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Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Verfasst: Sa 22. Aug 2020, 12:38
von heike65
Interessanter Artikel, vor allem wie man Rassismuss oder Diskriminierung empfinden kann.

https://www.moin.de/norddeutschland/sch ... 06384.html

Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Verfasst: Sa 22. Aug 2020, 13:35
von Marlene K.
heike65 hat geschrieben: Sa 22. Aug 2020, 12:38 Interessanter Artikel, vor allem wie man Rassismuss oder Diskriminierung empfinden kann.

https://www.moin.de/norddeutschland/sch ... 06384.html
Danke für den Artikel, liebe Heike...

...ich finde es immer gut, wenn ein Mensch wie hier einer Herabsetzung die Spitze nimmt in der er sie für sich als Grund zum Stolz nimmt. So war es ja auch mit dem Wort schwul, auch wenn dies bei jungen Menschen in Teilen wieder zum Schimpfwort geworden ist.

Trotzdem stehe ich hinter den Schwarzen Menschen in Deutschland, die die Umbennnenung der Mohrenstraße in Berlin in die Anton Wilhelm Amo-Straße durchgesetzt haben. Was als herabsetzend empfunden wird können nur die Betroffenen aushandeln...

Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Verfasst: Sa 22. Aug 2020, 13:51
von ExuserIn-2021-04-19
Ich habe einmal gelesen, dass die Chinesen ein Wort für Europäer haben, welches in etwa "Langnase" oder "Großnase" bedeutet.

Wer von euch fühlt sich davon beleidigt? Die Katja nicht, obwohl sie, als sie jung war, sehr darunter gelitten hat, kein Stuppsnäslein zu haben.

Der Schwiegersohn der Katja, ein dunkelhäutiger Mann aus Afrika, ist eher beleidigt, wenn er "Ar.....ch" genannt wird. "Mohrenkopf" findet er eher lustig.

Es kommt aber darauf an, wer Mohrenkopf zu ihm sagt. Wenn ich es sage, lacht er, wenn ein verdammter Nazi auf der Straße es zu ihm sagt, wird er wütend.

Die Katja wird schon wütend, wenn sie einen verdammten Nazi nur auf der Straße sieht, er braucht den Mund gar nicht aufmachen.

Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Verfasst: Sa 22. Aug 2020, 14:49
von Laila-Sarah
Katja hat geschrieben: Sa 22. Aug 2020, 13:51 Es kommt aber darauf an, wer Mohrenkopf zu ihm sagt. Wenn ich es sage, lacht er, wenn ein verdammter Nazi auf der Straße es zu ihm sagt, wird er wütend.
Mehr mus man nicht sagen. Wörter sind mehrdeutig und können negativ wie positiv benutzt werden. Vielleicht ist es gar keine schlechte Idee, Wörter, die sehr viel negatives potenzial haben aus der Umgangssprache herauszunehmen.

Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Verfasst: Sa 22. Aug 2020, 20:22
von Michi
Laila-Sarah hat geschrieben: Sa 22. Aug 2020, 14:49 Vielleicht ist es gar keine schlechte Idee, Wörter, die sehr viel negatives potenzial haben aus der Umgangssprache herauszunehmen.
Liebe Laila,

das kann man zwar machen, doch das Problem ist, wenn solche Wörter mit Sprechverboten belegt werden, dass sie nicht nur viel mächtiger werden können, und in einer Form gebraucht werden, gegen die man sich schlechter wehren kann .. so in der Art: "Neger darf man ja nicht mehr sagen." Zudem bringen Sprechverbote etliche Substitutionen hervor, die nichts am Problem ändern, und unter Umständen noch schwerer zu bekämpfen sind.

Nein .. im Gegenteil .. ich finde es großartig und machtvoll, was der Wirt da gemacht hat. Und die Story mit dem Paar, welches den Chef sprechen und nicht akzeptieren wollte, dass es sagt, er sei es selbst, zeigt mehr als deutlich, dass das Problem nicht im Gebrauch bestimmter Worte, sondern im Denken verwurzelt ist. Auch nicht die eigene.. nicht-weise .. Hautfarbe schützt nicht davor, rassistisch zu denken und zu handeln!

