Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater in mehreren Akten
Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater in mehreren Akten - # 2

Helga
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Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater vierter Akt

Post 16 im Thema

Beitrag von Helga »

Vierter Akt

Sie sitzt mit einer älteren Frau und einem älteren Mann an einem Tisch. Es sind nicht die Charaktäre aus dem zweiten Akt. Der Tisch und das was darauf steht lässt sich als gutbürgerliche Kaffeetafel beschreiben.

Sie: „Ich bin eine Frau mit Penis!"

Älterer Mann: (nach längerem eisigen Schweigen) „Dann bist du nicht mehr mein Sohn!"

Sie: „Das ist es was ich dir sagen möchte. Ich bin jetzt deine Tochter!"

(Die ältere Frau hat einen hochroten Kopf bekommen, nimmt die Kaffeekanne und verlässt die Bühne zur linken Seite)

Älterer Mann: „Du warst so ein aufgeweckter Junge. Immer an Wissenschaft und Technik interessiert.“ (emotional sichtlich mitgenommen): „Ich war so stolz, als du mit 14 Jahren aus einem schrottreifen Motorroller ein wahres Schmuckstück gemacht hast.“

Sie: „Ich bin noch immer an Wissenschaft und Technik interessiert. Und der Motorroller steht, wie du weisst, in meinem Keller und wird bei gutem Wetter noch regelmäßig rausgeholt!“

Älterer Mann: „Ich hätte nie erwartet, dass du schwul wirst!“

Sie: „Wie kommst du darauf? Ich bin nicht schwul, ich bin lesbisch. Und selbst wenn ich schwul wäre, heutzutage darf endlich auch ein Bürgermeister oder Minister zugeben, dass er schwul ist. Da ist doch nichts Schlimmes bei!“

Ältere Frau: (kommt mit der Kaffekanne und bleichem Gesicht vom linken Bühnenrand zurück) „Du hast kein Auto doch hoffentlich direkt vor der Haustür geparkt?“

Sie: „Nein, ich bin mit dem Bus gekommen und das letzte Stück zu Fuß gegangen!“

Ältere Frau: „Du bist in diesem Aufzug die Straße langgelaufen? Oh Gott, was sollen die Nachbarn denken! Papa bringt dich nachher mit dem Auto zurück in die Stadt!“

Sie: (entrüstet) „Für dich war schon immer wichtiger was die Nachbarn denken, als das, was ich dabei gefühlt habe! Zum Geburtstag ging es immer in die Spielscheune um die Nachbarn nicht zu stören. Als ich 15 war durften mich keine Mädchen besuchen damit die Nachbarn nicht reden. Mit 19 sollten meine Freunde nicht mehr über Nacht bleiben, damit die Nachbarn nichts Böses denken. Eine Kindheit und Jugend ganz nach dem Wohlgefallen der Nachbarn!“

Ältere Frau: (bricht in Tränen aus) „Oh Gott, wie furchtbar. Das ist alles meine Schuld!"

Älterer Mann: (beschwichtigend) „Das ist nicht deine Schuld. Schuld ist dieses ganze Sytem der Liberalen Erziehung, vom Kindergarten über die Schule bis zur Universität. Handarbeitskurse für Jungen, gemischter Sportunterricht, Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen. Öfter mal eine klare Ansage und eine strukturierende Hand hat uns auch nicht geschadet und hätte vielleicht das Schlimmste verhindert!“

Sie: „Was redet ihr da? An einem Verbrechen, an einem Unfall, an einer Katastrophe kann jemand Schuld auf sich laden. Ist es ein Verbrechen, ein Unfall, eine Katastrophe dass ich eine Frau bin?

Ältere Frau: „Du irritierst mich!"

