Liebe Lea,
in deinem eigenen Interesse bitte ich dich darüber nachzudenken, ob es Sinn machen würde, wenn
du dir von jemand sagen lässt das du trans bist.
Das ist nicht gut, weil "trans sein" eine Selbsterkenntnis ist. Meinetwegen kann eine Fachperson dann
sagen, ja, das ist auch stimmig für mein Gefühl, aber nicht wirklich mehr.
Ich geb dir ein Beispiel aus einem anderen Bereich der Medizin.
Letztes Jahr hatte ich einen doppelten Bandscheibenvorfall auf L4/L5, bei einem der beiden hat
auch der Nucleus seinen Platz komplett verlassen. Also war ich beim MRT um Bilder machen zu lassen.
Als ich nach der Röhre bei dem Arzt im Zimmer stand, hat er mich erst einmal völlig ungläubig angeschaut
und dann gesagt "wenn ich nur das Bildmaterial bewerten würde, dürfte die Person nicht laufen können."
So, ich war da aber auf meinen eigenen Beinen reingewackelt. Dann sagt er "Ihnen tut das rechte Bein weh"
und ich darauf hin "nein, das linke".
Er hatte also ein Bild im Kopf, was nicht der (meiner) Wirklichkeit entsprach. Das Bild hat er sich erzeugt.
Und deswegen kann jeder Mensch sich nur sein eigenes Bild erzeugen.
Lea92 hat geschrieben: Di 7. Jul 2020, 19:33
Ja, Transsexualität ist per Definition keine Krankheit mehr und das ist auch richtig so. Aber nur, weil es keine Krankheit mehr ist, kann es ein Psychologe plötzlich nicht mehr erkennen?
Es war nie und niemals eine Krankheit-sondern nur dort einsortiert. Wie ich oben schon anmerkte
kann ein Psychologe, Psychotherapeut oder Psychiater zu "trans sein" sagen, ja, das entspricht auch
meinem Gefühl was sie mir sagen, aber erkennen in dem Wortsinn, nein, das kann nur die Person selbst.
Die Therapiepersonen sind, sagte ich schon, zum begleiten da, zum Wege aufzeigen, zum Tipps geben,
aber nicht um zu sagen "ja, ich habe erkannt sie sind trans". Das wäre eine Diagnose und das kann
keine Person ausser man selbst.
Hätte ich nicht meiner Begleitthera gesagt "ich bin eine Frau" hätte ich bis heute keine Indikation für die HRT
bekommen, denn, sie hätte sich nicht den Schuh angezogen zu sagen "sie sind eine Frau".
Was wenn sie damit falsch liegt? Was wenn sie dann den falschen Weg bereitet?
Nein, die Verantwortung liegt bei dir selber...
inzwischen sind es fast 2 Jahre die ich offiziell in der HRT bin und ICH hätte es nicht richtiger machen können.
Also....Selbsterkenntnis führt zu eigener Verantwortung.
Lea92 hat geschrieben: Di 7. Jul 2020, 19:33
Transsexualität manifestiert sich doch vor allem im Kopf
ja. stimmt-und weil es dein Kopf ist, ist es auch an dir zu sagen es ist so und so...
ich kenne Leute mit schweren Angststörungen, das bekommt man auf den einen oder anderen Blick nicht
mit. Sondern erst wenn sie sich mitteilen...was macht ein guter Therapeut? Nicht sagen tun sie das und das,
sondern Wege aufzeigen die die Ängste möglicherweise lindern und optimaler Weise auflösen.
Ich habe eine gute Freundin die Kinder und Jugendpsychologin ist und auch Transkinder betreut und wir reden
recht oft über das Thema. Und sie entscheidet auch nicht ist trans oder nicht, sondern gibt Hilfestellungen
für Eltern und natürlich für die Kids...
Jaddy hat geschrieben: Di 7. Jul 2020, 23:40
Was hingegen abgetestet wird sind Indizien für das Inkongruenzgefühl und mögliche Co-Morbiditäten. Sprich: Es kann nicht festgestellt werden, ob oder warum 1 trans ist, sondern allerhöchstens, ob 1 aufgrund unzureichenden Durchblicks auf eine unzutreffende Lösung - trans - gekommen ist. Das ist ein himmelweiter Unterschied!
Und eine andere problematische Ansicht möchte ich auch mal ansprechen. Psychische Erkrankungen bei trans Personen werden häufig nicht _durch_ trans sein ausgelöst, sondern weil 1 nicht trans leben darf. Und der Gipfel der Perfidie ist dann, Transition zu versagen, weil zuerst diese durch die Umwelt erzeugten Belastungen geheilt werden müssen. Passiert auch immer noch.
Danke Jaddy,
das war gut geschrieben-so ist es...
an der Stelle poste ich nochmal einen Link den ich schon mal irgendwo hier gepostet hatte.
Ich finde Charlie erklärt das ganz treffend...
Alles Liebe Marie
