernte, gesellschaftliche Konvention.
Herzlichen Gruß
Wally
Re: China: Kampf gegen die Feminierung der Männer
Verfasst: Di 16. Feb 2021, 17:46
von Nora_7
Es geht um die archaische Männlichkeit, also das Extrem auf der Skala. Und die Diskussion wurde ja von der chinesischen Regierung losgetreten, da dieser z.B. lange Haare und Ohrringe unmännlich sind. Männlich ist demnach primär, was mit dem Ausspielen von Kraft verbunden ist und nichts enthält, was mit deren Begriff von weiblich verbuinden ist.
Zum Thema Kleid: Es gibt unzählige Berichte, dass sich Männer in "weiblicher" Kleidung entspannter fühlen, besonnener sind. Und bei M. Thatcher geht es nur um die Psyche — sie tickte wie ein extremes männliche Alphatier.
Noch ein Artikel, den ich mir mal aufgehoben habe (Auszug):
Männermode - Erlaubt den Männern das Kleid!
ZEITmagazin Nr. 36/2015 6. Oktober 2015
Dass nur Frauen Kleider tragen dürfen, ist eine Ungerechtigkeit der Geschichte — der Mann ist der große Verlierer der Mode. Von Tillmann Prüfer
Aber das Kleid gehört ganz allein der Frau. Es ist assoziiert mit allem, was man an Frauen faszinierend finden kann. Kein Kleidungsstück harmoniert unmittelbarer mit dem Körper, kein Kleidungsstück präsentiert seine Trägerin besser, indem es sie verhüllt. Wenn man Mode als Sprache sehen möchte, ist das Kleid das Gedicht. Es ist frei von aller Zweckmäßigkeit, ein Kleid wärmt nicht, es schützt nicht gegen Regen, und es ist mitunter nicht einmal bequem. Ein Kleid ist eben nicht Bekleidung, es ist die pure Botschaft. Ein Kleid kann aufregend sein und beruhigend, hingebend oder distanzierend, in einem Kleid kann sich eine Frau hervorheben oder verstecken. Wenn eine Frau ihre Kleider nebeneinanderlegt, hat sie eine Galerie all ihrer Zustände und Gefühle"¦.
"¦Mit dem Erwerb eines Kleides kann eine Frau sich selbst ein Versprechen geben. Sie kauft ein Kleid und hat damit eine Hypothek auf ihre eigene Zukunft. Vielleicht ist sie noch nicht die Frau, die sie sein möchte. Aber sie hat schon einmal das Kleid, das diese Frau tragen würde. Es heißt, ein Kleid drücke die Persönlichkeit einer Frau aus. Vielleicht ist das nur die halbe Wahrheit. Indem man sich kleidet, bekommt man erst einen Zugang zur eigenen Persönlichkeit. Der Kauf von Kleidern, das Anprobieren und Vergleichen, ist wie ein Selbstgespräch. Deswegen ist es so aufwendig. Eine Frau muss sich dabei mit sich selbst auseinandersetzen und über sich nachdenken.
Der Mann steht daneben und versteht nicht. Das ist das Schicksal des modernen Mannes. Wenn es darum geht, sich selbst zu kleiden, spielen Frauen die Klaviatur vom tiefen A bis zum fünfgestrichenen c"™"™"™"™"™ — während Männer schon ganz froh sein können, wenn sie auf der Tonleiter Hänschen klein hinkriegen.
Frauen sind mehrheitlich geübt darin, in der Sprache der Kleidung zu kommunizieren. Männer sind es nicht. Es ist eine Kulturtechnik, zu der sie kaum Zugang haben. Der einzige Grund, warum Männer nicht, beleidigt dagegen anmotzen, ist, dass sie gar nicht verstehen, dass sie benachteiligt sind. Sie sind einfach froh, dass sie weniger Klamotten kaufen müssen. Aber das ist in etwa so, als wenn jemand im Restaurant die Weinkarte nicht lesen kann und deswegen immer mit demselben Bier zufrieden ist"¦
"¦ Heute, da sich die Möglichkeiten der Geschlechter annähern, sind Frauen darin dem männlichen Geschlecht weit voraus. Sie beherrschen die stillen Dialoge der Kleider und probieren sie in neuen gesellschaftlichen Rollen aus. Und der Mann versteht es einfach nicht.
Nora_7