Der ganz normale tägliche Wahnsinn!
Verfasst: Fr 18. Dez 2020, 05:08
Es ist tagtäglich die schwerste Entscheidung, die ich zu treffen habe.
-»Was um alles in der Welt ziehe ich heute nur an?-«, fragte ich mich, nachdem ich den ersten Schock des Tages halbwegs verdaut habe "¦ Den "ºNach-dem-Duschen-Spiegelblick"¹, der mir wieder einmal mehr als deutlich macht, dass, würde ich jetzt am See baden gehen wollen, alle anderen Badegäste direkt mal zwei Meter am Hang nach oben rutschen würden, um nicht nass zu werden, wenn ich mich in die Fluten stürze "¦ Ich habe zugenommen. Ich sehe es genau "¦ Dort, ja, genau dort! Und jeder wird es sehen! "¦ Mindestens hundert Gramm! Wo kommen die bloß so schnell über Nacht her?
Dann stehe ich wieder einmal vor meinen Kleiderschränken. Sämtlich prall gefüllt mit Kleidern, Röcken, Blusen und Hosen in allen nur erdenklichen Formen und Farben "¦ und trotz der schon unter körperlichem Aufwand hineingequetschten schier riesigen Auswahl an Sachen will nichts, aber rein gar nichts so richtig zusammenpassen.
Jedenfalls nicht so, wie ich das möchte "¦
Und wieder einmal denke ich, es wäre leichter Mäuse zu melken "¦ Es erscheint mir schier ausweglos, jemals fertig zu werden, geschweige denn Termine einzuhalten "¦ Schminken muss ich mich ja am Ende auch noch "¦
Ich teste eine erste Auswahl.
Endlich habe ich mich in die Sachen hineingepult, husche auf Zehenspitzen zum Spiegel und schaue mich an "¦
Oh, mein Gott!, schießt es mir direkt durch den Kopf, und ich will mir die Haare raufen, die sich noch auf dem Styroporkopf befinden. Das ist einfach außerirdisch! Niemals!! Ich sehe ja aus wie ein Endsechziger-Kofferradio mit Zähnen und zu kurzgeratenen Haaren! Das geht nicht! "¦ Ich entscheide: Es liegt an der Strumpfhose, an der Farbe "¦ "ºIvory"¹ geht nicht! Ein helles "ºCamel"¹ wäre deutlich besser "¦
Ich hetze zur Kommode. -»Helles "ºCamel"¹! "¦ "ºCamel"¹! Wo habe ich die nur "¦ Ich hab' eine, ich weiß es!-« Es wird gesucht und gesucht: -»"ºTaupe"¹! Nein "¦ "ºFlanell"¹, zu dunkel "¦ "ºMastice"¹ "¦ Noch schlimmer! Geht gar nicht "¦ "ºCamel"¹ muss es sein!-« Dann fällt es mir ein "¦ Ich habe sie noch auf der Wäscheleine; im Keller!
Da stehe ich nun: angezogen und doch irgendwie "¦ nackt!
So gehe ich nicht vor die Tür. Auf dem Weg in den Keller könnte ich mich jemand sehen, in diesem Aufzug? Die Sachen passen nicht zusammen. Mist! Eher beendet Daniela Katzenberger ein Philosophiestudium, als das ich das Richtige finde "¦, denke ich knurrend und werfe mir vor, nicht drei Stunden früher aufgestanden zu sein. Um vier Uhr wäre gut gewesen. Da wäre ich sicher noch niemandem im Korridor begegnet und hätte die paar Stufen in den Keller ungesehen hinter mich bringen können. Okay, ich wäre von einer Deckung zur anderen gesprungen, aber es wäre zu schaffen gewesen "¦ Doch jetzt! Was nun? "¦ Ich muss mich umziehen "¦ Was passt zur Strumpfhose? Was passt da nur "¦?
Ich zögere und überlege: Oder laufe ich zum Fachgeschäft, wohne ja mitten in der Stadt? Ich blicke auf die Uhr "¦ Die haben noch nicht geöffnet! Vergiss es, "¦ und selbst wenn!
Meine Gedanken gehen zur Nachbarin, die halbschräg über mir wohnt. Sie ist schon älter und begrenzt sich räumlich auf ihre Fensterbank, sodass ihr nichts entgeht "¦ Ich weiß, sie wird sich wieder die Augen aus dem Kopf gucken, ihren faltigen Hals recken wie ein Enterich auf der Suche nach seiner Braut "¦ und später werde ich Tagesgespräch im Hausflur sein. -» Also, ich sage Ihnen, die junge Frau da unter mir: "¦ Die lief heute mal wieder unmöglich rum! Die hatte so eine Strumpfhose an. Also, ehrlich, ich sage ihnen: "¦!-«
Soweit will ich es nicht kommen lassen und beschließe, mich umzuziehen.
