Seite 1 von 1

FAZ: Warum Frauen so wenig Gehalt erwarten

Verfasst: Fr 7. Aug 2020, 11:51
von Anne-Mette
Moin,

etwas zum "Gender-Pay-Gap": https://blogs.faz.net/fazit/2020/08/03/ ... obal-de-DE

Gruß
Anne-Mette

Re: FAZ: Warum Frauen so wenig Gehalt erwarten

Verfasst: Fr 7. Aug 2020, 23:26
von Inga
Hi, Anne-Mette,

Soso, die Frauen sind selber schuld, dass sie weniger Geld bekommen...

Typisch FAZ. Warum zahlt der Arbeitgeber nicht einfach von sic aus den Fauen genau so viel wie Männern? Warum muss denn Gehalt für die Arbeit immer erst "eingefordert" werden? Das heißt doch, Arbeitgeber profitieren von Ungleichheiten, nicht nur generelle schlechtere Bezahlung von Frauen, sondern auch davon, Männern unterschiedlich viel bezahlen zu wollen.

Liebe Grüße
Inga

Re: FAZ: Warum Frauen so wenig Gehalt erwarten

Verfasst: Sa 8. Aug 2020, 10:07
von Aria
Inga hat geschrieben: Fr 7. Aug 2020, 23:26 Soso, die Frauen sind selber schuld, dass sie weniger Geld bekommen...

Typisch FAZ. Warum zahlt der Arbeitgeber nicht einfach von sic aus den Fauen genau so viel wie Männern? Warum muss denn Gehalt für die Arbeit immer erst "eingefordert" werden? Das heißt doch, Arbeitgeber profitieren von Ungleichheiten, nicht nur generelle schlechtere Bezahlung von Frauen, sondern auch davon, Männern unterschiedlich viel bezahlen zu wollen.
Hmm, ich schätze, du hast die Ergebnisse der Studie falsch gedeutet und den Artikel dementsprechend so gelesen, wie du es wolltest. Ich kann dem nämlich völlig zustimmen. Wäre ich in einem Angestelltenverhältnis würde ich, gemessen an der Berufserfahrung und der besetzten Stelle, das gleiche wie meine männlichen Kollegen verdienen. Ich verspüre heute aber weniger den Drang aufsteigen zu wollen als früher. Mir ist heute viel wichtiger, dass das Klima am Arbeitsplatz stimmt. Und ich weiss auch auch, dass das rauher wird, je weiter man hoch klettert. Also überlasse ich das mal anderen und gebe mich mit den Gebenheiten auf meiner Ebene zufrieden. Selbst schuld, könnte man also sagen. Stimmt sage ich, sehe es aber nicht so.

Re: FAZ: Warum Frauen so wenig Gehalt erwarten

Verfasst: Sa 8. Aug 2020, 10:50
von Anne-Mette
Moin,

das stimmt; es muss differenziert betrachtet werden.
Ich habe viel im öffentlichen oder kirchlichen Dienst gearbeitet. Da gab es keine unterschiedlichen Bezahlungen von Frau und Mann.

Gruß
Anne-Mette

Re: FAZ: Warum Frauen so wenig Gehalt erwarten

Verfasst: Sa 8. Aug 2020, 13:38
von Michi
Inga hat geschrieben: Fr 7. Aug 2020, 23:26 Typisch FAZ. Warum zahlt der Arbeitgeber nicht einfach von sic aus den Fauen genau so viel wie Männern? Warum muss denn Gehalt für die Arbeit immer erst "eingefordert" werden?
Liebe Inga, Liebe Alle,

allgemein ist es so, dass für einen Großteil der Arbeitsplätze tariflich oder zumindest innerbetrieblich Stundenlöhne bzw. Gehälter festgestelegt sind, und jeder Arbeitgeber, der da bewusst Unterschiede zwischen Frauen und Männern machen würde, würde sich eines hohen Risikos aussetzen. Ich habe dazu schon in der Vergangenheit von einem Gespräch mit meiner Schwester geschrieben, die mir als damals Betriebsratsvorsitzende erzählen wollte, dass das in ihrem Pflegeheim der Fall wäre. Tatsächlich hatte sie auch nur auf die Bruttoverdienste geschaut und ignoriert, dass die Männer fast ausschließlich Vollzeit arbeiten, während die Frauen umgekehrt fast ausschließlich Teilzeit arbeiten.