Was man statt Verboten auch noch tun kann, ist, den Wörtern ihre Macht zu nehmen. Marlene hat es bereits mit den Schwulen angedeutet, und ich habe es in der Vergangenheit auch schon mehr als einmal angebracht: Das Geusenwort. Aber lies selbst ...

https://de.wikipedia.org/wiki/Geusenwort


Liebe Grüße
Michi

Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Verfasst: So 23. Aug 2020, 08:45
von Martha_P_57
bei uns in Ludwigsburg gibt es auch ein "Cafe Mohrenkööpfle". Dies besteht schon seit 1937. Der Besitzer möchte trotz Protesten mancher Bevölkerungsgruppen den Namen nicht ändern. www.mohrenkoepfle-cafe.de
Ich denke, dass dies auch nicht sein muss und dass dadurch Niemand diskriminiert wird.
Zu Zeiten als noch US-Amerikaner in Ludwigsburg stationiert waren, war dies von Soldaten oft besucht auch von farbigen.

Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Verfasst: So 23. Aug 2020, 09:39
von Engelchen
Meine rein persönliche Meinung:

Ich war mit einer Rumänin verheiratet und mein Sohn mit ihr geboren - ich empfinde mich also alles andere als Ausländerfeindlich.

Ich kann vieles nachvollziehen und auch unterstützen.

Aber wir leben in Deutschland und haben auch eine Kultur die es zu schützen gilt.
Ich sehe nicht ein das 60 Millionen Deutsche auf ihre Kultur nicht stolz sein sollen.

Bei manchen Dingen die nun ständig umbenannt werden sollen weil angeblich Ausländerfeindlich kann ich das nicht nachvollziehen.
Dinge die seit über 100 Jahren so exestieren und sich niemand darüber aufgeregt hat soll nun völlig anders sein?
Schaut doch mal in andere Länder - denen ist das völlig schnuppe.

Wie gesagt meine Meinung und einige Dinge kann ich ja verstehen.
Ein dunkelhäutiger wird von mir auch nicht als "Neger" bezeichnet.

Aber bleibt ein Mohrenkopf weiterhin auch so - und ich empfinde dabei nichts ehrverletzendes.

Lisa

Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Verfasst: So 23. Aug 2020, 09:49
von ExuserIn-2020-11-14
MichiWell hat geschrieben: Sa 22. Aug 2020, 20:22 Das Geusenwort.
Ich denke, wir sollten alte Bezeichnungen einfach beibehalten - von mir aus auch als Geusenwort. Oder hat der Mohr jetzt seine Schuldigkeit getan und kann gehen?

Liebe Grüße
Die Transe Erika

Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Verfasst: So 23. Aug 2020, 10:10
von Laila-Sarah
Hallo,

Also meine generelle Denkweise ist immer: Behandle andere wie du gerne behandle werden möchtest.

Wen es uns nicht eben Tradition ist alle dunkelhäutigen Menschen über den Neger-/Mohrkamm zu scheren - denn man soll ja lieb gemeinte Kultur nicht ändern.
Warum stört es dann wenn andere uns alle über den Schwuchtel-/Tuntenkamm scheren? Schließlich geht es auch mehrere hunderte von Jahren so und muss ja nichts negatives bedeuten. Genau beim ersteren ist man nicht betroffen und dann nimmt man es gelassen und beim zweiteren ist man betroffen und dann geht es gar nicht. Das ist womit ich ein Problem habe.

VlG

Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Verfasst: So 23. Aug 2020, 10:13
von Maximiliana
Guten Tag:)
Katja hat geschrieben: Sa 22. Aug 2020, 13:51
Die Katja wird schon wütend, wenn sie einen verdammten Nazi nur auf der Straße sieht, er braucht den Mund gar nicht aufmachen.
Da würde mich interessieren woran du den "Nazi" erkennst, denn die schwarz-weiß-roten Armbinden dürften die allerwenigsten noch "öffentlich" tragen !?
MichiWell hat geschrieben: Sa 22. Aug 2020, 20:22
Laila-Sarah hat geschrieben: Sa 22. Aug 2020, 14:49 Vielleicht ist es gar keine schlechte Idee, Wörter, die sehr viel negatives potenzial haben aus der Umgangssprache herauszunehmen.
, dass das Problem nicht im Gebrauch bestimmter Worte, sondern im Denken verwurzelt ist. Auch nicht die eigene.. nicht-weise .. Hautfarbe schützt nicht davor, rassistisch zu denken und zu handeln..