Inzwischen liegen schon ein Dutzend an Bügeln und doppelt so viele textile Shoppingerlebnisse herum.
Ich hopse zwischen meinen High Heels hin und her, die verstreut auf dem Boden liegen, nachdem ich mich unter den ersten vierundzwanzig nicht recht entscheiden konnte, die alle eine feine Nuance von Schwarz aufweisen — aber schwarz ist nicht gleich schwarz, wie ich anmerken möchte.
Ob ich vielleicht auch die Farbe meine Unterwäsche wechseln muss? Ich schaue an mir herunter. Nein, da blitzt nichts durch "¦ Sicher "¦?
Plötzlich glaube ich zu schwitzen wie ein Sumo-Ringer beim Marathonlauf im Hochsommer. Nervös laufe ich zum Spiegel, werfe einen prüfenden Blick hinein, drehe und wende mich "¦
Da?! Hab' ich da was gesehen? Ein genervtes Stöhnen bricht sich zwischen meinen verkniffenen Lippen bahn "¦ Nein. Ich habe mich getäuscht! Aber ich will ja eh was anderes anziehen, passend zur Strumpfhose "¦ Warum eigentlich? Ich könnte auch eine andere auswählen und dazu ein passendes Outfit suchen "¦ Ich entscheide mich für diese Möglichkeit "¦ Eine Schwarze sollte gehen. Die passt immer. Also aufgekrempelt, Füßchen rein, schwungvoll über die Zehen. langsam hochgerafft, am Bund ziehen und in hektischem Hüpftanz hinein bis der Zwickel im Schritt endlich sitzt wo er soll "¦
Mein Blick fällt auf die Uhr "¦ Ich habe eine halbe Stunde verloren.
Endlich ist es geschafft. Ich habe ein passendes Outfit an "¦
Abgekämpft, wie ein Holzfäller, der von seiner schweren Arbeit nach Hause kommt, schleppe ich mich in den Flur "¦
-»Spieglein, Spieglein an der Wand, meinst du Blümlein kann so ins Land "¦?-«
-»Nein, liebes Blümlein, das kannst du nicht "¦ Siehst du die Laufmasche am Schenkel denn nicht?!-«
-»Ich glaub' mir fällt die Butter vom Brot-«, röchle ich wie eine Gans, die gestopft wird, und möchte schreien "¦ Endlich fertig zu werden erscheint mir inzwischen so erfolgversprechend wie der Versuch, die Deutsche Bank mit Muschelgeld aufkaufen zu wollen. Da kann man ja die Schwämmchen kriegen!, denke ich noch. Es ist aussichtlos!
Meine Frustrationstoleranz erreicht eine grenzwertige Schwelle. -»Das ist zum Schwanzausreißen!-«, fluche ich halblaut und wenig damenhaft vor mich hin. Obwohl, denke ich angesäuert, da erspare ich mir eine OP und weg soll das Ding ja eh mal "¦
Ich springe zurück, eine andere Strumpfhose suchen und komme mir wie ein am Pol verirrter Forscher vor. -»Ich muss noch so eine haben! Ich muss! Ich muss! Ich muss! "¦ Ich kaufe die Dinger immer doppelt und dreifach!-«
Irgendwann ist es dann geschafft.
Ich bin angezogen und geschminkt "¦
Das Seidentuch passt farblich nicht ganz und meine Haare? Ich atmete tief durch wie ein Prostatakranker, der gerade Wasser abschlägt "¦ Die würde man in Estland nicht einmal als Vorhang ans Fenster hängen "¦ Aber egal "¦
Inzwischen habe ich drei Tassen Kaffee getrunken, die Nase gestrichen voll und verspüre einen nervigen Drang, der mich dem Abort näherbringen möchte "¦ Aus unerklärlichem Grund schnüffle ich an meinen Achseln. Ich komme mir verschwitzt vor und habe das Gefühl heute noch gar nicht geduscht zu haben "¦ Ich blicke auf die Uhr und weiß, ich muss los "¦
Der ganz normale tägliche Wahnsinn, geht es mir durch den Kopf, als ich in meinen Wagen steige, hochblicke und meiner Nachbarin zuwinke "¦ Ich hab's gewusst, grummle ich in mich hinein und lasse den Motor kommen "¦
-»Was um alles in der Welt ziehe ich heute nur an?-«, fragte ich mich, nachdem ich den ersten Schock des Tages halbwegs verdaut habe "¦ Den "ºNach-dem-Duschen-Spiegelblick"¹, der mir wieder einmal mehr als deutlich macht, dass, würde ich jetzt am See baden gehen wollen, alle anderen Badegäste direkt mal zwei Meter am Hang nach oben rutschen würden, um nicht nass zu werden, wenn ich mich in die Fluten stürze "¦ Ich habe zugenommen. Ich sehe es genau "¦ Dort, ja, genau dort! Und jeder wird es sehen! "¦ Mindestens hundert Gramm! Wo kommen die bloß so schnell über Nacht her?
