Liebe Alex
Als aller erstes möchte ich mein tiefes Mitgefühl zu dir aussprechen, wir alle können von dir lesen, in welcher verflixten Situation du dich momentan befindest.
Ich weiß auch nicht ob meine Worte hier überhaupt eine Relevanz haben, weil ich halt nicht so kompetent reagieren kann wie andere Mitglieder des Forums, trotzdem "drängt" es mich dir meine Gedanken auch erzählen zu wollen.
Und ich will auch gleich zu Anfang dich um Entschuldigung bitten, weil meine Antwort höchstwahrscheinlich weniger den Fokus auf dich und das Thema Trans legen wird, als evtl im Vorfeld vermutet.
Warum?
Weil es in meiner Wahrnehmung nicht nur darum geht. Das was du bisher erzählt hast liebe Alex, ist schlimm, und ich verstehe auch deine Worte und dein Erzähltes über deine Frau, aber in meiner Wahrnehmung ist das nicht (nur) der eigentliche Kern.
Eure Beziehung (so habe ich es verstanden) steht ja nicht nur in der Herausforderung im um Ungang mit dem Thema Trans als Eltern, sondern es gibt da noch mehr. Und falls ihr beide euch (auf der Gefühlsebene) bereits in einem Trennungsprozess befindet und es womöglich kaum noch gegenseitigen Respekt füreinander gibt(?), dann gleicht eine Trennung nur noch einem Krieg, den man selbst unbedingt gewinnen will. Jede Verletzungsmöglichkeit die man beim anderen finden kann, könnte genutzt werden um egoistisch auf Gedeih oder Verderb sein eigenes Ziel erreichen zu können. Unter solchen Voraussetzungen gibt es nur Verlierer, niemals einen Gewinner, liebe Alex.
Alex.. sry, deine Fragestellung ist in Emotionen geschrieben und (für mich leider auch) egoistisch formuliert, verzeih mir bitte meine brutalen Worte.

Du stehst nicht auf dem Schlachtfeld! Es geht hier nicht darum wer gewinnt. Wir reden hier über ein menschliches Wesen, euer Kind, dass niemanden auf der Welt jemals gehören wird, er ist niemals Besitz

Ich vermute mal, dass deine Frau zutiefst verletzt ist, und dass momentan nur Wut, Frust, Angst und Verzweiflung aus ihr sprechen. Alex! Du kannst in so einem Moment mit niemandem klar reden, weil derjenige total in seinen Emotionen gefangen ist.
Für mich gibt es nur eine einzige Chance, und die heißt Ruhe und Geduld. Erst wenn bei ihr der Puls ruhig ist, und das wichtigste auch ihre Gedanken ruhiger geworden sind, eröffnet sich für dich eine annehmbare Chance, ihre Sichtweise über eure Trennung zu erweitern.
Alex! Du erreichst mit Druck nur Gegendruck und alle Beteiligten ernten nur Verletzungen.
Nun möchte ich zu deiner Frage kommen: "aber was bringt der Umgang wenn er ihn nicht möchte wegen ihr"
Gegenfrage: Was bringt es dir heute, über deine Frage so nachzudenken?
Keiner von uns kann in die Zukunft sehen, du nicht, ich nicht, und deine Frau auch nicht. Dass einzige was dir zeitnah passieren kann, wenn du dich deiner Frage ungeprüft hingibst, ohne deine eigen Gedanken dabei richtig zu lenken, ist ein Rattenschwanz von Negativigkeiten.
Weißt du Alex, mit einer Trennung darf man sich nicht nur noch auf seine Rechte als Elternteil besinnen, sondern auch auf seine Pflichten. Du stehst ebenfalls nach wie vor in der Verantwortung. Und wenn du vielleicht dein Verantwortungsbewusstsein als Elternteil sichtbar auch mit in den Vordergrund stellst, könnte es für dich selbst, deinen Sohn und auch deiner (Ex-) Frau gegenüber evtl Gutes nach sich ziehen. Das Gute soll nicht bedeuten es wird jetzt alles Friede, Freude, Eierkuchen. Ich finde halt alles ist Besser und Gut, sobald man sich nicht nur noch bekriegen will.
Es geht hier in eurer aktuellen Situation halt nicht nur um dich und deine Entwicklung als Transmensch, sondern auch um eure Entwicklung und euren Weg als gleichberechtigte Eltern, unabhängig davon wo wer wohnt.
Und genau das habe ich mir damals bei meiner Trennung von meinem Mann immer und immer wieder gesagt. Egal welche schlimmen Dinge Er uns angetan hatte, Er war/ist trotzdem immer noch das andere Elternteil. Niemals wollte ich, dass man mir meine Kinder wegnimmt, und deswegen wollte ich ihm auch nie unsere Kinder vorenthalten.
Eine Zwickmühle und nicht leicht, ich weiß, trotzdem bin ich nie von diesem Gedanken abgekommen
Natürlich empfinde ich Anne-Mette's Rat hier sehr sehr wertvoll


Trotzdem wäre meine Sichtweise nicht nur deine Kraft darin zu investieren. Mitgefühl, trotz aller Schwere auch für die Situation deiner Frau aufzubringen, versuchen ihr Denken zu verstehen, wäre für mich ebenso wichtig. Du brauchst Klarheit was gerade in ihr passiert. Um dies erreichen zu können ist Geduld erforderlich. Und Mut und Kraft ihre Worte dann auch aushalten zu wollen/zu können. Und ich vermute sie wird dich nicht gleich mit offenen Armen empfangen, wenn du ein Gespräch zu ihr suchst. Alex auch das braucht echt wieder deine Güte und dein Mitgefühl dafür

Ich wünsche mir für euch drei aus tiefsten Herzen, dass ihr irgendwann respektvoll und gleichberechtigt euren Umgang miteinander pflegen könnt, denn schließlich haben sich einmal 2 Menschen ineinander verliebt, und daraus ist ein kleines Wunder (euer Sohn) entstanden. Erinnere dich bitte immer wieder an die guten Fasetten deiner Frau, die, in die du dich einst verliebt hattest. Diese Fasetten sind noch immer in ihr, sie strahlen gerade nur nicht so intensiv wie früher
Ich bin in Gedanken bei dir/euch.

Gib nicht auf liebe Alex

Verliere nicht den Mut

Und achte bitte auf dich und deine Gedanken
Namaste
