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Konzepte für enby„inklusive Repräsentation in Gremien?
Verfasst: Mi 24. Jun 2020, 12:50
von Jaddy
Moin zusammen

ich habe eine Frage zugespielt bekommen, für die ich mich nicht kompetent fühle:
Konzepte zur nibi-inklusiven Besetzung von Gremien, etc. In diesem Fall ein Betrieb. (Anm: in wie weit andere Gruppen repräsentiert werden, weiss ich nicht. Es geht in diesem Fall speziell um die Genderfrage)
Kannst Du mir evtl. einen Link auf Informationen liefern, wie man am Besten die Problematik der klassischen "Geschlechts-Quoten" (z.B. in Gremien) vor dem Hintergrund eines non-binary-Geschlechterkonzepts angehen kann?
Wir arbeiten gerade an einer Überarbeitung unseres Modells und da stand bislang, dass eine 50:50-Verteilung der Geschlechter anzustreben ist... Nun überlegen wir, wie man das anders formulieren kann. Eine erste einfache Änderung ist, schon mal einfach den Verweis auf "50:50" rauszunehmen und einfach auf eine ausgeglichene Geschlechterrepräsentation abzuzielen. Das löst aber aus meiner Sicht nicht die grundlegende Problematik, wie man eigentlich sowas wie eine non-binary repräsentative Besetzung von Gremien wie Betriebsrat oder Mitarbeitervertretung eigentlich angehen sollte.
Weiss da wer was? Gibt es da schon Ideen?
Re: Konzepte für enby„inklusive Repräsentation in Gremien?
Verfasst: Mi 24. Jun 2020, 13:19
von Ulrike-Marisa
Moin,
...solche 50:50 Quoten zur Repräsentation von Geschlechtern halte ich für eine Sichtweise von gestern. Wir haben uns doch gerade auf den Weg gemacht, diese binäre Geschlechtersicht abzulegen. Was spricht dagegen, ein Gremium einfach mit kompetenten Menschen zu besetzen. Dass nicht alle Menschen in einem Gremium sitzen wollen, ist eine ganz andere Fragestellung und hier zweitrangig. In einem Gremium möchte ich doch nur mitarbeiten, wenn ich an der Aufgabe und Arbeit des Gremiums Interesse habe. Von Quotenmitgliedern Männer/Frauen in Gremien halte ich persönlich gar nichts. Der Mensch sollte zur Erfüllung der Aufgaben im Vordergrund stehen und nicht seine irgendwie ausgerichtete Geschlechterzuordnung oder Bekenntnis oder Lebensweise. Zu unterschiedlich sind die Interessen der Menschen und Bedürfnisse, sich zu engagieren oder Macht in Gremien auszuüben. Dass in den Vorstandsetagen von Firmen und Konzernen z.B. Frauen nicht so oft vertreten sind, liegt nicht an deren fehlender Kompetenz, sondern der Tatsache, dass die gesellschaftliche Entwicklung noch nicht so weit fortgeschritten ist, wirkliche Gleichberechtigung der Menschen zu leben und zum Vorteil der Aufgabe zu nutzen. Da lebt in den Köpfen scheinbar immer noch der alte Gorilla mit dem Faustkeil in der Hand... Das wird sich aber nur ganz langsam ändern...
Das ist keine absolute Lösung der Fragestellung, aber meine ganz persönliche Sichtweise dazu.
Grüße, Ulrike-Marisa
Re: Konzepte für enby„inklusive Repräsentation in Gremien?
Verfasst: Mi 24. Jun 2020, 13:41
von Jaddy
Sehe ich generell ähnlich, Ulrike-Marisa, aber!
Erstens wollen sie ja von den 50:50 weg, um auch nicht-binäre Menschen besser zu repräsentieren.
Zweitens sorgen vielfältiger besetzte Gremien von Haus aus eher dafür, mehr als die konventionellen Mehrheits-Sichtweisen zu berücksichtigen. D.h. allein die Chancen steigen, dass mehr marginalisierte Gruppen bedacht werden - statt dass andauernd im Nachhinein auf mangelnde Berücksichtigung hingewiesen werden muss.
Drittens sind Betriebsräte etc. keine Raketenwissenschaft, die nur von absolut topqualifizierten Personen erledigt werden könnte.
