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TAGESSPIEGEL Kolumne: Wer seine Gruppe immer gegen alle anderen verteidigt, grenzt selbst aus
Verfasst: Do 20. Aug 2020, 09:16
von Anne-Mette
Moin,
da ist sicherelich etwas dran.
Allerdings finde ich, dass in einigen Fällen ein gewisses Maß an Ausgrenzung gut und notwendig ist.
https://www.tagesspiegel.de/politik/wid ... 07758.html
Gruß
Anne-Mette
Re: TAGESSPIEGEL Kolumne: Wer seine Gruppe immer gegen alle anderen verteidigt, grenzt selbst aus
Verfasst: Do 20. Aug 2020, 12:21
von Marlene K.
Im Artikel wird gefragt, warum es in Deutschland keinen ähnlichen Aufruf gegen Cancel-(Un)kultur gibt. Da muss ich ausnahmsweise mal eine Lanze für unsere europäische Diskussionskultur brechen. Debatten werden nicht so hart geführt wie in den USA und wo doch gibt es Gegenstimmen. Als Beispiel fällt mir das Buch "Beißreflexe" von Patsy l'Amour la Love von 2017 aus dem Querverlag ein, in dem eione solche Debatte schon angestoßen wurde.
Re: TAGESSPIEGEL Kolumne: Wer seine Gruppe immer gegen alle anderen verteidigt, grenzt selbst aus
Verfasst: Fr 21. Aug 2020, 10:45
von Marlene K.
https://taz.de/Debatte-um-Identitaeten- ... /!5702485/
Die politische Perspektive wird inzwischen häufig durch eine kulturalistische ersetzt. Für Menschenrechte und Selbstbestimmung ist das gefährlich.
Dieser Artikel in der TAZ vom 19.08.2020 passt zu verschiedenen Diskussionen hier, zu dem Thema Monika Maron
viewtopic.php?f=158&t=20757 oder "Queer" als politisches Programm
viewtopic.php?f=5&t=20639 und anderen.
Ich finde ihn lesenswert, gerade weil er sichere Antworten verweigert.
Re: TAGESSPIEGEL Kolumne: Wer seine Gruppe immer gegen alle anderen verteidigt, grenzt selbst aus
Verfasst: Fr 21. Aug 2020, 12:09
von ExuserIn-2021-04-19
Aus dem von Anne-Mette geposteten Tagessspiegel-Artikel:
Würde ein Außerirdischer hier landen und jetzt angesichts von Klimawandel, Kriegen, Hunger und Seuchen die Themen und Heftigkeit der jüngsten Unkultur-Debatten erleben, er würde sich fragen: Haben diese Menschen nichts Wichtigeres? Oder sind alle gerade wahnsinnig geworden?
Meine Tochter ist als Entwicklungshelferin in Afrika tätig. Was sie erlebt und erzählt ist für mich kaum zu ertragen. Darum kann ich den oben zitierten Satz nur unterschreiben.
Was wir hier im Forum diskutieren sind Luxus-Probleme. Damit meine ich die Frage nach dem richtigen Lippenstift und auch die Frage, ob man denn Frau oder Mann ist.
Allen, die hier immer so gerne schreiben, das sie das wichtigste Problem der Welt haben, möchte ich bitten, sich doch einmal in die Lage der Mütter zu versetzen, die ihr verhungertes Baby im Arm halten.
Und jetzt bin ich gespannt, war als erstes schreibt, das sei ja wohl nicht ihr Problem.
Re: TAGESSPIEGEL Kolumne: Wer seine Gruppe immer gegen alle anderen verteidigt, grenzt selbst aus
Verfasst: Fr 21. Aug 2020, 13:18
von Marlene K.
Katja hat geschrieben: Fr 21. Aug 2020, 12:09
...
Allen, die hier immer so gerne schreiben, das sie das wichtigste Problem der Welt haben, möchte ich bitten, sich doch einmal in die Lage der Mütter zu versetzen, die ihr verhungertes Baby im Arm halten.
Und jetzt bin ich gespannt, war als erstes schreibt, das sei ja wohl nicht ihr Problem.
LIebe Katja,
ja, wir leben in Europa auf einer Insel, die aufbauend auf der kolonialen Geschichte und dessen weiter bestehenden Strukturen auf der Ausbeutung der jetzt wirtschaftlich abhängigen ehemaligen Kolonien in Reichtum und Sicherheit leben.