Ende des vierten Aktes. Wieder eine kleine Pause. Dies scheint ein langer Abend zu werden. Wieviel kommt den jetzt noch? Darüber gibt das Programm leider keine Aussage.
Christiane67
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Re: Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater in mehreren Akten

Post 17 im Thema

Beitrag von Christiane67 »

Oh liebe Helga,
wieder etwas Einzigartiges aus Deiner Feder.
Aber was ist nun - shocking - auch ich bin irritiert
Die Pause kam jetzt etwas plötzlich, wo bleibt der Skandal ?
Schlafe gut, bis morgen ?
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Marlene K.
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Re: Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater in mehreren Akten

Post 18 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Danke, liebe Helga... einfach nur danke.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Lea Michele
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Re: Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater in mehreren Akten

Post 19 im Thema

Beitrag von Lea Michele »

Hallo Helga,

einfach nur Danke!

GLG Lea Michele (he) (ki) (he)
Das Leben ist perfekt, wenn man sich wie eine Frau fühlen und leben kann!
Helga
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Re: Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater vierter Akt

Post 20 im Thema

Beitrag von Helga »

Christiane67 hat geschrieben: Fr 15. Jan 2021, 23:02 wo bleibt der Skandal ?
Liebe Christiane,
im familiären Umfeld möchten wir wohl alle keine großen Skandale oder Zerrüttungen.
Heute Abend wird es deutlich kontroverser. Soviel kann ich schonmal versprechen.
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
scheue_Sarah
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Re: Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater vierter Akt

Post 21 im Thema

Beitrag von scheue_Sarah »

Helga hat geschrieben: Fr 15. Jan 2021, 20:14
Sie: „Für dich war schon immer wichtiger was die Nachbarn denken, als das, was ich dabei gefühlt habe! Eine Kindheit und Jugend ganz nach dem Wohlgefallen der Nachbarn!“
Liebe Helga,

Du triffst hier den Nagel auf den Kopf!
Ich hoffe die jüngeren Generationen können sich freier entfalten als diejenigen, deren Eltern kriegsgeschädigt evtl sogar eine Flucht erleben mussten...
(ich hoffe das war jetzt nicht zu krass)

Sarah
"Don't dream it, be it!"
aus der Rocky Horror Picture Show

"Es braucht einen echten Mann, um sich mit seiner weiblichen Seite wohlzufühlen..."
Backstreet Boy AJ McLean aus Solidarität zu Harry Styles' Foto im Kleid auf der Vogue
Helga
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Re: Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater vierter Akt

Post 22 im Thema

Beitrag von Helga »

scheue_Sarah hat geschrieben: Sa 16. Jan 2021, 19:53 Ich hoffe die jüngeren Generationen können sich freier entfalten als diejenigen, deren Eltern kriegsgeschädigt evtl sogar eine Flucht erleben mussten...
(ich hoffe das war jetzt nicht zu krass)
Hallo Sarah,
das war keineswegs zu krass, denn ob sich die jüngeren Generationen freier entfalten können liegt zu einem nicht unwesentlichen Anteil an unserer Generation!
Helga
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Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater fünfter Akt

Post 23 im Thema

Beitrag von Helga »

Ein relativ kahler Raum, an der Wand ein Viermonatskalender und eine Regenbogenfahne, die irgendetwas zu verdecken scheint. Ein schlichter, leicht ramponierter Tisch, drei ebensolche Stühle, auf denen drei Frauen sitzen.

Sie: „Ich bin eine Frau mit Penis"

Selbsthilfegruppenleiterin: „Es ist selten, dass die Teilnehmer bereits zu Beginn eine so klare Selbsteinschätzung haben. Also willkommen in unserer Runde. Schön, dass du hier bist!"

Selbsthilfegruppenteilnehmerin: „Was für ein Unsinn. Eine Frau mit Penis. Soetwas gibt es nicht. Wenn du eine richtige Frau sein willst, dann musst du mindestens eine Hormontherapie und eine geschlechtsanpassende Genital- OP machen!. Du bist keine Frau. Du bist nur ein verkleideter Mann!"

Selbsthilfegruppenleiterin: „Also bitte, du musst Neulinge nicht gleich so mit deinen radikalen Ansichten überfahren"

Sie: (an Selbsthilfegruppenleiterin) „Ach lass nur, vielleicht hat sie ja recht!“

Sie: (an Selbsthilfegruppenteilnehmerin) „Und du bist eine richtige Frau?"