In der Abwägung zwischen - annähernd ähnlicher - Qualifikation und Diversifikation könnte also das Gesamtergebnis durchaus besser werden, selbst wenn nicht in jedem Fall dey beste Bewerbx eine Position bekommt.
Re: Konzepte für enby„inklusive Repräsentation in Gremien?
Verfasst: Mi 24. Jun 2020, 13:55
von Ulrike-Marisa
Hallo,
...dass sie von der Quote 50:50 weg wollen, das habe ich schon im Auge gehabt, aber eine griffige Formulierung habe ich leider auch nicht für diese Zwecke.
Muss es denn unbedingt eine bestimmte Regelung sein? Die Genderfrage ist doch eher eine persönliche. Ich fühle mich als Frau (Transfrau in diesem Falle, was höchstens den rechtlichen Aspekt beinhaltet mit oder ohne richterliche Namensänderung aber mit dgti-Ausweis) und bin als Frau zur Wahl angetreten und gewählt worden z.B. im PR und im Bundes-Sozialwerksgremium. Wenn ich jetzt mich noch als lesbisch bezeichne, dann geht das bestenfalls niemanden außer meine Partnerin was an oder ich will es aus anderen Gründen öffentlich machen. Also ich sehe da keine unbedingte Notwendigkeit Genderfragen bei der Wahl zu Gremien exakt zu regeln. Das Engagement des zur Wahl stehenden Menschen ist doch eigentlich der ausschlaggebende Grund für eine Wahl desselben in ein Gremium.
Grüße, Ulrike-Marisa

Re: Konzepte für enby„inklusive Repräsentation in Gremien?
Verfasst: Mi 24. Jun 2020, 14:18
von MiriamR
Hallo zusammen....
Ich stimme Ulrike-Marisa zu. Der Beste soll den Job machen, zu dem er sich berufen fühlt.
Ausserdem sehe ich da folgendes Problem. Wenn Du jemanden aus einer Minderheit in einem Gremium repräsentieren willst, reicht einer aus jener Gruppe nicht aus.
Da kommt es dann schnelle zu der Geschichte mit dem "Quoten-Schwulen" oder dem "Quoten-Behinderten".
Von daher müsste die Verteilung oder Repräsentation der einzelnen Gruppen eine völlig andere sein.
Und da liegt dann auch die Krux, wenn man das alles auf das "Gendergerechte" reduziert.
Denn nicht jeder, der einer Minderheit angehört, macht das am Geschlecht bzw. "Gender" fest.
Ein mancher sieht sich in erster Linie, als z.b. behindert und dann erst als Mann/Frau oder nonbinär oder Trans.
Und da es sich ja meist um demokratisch funktionierende Gremien handelt (in dem Fall wohl ein BR) müsste man von allen Gruppen, die im Betrieb zu Vertreten sind, die gleich Anzahl in den BR Wählen.
Um allen Gruppen die Möglichkeit der Einflussnahme sicher zu stellen.
Das das in den meisten Betrieben schwerlich möglich sein wird, leuchtet glaube ich ein.
Ich glaube man sollte einfach alle Menschen im Betrieb einladen, an der Arbeit im Gremium X teilzunehmen.
Und dann bleibt einem nix anderes zu tun, als abzuwarten wie es ausgeht.
Redet doch einfach von und mit Menschen. Das herunterbrechen auf "Gender", oder die Betonung darauf, öffnet wieder Schubladen aus denen wir eigentlich herausklettern wollen.
Auch wenn es dann andere Schubladen sind.
weiblichste Grüße
Miriam
Re: Konzepte für enby„inklusive Repräsentation in Gremien?
Verfasst: Mi 24. Jun 2020, 20:24
von ExuserIn-2020-11-14
Hallo Forum, Hallo Jaddy,
da kratze ich mich gerade heftig am Kopf. Ich habe in diesem Forum zum ersten Mal von nicht binär oder Enby gelesen (und frage mich, ob es mich selbst vielleicht auch betreffen könnte). Wie soll dann dieses Thema bei einem eher konservativ geprägten Betriebsrat ankommen? Da dürfte oft schon die Frauenquote ein schwieriges Thema sein.
Irgend etwas zum Thema beitragen kann ich jetzt nicht, außer ganz ehrlich viel Erfolg zu wünschen.
Gruß Erika