Liebe Grüße
Michi

Ich sehe es ähnlich, nicht die Wörter sind das Problem, sondern das wir es negativ interpretieren oder zu was negativen machen .

Ich selbst bin vermutlich auch nicht immer in allen Lebenslagen zu 100% politische korrekt im Sprachgebrauch, aber ich denke dabei auch nicht böse oder möchte irgendwen diffamieren sondern es sind Wörter, die einfach im Sprachgebrauch vorkommen und für MICH keinerlei negative oder herabwürdugende Bedeutung haben..allerdings versuche ich schon Rücksicht auf andere zu nehmen, die sich davon verletzt fühlen könnten, weil sie es eben anderst verstehen könnten.. ob mir das immer gelingt ? Ich weiß es nicht, aber wer mich erlebt, wie ich mit Menschen umgehe , egal welcher Ethik, Religion, Herkunft what ever, der weiß, dass ich keine Unterschiede mache...

Auch denke ich, dass durch Verbote manchen Wörtern erst die Macht gegeben wird, die es versucht wird zu vermeiden...
Von daher finde ich das Beispiel "Geusenwort" gar nicht so verkehrt..

Auf der anderen Seite, Sprache war schon immer im Wandel und wir müssen auch nicht zwanghaft an alten Schemata festhalten...

Mein Wort zum Sonntag, genießt den Tag und erholt euch gut :*

Liebe Grüße Maxi )))(:

Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Verfasst: So 23. Aug 2020, 11:07
von conny
Erich_Erika hat geschrieben: So 23. Aug 2020, 09:49
Ich denke, wir sollten alte Bezeichnungen einfach beibehalten...
Kriterium sollte grds.sein, ob sich die mit den "alten" Bezeichnungen gemeinten Menschen verletzt und abgewertet fühlen oder nicht. Daraus ergibt sich entsprechender Handlungsbedarf. Im Übrigen ändern sich in einem gesellschaftlich zivilisatorischen Lernprozess (was besseres fällt mir gerade nicht ein) ja immer wieder die Einstellungen der Gesellschaft gegenüber einzelnen Gruppen und damit das Bedürfnis entsprechender Anpassungen.
Es gibt ja z.B. auch keine Krüppel mehr und auch keine Behinderten, sondern Menschen mit einer Behinderung.

Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Verfasst: So 23. Aug 2020, 11:26
von Marlene K.
Lisa-Weber hat geschrieben: So 23. Aug 2020, 09:39 ...
Ich war mit einer Rumänin verheiratet und mein Sohn mit ihr geboren - ich empfinde mich also alles andere als Ausländerfeindlich.
...
Aber wir leben in Deutschland und haben auch eine Kultur die es zu schützen gilt.
Ich sehe nicht ein das 60 Millionen Deutsche auf ihre Kultur nicht stolz sein sollen.
...
Wie gesagt meine Meinung und einige Dinge kann ich ja verstehen.
Ein dunkelhäutiger wird von mir auch nicht als "Neger" bezeichnet.

Aber bleibt ein Mohrenkopf weiterhin auch so - und ich empfinde dabei nichts ehrverletzendes.

Lisa
Liebe Lisa,
es geht für mich nicht um Verbote sondern darum, sich etwas bewusst zu machen ...und dann eventuell zu ändern.

Rassistisches, vorurteilshaftes Denken hat jede*r Mensch (...auch ich) unabhängig von Hautfarbe und Partner*in, es sei denn, Mensch schafft es sich vollkommen unabhängig von der umgebenden Gesellschaft zu machen. Es geht nicht um Schuld. Es geht um Rspekt gegenüber anderen.