Selbsthilfegruppenteilnehmerin: „Selbstverständlich! Ich war bei Dr. Müller in Neustadt!" (macht eine kurze Pause, fährt dann fort) "Er ist die Koriphäe was geschlechtsanpassende Operationen angeht! Er hat mir eine wirklich wunderbare Neo-Vagina geformt!"

Sie: „Damit fühlst du dich jetzt als vollkommene Frau?"

Selbsthilfegruppenteilnehmerin: „Der MDK wollte mir meinen Brustaufbau nicht genehmigen. Angeblich sehe ich mit meinem A- Körbchen weiblich genug aus. Zum Glück hat die IG eine wirklich gute Anwältin. Die hat es denen aber gezeigt! Die wollten mich mit einem A- Körbchen abspeisen! Ha! Ich lasse mir von denen doch nicht vorschreiben wie eine Frau auszusehen hat! In acht Wochen ist die OP, danach sind die Stimmbänder und der Adamsapfel dran!"

Sie: „Ich fühle mich auch ohne OP als Frau!“

Selbsthilfegruppenteilnehmerin: „Was für eine Diagnose hast du denn überhaupt? F64.1? oder etwa F65.1?“

Sie: „Ich brauche keine Diagnose. Ich muss einfach nur in den Spiegel schauen!" (Zieht den Spiegel aus der Handtasche, schaut hinein, lächelt)

Selbsthilfegruppenteilnehmerin: „Soetwas wie du schadet der gesamten Community! Viele Mitstreiter*innen haben eine Menge Zeit und Arbeit darin investiert den Zugang von Trans- Menschen zur medizinischen Versorgung zu erleichtern. Leider mussten wir mit der letzten Begutachtungsrichtlinie einen herben Rückschlag hinnehmen. Kein Wunder wenn angebliche Frauen so denken wie du. Danke für deine Unterstützung!"

Sie: „Gerne!“

Selbsthilfegruppenteilnehmerin: „Schau dich doch an: Tonnenweise Chemie im Gesicht, falsche Haare auf dem Kopf, Grabbelkissen im BH. Wahrscheinlich hast du deine Männlichkeit auch noch mit Klebeband geknebelt damit „er“ keine verräterischen Beulen in dein Kleid macht. An dir ist doch nichts echt!“

Sie: „Du inhalierst die Chemie lieber als HET, du frisierst dein echtes Haar so kunstvoll über die hohe Stirn, dass es nach Perücke aussieht, du trägst das Silikon lieber unter als über der Haut und du hast deine Männlichkeit operativ nach innen umkrempeln lassen. Sorry meine Liebe, du bist genauso echt wie ich und ich genauso unecht wie du!“

Selbsthilfegruppenteilnehmerin: „Du weisst anscheinend nicht wie das ist im falschen Körper geboren zu sein!“

Sie: „Was soll das bedeuten „im falschen Körper“ ? Wo ist der richtige geblieben? Hat Heidi Klum den versehentlich bekommen?“ (mit Blick auf die Selbsthilfegruppenteilnehmerin) „Entschuldige bitte! Ist dir eigentlich klar, was du dir mit dieser Selbstbeschreibung antust?"

Selbsthilfegruppenteilnehmerin: „Was meinst du damit?"

Sie: „Welche Erwartungshaltung baust du in dir selbst auf? Dein Körper ist falsch, also versuchst du ihn zu korrigieren. Zuerst mit einer HET. Das reicht nicht, also folgt die GAOP. Dein Körper ist noch immer nicht richtig, also muss der Brustaufbau, die Stimmbänder und der Adamsapfel folgen. Wenn das noch immer nicht reicht kannst du noch eine FFS und eine Haartransplantation machen, dir die Beine verkürzen und die unteren Rippenbögen entfernen lassen. Solange die Krankenkasse und dein Bankkonto mitspielen bieten die Kataloge der modernen Medizin sicher noch einiges mehr an um deinem Ziel näher zu kommen. Was aber wenn sich der Körper dann immer noch nicht richtig anfühlt? Wegwerfen was falsch ist und sich nicht reparieren lässt?