Dann stehe ich wieder einmal vor meinen Kleiderschränken. Sämtlich prall gefüllt mit Kleidern, Röcken, Blusen und Hosen in allen nur erdenklichen Formen und Farben "¦ und trotz der schon unter körperlichem Aufwand hineingequetschten schier riesigen Auswahl an Sachen will nichts, aber rein gar nichts so richtig zusammenpassen.
Jedenfalls nicht so, wie ich das möchte "¦
Und wieder einmal denke ich, es wäre leichter Mäuse zu melken "¦ Es erscheint mir schier ausweglos, jemals fertig zu werden, geschweige denn Termine einzuhalten "¦ Schminken muss ich mich ja am Ende auch noch "¦
Ich teste eine erste Auswahl.
Endlich habe ich mich in die Sachen hineingepult, husche auf Zehenspitzen zum Spiegel und schaue mich an "¦
Oh, mein Gott!, schießt es mir direkt durch den Kopf, und ich will mir die Haare raufen, die sich noch auf dem Styroporkopf befinden. Das ist einfach außerirdisch! Niemals!! Ich sehe ja aus wie ein Endsechziger-Kofferradio mit Zähnen und zu kurzgeratenen Haaren! Das geht nicht! "¦ Ich entscheide: Es liegt an der Strumpfhose, an der Farbe "¦ "ºIvory"¹ geht nicht! Ein helles "ºCamel"¹ wäre deutlich besser "¦
Ich hetze zur Kommode. -»Helles "ºCamel"¹! "¦ "ºCamel"¹! Wo habe ich die nur "¦ Ich hab' eine, ich weiß es!-« Es wird gesucht und gesucht: -»"ºTaupe"¹! Nein "¦ "ºFlanell"¹, zu dunkel "¦ "ºMastice"¹ "¦ Noch schlimmer! Geht gar nicht "¦ "ºCamel"¹ muss es sein!-« Dann fällt es mir ein "¦ Ich habe sie noch auf der Wäscheleine; im Keller!
Da stehe ich nun: angezogen und doch irgendwie "¦ nackt!
So gehe ich nicht vor die Tür. Auf dem Weg in den Keller könnte ich mich jemand sehen, in diesem Aufzug? Die Sachen passen nicht zusammen. Mist! Eher beendet Daniela Katzenberger ein Philosophiestudium, als das ich das Richtige finde "¦, denke ich knurrend und werfe mir vor, nicht drei Stunden früher aufgestanden zu sein. Um vier Uhr wäre gut gewesen. Da wäre ich sicher noch niemandem im Korridor begegnet und hätte die paar Stufen in den Keller ungesehen hinter mich bringen können. Okay, ich wäre von einer Deckung zur anderen gesprungen, aber es wäre zu schaffen gewesen "¦ Doch jetzt! Was nun? "¦ Ich muss mich umziehen "¦ Was passt zur Strumpfhose? Was passt da nur "¦?
Ich zögere und überlege: Oder laufe ich zum Fachgeschäft, wohne ja mitten in der Stadt? Ich blicke auf die Uhr "¦ Die haben noch nicht geöffnet! Vergiss es, "¦ und selbst wenn!
Meine Gedanken gehen zur Nachbarin, die halbschräg über mir wohnt. Sie ist schon älter und begrenzt sich räumlich auf ihre Fensterbank, sodass ihr nichts entgeht "¦ Ich weiß, sie wird sich wieder die Augen aus dem Kopf gucken, ihren faltigen Hals recken wie ein Enterich auf der Suche nach seiner Braut "¦ und später werde ich Tagesgespräch im Hausflur sein. -» Also, ich sage Ihnen, die junge Frau da unter mir: "¦ Die lief heute mal wieder unmöglich rum! Die hatte so eine Strumpfhose an. Also, ehrlich, ich sage ihnen: "¦!-«
Soweit will ich es nicht kommen lassen und beschließe, mich umzuziehen.
