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Brief an Lowkick e.V. Berlin Neukölln

Verfasst: Sa 25. Jul 2020, 20:50
von Sonnenuhr
Hallo,
nachdem mir euer Verein von einer guten Bekannten empfohlen wurde, habe mich eben
eure Seite angeschaut mit der Intention, mich baldmöglichst mit mehreren
Freundinnen zusammen bei euch anzumelden.

Wir sind alle betroffen von männlicher Gewalt im Alltag, wir sind alle
aktivistisch tätig, v.a. gegen Genitalismus (Penis = Mann / Scheide = Frau -
Gesetze / Regeln / Propaganda) und mit vielen Theorien über Geschlecht,
Feminismus, Antisexismus und Anatomismus vertraut, haben auch selbst welche
entwickelt.

Als ich lesen musste " Als männlich lesbare Genitalien dürfen bei Lowkick nicht
sichtbar sein. Wir wissen, dass das keine gute Lösung für alle, auch nicht für
alle von sexistischer Diskriminierung betroffenen Menschen ist."
habe ich sofort entschieden, dass ihr keine Lösung sondern Teil des Problems
seid.

Ihr wisst selbst, dass ihr diskriminiert, dass ihr meine Schwestern und mich
innerhalb unserer Gruppe hierarchisieren würdet, dass ihr Menschen mit Vaginas
Privilegien gebt und den anderen Scham und ein doppeltes Stigma zwangsverordnet,
zusätzlich zu der 100fachen Diskriminierung, die sie dort draußen deswegen eh
schon erfahren, und da wir mit sowohl Mädels mit Muschis als auch mit von EUCH
als "männlich gelesenen" Genitalien vorbeigekommen wären (allein die Dominanz
EURER Sichtweise ist hierbei unerträglich, normativ und genau das, weswegen ihr
mal diesen Verein hier gegründet habt), wäre die Absurdität, dass u.a. die
operierten oder zwangsverstümmelten dann den anderen, die, weil sie sich OPs
nicht leisten können oder einfach ihren Körper mögen wie er immer war (was eh
emanzipatorische Qualitäten hat), dafür von euch sonderbehandelt und
sanktioniert würden den anderen gegenüber, nicht nur unerträglich sondern auch
noch Gift für unsere aktivistiesche Gruppe.

Wir werden uns von daher jetzt lieber nach irgendeiner, meinetwegen auch
männlich dominierten oder toxisch männlichen Kampfgruppe anschließen und uns
wünschen, dass es in Zukunft antigenitalistische und wirklich gegen
Diskriminierung agierende Kampfgruppen geben wird, Gruppen, die für Frauen statt
für Vaginistinnen Sport anbieten, und finden die Erfahrung dieses "Doch nicht so
Willkommen geheißen werdens" mal wieder exemplarisch, um den Schluss ziehen zu
können, dass Antigenitalistinnen und Feministinnen getrennte Wege gehen müssen,
wahrscheinlich auch Feinde sind, weil Feminismus eigentlich tief mit dem
Vaginismus/Genitalismus verwurzelt bleiben will, den wir aus der Notwendigkeit,
zu überleben, zu wachsen und in Würde, nicht in Angst, (Körper-)Scham und
Ächtung unserer Existenzen, unser Ding zu machen, benennen und bekämpfen, wo
auch immer wir ihn vorfinden.

Gruß,

Zara Paz 696
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Antigenitalistische Offensive

Re: Brief an Lowkick e.V. Berlin Neukölln

Verfasst: So 26. Jul 2020, 07:19
von ExuserIn-2020-10-20
Ich denke erst mal die ganzen Geschäftbedingungen lesen und nicht nur die Hälfte,
die in dem Brief als Zitat hervorgehoben wird.

Frage wo kann man den ganzen Brief lesen, ohne jetzt Zara Paz 696 von dem Verein
"Antigenitalistische Offensive " irgendwie ausgraben zu müssen.

Wäre hilfreich um sich eine Meinung über Lowkick e.V. und den Verein "Antigenitalistische Offensive" zu bilden.