Selbsthilfegruppenteilnehmerin: „Und was denkst du über deinen Körper?"

Sie: „Neun Monate vor meiner Geburt hat sich eine einzige Samenzelle gegen Millionen andere durchgesetzt, um zusammen mit einer Eizelle meinen Körper zu entwickeln. Mein Körper kann nicht falsch sein! Falsch ist das Geschlecht. Aber das Geschlecht ensteht nicht zwischen den Beinen sondern im Kopf!"

Selbsthilfegruppenteilnehmerin: „Du irritierst mich!“

Ende des fünften Aktes.

Oha, das war starker Tobak. Hoffentlich gibt es im Foyer auch etwas Stärkeres!
Bibi-Melina
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Re: Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater fünfter Akt

Post 24 im Thema

Beitrag von Bibi-Melina »

hallo meine lieben
Helga hat geschrieben: Sa 16. Jan 2021, 20:51 Oha, das war starker Tobak. Hoffentlich gibt es im Foyer auch etwas Stärkeres!
stimmt das ist es aber doch angebracht
sie: „Welche Erwartungshaltung baust du in dir selbst auf? Dein Körper ist falsch, also versuchst du ihn zu korrigieren. Zuerst mit einer HET. Das reicht nicht, also folgt die GAOP. Dein Körper ist noch immer nicht richtig, also muss der Brustaufbau, die Stimmbänder und der Adamsapfel folgen. Wenn das noch immer nicht reicht kannst du noch eine FFS und eine Haartransplantation machen, dir die Beine verkürzen und die unteren Rippenbögen entfernen lassen. Solange die Krankenkasse und dein Bankkonto mitspielen bieten die Kataloge der modernen Medizin sicher noch einiges mehr an um deinem Ziel näher zu kommen. Was aber wenn sich der Körper dann immer noch nicht richtig anfühlt? Wegwerfen was falsch ist und sich nicht reparieren lässt?
die frage ist am spannendsten ok ich habe nä/pä hrt laser und gaop machen lassen um mich diesem anzugleichen und ich bin angekommen
aber sprechen wir mal nicht von mir sondern verallgemeinern wir das doch mal
wie weit würde eine/r gehen um sich anzugleichewn welche ops und so würde er/sie/es machen lassen um genau zu werden?

aber dann fand ich den satz auch noch klasse
Sie: „Neun Monate vor meiner Geburt hat sich eine einzige Samenzelle gegen Millionen andere durchgesetzt, um zusammen mit einer Eizelle meinen Körper zu entwickeln. Mein Körper kann nicht falsch sein! Falsch ist das Geschlecht. Aber das Geschlecht ensteht nicht zwischen den Beinen sondern im Kopf!"
das ist schon richtig aber die spannende frage ist dennoch wie kommt es das man sich im falchen körper fühlt?
falls es unter euch ein paar gibt die mit gottes glauben kommen auch für die habe ich drei fragen die mir schon lange im kopf rumschwiiren
1) ist es gott gewollt das unsereins im falchen körper geboren wurden?
2)ist das eine laune der natur?
3)kommt das vom menschen selbst da der mensch irrational denkt?

auf die diskussion bzw antworten bin ich mal gespannt

mit lieben und Hexischem gruss Die Hexemelina

ps: sorry wenn es vom thema abschweift aber das war mir mal wichtig
Glaube an Wunder, Liebe und Glück! Schaue nach vorn und niemals zurück! Tu was du willst, und steh dazu, denn dieses Leben lebst nur du
Helga
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Re: Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater fünfter Akt

Post 25 im Thema

Beitrag von Helga »