Ich widerspreche Dir aber, dass alles was wir hier diskutieren reine Luxusprobleme sind. Auch in vielen afrikanischen Staaten kämpfen queere Menschen ums Überleben, und das nicht nur weil sie Hunger leiden oder Krieg herrscht. Korrupte Regime werden nicht nur von unseren Regierungen gestützt um sie einfacher ausbeuten zu können, diese Regime setzen auch die Ausgrenzung von Minderheiten und Frauen als Ventil und Herrschaftsinstrument ein.
Wenn hier also einzelne politisch an "Luxusproblemen" arbeiten wie dem Recht auf eigene Identität schließt das für die meisten so politisch Denkenden die Solidarität mit dem Kampf gegen andere Unterdrückungsmethoden wie dem Fernhalten von Bildung und grundlegenden Lebensgrundlagen ein.
Für mich und einige die ich kenne ist dies ein Kampf ...auch wenn ich es nicht vermeiden kann selber als Teil dieser priviligierten Welt auf Kosten der armen Länder zu Leben und so, ob ich will oder nicht, mit Teil an der Unterdrückung habe.
Lass es uns, wenn Dich die Tatsachen genauso betroffen machen, gemeinsam Schritt für Schritt ändern bis alle Menschen die gleichen Chancen auf Bildung, sauberes Wasser, sichere Wohnung und Teilhabe haben. ...und sage nicht, dass wir keinen Einfluss haben. Den haben wir beim Einkaufen und Wählen oder bei der Mitarbeit in Organisationen.
Re: TAGESSPIEGEL Kolumne: Wer seine Gruppe immer gegen alle anderen verteidigt, grenzt selbst aus
Verfasst: Fr 21. Aug 2020, 13:55
von Laila-Sarah
Das Recht auf Selbstverwirklichung auf Gender-Ebene ist bestimmt ein sehr, sehr wichtiges Thema. Es muss aber eine Priorisierung von Problemen bei der Abarbeitung geben. Probleme wie Hunger, Seuchen, Armut, Kriege fallen unter die Kategorie Selbsterhaltung und kommen vor allen anderen Problemen. Also bildlich gesprochen: wenn jemand dich als Transe beleidigt währen jemand anderes dich abschlachten will, solltest du definitiv vor letzterem fliehen und ersteres solange ignorieren. Und wenn man die Probleme mit Hunger, Seuchen, Armut, Kriege löst, werden auch die Menschen vernünftiger und aufgeklärter mit der Zeit, was dann den Rest der Probleme zuvorkommt.
Irgendwo hatte ich mal gelesen:
Zuerst kommt das Brot und dann die Vernunft. Also mit Brot meint man hier glaube ich "Frieden und und ein Mindestmaß an Wohlstand"
Und hier kommt wieder die Sache mit dem Ausgrenzen. Denn, wenn man mit erhobenen Finger zu den Afrikanern geht und sagt "Nana, wie geht ihr denn mit LGBTI um!". Wird nichts passieren. Wenn man denen Frieden und Wohlstand ermöglicht als Gegenleistung eine Aufklärung und Liberalisierung verlangt. Dann wird wahrscheinlich eher ein Schuh draus.
Meine 2 Cent
Re: TAGESSPIEGEL Kolumne: Wer seine Gruppe immer gegen alle anderen verteidigt, grenzt selbst aus
Verfasst: Fr 21. Aug 2020, 17:28
von Michi
Katja hat geschrieben: Fr 21. Aug 2020, 12:09
Allen, die hier immer so gerne schreiben, das sie das wichtigste Problem der Welt haben, möchte ich bitten, sich doch einmal in die Lage der Mütter zu versetzen, die ihr verhungertes Baby im Arm halten.
Und jetzt bin ich gespannt, war als erstes schreibt, das sei ja wohl nicht ihr Problem.
Hallo Katja,
ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass hier irgendjemand ist, der/die schreiben würde, dass es ja nicht sein/ihr Problem wäre. Insofern sehe ich diese formulierte Erwartung als Totschlagargument, welches eine Diskussion von vorn herein abwürgen soll. Und das finde ich nicht gut.
Ich möchte ganz energisch widersprechen, wenn jemand den Versuch unternimmt, die Probleme einer Gruppe von Menschen mit dem Verweis auf andere Probleme irgendwo in der Welt kleinzureden oder wegdrücken zu wollen. Das ist eine Strategie, die gerne von Konservativen und Misanthropen angewendet wird, die tatsächlich nur verhindern wollen, dass sich etwas verändert und es anderen Menschen besser geht.
