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Politisch korrekte Sprache - Muss das sein?
Verfasst: So 27. Sep 2020, 09:17
von Michi
Hallo zusammen,
ich möchte gerne den aktuellen Beitrag aus der Reihe "13 Fragen" des ZDF zur Diskussion stellen.
Nachtrag wegen der schnellen Antworten:
Es soll hier vor allem um den Beitrag gehen. Also schaut euch bitte den Beitrag an, bevor ihr antwortet.
Sprache als Waffe: Politisch korrekte Sprache - Muss das sein?
In der aktuellen Gender-Debatte gerät die deutsche Sprache immer stärker zwischen die Fronten. Diskriminierungsfreie Sprache wird gefordert. Vorwürfe zu Redeverbot, Einschränkung der Meinungsfreiheit werden laut. Wer darf nun was, wie sagen?
Und weiter auf YouTube ...
Was denkt ihr: Können wir so sprechen, dass alle sich wohl und niemand beleidigt fühlt? Müssen wir Sprache dafür ganz grundsätzlich überdenken oder geht die Debatte an den eigentlichen Problem vorbei? Kann eine diskriminierungsfreie und genderspezifische Sprache unsere Gesellschaft gerechter machen? Und wenn ja, soll diese dann beispielsweise an Schulen, Universitäten oder auch auf dem Amt für alle verbindlich eingeführt werden? Darüber müssen wir sprechen: Bei 13 FRAGEN finden wir Kompromisse!
Beste Grüße
Michi
Re: Politisch korrekte Sprache - Muss das sein?
Verfasst: So 27. Sep 2020, 09:25
von ExUserIn-2026-04-08
Hi Michi,
für mich ist die korrekte Sprache vom Kontext abhängig. Im allgemeinen Sprachgebrauch unter Freunden kann das mMn gelassener gesehen werden als bei offiziellen Anlässen. Der Überdruss der sich bei manchen Menschen einstellt, ist für mich genauso nachvollziehbar, wie der Wunsch nach Sichtbarkeit bisher vernachlässigter Menschen. Zu allererst ist aber diese Diskussion eine, die heute oftmals von Menschen initiiert wird, die mehr eine Spaltung denn ein versöhnliches Auskommen suchen Das ist schade und ich fühle in dieser Frage Machtlosigkeit.
Re: Politisch korrekte Sprache - Muss das sein?
Verfasst: So 27. Sep 2020, 09:43
von Olivia
Hallo zusammen,
Zur Frage "Politisch korrekte Sprache - Muss das sein?" - Die Antwort lautet meiner Meinung nach unbedingt JA. Die Frage ist nur, wie es praktisch vollzogen werden kann, also wie es vernünftig gemacht wird...
Vernünftig heißt, dass Sprache sprechbar und verständlich bleiben muss ohne künstliche Konstruktionen zu verwenden, die unsinnig sind aber dennoch nicht 50% der Bevölkerung diskriminiert.
Liebe Grüße von Olivia
Re: Politisch korrekte Sprache - Muss das sein?
Verfasst: So 27. Sep 2020, 09:44
von Jasmine
Ich bemühe mich täglich meine Worte korrekt zu wählen. Aber auch ich bin nicht vollkommen, sodass mir auch Fehler unterlaufen können. Persönlich finde ich es wichtig mich so zu verhalten, das ich niemanden durch meine Worte oder Handlungen kränke oder beleidige.
Liebe Grüße Jasmine
Re: Politisch korrekte Sprache - Muss das sein?
Verfasst: So 27. Sep 2020, 09:54
von Michi
@all
Es soll hier vor allem um den Beitrag gehen. Also schaut euch bitte den Beitrag an, bevor ihr antwortet.
Re: Politisch korrekte Sprache - Muss das sein?
Verfasst: So 27. Sep 2020, 10:05
von Jasmine
Liebe Michi, ich habe auf die Frage bei 0.40 geantwortet. Auch möchte ich noch ein wenig über den Beitrag nachdenken.
Liebe Grüße Jasmine
Re: Politisch korrekte Sprache - Muss das sein?
Verfasst: So 27. Sep 2020, 10:21
von Michi
Liebe Jasmine,
ich würde mich freuen, nochmals von dir zu lesen.
@all
Es ging mir ja genau nicht darum, von allen hier wieder nur ihre ganz persönliche Einstellung einzusammeln. Dazu hätte ich den Beitrag nicht gebraucht. Viel mehr möchte ich über die unterschiedlichen Positionen und Sichtweisen der Beteiligten diskutieren.
Liebe Grüße
Michi
Re: Politisch korrekte Sprache - Muss das sein?
Verfasst: So 27. Sep 2020, 16:49
von Wally
Sprache ist das Demokratischste, was es überhaupt gibt: sie wird vom Volk durch unmittelbaren, täglichen, gemeinsamen Gebrauch definiert und ständig weiterentwickelt. Rechtschreiblexika wie der Duden schreiben eine Sprache nicht vor, sie
beschreiben sie: sie schauen dem Volk aufs Maul, und was dort bei Leuten, die in der Sprache aufgewachsen sind, überwiegend Verwendung findet, das gilt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung als orthografisch und grammatikalisch "richtig".
