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Zu viel Trans in den Medien? „ Argumentationshilfen

Verfasst: So 30. Aug 2020, 18:16
von Michi
Oft hört man ja von Normalos, dass unsereins viel zu viel in Film, Fernsehen, ... gezeigt würde.

Es treibt mich schon länger immer wieder mal um, wie man da sinnvoll dagegen argumentieren kann und warum es nicht falsch ist, dass Menschen wie wir, aber auch Homosexuelle dort häufiger zu sehen sind als im Alltag.

Dazu kam mir jetzt ein Gedanke:

Mörder, Schläger, Vergewaltiger, Diebe, Autounfälle und Verbrechen jeder Art werden doch in den Medien auch viel häufiger gezeigt und thematisiert, als dass sie uns im Alltag begegnen.

Warum beschweren sich die Leute darüber nicht, dann aber über uns?

Re: Zu viel Trans in den Medien? „ Argumentationshilfen

Verfasst: So 30. Aug 2020, 18:42
von Jaddy
Meine Küchenpsychologie kommt da mit einer Hypothese: "Wir" (Menschen ausserhalb der cis-het Norm, aber auch andere Minderheiten) kratzen an Weltbildern, an der einfachen, geregelten Alltagsrealität. Die unbedarften und nicht betroffenen werden fast schon gezwungen, sich damit zu beschäftigen und haben keinen Halt, keinen Ansatz dazu. Wie mache ich nichts falsch, warum sowas kompliziertes, auf was soll ich achten, die Deutungshoheit für richtig und falsch liegt plötzlich nicht mehr bei mir, sondern bei "denen". Und natürlich: Muss ich Angst davor haben? Wie wirken diese Menschen auf mein Leben ein?

Re: Zu viel Trans in den Medien? „ Argumentationshilfen

Verfasst: So 30. Aug 2020, 19:24
von Lavendellöwin
Jaddy hat geschrieben: So 30. Aug 2020, 18:42 "Wir" (Menschen ausserhalb der cis-het Norm, aber auch andere Minderheiten) kratzen an Weltbildern, an der einfachen, geregelten Alltagsrealität.

(smili) ja sehr gerne sogar!

wie hat meine Birgit mal gesagt? "Du wirfst halt alle Konzepte über den Haufen..."
fühl ich mich schlecht damit-nööö, kein bisschen..

und naja, wir wissen alle und damit meine ich alle das es die einfache, geregelte Alltagsrealität
doch gar nicht gibt, diese im Grund doch nur das Trugbild ist und eben nicht das wahre Sein...

ich find es zum Beispiel krank, Küken grosszuziehen, sie lieb zu haben und dann höchstpersönlich
auf den Grill zu packen. Dadrin steckt für mich ein Stück Perversion...

ach, wenn ich jetzt mehr schreibe, halten mich alle wieder für völlig durchgeknallt (ki)

alles Liebe Marie (flo)

Re: Zu viel Trans in den Medien? „ Argumentationshilfen

Verfasst: Mo 31. Aug 2020, 10:35
von Marlene K.
MichiWell hat geschrieben: So 30. Aug 2020, 18:16 Oft hört man ja von Normalos, dass unsereins viel zu viel in Film, Fernsehen, ... gezeigt würde.

Es treibt mich schon länger immer wieder mal um, wie man da sinnvoll dagegen argumentieren kann und warum es nicht falsch ist, dass Menschen wie wir, aber auch Homosexuelle dort häufiger zu sehen sind als im Alltag.

Dazu kam mir jetzt ein Gedanke:

Mörder, Schläger, Vergewaltiger, Diebe, Autounfälle und Verbrechen jeder Art werden doch in den Medien auch viel häufiger gezeigt und thematisiert, als dass sie uns im Alltag begegnen.

Warum beschweren sich die Leute darüber nicht, dann aber über uns?
Liebe Michi,
ein interessanter Ansatz so zu fragen. Eine möögliche Antwort liegt in Jaddys Argumenten.

Aber für die reine Sichbarkeit würde ich hinterfragen, ob queere Menschen wirklich häufiger zu sehen sind als im alltäglichen Leben. Ich denke, wir sind nur sichtbarer.

Im Alltagsleben werde ich fragend angestarrt und mit einer Irritation oder übergriffigen Bemerkung abgehakt, falls ich im Alltagstrubel überhaupt wahrgenommen werde. Küsse ich die falsche Person oder trage nicht für mich geschätzte Kleidung sehen dies nur wenige. Macht dies die Kellner*In im Film oder küsst der Polizist beiläufig seinen Freund richtet die Kamera den Focus auf sie und erlaubt uns kein Ausblenden. Würde nach der schieren Anzahl gedreht, wäre das "Problem" für die cis hetero normative Welt noch viel größer... übrigens auch bezogen auf Frauen in "Männerberufen", Behinderte oder für mich besser Menschen mit besondereren Voraussetzungen, rassisch oder herkunftsmäßig berurteilten Menschen... oder andere Abweichungen von der Mehrheit.

Aber wie sagt Jaddy so schön: Alles dies stört die vermeintliche Idylle ...oder könnte eine Bereicherung sein. Aber alles erfordert Denken und hinterfragen von tradierten Urteilen und wird von vielen als unbequem und anstrengend empfunden.
Liebe Grüße (dr)

Re: Zu viel Trans in den Medien? „ Argumentationshilfen

Verfasst: Mo 31. Aug 2020, 21:13
von Michi
Ralf-Marlene hat geschrieben: Mo 31. Aug 2020, 10:35 ...
Liebe Marlene,

danke für deine Antwort. Ein Gedanke, den ich noch anfügen möchte ...

Ein Problem was ich sehe sind zu umfangreiche und komplizierte Erklärungen. Vor Jahren hat mir mal jemand einige Zeit nach meinem Outing gesagt, dass man sich mit zu umfangreichen Erklärungen schnell verdächtig macht und an Glaubwürdigkeit verliert. Darum bin ich auf der Suche nach möglicht einfachen und für Otto und Ottilie NormalbürgerIn plausiblen Antworten.


Liebe Grüße
Michi

Re: Zu viel Trans in den Medien? „ Argumentationshilfen

Verfasst: Di 1. Sep 2020, 06:48
von Jasmine
MichiWell hat geschrieben: So 30. Aug 2020, 18:16 Oft hört man ja von Normalos, dass unsereins viel zu viel in Film, Fernsehen, ... gezeigt würde.
...........
Das habe ich in meinem Umfeld zwar bisher noch nicht gehört, eher musste ich Fragen von Interessierten beantworten. Diese beantwortete ich gerne, sofern sie mir angemessen gestellt wurden. Wenn die Politik wie zum Beispiel mit dem Referentenentwurf zeigt wie sie sich den Umgang mit transsexuellen Menschen vorstellt, kann doch nur Aufklärung ein sinnvolles Mittel sein. Ich bin Jasmine, weiblich und fühle mich als ein Teil der Gesellschaft.
Liebe Grüße Jasmine