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Tanzschule in Husum: Frau-Frau und Mann-Mann

Verfasst: Di 13. Okt 2020, 17:23
von Anne-Mette
Moin,

"eigentlich" sollte es selbstverständlich sein, denke ich, aber es ist wohl noch ein "besonderes Angebot":

https://www.dance-fun.net/erwachsene/mannmann-fraufrau/

Gruß
Anne-Mette

Re: Tanzschule in Husum: Frau-Frau und Mann-Mann

Verfasst: Do 15. Okt 2020, 09:09
von sbsr
Hallo,

Tanzsport ist so ziemlich die konservativste Freizeitbeschäftigung, die es gibt. Ich glaube davor kommen nur noch Gentlemens' Clubs.

Nur als kleines Beispiel, vor ein paar Jahren gab es bei der Deutschen Meisterschaft der Formation einen mittleren Skandal, weil die TänzerInnen eines Teams mit (Achtung!) ihrer natürlichen Haarfarbe getanzt haben und nicht alle gleich gefärbt.

Lustigerweise sind bis zur Jugend auf Turnieren Paare aus zwei Mädchen zugelassen, sofern eine erkennbar den Herren darstellt. Im Breitensport sieht man das auch öfters, in höheren Klassen dann weniger. Zwei Jungs hingegen, wovon einer die Dame tanzt und am Ende auch noch ein Kleid trägt, völlig undenkbar.

Parallel zur normalen gesellschaftskonformen Tanzwelt hat Equality Dance in den letzten Jahren zunehmend auf sich aufmerksam gemacht. Abseits vom alteingesessenen Turniertanz werden eigene Turniere veranstaltet, auf denen jegliche Kombinationen zugelassen sind. In "normalen" Kreisen des Tanzsports ist das ein Dorn im Auge und wird entsprechend abfällig betrachtet, wo kämen wir denn da hin?!

Der rege Zulauf des Equality Dance und vermutlich die Nachfrage gleichgeschlechtlicher Paare nach Tanzkursen zwingt immer mehr Tanzschulen ein Angebot dafür zu schaffen. Wie andere Branchen leben auch die von ihren Kunden, da ist jedes Mittel recht solche zu gewinnen.

Traurig ist, dass es scheinbar immer noch eine Parallelwelt für gleichgeschlechtliche Paare braucht.

Re: Tanzschule in Husum: Frau-Frau und Mann-Mann

Verfasst: Do 15. Okt 2020, 09:57
von Ulrike-Marisa
Moin,

..ich denke wie sbsr, dass das Angebot an solchen Kursen zunehmen wird, weil einfach die wirtschaftliche Notwendigkeit für Tanzschulen besteht, auch diesem Personenkreis Angebote bieten zu können.
Ich habe leider gar kein Talent zum tanzen und wenn gehts nur mit meiner Frau ein wenig.
Das Thema ist aber schon ganz oben in der Tanzwelt angekommen, siehe letzter Opernball in Wien, wo ein Frauenpaar tanzte, eine Frau aber einen Frack trug. Nur so war es möglich, hat aber mächtig Staub aufgewirbelt; alle haben es aber scheinbar unbeschadet überstanden...

Grüße, Ulrike-Marisa :wink:

Re: Tanzschule in Husum: Frau-Frau und Mann-Mann

Verfasst: Do 15. Okt 2020, 10:50
von Michi
Ulrike-Marisa hat geschrieben: Do 15. Okt 2020, 09:57 Das Thema ist aber schon ganz oben in der Tanzwelt angekommen, siehe letzter Opernball in Wien, wo ein Frauenpaar tanzte, eine Frau aber einen Frack trug. Nur so war es möglich, hat aber mächtig Staub aufgewirbelt;
Hallo Ulrike-Marisa,

aber das ist doch genau der Punkt, den Svenja beschrieben hat. Bei zwei Frauen wird das eventuell gerade so toleriert, aber nur, wenn von denen eine von beiden den "Mann" spielt. Das Lesbische wird nicht wirklich ernst genommen, während das Schwule weiterhin wie der Teufel höchst srlbst behandelt wird.

Liebe Grüße
Michi

Re: Tanzschule in Husum: Frau-Frau und Mann-Mann

Verfasst: Do 15. Okt 2020, 11:03
von Anne-Mette
MichiWell hat geschrieben: Do 15. Okt 2020, 10:50 Das Lesbische wird nicht wirklich ernst genommen, während das Schwule weiterhin wie der Teufel höchst srlbst behandelt wird.
Das kann ich so nicht sehen.
In Dänemark gewannen am 29 November 2019 Jakob Fauerby und Silas Holst "Wild med dans". Es war keine Frage von "Teufel höchst persönlich"*.

Der Wiener Opernball hat eine lange Geschichte und tut sich schwer mit der Auflösung der Frage "wer der Mann ist", weil sie davon ausgehen, dass der Mann führt - und dass auch im Gesamtbild (wenn Du mal einen Bericht über den Opernball gesehen hast, weißt Du, was ich meine), kein Paar besonder herausfällt. Das ist geregelt bist in das kleinste Detail.

*Nachtrag
Es hat zwar auch Drohungen gegeben und Missfallensäußerungen (die allerdings bei anderen Teilnehmenden auch schon vorgekommen sind), aber schließlich wurde durch Gewinn der Saison gezeigt, dass sie als Paar überzeugt haben und dass sie von Jury und Publikum als das beste Tanzpaar anerkannt und gewählt worden sind.


