Erstaunlich progressiver Artikel für die NZZ! Ich bin geradezu begeistert. Allerdings greift er an einigen Stellen noch ein bisschen zu kurz, denn beispielsweise die Attraktionsparameter wie "Sanduhrfigur" sind nicht universell, sondern abhängig von Wohlstand, etc. Meist ist gerade das attraktiv, was gerade seltener ist...
Die "statistischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern" sind auch so eine Sache, wo Setting, Versuchsaufbau, Tn-Auswahl, Fragestellung,
Priming,
Framing und der
Bias der Forschenden großen EInfluss haben können, und bisher nicht klar ist, ob hier irgendwie biologisch determinierte Unterschiede gemessen werden, oder die Folgen der Erziehung, etc. Analogie: Je nachdem wo auf der Welt getestet würde, könnten große Unterschiede in der Wahrnehmungsfähigkeit von Lauten festgestellt werden, abhängig von der Sprache, die als Kind gelernt wurde; Chinesisch vs. Zulu vs. Deutsch.
Der wesentliche Knackpunkt: "Wir sind der Biologie nicht ausgeliefert" - d.h. auch alle Entschuldigungen der Art "Männer/Frauen sind eben so" sind Quatsch und reine Bequemlichkeit.
Und zum zweiten: Wenn die Biologie von Männchen und Weibchen spricht, dann hat das mit "Mann" und "Frau" im Sinne von Rollen etc. erst mal nix zu tun. Sprachliches Problem wieder: Nur ein Wort - bzw. zwei - für ein riesiges Konglomerat aus Vorgaben, Erwartungen und Konventionen. Vielleicht sollte die Biologie in ihrer Fachsprache tatsächlich ganz andere Begriffe verwenden. Das wäre noch so ein Ding, dass ich da gerne gelesen hätte. Zutrauen würde ich ihm so einen Satz
