Spiegel (und andere): Knapp 1600 Menschen ändern ihren Geschlechtseintrag
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Anne-Mette
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Spiegel (und andere): Knapp 1600 Menschen ändern ihren Geschlechtseintrag

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

hier nachzulesen: https://www.spiegel.de/politik/deutschl ... ae68248856

Gruß
Anne-Mette
Ulrike-Marisa
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Re: Spiegel (und andere): Knapp 1600 Menschen ändern ihren Geschlechtseintrag

Post 2 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

die relativ geringen Fallzahlen sind vermutlich nicht wirklich geeignet, Politiker/innen dazu zu bestärken, sich für den betroffenen Personenkreis verstärkt einzusetzen.
Notwendig wäre es sicher, aber es wird doch eher im politischen Alltagsgescgäft untergehen ist meine persönliche Meinung und Befürchtung. Nein, da bin ich nicht wirklich zuversichtlich, dass sich in näherer Zukunft Fortschritte in Deutschland in diesen Fragen für Betroffene ergeben werden hin zu einer wirklichen Selbstbestimmung der eigenen Person in allen Fragen des Lebens und des Daseins. :(

Grüße, Ulrike-Marisa
Wally
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Re: Spiegel (und andere): Knapp 1600 Menschen ändern ihren Geschlechtseintrag

Post 3 im Thema

Beitrag von Wally »

Diese Bezeichnung "divers" ist ja auch bescheuert: wer von uns sieht sich denn so? Ich hätte durchaus gerne einen geänderten Eintrag im Personalausweis, und es wäre für mich auch kein Problem, "divers" eingetragen zu kriegen. Aber ich bin nicht "divers": das ist irgendwas, eine Kuh oder ein Regenschirm als Geschlecht, weiß der Geier - eine Nicht-Bezeichnung. Ich kann mich noch nicht mal wirklich als nicht-binär bezeichnen: ich bin männlich UND weiblich in einer Person, eine Mischung aus beiden, binären Geschlechtern. Die Angabe "männlich" in meinem Perso ist deshalb wenigstens halb richtig (nur halt unvollständig), "divers" wäre dagegen ganz falsch.

Könnte man als Geschlecht "beides" oder meinetwegen auch "gemischt" eintragen lassen, dann würde ich das sofort tun.

Herzliche Grüße
Wally
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Anne-Mette
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Re: Spiegel (und andere): Knapp 1600 Menschen ändern ihren Geschlechtseintrag

Post 4 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Wally hat geschrieben: Mi 3. Feb 2021, 15:28 Diese Bezeichnung "divers" ist ja auch bescheuert:
soweit ich es noch erinnern kann (ich müsste nachsehen), sind wir ge- und befragt worden. Es gab mehrere Auswahlmöglichkeiten für den dann gewählten Eintrag. Ich meine, es gab auch "anderes" oder "sonstiges".
Allerdings sollte nachher nur EIN BEGRIFF FÜR ALLE Gültigkeit haben, also bei der Beantragung selbst gab es keine Auswahlmöglichkeit mehr.

Gruß
Anne-Mette
Jaddy
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Re: Spiegel (und andere): Knapp 1600 Menschen ändern ihren Geschlechtseintrag

Post 5 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Anne-Mette hat geschrieben: Mi 3. Feb 2021, 15:33 soweit ich es noch erinnern kann (ich müsste nachsehen), sind wir ge- und befragt worden. Es gab mehrere Auswahlmöglichkeiten für den dann gewählten Eintrag. Ich meine, es gab auch "anderes" oder "sonstiges".
Allerdings sollte nachher nur EIN BEGRIFF FÜR ALLE Gültigkeit haben, also bei der Beantragung selbst gab es keine Auswahlmöglichkeit mehr.
Ja, es wurden die Interessenvertretungen konsultiert und mindestens eine davon hat ihre Mitgliedys befragt.
Leider ist das bürokratische System auf Vereinfachung aus und die Konservativen bestehen auf Beibehaltung der Eintragspflicht. Daher die "Sammelbezeichnung" statt optionalem Freitextfeld. Wer das nicht will, kann höchstens die vierte Option nehmen: Streichung.
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Re: Spiegel (und andere): Knapp 1600 Menschen ändern ihren Geschlechtseintrag

Post 6 im Thema

Beitrag von Annabelle-R. »

"Allen Menschen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann!"
"Divers" bedeutet ins deutsche übersetzt ja eigentlich nichts anderes als "anders" oder "verschiedenes".
Wo bitte ist das Problem?
Angenommen ich habe in meinem Ausweis dieses "3. Geschlecht" eingetragen, wer sieht das denn außer vielleicht der Polizei, wenn ich mal z.B. die erlaubte Geschwindigkeit übertreten habe?
Was die dann interessiert ist der Verkehrsverstoß und nicht der Eintrag.
Diverse Grüße, Annabell
Toleranz ist die Möglichkeit, dass der Andere Recht haben könnte
Kurt Tucholsky
Wally
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Re: Spiegel (und andere): Knapp 1600 Menschen ändern ihren Geschlechtseintrag