Gruß
Anne-Mette

Re: Tanzschule in Husum: Frau-Frau und Mann-Mann

Verfasst: Do 15. Okt 2020, 12:55
von Michi
Anne-Mette hat geschrieben: Do 15. Okt 2020, 11:03
MichiWell hat geschrieben: Do 15. Okt 2020, 10:50 Das Lesbische wird nicht wirklich ernst genommen, während das Schwule weiterhin wie der Teufel höchst srlbst behandelt wird.
Das kann ich so nicht sehen.
In Dänemark gewannen am 29 November 2019 Jakob Fauerby und Silas Holst "Wild med dans". Es war keine Frage von "Teufel höchst persönlich".
Hallo Anne-Mette,

das Beispiel aus Dänemark war mir nicht bekannt. Ich habe auch ad hoc keine deutschsprachige Meldung dazu im Netz gefunden. Anscheinend besteht wenig Interesse, solche Beispiele in Deutschland zu publizieren, da es ja eher nicht das Bild zeichnet, was hier bei uns in vielen Köpfen noch sehr verhaftet ist. Dafür war das Frauenpaar beim Wiener Opernball doch recht präsent, und es wurde immer wieder erleichtert berichtet, dass natürlich eine der beiden den männlichen Part spielt. In diesem Zusammenhang wurde auch immer wieder festgestellt, dass ein Männerpaar völlig undenkbar sei.

Meine von dir zitierte Aussage bezog sich eher generell auf die im deutschsprachigen Raum gesellschaftlich noch sehr verbreitete Einstellung zu schwuler und lesbischer Sexualität, die durch das Auftreten schwuler und lesbischer Paare getriggert wird. Das hätte ich vielleicht noch ergänzen sollen.


Beste Grüße
Michi

Re: Tanzschule in Husum: Frau-Frau und Mann-Mann

Verfasst: Do 15. Okt 2020, 13:01
von sbsr
Anne-Mette hat geschrieben: Do 15. Okt 2020, 11:03 In Dänemark gewannen am 29 November 2019 Jakob Fauerby und Silas Holst "Wild med dans".
Im deutschen Format "Let's Dance" tanzte Kerstin Ott mit, die als lesbische Frau die Herren Rolle übernahm. Tänzerisch hatte sie schlichtweg keine Chance recht weit zu kommen, insofern kann man nicht beurteilen, wie es um die Sympathie der Zuschauer bestellt war.

Ich frage mich dabei nur immer, was geht nur weil die Kamera dabei ist, und weil es Teil einer Show ist. Diese typisch Privatfernsehen komplett überladenen und letztlich Konsum-getriebenen Unterhaltungssendungen haben nur sehr begrenzt etwas mit der Wirklichkeit zu tun. Man kann nur immer wieder hoffen, dass solche (dafür durchaus wichtigen!) Fernsehauftritte dafür sorgen, dass lesbische und schwule Paare in den Tanzschulen genauso zum Alltag gehören, wie es im TV den Anschein macht.

Re: Tanzschule in Husum: Frau-Frau und Mann-Mann

Verfasst: Fr 16. Okt 2020, 13:03
von ExUserIn-2026-01-22
Anne-Mette hat geschrieben: Di 13. Okt 2020, 17:23
"eigentlich" sollte es selbstverständlich sein, denke ich, aber es ist wohl noch ein "besonderes Angebot":

https://www.dance-fun.net/erwachsene/mannmann-fraufrau/
Habe ich mal von deren Seite kopiert:
"Mann/Mann Frau/Frau - Beim Tanzen sind wir alle gleich! Also Tanz doch mit wem du willst!"
Das spricht ja auch erst mal nichts dagegen. Was ich nur komisch finde ist, daß Ballett bei dieser Tanzschule unter "Ladys only" geführt wird - und die Jungs/Männer, die dürfen kein Ballett lernen/tanzen?

Jennifer

Re: Tanzschule in Husum: Frau-Frau und Mann-Mann

Verfasst: Fr 16. Okt 2020, 16:55
von Marlene K.
Der Equality Tanz ist im Deutschen Breitensport fest verankert, auch im DTV. Schon in meiner Zeit in Köln bis 2010 habe ich bei Mondial Porz mit einem Mann ganz selbstverständlich am Training teilgenommen. Die Entwicklung fing so um 2005 an im Breitensport anzukommen.
https://www.tanzsport.de/de/sportwelt/f ... e/equality
https://www.tsc-mondial.de/
https://www.tsc-mondial.de/veranstaltun ... tyturniere
Besonders spannend fand ich es immer mit Führungswechsel zu tanzen, grandios beim Wiener Walzer. Leider habe ich nie wieder einen Tanzpartner gefunden...

Re: Tanzschule in Husum: Frau-Frau und Mann-Mann

Verfasst: Fr 16. Okt 2020, 17:02
von Marlene K.
Meine letzte Erfahrung mit dem Tanzen war dann leider nicht so erfreulich. Ich hatte mich bereit erklärt, einem lesbischen Tanzpaar für drei Tage eine Bleibe zu bieten für die Europameisterschaften hier in Berlin.
Den jungen Damen, ein "Tomboy" und eine "Femme", war es peinlich mit mir öffentlich gesehen zu werden und sie gaben mir in meiner Wohnung das Gefühl unerwünscht zu sein. Beim Ansprechen des Problems drucksten sie herum und sagten, dass ein Transvestit halt peinlicher sei als eine Butch... ich habe sie nicht rausgeworfen... bin ich zu gutmütig oder einfach nur blöd?

Trotzdem war es schön meinen früheren Trainer wieder zu sehen, der bald hinten über fiel ob meiner Weiblichkeit.