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Metastudie zur Hormonersatztherapie

Verfasst: So 29. Nov 2020, 12:15
von NikolaAusR
Hallo Alle,

ein Team um C. C. Haupt hatte es sich zur Aufgabe gemacht, eine Cochrane International- Metastudie zur HRT zu erstellen.

Das ernüchternd Ergebnis ist hier zu finden:
https://trans-evidence.com/unser-system ... varianten/

Re: Metastudie zur Hormonersatztherapie

Verfasst: So 29. Nov 2020, 13:03
von Jaddy
Deckt sich mit meinem Eindruck. Ich war echt geschockt, als ich mich 2017 da reingefuchst habe, um meine eigene DIY HET zu planen. Es gab (und gibt) kein verlässliches Wissen, welche Strategie zu welchen persönlichen Ausgangslagen und_oder Absichten passt. Es gibt nur schwache statistische Aussagen zu Folgen und Risiken bestimmter Medikation. Langzeit ohnehin nicht. Auch die Tests und Vorsichtsmassnahmen dienen größtenteils der Absicherung der Ärztys, um bei irgendwelchen Problemen die Schuld von sich weisen zu können ("hab ja alle vorgeschriebenen Tests gemacht [auch wenn k1 weiss, ob die wirklich was ausschliessen]"). Tatsächlich geht die WPATH Strategie in die Richtung: mach mal ungefähr so - ohne irgendwelche Präventionen - und wenn was passiert reagiere fachlich angemessen.

Wir können insofern ziemlich froh sein, dass die Langzeitrisiken von 17b-Estradiol bzw Testosteron ziemlich klein sind - und Blocker meist nur wenige Jahre genommen werden. Das beste ist immer noch, sich selbst schlau zu machen, sich zu beobachten und bei Bedarf auf ausprobieren und Varianten zu drängen.

Re: Metastudie zur Hormonersatztherapie

Verfasst: So 29. Nov 2020, 13:08
von Phi
:P wer würde sich als trans* Person für eine Randomisierte Kontrollierte Studie (RCT) rekrutieren lassen um randomisiert HRT vs. Placebo zu erhalten? ... wird es nie geben... Viele Fragestellungen in der Medizin werden (u.a. aus ethischen Gründen) niemals über den "gold standard" RCT geklärt werden.

Bin jedenfalls auf die nächste Iteration gespannt.

Liebe Grüße,
Phi

Re: Metastudie zur Hormonersatztherapie

Verfasst: So 29. Nov 2020, 15:07
von Jaddy
Den Goldstandard vielleicht nicht, aber unter welchen Nebenbedingungen welche der Blocker-Methoden/Medis sinnvoller als andere sein könnten, welche der Verabreichungen, ob, wann und wie Progesteron, das sind alles so Fragen, die aktuell auf dem Stand von erfahrungsbasiertem Handwerk sind, statt erforschter und einigermassen gesicherter Erkenntnis. Meines Wissens gibt es auch wenig bis kaum Vernetzung der Praktikys hierzulande. Deshalb sind so gesammelte Erkenntnisse der betroffenen Personen und Sammlungen wie /r/MtFHRT so wichtig.