Inzwischen liegen schon ein Dutzend an Bügeln und doppelt so viele textile Shoppingerlebnisse herum.
Ich hopse zwischen meinen High Heels hin und her, die verstreut auf dem Boden liegen, nachdem ich mich unter den ersten vierundzwanzig nicht recht entscheiden konnte, die alle eine feine Nuance von Schwarz aufweisen — aber schwarz ist nicht gleich schwarz, wie ich anmerken möchte.
Ob ich vielleicht auch die Farbe meine Unterwäsche wechseln muss? Ich schaue an mir herunter. Nein, da blitzt nichts durch "¦ Sicher "¦?
Plötzlich glaube ich zu schwitzen wie ein Sumo-Ringer beim Marathonlauf im Hochsommer. Nervös laufe ich zum Spiegel, werfe einen prüfenden Blick hinein, drehe und wende mich "¦
Da?! Hab' ich da was gesehen? Ein genervtes Stöhnen bricht sich zwischen meinen verkniffenen Lippen bahn "¦ Nein. Ich habe mich getäuscht! Aber ich will ja eh was anderes anziehen, passend zur Strumpfhose "¦ Warum eigentlich? Ich könnte auch eine andere auswählen und dazu ein passendes Outfit suchen "¦ Ich entscheide mich für diese Möglichkeit "¦ Eine Schwarze sollte gehen. Die passt immer. Also aufgekrempelt, Füßchen rein, schwungvoll über die Zehen. langsam hochgerafft, am Bund ziehen und in hektischem Hüpftanz hinein bis der Zwickel im Schritt endlich sitzt wo er soll "¦
Mein Blick fällt auf die Uhr "¦ Ich habe eine halbe Stunde verloren.
Endlich ist es geschafft. Ich habe ein passendes Outfit an "¦
Abgekämpft, wie ein Holzfäller, der von seiner schweren Arbeit nach Hause kommt, schleppe ich mich in den Flur "¦
-»Spieglein, Spieglein an der Wand, meinst du Blümlein kann so ins Land "¦?-«
-»Nein, liebes Blümlein, das kannst du nicht "¦ Siehst du die Laufmasche am Schenkel denn nicht?!-«
-»Ich glaub' mir fällt die Butter vom Brot-«, röchle ich wie eine Gans, die gestopft wird, und möchte schreien "¦ Endlich fertig zu werden erscheint mir inzwischen so erfolgversprechend wie der Versuch, die Deutsche Bank mit Muschelgeld aufkaufen zu wollen. Da kann man ja die Schwämmchen kriegen!, denke ich noch. Es ist aussichtlos!
Meine Frustrationstoleranz erreicht eine grenzwertige Schwelle. -»Das ist zum Schwanzausreißen!-«, fluche ich halblaut und wenig damenhaft vor mich hin. Obwohl, denke ich angesäuert, da erspare ich mir eine OP und weg soll das Ding ja eh mal "¦
Ich springe zurück, eine andere Strumpfhose suchen und komme mir wie ein am Pol verirrter Forscher vor. -»Ich muss noch so eine haben! Ich muss! Ich muss! Ich muss! "¦ Ich kaufe die Dinger immer doppelt und dreifach!-«
Irgendwann ist es dann geschafft.
Ich bin angezogen und geschminkt "¦
Das Seidentuch passt farblich nicht ganz und meine Haare? Ich atmete tief durch wie ein Prostatakranker, der gerade Wasser abschlägt "¦ Die würde man in Estland nicht einmal als Vorhang ans Fenster hängen "¦ Aber egal "¦
Inzwischen habe ich drei Tassen Kaffee getrunken, die Nase gestrichen voll und verspüre einen nervigen Drang, der mich dem Abort näherbringen möchte "¦ Aus unerklärlichem Grund schnüffle ich an meinen Achseln. Ich komme mir verschwitzt vor und habe das Gefühl heute noch gar nicht geduscht zu haben "¦ Ich blicke auf die Uhr und weiß, ich muss los "¦
Der ganz normale tägliche Wahnsinn, geht es mir durch den Kopf, als ich in meinen Wagen steige, hochblicke und meiner Nachbarin zuwinke "¦ Ich hab's gewusst, grummle ich in mich hinein und lasse den Motor kommen "¦