Es geht auch nicht um die deutsche Kultur. Die drückt sich für mich nicht in Worten aus, sondern im Denken und auch in dem Respekt gegenüber Minderheiten und anderen. Antirassistische Debatten bis hin zur Sprache finden in allen Gesellschaften statt und sind nichts rein (anti)deutsches.

Das Argument, was hundert Jahre richtig war kann doch heute nicht falsch sein lässt mich eher erschauern. Imperialsimus, Kaisertreue, Antisemitismus, Faschismus, Kolonialismus und deren Sprachgebrauch und unkommentierte Denkmäler werden heute glücklicherweise in Frage gestellt und ich weiß, dass auch Du das richtig so findest.

Für mein Empfinden sollten wir die Beurteilung, ob ein Begriff als verletzend empfunden wird von den Betroffenen abhängig machen. Selbst dort ist die Bewertung ja nicht einheitlich.

Ich würde es aber keinem CisMenschen überlassen, ob die Bezeichnung Transe, Tunte, Schwuppe, Schwuchtel oder Kerl in Frauenkleidern für mich verletzend ist oder ja nur eine reine Tatsachenfeststellung. Auf dieser Basis frage ich mich, ob wir es überhaupt entscheiden sollten, welche Begriffe, die ja Schwarze Menschen benennen heute als verletzend empfunden werden. Ich sage bewusst heute, weil ws in Zukunft und in der Vergangenheit ganz anders sein kann...

Ich hoffe, Du kannst die Kritik an Deinen Argumenten als das lesen, was sie für mich sind und empfindest sie nicht als eine Infragestellung Deiner Person. Du weißt, dass ich Dich sehr schätze, so weit ich Dich nach dem was Du hier sagst einschätzen kann.

Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Verfasst: So 23. Aug 2020, 11:40
von Engelchen
Ralf-Marlene hat geschrieben: So 23. Aug 2020, 11:26 Ich hoffe, Du kannst die Kritik an Deinen Argumenten als das lesen, was sie für mich sind und empfindest sie nicht als eine Infragestellung Deiner Person. Du weißt, dass ich Dich sehr schätze, so weit ich Dich nach dem was Du hier sagst einschätzen kann.
Selbstverständlich akzeptiere ich Kritik, alles gut.

Für mich gibt es auch dunkel Seiten in Deutschlands Geschichte und hoffe das sie immer im Gedächtnis bleiben und nie wieder um sich Greifen.
Sklavenhandel..., Hitler,... etc.

Und insofern bin ich da durchaus bei dir.

Auch ich bin mir manchmal nicht sicher ob ich da richtig denke und vor allem handle.
Wer ohne Sünde.... der werfe den ersten Stein...

Lisa

Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Verfasst: So 23. Aug 2020, 13:04
von ExuserIn-2021-04-19
M&M hat geschrieben: So 23. Aug 2020, 10:13 Da würde mich interessieren woran du den "Nazi" erkennst, denn die schwarz-weiß-roten Armbinden dürften die allerwenigsten noch "öffentlich" tragen !?
Na ja, ich erkenne ihn natürlich nur, wenn er sich zu erkennen gibt. Den Sinn deiner Frage erkenne ich zum Beispiel nicht.

Re: Restaurant Mohrenkopf, oder was wirklich rassistisch ist

Verfasst: So 23. Aug 2020, 13:11
von Michi
M&M hat geschrieben: So 23. Aug 2020, 10:13 Auf der anderen Seite, Sprache war schon immer im Wandel und wir müssen auch nicht zwanghaft an alten Schemata festhalten...
Liebe Maxi,

genau das denke ich auch. Der Zwang ist das Problem, was Widerstände generiert .. sowohl im zwanghaften Festhalten an alten Schemen, wie auch im Zwang durch Verbote. Der Wandel braucht Zeit .. muss gelebt und überlebt werden .. durch fakultative Änderungen aber wohl auch durch Wegsterben derer, die sich nicht mehr ändern können.


Liebe Grüße
Michi