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Nicht gut genug um Blut zu spenden
Verfasst: Sa 9. Jan 2021, 17:45
von Aria
Wenn die Zeit es her gegeben hat, habe ich das bis vor der Pandemie immer mal wieder gemacht: Blut gespendet. Ich wollte das auch danach noch beibehalten, weil ich denke, dass das sehr sinnvoll ist und aus meiner Zeit in der ich Rettungsdienst gefahren bin, hautnah mitbekommen habe, wie eng der Vorrat manchmal werden kann. Jetzt muss ich aber lesen, dass mich die Bundesärztekammer als zu
ungeeignet dafür sieht. Für mich ist dieses Beratungsergebnis des Arbeitskreises des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer, des Robert Koch-Instituts, des Paul-Ehrlich-Instituts und des Bundesministeriums für Gesundheit an Diskriminierung nicht zu überbieten. Sicher, ein Risiko mag vorhanden sein aber die pauschale Abstempelung von Personengruppen ist absolut inakzeptabel und will so gar nicht in das Jahr 2016 (Herausgabe) und schon gar nicht in 2021 mit einem homosexuellen Gesundheitsminister passen. Mir fehlen da gerade echt die Worte und ich werde mir überlegen, wie ich damit bei der nächsten Spende umgehe. Lüge ich und werde spenden, obwohl meine Transsexualität offensichtlich ist, oder lass ich es sein
Edit: Jetzt geht's!
Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden
Verfasst: Sa 9. Jan 2021, 17:47
von Blossom
Der Link funktioniert leider nicht.
Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden
Verfasst: Sa 9. Jan 2021, 17:52
von Maya
Im Link die letzten 6 Zeichen löschen, so, dass als letztes .PDF da steht.
Dann klappt es
Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden
Verfasst: Sa 9. Jan 2021, 17:59
von Blossom
Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden
Verfasst: Sa 9. Jan 2021, 18:04
von Patricia
Ach wir sind doch nur Menschen zweiter Klasse....
Welches sexuelle Risiko habe ich denn??? Ich habe seit Jahren keine sexuellen Kontakte zu anderen Menschen gehabt, aber hauptsache man kan es mir doch ankreiden dass ich anders bin. Aber die heteros die sich durch die Gegend vögeln haben keines, ja klar...
Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden
Verfasst: Sa 9. Jan 2021, 18:15
von Maya
Ich glaube der Artikel wird etwas unglücklich interpretiert.
Zunächst mal ist der Wissensstand von 2016
Ich erlaube mir mal das Fazit von S.32 hierher zu kopieren:
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ï‚· Folgende Personen haben nach derzeitigen medizinischen und epidemiologischen Erkenntnissen und Daten ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten:
o Heterosexuelle mit sexuellem Risikoverhalten (z. B. Geschlechtsverkehr mit häufig
wechselnden Partnern),
o männliche und weibliche Sexarbeiter,
o MSM,
o Transsexuelle mit sexuellem Risikoverhalten.
ï‚· In der diagnostischen Fensterphase können durch Blut übertragbare Krankheiten nicht
ausgeschlossen werden. Da keine weniger belastenden Methoden als eine Nichtzulas-
Blutspende von Personen mit sexuellem Risikoverhalten —
Darstellung des aktuellen Standes der medizinischen Wissenschaft, Stand 22.07.2016
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sung zur Spende zur Verfügung stehen, sind unter Wahrung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit Personen mit hohem Infektionsrisiko infolge sexuellen Risikoverhaltens
nicht zur Blutspende zuzulassen.
ï‚· Nach Beendigung des Risikoverhaltens ist eine Zulassung zur Blutspende mit einer entsprechenden Latenz möglich. Die gemeinsame Arbeitsgruppe kommt nach Auswertung
der aktuellen medizinisch-wissenschaftlichen und epidemiologischen Daten zu dem Ergebnis, dass eine Zulassung zur Blutspende 12 Monaten nach Beendigung des sexuellen
Risikoverhaltens nicht zu einer Erhöhung des Risikos für die Empfänger von Blut und
Blutprodukten führt.
Quellenangabe:
https://www.bundesaerztekammer.de/filea ... 072016.pdf
*********************************************************************************************************************************************************************************************
Ich lese das so, dass es sich um TS mit SEXUELLEM RISIKOVERHALTEN handelt.
Genauso wie für Heteos und alle anderen Personen auch.
Wenn das Riskioverhalten beendet wird, gibts wohl nach 12 Monaten kein Risiko mehr.
Und so wie ich das verstehe gilt das für jede Person.
Und das finde ich gut so.
Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden
Verfasst: Sa 9. Jan 2021, 18:24
von Jasmine
Ich zitiere mal aus dem Bericht:
4.1 Transsexualität
In Studien zur HIV-Prävention werden Transsexuelle häufig zur Kategorie der MSM gezählt
[Bockting 2001]. Inzwischen gelten Transsexuelle als eine Risikogruppe, die lange Zeit nicht
als solche erkannt wurde, obwohl diese Personen im Durchschnitt ein 49-fach höheres Risiko einer HIV-Infektion gegenüber der Allgemeinbevölkerung haben [ï® amfAR 2014, ï® WHO
2015]. 2013 hatten Transsexuelle den höchsten prozentualen Anteil an Neuinfektionen, die
dem Center for Disease Control and Prevention in Atlanta USA gemeldet wurden. [ï® CDC
2016].
Nun mal zu mir: Ich bin seit einem viertel Jahrhundert in einer festen Beziehung und weder meine Menalee oder ich würden fremde Partner ins Auge fassen.
Mit kritischen Grüßen Jasmine
Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden
Verfasst: Sa 9. Jan 2021, 18:47
von Kathi87
Ich bin fasziniert das diese Information den meisten erst jetzt bekannt ist.
Seit Jahren kämpfen Vereine dafür, das diese Diskriminierung ein Ende hat.
Nein es gilt nicht für Heterosexuelle Beziehungen. Hier wird gerade Menschen in homosexuellen Beziehung vorgeworfen ein vielfaches erhöhtes Risiko zuhaben, da hier vermehrt mit verschiedenen Geschlechtspartnern intim gegangen wird.
Die hier erwähnten 12 Monate Abstinenz, ist meines Wissens auf 3 Monaten reduziert worden.
Transgender werde hier in die gleiche Schublade gesteckt, da auch hier von MSM ausgeht, da hier wieder an dem Grundgedanken der Homosexualität festgehalten wird.
Die ganze Argumentation ist hinfällig, wenn man sich überlegt das die Blutspenden eh noch durchs Labor muss.
Wenn ihr Spenden wollt, sprecht mit der Organisation vor Ort wie die dazu stehen, ich habe kein Problem.
Liebe Grüße
Katharina
Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden
Verfasst: Sa 9. Jan 2021, 18:55
von Blossom
Maya hat geschrieben: Sa 9. Jan 2021, 18:15
Ich lese das so, dass es sich um TS mit SEXUELLEM RISIKOVERHALTEN handelt.
Genauso wie für Heteos und alle anderen Personen auch.
Wenn das Riskioverhalten beendet wird, gibts wohl nach 12 Monaten kein Risiko mehr.
Und so wie ich das verstehe gilt das für jede Person.
Und das finde ich gut so.
Danke, denn so verstehe ich es auch.
Kathi87 hat geschrieben: Sa 9. Jan 2021, 18:47
Die ganze Argumentation ist hinfällig, wenn man sich überlegt das die Blutspenden eh noch durchs Labor muss.
Da nickte ich doch mal zustimmend.
Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden
Verfasst: Sa 9. Jan 2021, 18:57
von Aria
Maya hat geschrieben: Sa 9. Jan 2021, 18:15
Ich lese das so, dass es sich um TS mit SEXUELLEM RISIKOVERHALTEN handelt.
Genauso wie für Heteos und alle anderen Personen auch.
Wenn das Riskioverhalten beendet wird, gibts wohl nach 12 Monaten kein Risiko mehr.
Und so wie ich das verstehe gilt das für jede Person.
Und das finde ich gut so.
Dieses Fazit kann man eigentlich in den Müll schmeissen. Denn es sagt nix anderes aus wie "Wenn du riskant Auto fährst, ist die Wahrscheinlickeit höher zu sterben als wenn du es nicht tust" Ja, wow, dazu brauch ich einen Arbeitskreis, der eine Studie schreibt, die sich aus Quellen bedient, die kleingeistiger nicht sein können.
Auszug:
Nach einer amerikanischen Studie berichten 11%
der befragten Transsexuellen, dass sie ihren Lebensunterhalt mit Sexarbeit verdienen oder
verdient haben, während das nur auf 1% der weiblichen Bevölkerung in den USA zutrifft
[ï® Grant 2011].
Es geht mir nicht darum, dass eine riskante Lebensweise diese oder jene negative Folgen haben kann, sondern darum, dass es TS pauschal zugeschrieben wird, dieses Verhalten zu haben. Es wird einfach nicht differenziert. Genau so, wie es bei Homosexualität nicht differenziert wird. Es wird von der gemeinen Bevölkerung doch immer noch angenommen, dass wenn du Schwul bist, automatisch HIV positiv im Laufe deines Lebens wirst. Heteros trifft das ja nicht, denn die poppen ja nicht jedes Wochenende mit jemand anderem. Das ist nämlich u.a. ein Grund, warum sich viele mit dem outen so schwer tun. Dieses Stigmata, das man damit automatisch auferlegt bekommt, schreckt sehr viele einfach ab. Ich habe bei meinen outings auch nie wirklich von Transsexualität gesprochen, sondern von Transidentität. Auch weil ich um diese negative Besetzung dieses Begriffs in der Bevölkerung wusste.
Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden
Verfasst: Sa 9. Jan 2021, 19:07
von Aria
Kathi87 hat geschrieben: Sa 9. Jan 2021, 18:47
Ich bin fasziniert das diese Information den meisten erst jetzt bekannt ist.
Seit Jahren kämpfen Vereine dafür, das diese Diskriminierung ein Ende hat.
Nein es gilt nicht für Heterosexuelle Beziehungen. Hier wird gerade Menschen in homosexuellen Beziehung vorgeworfen ein vielfaches erhöhtes Risiko zuhaben, da hier vermehrt mit verschiedenen Geschlechtspartnern intim gegangen wird.
Die hier erwähnten 12 Monate Abstinenz, ist meines Wissens auf 3 Monaten reduziert worden.
Transgender werde hier in die gleiche Schublade gesteckt, da auch hier von MSM ausgeht, da hier wieder an dem Grundgedanken der Homosexualität festgehalten wird.
Die ganze Argumentation ist hinfällig, wenn man sich überlegt das die Blutspenden eh noch durchs Labor muss.
Wenn ihr Spenden wollt, sprecht mit der Organisation vor Ort wie die dazu stehen, ich habe kein Problem.
Liebe Grüße
Katharina
Tja Kathi, viele Infos erhält man halt auch erst dann, wenn es einen selbst betrifft. Das geht uns allen so, da dürftest du keine Ausnahme sein.
Da ich hier dazu aber nichts gefunden habe und erst durch eine andere Plattform darauf aufmerksam wurde, dachte ich es wäre eine gute Idee.
Wie ich bereits gesagt habe, geht es mir darum, dass von oberster Stelle pauschalisiert wird und sich somit nicht wirklich was an der Position gegenüber unsereins ändert.
Wenn sich dgti u.a. dafür einsetzen, dass sich daran was ändert, ist das ja schon mal gut. Bleibt abzuwarten wieviele Jahre dafür noch ins Land gehen müssen....
Das ist auch genau das, was ich machen werde. Ich werde bei der betreffenden Organisation nachfragen.
Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden
Verfasst: Di 26. Jan 2021, 07:52
von Moghediena
Ich sehe da ehrlich gesagt keine Diskriminierung. die Fakten leuchten durchaus ein. Wenn jemand im entsprechenden Gewerbe tätig ist und dadurch entsprechend viele sexuelle Kontakte hat, dann ist das Risiko natürlich deutlich höher irgendwie krank zu werden. Dies bezieht sich aber auf alle, egal ob CIS oder nicht.
Ich kenne zufällig jemanden, der beim Blutspendedienst arbeitet und er hat mir mal das eine oder andere erzählt. Die Sicherheitskriterien sind (verständlicher Weise) so hoch, dass Spenden sofort verworfen werden, wenn da irgend eine Auffälligkeit ist. Wenn das nicht im Vorfeld passiert, dann später bei der Verarbeitung. Und erhöhte Hormonwerte können (müssen aber nicht) da bereits ein entsprechender Faktor sein. So gesehen kann es also durchaus sein, dass ein TG-Spender abgewiesen wird, wenn ein wert nicht der Norm entspricht. Das ist aber bei jedem anderen Menschen genau so. Irgend eine Abweichung der Werte und schon hat sich das mit Spenden.
Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden
Verfasst: Di 26. Jan 2021, 09:31
von Marlene K.
Ich finde es als lange als homosexueller Mann lebender Mensch und als Transfrau etwas seltsam, dass in einer gesonderten Wertung von Begehren und Identität keine Diskriminierung wahrgenommen werden kann.
Wie wäre es, wenn eine solche wertende Untersuchung über blauäugige oder mittelblonde Menschen oder Menschen mit zwei Staatsangehörigkeiten angestellt würde? ...oder um näher am Beispiel zu bleiben bei Paaren, die Cunnilingus vorziehen oder die Missionarsstellung ablehnen...
Marlene
Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden
Verfasst: Di 26. Jan 2021, 09:38
von Jasmine
Eigentlich erhebt sich für mich die Frage, wie sieht es dann bei der Organspende aus? Muß ich dann in meinem Organspendeausweis einen Vermerk aufbringen?
Nachdenkliche Grüße Jasmine
Re: Nicht gut genug um Blut zu spenden
Verfasst: Di 26. Jan 2021, 10:00
von Laila-Sarah
Bei der Pkw Haftpflichtversicherung muss ein junger Mann der in einer Grossstadt lebt deutlich mehrt zahlen als eine ältere Frau vom Land. Ist es Diskriminierung oder Beitragsbemessung nach Unfallrisiko ?