Es gibt keinen sachlichen Grund, unsere Probleme hinten an zu stellen, nur weil in Afrika Hunger herrscht. Davon, dass wir hier auf unsere Rechte verzichten, wird nämlich kein einziges Kind satt.
Michi
Re: TAGESSPIEGEL Kolumne: Wer seine Gruppe immer gegen alle anderen verteidigt, grenzt selbst aus
Verfasst: Fr 21. Aug 2020, 18:31
von Lavendellöwin
Katja hat geschrieben: Fr 21. Aug 2020, 12:09
Allen, die hier immer so gerne schreiben, das sie das wichtigste Problem der Welt haben, möchte ich bitten, sich doch einmal in die Lage der Mütter zu versetzen, die ihr verhungertes Baby im Arm halten.
Hi Katja..
ich würde es nicht ganz so hart wie Michi sehen, weil ich verstehe was du sagen möchtest.
Ich war in vielen asiatischen Ländern, Süd- und Mittelamerika und habe selbst so manches Leid gesehen.
Und trotz das manche bettelarm waren, wurde ich da mit Grossherzigkeit aufgenommen..
mehr sogar als in europäischen Ländern.
Was ich aber sagen möchte-kannst du dich in die Lage versetzen welchen Schmerz es verursacht, nicht
Mutter werden zu können, weil du mit einem überwiegend männlichen Körper auf die Welt gekommen bist?
Weisst du was mir fehlt, welcher Schmerz mein Herz zerreisst, mich unvermittelt zum weinen bringt,
wenn ich eine glückliche Mutter mit ihrem Baby sehe?
Ja, ich kann mir sehr gut den Schmerz vorstellen wenn das Kleine in den eigenen Armen verhungert, weil
ich einen ganz ähnlichen Trauerschmerz in mir trage...und nein das ist kein Luxusproblem!
Ich habe schon sehr oft hier geschrieben, das es nicht auf das Make-Up, oder das Kleid oder den Rock ankommt.
Das ist nicht wichtig..wirklich nicht..
Alles Liebe Marie

Re: TAGESSPIEGEL Kolumne: Wer seine Gruppe immer gegen alle anderen verteidigt, grenzt selbst aus
Verfasst: Sa 22. Aug 2020, 10:36
von Marlene K.
!EmmiMarie! hat geschrieben: Fr 21. Aug 2020, 18:31
...
Was ich aber sagen möchte-kannst du dich in die Lage versetzen welchen Schmerz es verursacht, nicht
Mutter werden zu können, weil du mit einem überwiegend männlichen Körper auf die Welt gekommen bist?
Weisst du was mir fehlt, welcher Schmerz mein Herz zerreisst, mich unvermittelt zum weinen bringt,
wenn ich eine glückliche Mutter mit ihrem Baby sehe?
...
Alles Liebe Marie
Danke für diese Sätze, liebe Marie...
Du sprichst das aus, was ich meist verberge. Dabei ist dieses sehen der Mütter ein großer Moment des Glücks, dass es so ein Wunder gibt, aber auch des eigenen Schmerzes.

Re: TAGESSPIEGEL Kolumne: Wer seine Gruppe immer gegen alle anderen verteidigt, grenzt selbst aus
Verfasst: Sa 22. Aug 2020, 11:40
von Jaddy
Ralf-Marlene hat geschrieben: Fr 21. Aug 2020, 13:18
Ich widerspreche Dir aber, dass alles was wir hier diskutieren reine Luxusprobleme sind. Auch in vielen afrikanischen Staaten kämpfen queere Menschen ums Überleben, und das nicht nur weil sie Hunger leiden oder Krieg herrscht.
Ich denke, das lässt sich insofern verbinden, dass wir uns um tatsächlich existenzielle Probleme kümmern könnten, wenn die menschengemachten mal wegfielen. Existenzielle Probleme sind für mich jene, über die Menschen nur begrenzt Kontrolle haben. Naturphänomene, auch Klimakrise, Krankheiten, Versorgung mit Grundbedüfnissen, positive Lebensperspektive. Menschengemachte sind hingegen von der Art "ich will aber dein Schäufelchen", "du hast doofe Ohren, deshalb hau ich dich" und "ich mach das auch wenn's dir schadet, einfach weil ich's kann". Also im outcome menschenfeindliche Glaubensideologien, Gier und kurzfristige Handlungen, die auf Kosten anderer gehen und mittelfristig allen auf die Füsse fallen.
Sprich: Wenn zum Beispiel queere Menschen einfach akzeptiert würden, wäre das schon mal eine Sache, um die sie sich nicht auch noch kümmern müssten.