Re: Metastudie zur Hormonersatztherapie

Verfasst: So 29. Nov 2020, 17:22
von Phi
Jaddy hat geschrieben: So 29. Nov 2020, 13:03 Auch die Tests und Vorsichtsmassnahmen dienen größtenteils der Absicherung der Ärztys, um bei irgendwelchen Problemen die Schuld von sich weisen zu können ("hab ja alle vorgeschriebenen Tests gemacht [auch wenn k1 weiss, ob die wirklich was ausschliessen]").
Ganz allgemein: Arztpersonen möchten in erster Linie den zu behandelnden Personen keinen Schaden zufügen und Behandlungen oder Eingriffe so sicher wie möglich gestalten. Vorhergehende Tests und nachfolgende Verlaufskontrollen dienen in erster Linie der Sicherheit der zu behandelnden Person. Das ist zumindest meine Sichtweise.
Jaddy hat geschrieben: So 29. Nov 2020, 15:07 statt erforschter und einigermassen gesicherter Erkenntnis
Es ist sehr schwer, Studien zu designen und aufzusetzen, Sponsoren und Partner zu finden. Selbst wenn die ersten Hürden überwunden sind, dann kommt das Problem der Rekrutierung, Behandlung und Nachsorge. Jeder Schritt kostet viel Arbeitskraft und ist teuer - gerade wenn lange Nachbeobachtungszeiten erforderlich sind, wird es richtig schwierig.
Ich habe fünf Jahre an einer Uniklinik gearbeitet und musste/durfte wissenschaftlich arbeiten (selbstverständlich nebenher, weil die Routine ja laufen muss). Ich habe Studienplanung, Finanzierung und Versicherung etc. miterlebt - kein Spaß. Habe Studienpatienten rekrutiert, aufgeklärt, behandelt, nachgesorgt. Und ich bin immer noch in teils großen internationalen Studien als "(Sub-)investigator" tätig - natürlich nebenher (gibt auch kein extra Geld, falls diese Frage kommen sollte)... Es ist super aufwändig.
Ich habe in den Jahren gesehen, wie Studien mit aufregenden Fragestellungen gestartet sind und wegen zu langsamer Rekrutierung "abgestorben sind", oder noch vor dem Start gecancelt werden mussten, weil neue Erkenntnisse zur Prüfsubstanz die aktuelle Fragestellung sinnlos machte. Oder Zwischenanalysenhaben gezeigt dass...

Die Hürden für Studien (gerade sehr hochwertige RCTs) und der Aufwand sind wirklich hoch. Und nicht alles kann mit RCT beantwortet werden. Es gibt ja auch viele andere Studientypen, die gute Erkenntnisse liefern (Kohortenstudien, Fall-Kontroll-Studien).

Aber ebenso wichtig, wie die Qualität der Studien, ist die Einordnung und Interpretation der Ergebnisse/Erkenntnisse.

Re: Metastudie zur Hormonersatztherapie

Verfasst: Di 1. Dez 2020, 14:28
von Moghediena
Ich durchforste seit einiger Zeit das Internet (wie jeder andere hier sicher auch) nach allerlei Informationen bezüglich Hormone und die verschiedenen Einnahmearten und ich glaube, dass ich auch ein solides Wissen (als Nicht-Mediziner) erworben habe bezüglich Dosierung und so.

Dabei kommt mir sicherlich zu Gute, dass ich sehr gut englisch kann, denn es gibt nur sehr wenige wirklich interessante und ausführliche Forschungsberichte, die meisten in englisch. Das Meiste was man da so findet ist nichtssagendes bla bla, was sich über zig Seiten wiederholt. Da schreibt einer vom anderen ab. Nur wenn man genau zwischen den Zeilen lesen kann findet man hier und da ein paar Neuigkeiten ergattern.

Wenn man dann noch auf den Zeitstempel guckt, dann merkt man wie wenig da überhaupt passiert.


Das Problem bei der Forschungssituation ist, dass der ganze Bereich Transgender eher klein ist. Auch wenn das Interesse bei einzelnen Forschungsgruppen durchaus da ist, ist es vermutlich schwierig einen Geldgeber für die Forschung zu finden. "Interessant" reicht da leider nicht für eine Studie aus. Die Frage ist doch eher wie viel Geld kann man am Ende mit der gewonnenen Erkenntnis verdienen. Da ist die Erforschung von Massenproblemen sicherlich lukrativer. Das selbe Problem gibt es doch immer wieder bei diversen entsprechend seltenen Krankheiten, wo wenig bis gar nicht nach besseren Medikamenten geforscht wird. Die Zielgruppe (und somit das Geldverdienpotential) ist viel zu gering.

Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass es schwierig wird für eine Langzeitstudie entsprechende Freiwillige zu finden. Ein Nicht-TG wird kaum über nen Jahr tonnenweise Hormone schlucken, die ihn dann komplett verändern. Ein TG wiederum wird sicherlich nur bedingt bereit sein über entsprechend lange Zeiträume nur Plazebo zu schlucken für die Referenzwerte.

Gruß
Moghediena