Einem Volk einen bestimmten, "politisch korrekten" Sprachgebrauch von oben her vorschreiben zu wollen, um damit auf das Denken der Leute einzuwirken, ist ein klassisches Charakteristikum totalitärer Diktaturen. Es ist nicht nur entlarvend für antidemokratischen Geist, es hat zudem auch noch nie wirklich funktioniert. Beispiel gefällig? Der "größte Feldherr aller Zeiten" war unter den Nazis eine politisch korrekte Bezeichnung des Führers; das Volk machte daraus in ironischem Gehorsam den "GröFaZ" - und jeder wußte, was das bedeutete, da konnten die Nazi-Schergen noch so dagegen wüten... Man kann zwar die Leute mit vielerlei Repressalien dazu zwingen, bestimmte, vorgeschriebene Worte oder Schreibwesen zu verwenden - aber man kann sie (Gottseidank!) NOCH nicht daran hindern, sich dabei ihre eigenen Gedanken zu machen und dem aufgezwungenen Wort auf längere Sicht eine andere Bedeutung zu geben als von der Sprachpolizei beabsichtigt. Ob man "Mohr" oder "Neger" oder "Schwarzer" oder "Farbiger" oder "People of colour" sagt, bleibt letztlich egal: das Volk wird auf längere Sicht immer wieder seine eigenen, aktuellen Assoziationen mit dem jeweils gerade als politisch korrekt geltenden Wort verbinden, anstatt seine Grundhaltungen nach den Intentionen der SprachwächterInnen

auszurichten.
Gegenderte Sprache verwende ich persönlich gelegentlich im Umgang mit Transgendern, z. B. hier im Forum; da macht das ausnahmsweise wirklich mal Sinn, weil es in dieser speziellen Gemeinschaft die Genauigkeit des Ausdrucks verbessern kann. Aber draußen im Alltag macht es für mich zuallermeist
keinen Sinn: da versteht man mich sehr gut und genau, wenn ich z. B. von der Kramp-Karrenbauer als "dem Verteidigungsminister" anstatt "der Verteidigungsministerin" spreche. Und wetten: spätestens in 10 Jahren werden die Feministen selber das Wort "Verteidigungsministerin" gar nicht mehr so gerne hören wollen - wenn nämlich das Volk aus einschlägiger Erfahrung unter einer "Verteidigungsministerin" oder "Soldatin" etwas
qualitativ Anderes versteht als unter einem Verteidigungsminister oder Soldaten. Das Volk denkt selber, und in einer Demokratie ist das Volk der Souverän - bitte nicht vergessen.
Herzliche Grüße
Wally
Re: Politisch korrekte Sprache - Muss das sein?
Verfasst: So 27. Sep 2020, 19:03
von Jaddy
Der prototypische "alte weisse Mann", Thorsten Schulz, den sie da eingeladen hatten, Unterzeichner dieses (bescheuerten) Aufrufs, lieferte zwei der interessantesten Beiträge - und zwar durch sein Nichtverstehen.
Zum einen mit der Lächerlichmachung der "sogenannten Opfergruppen, in Anführungszeichen", auf die Marius Jung treffend antwortete, dass er das als weisser Mann, also Top-Privilegiengruppe, nicht wirklich nachvollziehen kann.
Zweitens, als er von Aufoktruierung sprach und das auch auf z.B. Medien oder Universitäten bezog, die Sprachregelungen geben.
Da fehlte ihm auf der einen Seite total der Gedanke, dass sich eben Menschen durch bestimmte Sprache verletzt, negativ einsortiert bzw. Vorurteilen ausgesetzt fühlen, und auf der anderen Seite Institutionen in ihrer Aussenwirkung solche Negativwirkung vermeiden wollen und dürfen.
Überhaupt kam erst ganz zum Schluss mal zur Sprache, dass hinter jeder neuen Sprachform tatsächliche Bedürfnisse von Menschen stehen. Die als "Opfergruppen in Anführungszeichen" abzuwerten ist genauso respektlos, wie diskriminierende Begriffe zu verwenden, obwohl 1 ganz genau weiss, dass sich wer davon verletzt fühlt. Immerhin hat Thorsten Schulz ganz klar gesagt, dass Individuen auf jeden Fall Anspruch darauf haben, nach ihren Massgaben angesprochen zu werden.
Nicht von der Hand zu weisen ist interessanterweise das Argument von Nele Pollatschek, dass durch Gendersprachregelungen das Thema Geschlecht immer größer und sichtbarer wird. Ähnlich zu Beginn Marius Jung, dass bestimmte Wörter durch aktive Vermeidung immer bedeutsamer werden; "Voldemort-Effekt".
Neles Lösung, generell Merkmale in Sprache wegzulassen, sehe ich auch so, aber bei dem Vorschlag, doch z.B. das generische Maskulinum zu verallgemeinern, unterschlägt sie, dass althergebrachte Formen eben auch althergebrachte Denke mitschleppt.
Vielleicht müssen aber Themen wie Alltagsrassismus und Diskriminierung wg Gender erst mal etwas größer gemacht werden, um wirklich ins Bewusstsein der nichtbetroffenen Mehrheit zu gelangen. Damit die wiklich verstehen, was sie alltäglich bei anderen anrichten mit ehemals gelernter Sprache und unüberlegtem Verhalten, die eben "immer schon so waren", aber eben auch damals nicht okay. Der Gedanke fehlte mir in den Beiträgen auch ein wenig.
Der wichtigste Outcome solcher Diskussionen, aber auch von einem gewissen sozialen Druck zu gerechterer, respektvollerer Sprache wäre für mich, dass sie irgendwann ganz selbstverständlich ist und damit jene, die absichtlich oder aus Ignoranz als herabsetzend empfundene Sprache benutzen dadurch auch klar erkennbar sind. Also kein Menschen mehr behaupten kann, von nichts zu wissen.