LG
Petra Sofie

Re: Brief an Lowkick e.V. Berlin Neukölln

Verfasst: So 26. Jul 2020, 14:06
von Marlene K.
https://www.lowkick-berlin.de/de/ueber-uns.html
Da es einerseits keine wirklich eindeutige, alle individuellen Ausdrucksmöglichkeiten von Frau-Sein umfassende Definition für "Frau" gibt, wir uns andererseits aber wie oben beschrieben von Männern abgrenzen, ist für uns Kommunikation in diesem Zusammenhang sehr wichtig. Das bedeutet dass wir im Fall von Unsicherheiten mit Menschen über ihre geschlechtliche Identität sprechen — wir wollen nachfragen können, weil Frauen vielfältig aussehen können und sollen. Beziehungsweise würden wir es zu schätzen wissen, wenn Frauen oder nicht männliche Transgender, die nicht sicher sind, ob Lowkick ein für sie geeigneter Raum ist, das Gespräch mit uns suchen. Es geht uns hier um ein gutes und rücksichtsvolles Miteinander, in dem wir Misstrauen und Unsicherheiten minimieren wollen.


Wir haben folgende Entscheidung getroffen: Als männlich lesbare Genitalien dürfen bei Lowkick nicht sichtbar sein. Wir wissen, dass das keine gute Lösung für alle, auch nicht für alle von sexistischer Diskriminierung betroffenen Menschen ist. Wir bitten dennoch um Respekt für diese Position.
Meinen Respekt haben die Frauen von Lowkick.

Re: Brief an Lowkick e.V. Berlin Neukölln

Verfasst: So 26. Jul 2020, 14:48
von Olivia
...übrigens und nur so nebenbei: es gab mal hier im Forum ein Mitglied mit dem Namen "ZaraPaz"...

Re: Brief an Lowkick e.V. Berlin Neukölln

Verfasst: So 26. Jul 2020, 14:52
von Lavendellöwin
*mal kopf schüttelnd aus der Pause kommt*

ich verstehe die Einstellung der Frauen von Lowkick ganz gut, denn ich möchte auch nicht beim Sport
mit Genitalien (egal welcher Ausprägung) konfrontiert werden-ich würde ganz
gern selbst entscheiden wann ich das überhaupt möchte.

Vor guten 20 Jahren war ich in einem Belegkrankenhaus, damals in einem
Jungszimmer. Mein Bettnachbar hatte eine Leistenthematik und wollte deshalb
nichts im Genitalbereich tragen. Das verstand ich auch...
Er hatte aber die Angewohnheit so aufzustehen, das er im Gang zwischen unseren
Betten ausstieg.
Da mich das gestört hat, habe ich ihm gesagt er soll doch bitte auf die andere
Seite raus und so das ich nicht seinen Penis sehen muss.
Ist doch mein gutes Recht, oder?

Alles Liebe Marie (flo)

Re: Brief an Lowkick e.V. Berlin Neukölln

Verfasst: So 26. Jul 2020, 14:56
von Anne-Mette
Olivia hat geschrieben: So 26. Jul 2020, 14:48 ...übrigens und nur so nebenbei: es gab mal hier im Forum ein Mitglied mit dem Namen "ZaraPaz"...
... mit einem ganz ähnlichen Auftreten )))(:

Re: Brief an Lowkick e.V. Berlin Neukölln

Verfasst: So 26. Jul 2020, 15:11
von Mirjam
Ich frage mich mal wieder, was denn der Sinn hinter solchen Maximalforderungen (ich nenne es jetzt einfach mal so) ist oder sein soll. Ich muss doch nicht mehr oder weniger nackig da beim Training rumlaufen, oder? Mal ganz abgesehen davon, dass ich selber das schon nicht möchte, fände ich es auch einfach unsensibel. Da sind bestimmt einige Frauen dabei, die eben schon männliche Gewalt erfahren haben. Sollen wir ihnen dann sowas zumuten? Sorry, ich finde das schon sehr Ich-zentriert ...

Vielleicht wäre es ja besser anzuerkennen, dass hier ganz ausdrücklich auch von Trans- und Inter-Personen die Rede ist und diese auch ausdrücklich dabei sein dürfen? Mal das Positive sehen? Ich finde, das ist gerade hier nicht so wirklich wenig.

Mirjam