Wally hat geschrieben: Mi 23. Sep 2020, 11:57
Männer und Frauen haben (angeboren!) unterschiedliche Emotionen - wobei sich die vermutlich nicht qualitativ, sondern nur quantitativ unterscheiden,
Wally hat geschrieben: Mi 23. Sep 2020, 11:57
Da haben Frauen beispielsweise einen stärkeren Brutpflegetrieb, sie fahren viel mehr als Männer auf das "Kindchenschema" (großer Kopf etc.) auch bei Jungtieren ab ("Oooch, guck mal das Kätzchen, wie süüüß!"), sie sind andererseits z. B. viel weniger als Männer Wettbewerbs- und Hierarchie-orientiert.
Hi Wally,
das klingt nachvollziehbar und verständlich. Aber ich bin nicht so ganz überzeugt. Zum Einen sehen wir das bevorzugt, was wir sehen wollen, zum Anderen ist nicht gesichert, dass diese Unterscheidung nicht die Ursache, sondern das Produkt unseren Denkens ist. Es gibt ja jede Menge Tests und Versuche, das heraus zu bekommen. Aber wirklich schlüssig ist für mich nicht, dass das angeboren sein soll. Nur weil etwas plausibel ist, muss es nicht richtig sein. Gerade wenn Du die Quantität und nicht die Qualität der Emotionen in die Argumentation einbringst, ist das für mich ein Argument, dass die eher für eine soziale Prägung spricht.
Ich weiß es nicht, aber: der menschliche Geist ist extrem anpassungsfähig. Das hat man mit Hirnscans festgestellt. Ich erinnere nur an Untersuchungen mit Londoner Taxifahrer, deren Hirn im Bereich der Orientierung überdurchschnittliche Fähigkeiten oder an Jugendliche, die über verstärkte Hirnstrukturen auf Grund ihrer Motrik mit Smartphones haben. Warum soll das Geschlechtsempfinden nich angelernt sein ?
Auf der anderen Seite sind Begabungen auch nicht bei allen Menschen gleich verteilt. Vielleicht gibt es auch Grundanlagen für das Geschlecht. Gerade im Bereich der TS gibt es ja viele, die darauf schwören, dass es angeboren sei. Vielleicht gibt es auch für ein ähnliches Phänomen, sich im Gegengeschlecht wohl zu fühlen, unterschiedliche Ursachen.
Es gibt ja auch ein Phänomen, sie hat m.W. den Status ener Krankheit (ich habe den Namen vergessen), in der Menschen eigene Gliedmaßen als fremd ansehen und sie sich sogar abnehmen lassen wollen. Irgendwie scheinen wir eine Art innere Landkarte zu haben, die uns sagt, wie unser Körper aussieht. Es gibt eine Studie der Uni in Stockholm in der Menschen vorgegaukelt wird, eine falsche Hand sei ihre. Ein Schlag mit dem Hammer aud diese falsche Hand lässt in dem Menschen Schmerz spüren. Gedankenexperiment: Wir tragen eine VR-Brille und wenn wir an uns herunter schauen sehen wir unseren Körper nackt im Gegengeschlecht. Wie würden wir uns fühlen ? Ich habe das versucht, in dem ich meinen Kopf mit Photoshop auf einen nackten Körper gesetzt habe. Das ist mir recht gut gelungen. Mir ging es darum, meine Gefühle dabei zu beobachten. Was soll ich sagen ? Mir gefallen diese Bilder und sie scheinen mir nicht unnatürlich. Wohingegen ich das Teil zwischen meinen Beinen zeitweise als weniger zu mir gehörig betrachte, wie meine künstlichen Brüste. Ich habe im Urlaub wochenweise komplett als Frau gelebt, um meine Emotionen dabei zu testen. Ich fühle mich wohl dabei, aber am Ende war ich entweder erschöpft oder traurig.
Aber reicht das wirklich, um mich als Frau zu fühlen ? Nicht so ganz. Ich habe weder einen verstärkten Sinn für das Kindchenschema noch für Wettbewerb- oder Hierachiedenken. Auch nicht in Phasen, in denen ich mehr zur Weiblich- oder Männlichkeit tendiere. Eine Frau darf mehr Emotion zeigen, ein Mann darf mehr Aggressionen besitzen. Aber warum ist das so ? Es gibt Gesellschaften, die sind anders strukturiert, z.B. das Matriachat, in der rechtliche Beziehungen in der weiblichen Linie organisiert sind. Das bedingt natürlich auch ein anderes Weltbild von Mann und Frau. Wie würden wir in einer solchen Gesellschaft leben ?
Was ist angeboren, was erlernt ? Die ewige Frage werde ich sicher nicht mehr beantworten können. Als eine Art "Mischwesen" lebe ich in dieser Welt. Da ist die Beantwortung der Frage nicht wirklich wichtig, denn sie dient nur dazu, Verantwortung und Schuld für mein doppeltes Dasein abzuwälzen. Als der liebe Gott des Geschlecht verteilt hat, habe ich zweimal "hier" geschrieen. Jetzt lebe ich einfach beides auf meine Art. Ich nutze Klischees in der Selbstdarstellung und lebe meine Sexualität auf beiden Seiten. Das ist übrigens ein großer Vorteil beim Älter werden, da ich meine Gefühle nicht an das Funktionieren eines Körperteils binde.
Stimmt es zwischen den Ohren, stimmt auch der Rest. Nicht die Ursache, warum etwas zwischen Ohren ist, wie es ist, ist von Bedeutung, sondern das es so ist. Also lebe ich mit BH und Bohrmaschiene. Dafür habe ich lange gebraucht und ich brauche auch noch Zeit dafür. Aber etliche Schritte sind gemacht.