Bei den Gehältern, die verhandelt werden, geht es überwiegend um Führungspositionen. Und da haben Frauen wegen der schlechteren Work-Live-Balance grundsätzlich weniger Interesse, solche Positionen überhaupt anzunehmen. Bei Männern dürfte die Motivation wegen dem vermutlich höheren Ansehen aber auch nur ein Teilaspekt sein. Wenn sich die Partnerin gesellschaftlich akzeptiert um die Kinder kümmert, bleibt dem Mann auch nichts anderes übrig, als möglichst viel Geld nach Hause zu bringen, denn es wird gesellschaftlich erwartet, dass er seine Familie gut versorgt. Diesbezüglich besteht ein hoher Konformitätsdruck, der auch von der Partnerin ausgeht und gerne ignoriert wird. Ich kann da u.a. auch aus eigener Erfahrung berichten. Als mir bei meinem früheren Arbeitgeber eine Leitungstätigkeit angeboten wurde, habe ich das ausführlich mit meiner damaligen Frau besprochen, weil ich fand, dass das in einer Partnerschaft so sein sollte, dass man das gemeinsam beschließt. Ich habe auch darauf hingewiesen, dass meine Arbeit dadurch nicht weniger wird, und die ohnehin ungeregelten Arbeitszeiten noch schlimmer werden würden, ich mich darauf stützen müsste, dass sie mir zu Hause den Rücken frei hält. Sie hat mir vor allem deswegen zugeraten, weil es mehr Geld gab! (Übrigens hat sie im Gegensatz zu mir ganz eigenständig entschieden, in Teilzeit, und später in einen schlechter bezahlten Job zu wechseln oder ihre Arbeit aufzugeben.)

Nun will ich nicht behaupten, dass alle Frauen so denken, und viele unserer aufgeschlossen Partnerinnen sind da vermutlich auch schon weiter. Aber ein nicht so unerheblicher Teil in der Gesellschaft verlässt sich eben doch immer noch darauf, dass der Mann das Geld ran schafft.


Der einzige Fehler, den ich im FAZ-Artikel sehe, ist die Beschreibung des unbereinigten Gender-Pay-Gap. Der ist nämlich gerade nicht auf den Stundenlohn bezogen, sondern auf das Jahreseinkommen. Arbeitszeiten und andere Faktoren werden dabei gerade nicht berücksichtigt.


Liebe Grüße
Michi

Re: FAZ: Warum Frauen so wenig Gehalt erwarten

Verfasst: Sa 8. Aug 2020, 15:01
von Inga
Hi,

natürlich habe ich den Artikel "falsch" gelesen. Der sagt, weil Frauen in Verhandlungen nicht so hart fordern, verdienen sie weniger.

Klar, es gibt diverse Arbeitgeber, da verduienen Frauen und Männer und wer auch immer gleich, weil sie in der gleichen Tarifgruppe sind, z.b. gerade Öffentlicher Dienst, Kirchen und so.

Es gibt gerade private Arbeitgeber, die zahlen neben dem Einheitstarif außertarifliche Zuschläge oder bei denen gibt es gar keinen Tarifvertrag. Da werden Gehälkter, Einstufungen und/oder außertaruifliche Zulagen durchaus verhandelt, je nach Leistung und Ergebnis von Mitarbeitergesprächen - der, wie es der Blog andeutet, nach Forderungen, Verhandlungswillen und -geschick der Beschäftigten.

Außedem gibt es gerade bei dem aufwändigen Tarifgefüge etwa im Öffentlichen Dienst auch durch die Eingruppierung den Brutto-Betrag zu beeinflussen.

Die sicherheit der fairen Bezahlung ist locker individuell auf den Arbeitnehmer abgewälzt.

Liebe Grüße
Inga

Re: FAZ: Warum Frauen so wenig Gehalt erwarten

Verfasst: Sa 8. Aug 2020, 20:23
von Aria
Inga hat geschrieben: Sa 8. Aug 2020, 15:01 Hi,

natürlich habe ich den Artikel "falsch" gelesen. Der sagt, weil Frauen in Verhandlungen nicht so hart fordern, verdienen sie weniger.

Klar, es gibt diverse Arbeitgeber, da verduienen Frauen und Männer und wer auch immer gleich, weil sie in der gleichen Tarifgruppe sind, z.b. gerade Öffentlicher Dienst, Kirchen und so.

Es gibt gerade private Arbeitgeber, die zahlen neben dem Einheitstarif außertarifliche Zuschläge oder bei denen gibt es gar keinen Tarifvertrag. Da werden Gehälkter, Einstufungen und/oder außertaruifliche Zulagen durchaus verhandelt, je nach Leistung und Ergebnis von Mitarbeitergesprächen - der, wie es der Blog andeutet, nach Forderungen, Verhandlungswillen und -geschick der Beschäftigten.

Außedem gibt es gerade bei dem aufwändigen Tarifgefüge etwa im Öffentlichen Dienst auch durch die Eingruppierung den Brutto-Betrag zu beeinflussen.

Die sicherheit der fairen Bezahlung ist locker individuell auf den Arbeitnehmer abgewälzt.

Liebe Grüße
Inga
Jeder darf und kann beim Einstellungsgespräch und darüber hinaus, verhandeln. Dieses Recht steht jedem zu. Wie er/sie es anpackt, ist eine individuelle Geschichte. Da kommt es einzig und allein auf das Geschick und die Fakten an. D.h., was habe ich in die Waagschale zu werfen und wie kann ich mich verkaufen. Das Verhältnis dürfte bei ca. 60/40 % liegen, schätze ich mal. Das kann auch mal bei 20/80 % liegen. Das sind dann aber die, von denen man so schön behauptet, die seien die Leiter hoch gefallen. Soll's ja auch geben....