Hexemelina hat geschrieben: Sa 16. Jan 2021, 21:09 1) ist es gott gewollt das unsereins im falchen körper geboren wurden?
2)ist das eine laune der natur?
3)kommt das vom menschen selbst da der mensch irrational denkt?
Liebe Melina,
ich bin zwar nicht gläubig, aber soweit ich mich errinnere sagte unser Pastor im Konfirmandenunterricht: "Glauben heißt nicht Wissen!"
Und da ich nicht glaube aber trotzdem nicht weiß, wünsche ich mir eine eine Antwort.
Die Frage verdient eine Sondervorstellung!
Helga
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Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater viertel nach fünfter Akt

Post 26 im Thema

Beitrag von Helga »

Sie sitzt in einem sehr kleinen schwummrig beleuchteten Raum. Neben ihr ist eine Art Gitter, dahinter ist schemenhaft eine Gestalt zu erkennen.

Sie: „Ich bin eine Frau mit Penis!“

Pfarrer: „Ich weiss mein Kind. Was hast du auf dem Herzen?“

Sie: „Du weisst? Woher? Du hast mich noch nie gesehen!“

Pfarrer: „Gottes Augen und Ohren sind überall und in diesem Fall waren es die Augen und Ohren der Nachbarinnen deiner Eltern, die mir von deinem Besuch am vergangenen Sonntag berichtet haben. Obwohl du die Kirche nicht betreten hast seitdem ich diese Gemeinde betreue, weiß ich mehr über dich als über manches Schäfchen, das jeden Sonntag zum Gottesdienst kommt!“

Sie: „Und was hast du ihnen gesagt?“

Pfarrer: „Das gleiche was ich dir jetzt sage: Gott hat diese Erde nicht erschaffen, damit die Menschheit bis in alle Ewigkeit das Getreide zwischen Steinen zermalt, Nachrichten in Steinplatten meißelt, auf Kamelen reitet und in Lehmhütten haust. Genauso wie der Mensch die Technologie, die Kommunikation, die Mobilität und die Architektur weiterentwickeln sollte, war es Gottes Wille, dass auch der Mensch selbst sich weiterentwickeln würde. So ist es auch geschehen. Ein Schriftgelehrter oder weiser Mann aus den Zeiten Jesu wäre heute jedem Abiturienten intellektuell weit unterlegen. Mit den Zeiten des Marathonläufers von 490 v. Chr. sind heutzutage keine Platzierungen mehr erreichbar. Die durchschnittliche Lebenserwartung des Menschen ist allein in den letzten 200 Jahren um mehr als 30 Jahre angestiegen. Es ist Gottes Wille, dass der Mensch immer wieder über sich hinauswächst und dabei scheinbare Grenzen überwindet. Da ist es völlig folgerichtig, dass der Mensch auch beginnt die Geschlechtergrenzen zu überschreiten. Du bist eine der Auserwählten, deren Aufgabe darin besteht die Menschheit langsam auf diese Weiterentwicklung vorzubereiten. Wie diese aussehen mag entzieht sich genauso unserer Vorstellung, wie sich die Menschen des Mittelalters nicht vorstellen konnten über bewegte Bilder mit Menschen auf anderen Kontinenten zu sprechen.“

Sie: „Warum hat dein Vorgänger nicht so gesprochen? Dann hättest du mich öfter hier gesehen!“

Pfarrer: „Leider haben meine Vorgänger in ihrem anmaßenden Anspruch allein das Wort Gottes verkünden zu können, völlig übersehen, dass sie die einzigen waren, die an der allgemeinen Weiterentwicklung nicht teilgenommen hatten. Dies hätte fast zum Untergang der Kirche geführt. Es ist ein schmerzhafter Prozess die verpasste Entwicklung von zwei Jahrtausenden innerhalb weniger Jahre nachzuholen.“ (er beugt sich vor und späht durch das Gitter) „Übrigens, was benutzt du um deinen Bartschatten abzudecken?“

Sie: „Du irritierst mich!
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
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Re: Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater in mehreren Akten

Post 27 im Thema

Beitrag von Jenina »

Liebe Helga!