Post 7 im Thema

Beitrag von Wally »

Annabelle-R. hat geschrieben: Do 4. Feb 2021, 07:23 "Allen Menschen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann!"
394 "divers"-Einträge sind ja denn auch weit entfernt von "alle" :-)

Herzliche Grüße
Wally
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Jaddy
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Re: Spiegel (und andere): Knapp 1600 Menschen ändern ihren Geschlechtseintrag

Post 8 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Annabelle-R. hat geschrieben: Do 4. Feb 2021, 07:23"Divers" bedeutet ins deutsche übersetzt ja eigentlich nichts anderes als "anders" oder "verschiedenes". Wo bitte ist das Problem?
Das Problem ist tatsächlich, durch die Bezeichnung noch mal ausgegrenzt zu werden. "Andere", "sonstige", "unter ferner liefen". Fremd, seltsam, aussen vor. Also nicht inklusiv. Mag sprachlich spitzfindig aussehen, aber es geht bei der ganzen Sache um Anerkennung, Teilhabe, etc. Die Verfassungsbeschwerde zur dritten Option hatte ja das Ziel eines positiven nicht-binären Geschlechtseintrags statt des "Nichts", dass seit 2013 in der vierten Option - Streichung - steckt.
Annabelle-R. hat geschrieben: Do 4. Feb 2021, 07:23Angenommen ich habe in meinem Ausweis dieses "3. Geschlecht" eingetragen, wer sieht das denn außer vielleicht der Polizei, wenn ich mal z.B. die erlaubte Geschwindigkeit übertreten habe?
Fun fact: Im Perso steht es nicht und auf der Fahrerlaubnis auch nicht. Nur im Reisepass ("X"). D.h. ich habe ausser der neuen Geburtsurkunde (und meiner Gesundheitskarte) kein offizielles Dokument, um meinen "divers" Eintrag nachzuweisen. Deshalb habe ich immer noch den dgti Ergänzungsausweis dabei.

Es wurde mir aber bisher auch immer so geglaubt. Ich muss es aber immer sagen, denn die meisten Menschen kommen nicht mal auf die Idee, dass die Person ihnen gegenüber nicht-binär sein könnte, sondern gehen nach den erlernten Gendersignalen.

Bei den Zahlen sind aber die offiziellen "divers"-Einträge missweisend. Das liegt an mehreren Gesetzen, unzureichenden Ressourcen und persönlichen Befürchtungen.

Erstens wollen sich viele inter Personen trotz ihres inneren Gefühls, wegen ihrer traumatischen Erfahrungen mit medizinischem und amtlichem System nicht durch einen offiziellen Eintrag noch mal auffindbar und potenziell angreifbar machen. Vergleiche mal, wie viele trans Personen nach ihrer Transition sich offensiv als trans outen. Es sind auch nicht alle inter Personen nicht-binär.

Zweitens haben viele nicht-binäre Personen aktuell praktisch keine Möglichkeit, den Eintrag zu erhalten, weil sie nicht inter sind. Die Problematik mit fehlenden oder unzureichenden Therapeutys, Gutachtys, sowie mit Kassen und MDK sind ungleich größer, wenn ein sich nicht binär einordnet. Es ist aber bekannt, dass alleine von den Personen, die sich irgendwie bei Therapeutys wegen trans vorstellen, sich >30% als nicht-binär verorten (sagt die S3 Leitlinie, Stand um 2014, weltweit ziemlich einheitlich). Das wären mindestens 500 neue pro Jahr (bei 1700 GaOP/Jahr in D). Da nicht alle trans Personen sich operieren lassen und nicht mal alle sich bei Therapeutys melden, werden es mehr sein.

Also: inter und nicht-binär hat nicht zwingend was miteinander zu tun (sagt die Wissenschaft). Der Geschlechtseintrag soll das Geschlechtsempfinden einer Person abbilden, nicht die Körperlichkeit (sagt das Verfassungsgericht). Es gibt reichlich viel mehr nicht-binäre Personen, als offiziell den Eintrag haben oder erreichen können (wissen alle, die in der nicht-binären Community unterwegs sind).

Meine praktische Erfahrung ist, dass ich mich ständig neu outen muss. Grund siehe oben. Je nach optischer Aufmachung werde ich mit mehr oder weniger Druck binär eingeordnet, bis ich mich wehre. Und nicht mal ich habe immer die Energie dafür. Ich kenne ne Menge nicht-binäre, die sich das gar nicht trauen, sondern lieber weiter für sich leiden.
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