Ich verfolge Deine Beiträge schon lange mit großem Wohlwollen. Aber das, was Du uns hier seit mehreren Tagen mitteilst ist etwas so Großes, so Wichtiges und so Durchdachtes wie ich es noch niemals gelesen habe.

Ich möchte Dir tausendmal danken und Dich ermutigen noch an viele Plätze dieser Welt zu gehen und zu verkünden: "Ich bin eine Frau mit Penis!".

Danke, Danke, Danke! (ap) (ki) (yes)

Jenina
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Re: Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater in mehreren Akten

Post 28 im Thema

Beitrag von JuLa67 »

Helga,
tausend Dank! (hs)
Großartig! (fwe3)

Liebe Grüße
Larissa
Nach den Wolken kommt die Sonne - Alain de Lille
Glück ist, nicht mehr zu wollen als man kann, und nicht zu müssen, was man nicht will - Judy Parker
Wenn du schnell gehen willst, gehe alleine. Wenn du weit gehen willst, gehe mit anderen. -aus Afrika
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Re: Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater in mehreren Akten

Post 29 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2021-04-19 »

Perfekt Helga, sehr gut geschrieben und hervorragend inszeniert. So soll Theater sein, unterhaltsam und zum Nachdenken anregend. Gerne lasse ich mich von dir zu weiteren Vorstellungen einladen. (ap)
It´s not Crossdressing, it´s just dressing.
NikolaAusR
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Re: Eine Frau mit Penis- ein Kopftheater in mehreren Akten

Post 30 im Thema

Beitrag von NikolaAusR »

Liebe Helga,

einfach TOLL (flow)


Sie: „Ich fühle mich auch ohne OP als Frau!“
Ich für mich bin, was die (Selbst)einordnung nicht streng CIS- heteronormativ fühlender Menschen anbelangt, beim NIBD, wie es von Claudia Haupt beschrieben wird, setze aber niedriger, also bereits bei CD / DWT / all jenen, die mit 'gegengeschlechtlichem' Verhalten etwas anfangen können, an. Unterschiede zu trans* sehe ich nur insofern als hier die Ausprägung intensiver ist und wir über den Bedarf an medizinischer Intervention in die Fänge der Psychiatrie/ Ordnungspolitik geraten sind.
http://trans-evidence.com/wp-content/up ... itig_v.pdf
Ich sehe uns da alle miteinander* im selben Schlauchboot auf der Hohen See der gesellschaftlichen Beobachtung sitzen.

Für die sexuelle Orientierung (ein Zwillingneffe ist queer, bei Mehrlingsgborenen ist der Anteil mit homosexueller Orientierung - mit um die 25% - signifikant erhöht) sehe ich ähnliche Zusammenhänge, das führt hier aber zu weit.
Und da ich nicht glaube aber trotzdem nicht weiß, wünsche ich mir eine eine Antwort.
Diese Frage hat mich auch eine Zeit lang beschäftigt.
Hier schon mal ein Beitrag zum noch zu eröffnenden Faden :-)
Ich konnte sie mir (die ich mich den Agnostikern zurechne) mitlerweile rational beantworten:
Die Evolution hält sich immer mal ein Experimentierfeld offen. In der Fauna gibt's da ja hinlänglich Beispiele geschlechtlicher Flexibilität, warum sollte dies bei humanoiden Lebensformen anders sein? Weil ein entsprechendes Genschnipsel bei der 'Krone der Schöpfung' nicht sein darf?
Aus diesem Betrachtungswinkel heraus war es mir - zugegebenermaßen nicht emotionslos, jedoch nie mit dem 'Schicksal' hadernd - möglich, den Blick nach vorne und auf die gegebenen Optionen zu richten.
Leitsatz: Es ist, wie es ist. Was will / kann ich daraus machen?

Ganz liebe Grüße, auch von meiner Liebsten
Nikola

edit
* diese Selbstbeschreibung gilt auch für alle Anderen, da auch bei enbys / inter das Bewußtsein ein biochemischer Vorgang ist
Wer trans* sagt muss auch cis sagen

Klar definier ich mich binär :-)
01000110 % weiblich
Antworten

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